Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

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FritzMama
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Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon FritzMama » 09.09.2019, 17:10

Hallo liebes Forum,

vielleicht fällt ja jemand noch der eine oder andere Tipp ein??

Junior hat eine dyskinetische CP, weshalb er leider recht viele ihn behindernde Reflexe hat.

Am schlimmsten finde ich gerade noch den ATNR: der ist komischerweise in Bauchlage und im 4-Füßler quasi weg (ich seh ihn nicht mehr - jemand professionelles vlt schon??)! Auch in Rückenlage klappt das Greifen inzwischen deutlich besser. Allerdings ist es ein riesen Problem, im Sitzen (Stühlchen) was zu Greifen und dann an den Mund zu führen - das klappt absolut gar nicht und führt zu großer Frustration (was das Ganze noch verschlimmert).

Ich weiß, dass Krabbeln helfen soll - wir haben und auch inzwischen eine Krabbelhilfe besorgt (den Krabat), das ist ein klasse Teil! Aber dieses alternierende ist extrem schwer für ihn, mehr als so ca 2-3- "Züge" klappen nicht. Insgesamt krabbelt er ohne Hilfsmittel (von mir an den Schultern gegengehalten, sonst hat er hinten zu viel Schub) vorne alternierend, hinten eher "hüpfend", wobei er schon alternierend probiert, dann kommt aber meistens der STNR durch
Padovan haben wir in Baiersbronn ausprobiert, das war glaube ich ganz klasse dafür.
Insgesamt wäre glaube ich eine Art "Laufband für 4-Füßler", also etwas, das ihn alternierend hier durchbewegt, und er sich noch halten müsste ganz gut. Gibt es sowas??

Also ATNR, STNR - hat jemand vlt noch eine Idee??
05/17 dyskinetische ICP durch peripartale Asphyxie, kognitiv ein normaler Zweijähriger :D

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Katja_S
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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon Katja_S » 09.09.2019, 18:16

Hallo Fritzmama
FritzMama hat geschrieben:Aber dieses alternierende ist extrem schwer für ihn, mehr als so ca 2-3- "Züge" klappen nicht. Insgesamt krabbelt er ohne Hilfsmittel (von mir an den Schultern gegengehalten, sonst hat er hinten zu viel Schub) vorne alternierend, hinten eher "hüpfend",

so ist mein Sohn früher auch gekrabbelt (ob jetzt wegen dem Reflex oder aus sonst einem Grund, weiß ich nicht). Sah ein bisschen aus wie "Häschenhüpfen". Wir fahren ja (auch?) regelmäßig nach Baiersbronn und machen auch zu Hause 4-5 x die Woche die Padovan-Übungen. Bei uns war es dann so, das mit der Zeit das alternieremde Krabbeln immer mehr "automatisiert" wurde. Während er zunächst nur beim Padovan-Turnen alternierend gekrabbelt ist (teilweise, indem ich ihm die Beine geführt habe (habe ich auch ansonsten immer zwischendurch mal gemacht)) und dann immer öfter auch beim selbstständigen Krabbeln, krabbelt er jetzt seit ein paar Jahren eigentlich von alleine immer sowohl mit den Händen als auch den Beinen alternierend (seit 1 1/2 Jahren jetzt auch im Bärengang).
Vielleicht hilft es euch ja auch, mit dem Padovan-Turnen weiter zu machen (falls ihr das nicht eh schon macht)? Ansonsten kann ich dir leider keine Hilfsmittel nennen :( , ich habe immer nur Aber vielleicht haben ja andere mehr Ideen :D.
Viele Grüße
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

FritzMama
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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon FritzMama » 10.09.2019, 14:06

Hi Katja,

Padovan ist wirklich ganz toll, mein Problem ist nur, dass ich Junior langsam nicht mehr so gut halten kann.... Er wird langsam so ein 'laufender Meter' ;-) - und nachdem er ziemlich Schwung hat, wird's echt kompliziert. - seine Physios tun sich auch langsam richtig schwer, daher wäre ich echt happy für Ideen...

Er WILL eben UNBEDINGT vorwärts oder eben selber essen und wenn's dann nicht gleich klappt, wird er sauer. 2 Jahre eben :-)

Ich hab jetzt mal im Internet noch zwei Links rausgesucht zum Abbau des STNR und ATNR. V.a. beim ATNR sind das quasi die Padovan-Übungen. Wir haben die zwar so 5x/Woche gemacht, aber ich glaube wir sollten es nocheinmal bewusster durchführen, meistens dreht Fritzi nämlich nicht den Kopf in die passende Richtung und ich lasse es ihm durchgehen.. :? , Aber vlt ist das nochmal der Knackpunkt?
Puh - es ist echt schwierig!

Liebe Grüße
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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon sabine g » 10.09.2019, 21:21

Hallo FritzMama!

Könntest du bitte bitte so lieb sein, und die PadovanÜbungen zur Reflexhemmung dieser beiden Reflexe netterweise mal hier oder als PN genau beschreiben? Ich finde, man kommt wirklich schwer an die exakte Übungsausführung dran und wir beobachten hier sowohl im Voltigierunterricht als auch in der Reittherapie extrem viele Kinder, die deutlich älter sind als dein Kleiner, und die mit diesen persistierenden Reflexen unglaubliche Bewegungsprobleme aufweisen. Von den daraus folgenden Konzentrationsproblemen mal ganz zu schweigen....Wenn wir denen entweder hier bei mir im Training am Boden oder auch als Elternberatung gescheit weiterhelfen könnten, wäre ich echt mega froh.

Liebe Grüße
Sabine

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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon elke_w » 11.09.2019, 18:42

Hallo,
wir sind seinerzeit gegen die persistierenden Reflexe mit der INPP-Methode vorgegangen. Also Therapeuten gesucht, Übung unter Anleitung gelernt und zuhause täglich geturnt - hat prima funktioniert! Unsere Erfahrungen sind zwischenzeitlich schon knapp 15 Jahre alt, daher kann ich keine aktuellen Empfehlungen geben.
Liebe Grüße und viel Erfolg, Elke
3 Kinder, M 1999, J 2002, J 2006, Jüngster mit PTen-Hamartom-Tumorsyndrom, multiplen Lipomen, Kachexie, Minderwuchs.

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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon NinaMarie » 12.09.2019, 02:24

Hallo FritzMama,
mein Zwerg hat auch eine dyskinetische CP. Das greifen in sitzender Position klappt deutlich besser mit Gewichtsmanschetten an beiden Armen. Zur Zeit benutzen wir 400g je Arm.

Wir haben alternierende Bewegungen mit dem Giger MD eingeübt. Ansonsten könnt ihr einen Castillo Morales Therapeuten (Ergo/Logo/Physio) an den diagonalen Ketten arbeiten lassen.

Wir hatten auch wahnsinnige Probleme mit alternierenden Bewegungen. Mittlerweile funktioniert das aber ganz gut:)
Gekrabbelt wird hier bis heute nicht, warum auch, mit Häschen-Hüpf-Technik kommt man prima vorwärts;) Die Kinder suchen sich den einfachsten Weg um vorwärts zu kommen und die meiste Stabilität bietet in unserem Fall die HHT:)

Zwergi kann seit ca. 1 Jahr mit Unterstützung einige Meter laufen (mit dem Rücken an mich gelehnt).

Viele Grüße

Nina

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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon MarinaH » 12.09.2019, 12:06

Hallo!

Nur mal zum Verständnis: Die frühkindlichen Reflexe sind automatische Bewegungsmuster, die abgebaut werden, sobald eine differenzierte Bewegung möglich wird. Daher treten sie auch typischerweise zu bestimmten Zeitpunkten auf. Bei einer ICP persistieren sie länger, weil das neue Bewegungsmuster fehlt. Für die dyskinetischen Formen ist das typisch, denn hier stimmt die "Feinabstimmung" der Bewegung nicht. Schwerbetroffene Patienten haben z.B. noch immer ganz deutlich den ATNR. Den Reflex abzubauen, ist bei diesen Kindern nicht möglich, man kann maximal hemmen. Manchmal ist das aber keine gute Idee, denn frühkindliche Reflexe haben einen Sinn. Sie dienen z.B. als Schutzreflex oder für die Haltungskontrolle.
Krabbeln gelingt vielen CP-Kindern nicht. Robben klappt häufiger, oder der "Häschen-Hüpf". Porutschen geht auch. Man sollte mal schauen, was das Kind hindert: ist es die Spastik? Oder ist die Feinsteuerung nicht gut? Fehlt vielleicht Kraft? Könnte ein Hilfsmittel helfen? (Habt ihr ja schon mit Erfolg gemacht). Geht vielleicht eine andere Art der Fortbewegung usw.
Ds Problem Greifen im Sitzen: Vielleicht hat er im Rumpf zuwenig Halt und muss darum die ganze Zeit ausbalancieren. Damit geht Greifen echt schwer! Oder er bekommt den Arm nicht gut hoch. Für beides hilft ein hoher Tisch (fast in Schulterhöhe). Außerdem eine gute Sitzversorgung. Auch im Stehständer ist so ein Tisch gut einsetzbar. Probiert mal aus, ihn auf dem Schoß gehalten am Tisch spielen zu lassen, ist das besser?

LG Marina
Kinderärztin im SPZ

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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon FritzMama » 12.09.2019, 19:28

Liebe Nina,

Vielen Dank für deine Antwort!! Sowas wie den Giger MD meine ich... Hm, leider scheint es das bei uns in der Nähe nicht zu geben, eine Praxis habe ich zwar in 80 km Entfernung entdeckt, aber die sind für Erwachsene... Aber das behalte ich auf jeden Fall im Auge, vlt tut sich da ja irgendwie was auf!

Bzgl der Gewichte an den Armen: das könnte ich mal versuchen, allerdings hatte Junior bereits extra angepasste Armschienungen, die ihm helfen sollten - das fand er mega doof. Sehr schade. Aber pure Gewichte vlt mal an den Pulli mit Klebestreifen? Wie macht ihr die fest? Bzw wie kann man sich das vorstellen?
Das mit den diagonalen Ketten müsstest du mir glaube ich auch erklären...

Liebe Grüße
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Re: Pathologische Reflexe V.a. ATNR... abbauen

Beitragvon FritzMama » 12.09.2019, 20:02

Liebe Marina,

nun, dann spezifizieren ich meine Anfrage mit 'pathologische Reflexe soweit wie möglich abbauen'

Insgesamt ist er sicherlich, seiner Diagnose entsprechend nicht 'normal' in seiner Stabilität und Rumpfkontrolle, wobei aber eben leider leider seine Reflexe eine seiner Hauptprobleme sind: Stehen klappt vom Prinzip fast alleine, er braucht nur eine Art Rückmeldung. Z.B. was zum Anlehnen (Couchtisch usw), je zwei Finger an den Schultern, oder an ausgestreckten Händen gehalten zu werden. Auch Laufen klappt tatsächlich so erstaunlich gut. Natürlich kein Marathon, aber durch einen Laden scheucht er einen so schon :-). Einen Gehwagen haben wir zwar, aber wie so alles was wir gut fänden, ist das leider gar nichts für Junior: er wird durch die Stütze konsekutiv instabil, obwohl wir ganz viel umgebaut haben. Liegt aus meiner Sicht daran, dass er sich nicht mehr so austarieren muss...
Stehständer fällt aus o.g. Gründen aus, er steht eben mit uns als 'Notfallhalter' am Tisch - da klappt Greifen mit viel Dyskinesie aber eben ohne den ATNR (vlt erkennt ein Experte noch Reste) verhältnismäßig gut!
Sitzmäßig haben wir auch nach Vogtareuth quasi alles durch - geblieben ist ein relativ normaler Stuhl von 'Kreativ in Holz' und sein Ikea-Hochstuhl aus Plastik. Einen speziellen Rehabuggy (auch mit angepasstem Tisch) mussten wir zurückgeben, je mehr er um sich hat, desto unglücklicher wird er (d.h. er stemmt sich tatsächlich ganz bewusst gegen - wütender 2-jähriger. Oder hängt sich so unglaublich unmotiviert rein, dass auch gar nichts geht). Einen Rolli dürfen wir jetzt bald von 4ma3ma abholen, der ist auch ganz minimalistisch!

Tatsächlich ist es recht egal, worauf er sitzt, auch wenn es mein Schoß ist... Klar, manchmal kann er es besser unterdrücken, aber insgesamt ist es fast immer das selbe Muster: zum Greifen kippt der Oberkörper, die Gegenhand geht nach hinten (inzwischen nicht mehr nach oben). Mundführung ist sehr erschwert, kann mit viel Konzentration so semi durchgeführt werden. Bei Agitation - naja.

Eine Spastik hat er nicht, medikamentös haben wir auch schon gerade was ausprobiert (hat die Reflexe schlimmer gemacht, und den Tonus schlechter). Und Feinmotorik - puh.

Insgesamt ist er 'oben' einfach deutlich schlechter als 'unten'

Liebe Grüße
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