Sprachprobleme

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Christianehgf
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Sprachprobleme

Beitragvon Christianehgf » 22.08.2019, 08:59

Hallo miteinander!
Ich habe einige Fragen, vielleicht kennt sich hier jemand aus und kann mir weiterhelfen.

Meine Tochter (5,6 Jahre alt) hat neben diversen Baustellen Probleme mit der Sprache.

Die Logopädin,bei der wir aktuell pausieren und im Winter wieder einsteigen und auch die Logopädin vom SPZ sehen die Sprache meiner Tochter noch als altersgerecht an.

Im Vergleich mit anderen Kindern sehr ich das echt anders.

Mittlerweile,durch viel Übung ,hat sie nur noch mit dem "S" Probleme.
Sie hat die Verdachtsdiagnose ADHS und da sie unglaublich hyperaktiv ist,verschluckt sie oft Buchstaben ,Satzendungen,polterte.
Was ich aber noch nicht mal so dramatisch finde,wenn ich sie bitte,nochmal langsam zu wiederholen,versteht man den Satz.
Aber -
irgendwie fehlen ihr so oft die Worte,von denen ich denke,dass sie sie wissen müsste.
Beispiel :
Ich hole einen halbtoten Fisch aus dem Aquarium.
Statt zu fragen"Lebt der noch ?" fragt sie "ist der schon echt?"
Ich könnte noch viele dieser Beispiele nennen,sie kann sich mmn.
sprachlich einfach kaum ausdrücken.
Das fällt mir auch bei der Grammatik auf.
Und sie vermeidet es ,Dinge zu erzählen,nachzuerzählen.
Fragt man sie,was hast du heute gemacht,kommt "Weiß ich nicht" oder einzelne Wörter, merkwürdig zusammengeschusterte Sätze,sie kann nicht flüssig ein kleines Ereignis,das sie erlebt hat,nacherzählen.
Mit Mühe und Not und mit vielen Fragen (wo war das denn,wer war dabei,fandest du das gut ) erfährt man irgendwann ,worum es ging.
Geplant ist,dass sie nächstes Jahr auf eine spezielle Sprachschule geht(Vorklasse mit 8-12 Kindern),ich hoffe,wir werden dort angenommen.
Vielleicht kommt das jemandem bekannt vor,
vielleicht weiß jemand,wie dieses Störungsbild heißt.
Ich würde sie so gern unterstützen,bzw. eine Logopädin finden,die spezielle Übungen dafür macht.
Ich bemerke in letzter Zeit auch,dass sie sich dessen bewusst ist,sie fragt,warum kann ich nicht so gut reden wie XY.....
Viele Grüße Christiane

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 22.08.2019, 09:20

Hallo Christiane,

guck mal hier: https://www.dbl-ev.de/logopaedie/stoeru ... ngen.html/
Ich finde es ein bisschen eigenartig, dass einerseits die Problematik recht klar scheint, eine Sprachschule anvisiert ist, und das Kind sein Sprechen ja selber als defizitär erlebt, andererseits Eure zwei Logopädinnen sagen, das sei im Rahmen. Und sogar pausieren. Vielleicht sind die einfach mehr auf Mundmotorik usw spezialisiert. Vielleicht einfach mal eine andere Logopädie suchen. Eine besonders gute, die auch die Pragmatik auf dem Schirm hat.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Jakob05
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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Jakob05 » 22.08.2019, 09:29

Hallo Christiane,
meinst du vielleicht Dysgrammatismus ? Mein Grosser ist davon bis heute stark betroffen. Uns wurde es auch als mentale Repräsentationsstörung / cerebrale Integrationsstörung beschrieben.
Auch mein Sohn hat früher viele "absurde" Worte erfunden, weil ihm die gängigen nie präsent waren, z.B. die Kirche glockt, statt die Glocken läuten.
Auch ihm fällt das Erzählen von Reihenfolgen schwer. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er die Reihenfolgen von Abläufen schon beim Erleben nicht erkennt und abspeichert oder ob er sie nur im Nachhinein nicht wiederfindet. Er kann auch nicht wirklich filtern und seine Erzählungen auf relevante Bausteine begrenzen. Im KiGa-Alter konnte er zwar alle Buchstaben lesen, aber ein Bild nicht sicher, einem Wort oder der Realität zuordnen.
Wie du schon selbst sagst, spüren die Kinder dieses Problem recht schnell und da finde ich, das wichtigste, dem Kind trotz allem Erfolgserlebnisse zu verschaffen.
Ich frage ihn kaum noch aus, was, wann wo passiert ist, da der Informationsgehalt ohnehin sehr gering ist und er sich nur quält.

Viel öfter sprechen wir über Dinge, die ich selbst miterlebt habe, sodass ich beim Strukturieren unauffällig helfen kann, z.B. erzählt er seinem Opa oder Bruder etwas und ich streue Erinnerungsschnipsel ein. So erlebt er wenigstens, dass er es schafft auch Dritten etwas zusammenhängendes zu erzählen.
Gut tut ihm auch, wenn wir z.B. für einen Zoobesuch direkt einen Zooführer mitnehmen und die Bilder und Texte live vor Ort mit der Realität abgleichen. So kann er sich dann bei Durchblättern des Führers zuhause gut erinnern.
Im Urlaub "schreiben", malen und kleben wir schon immer ein Tagebuch zusammen und er darf sich Postkarten von live Gesehenem aussuchen (und dabei unauffällig Abstraktion üben). Faszinierend wie schwierig es sein kann, ein Postkarte einer Kirche zu finden, die man gerade eben live gesehen hat und von der Dutzende am Ständer verfügbar sind.
Mit den Jahren hat er gelernt mit diesem Problem besser umzugehen. Er hat gebräuchliche Sachverhalte einfach abgespeichert, auch wenn er sie selbst nicht herstellen kann. Vielen fällt sein Problem überhaupt nicht auf, aber welche Kraft diese Kompensation kostet, merkt man in ungewohnten, stressigen Situationen und wenn man ihn besser kennt.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

Anna-Nina
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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Anna-Nina » 22.08.2019, 09:35

Hallo Christiane,

mir kommt das sehr bekannt vor. Meinte Tochter ist sprachlich auch nicht richtig fit.

Ich würde in eurem Fall, wenn noch nicht geschehen, auch nach körperlichen Ursachen suchen. In unserem Fall ist eine Epilepsie die sich genau dort abspielt wo das Sprachzentrum im Gehirn liegt dafür verantwortilich.

Auch zeigt meine Tochter dadurch AD(H)S- Symptome. Wir haben die Epilepsie erst mit 6 Jahren endeckt, da unserere Tochter nur fokale Anfälle hat und keine Gran Mal. D.h. wir erkannten das einfach nicht.

Falls ihr noch kein EEG geschrieben habt, würde ich das erstmal tun.

LG
Anna

Angela77
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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Angela77 » 22.08.2019, 09:44

Hallo Cordula,
faszinierend, was du das schreibst :wink:
Bene könnte z.B. blitzartig den geschriebenen Satz "Die Biene fliegt" aus einer Fülle von Sätzen heraussuchen.
Gibst du ihm eine vergleichbare Fülle an Bilder, wäre das viel schwieriger und nicht zwangsläufig richtig (je nachdem wie detailliert das Bild ist).
Bene kann korrekte Antworten in langen Texten zeigen und dann wortweise abtippen. Soll er aber einer Zeichung einzelne Begriffe zuordnen klappt es nicht. In einem Lückentext hingegen, wo es um Sprachlogik geht, ist das Einsetzen der Begriffe kein Problem ... Er kann geschriebene Sätze in die richtige Reihefolge legen, entsprechende Bildkarten nicht unbedingt .... Zum Glück habe ich das schnell erkannt, denn normalerweise gehen Sonderpädagogen eher davon aus, dass sich nicht sprechenden Kids mit Bildern leichter tun als mit Schriftsprache ... Bene kann auch unter vorgegebenen Grammatikformen perfekt auswählen, aber kaum einen Satz grammatisch krorekt selbst bilden, es sei denn er ist bereits automatisiert abgespeichert. Hast du noch mehr Info zu dieser "Spezualstörung" deines Sohnes? Allerdings hat er die pefekte räumliche Orientierung und speichtert auch ab, wo er Alltagsgegenstände zuletzt gesehen hat, selbst wenn die an ungewöhnlichen Plätzen liegen.
LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Jakob05
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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Jakob05 » 22.08.2019, 10:25

Mit Grammatik hat mein Grosser wenig im Sinn, weder passiv noch aktiv. Bindeworte wie "vielleicht, deshalb, danach, sogar,..." existieren für ihn gar nicht. Seine Sätze bestehen sowohl beim Sprechen als auch beim Hören hauptsächlich aus Substantiven und Verben. Adjektive sind "cool" (für stark, gut, interessant,..) oder "harmlos" (für langweilig, leise, schwach,..). Aber sein Speicher an Standards in Sprache und Gesten ist mittlerweile so riesig, dass er gerade im Smalltalkbereich oft besser durchkommt als ich.
Die Irrungen und Wirrungen im menschlichen Hirn finde ich auch immer sehr faszinierend. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass man ein Problem damit haben kann ein Wort, ein Bild und die Realität z.B. eines Baumes in Zusammenhang zu bringen, wie schwer es sein kann, sich unter dem Wort Zoo an Tiere zu erinnern und davon zu erzählen.

Anfangs musste ich wirklich zur Herleitung einer Erzählung mit dem morgendlichen Aufstehen beginnen und ihn Schritt-für-Schritt seinen Tag in Worten durchleben lassen, bis er von einem kleinen Ereignis erzählen konnte. Nach und nach haben sich in unserer Kommunikation scheinbar unbewusste Schlüsselworte gebildet, die ich heute noch nutzen kann, um ihm zu einer einigermaßen strukturierten Erzählung zu verhelfen.

Mein Sohn hat bewiesen, dass es möglich ist, auch für Sprache Routinen abzuspeichern, ohne sie zu verstehen, und so damit leben zu lernen und sogar Schule und Berufsausbildung zu absolvieren und zu arbeiten.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Angela77 » 22.08.2019, 11:15

Hallo Cornelia,
das ist ja noch was Faszinierender bei deinem Sohn als ich dachte :D Sprache korrekt anwenden ohne sie wirklich zu verstehen :D Voll "cool" :mrgreen:
Darf ich fragen, welche Art von Berufsausbildung gemacht hat?
Benes Sprachverständnis ist super, was aber vielleicht (!) daran liegt, dass ich von kleinauf nicht nur extrem viel vorgelesen haben, sondern quasi Satzstrukturen und Wörter ständig auch aktiv erklärt habe.
Also z.B. stand: Das Kaninchen ist braun. Es frisst Gras." Dann habe ich gelesen: Das Kaninchen ist braun. ES, also: DAS KANINCHEN, frisst Gras.
Oder es stand da: Tom sagte: Vielleicht gehe ich morgen ins Kino. Dann las und erklärte ich: Tom sagt: Vielleicht gehe ich morgen ins Kino. "Vielleicht" bedeutet hier: Tom GEHT morgen ins Kino ODER er geht morgen NICHT ins Kino.
Ich habe das eine Zeitlang so exzessiv :oops: gemacht, dass mir meine Tochter - sie war damals 4 und Bene 6, sie konnte lesen, Bene nicht - mal empört an den Kopf geworfen hat: "Kannst du nicht einmal EINEN EINZIGEN Satz so vorlesen, wie er da steht ohne tausend Erklärungen? Ich bin ja schließlich nicht doof und Bene auch nicht! Bene hat daraufhin schallend gelacht :oops: :oops: :oops:
Ich habe auch viel in Synonymen gesprochen, z.B. "Ich schnappe, also GREIFE, mir die Schlüssel."
Von außen muss das so ausgesehen haben, als hätte ICH eine hochspezielle Pragmatikstörung :lol: ...

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Angela77 » 22.08.2019, 11:20

Aktiv kommuniziert wird hier auf dem Talker quasi nur mit sinntragenden Elementen.
Bittet man ihn zum Bespiel einen Herrn Meyerhoff zu begrüßen würde er tippen: Hallo Meyerhoff. Das Herr gäbe es nur auf explizite Bitte ...
LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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Christianehgf
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Re:

Beitragvon Christianehgf » 22.08.2019, 12:55

Hallo Christiane,

guck mal hier: https://www.dbl-ev.de/logopaedie/stoeru ... ngen.html/
Ich finde es ein bisschen eigenartig, dass einerseits die Problematik recht klar scheint, eine Sprachschule anvisiert ist, und das Kind sein Sprechen ja selber als defizitär erlebt, andererseits Eure zwei Logopädinnen sagen, das sei im Rahmen. Und sogar pausieren. Vielleicht sind die einfach mehr auf Mundmotorik usw spezialisiert. Vielleicht einfach mal eine andere Logopädie suchen. Eine besonders gute, die auch die Pragmatik auf dem Schirm hat.

Grüße
Hallo Engrid und danke für deine Antwort.
Zu dem Thema Sprachschule ,es ist eine Schule mit zwei Schwerpunkten,sozial-emotional und Sprache.
M.bekommt seit Geburt Frühförderung und die Dame hat mir von dieser Schule erzählt.

Ich dachte gleich daran,dass diese Schule das Beste für M.wäre,eben wegen der Sprache und weil ich sie nicht in einer Klasse mit 30 Kindern sehr,da würde sie total hinten runter fallen.
Übungen jeglicher Art gehen nur bei 1zu 1-Betreuung und dabei dann immer wieder erklären,was man machen soll und immer wieder auf die Übung fokussieren.

Der Kinderarzt und das SPZ schreiben mir eine Empfehlung für diese Schule ,nach den Herbstferien gehe ich mit der FF-Dame dort vorsprechen.
Es ist also nie so gewesen,dass mir diese spezielle Schule von Fachpersonal nahegelegt wurde,es hieß immer,es verwächst sich noch.

Interessanterweise wird M. in den ersten 2 Kontakten mit jemandem immer als pfiffiges,freundliches,lebhaftes Mädchen gesehen(wobei sie echt super charming ist!).
Sie sucht sich gleich ihr Lieblingsthema (Hunde,Babys) und hat da einige tolle Sätze drauf,u.a.aus Filmen gelernt.
Würde man sie aber eben fragen,was hast du gestern gemacht,oder ne kurze Geschichte vorlesen ,die sie dann wiedergeben soll,könnte sie es eben nicht.
Also,vieles ist "einstudiert".Schwer zu erklären.
Ja,wenn ich wüsste,wie genau man diese Schwierigkeiten nennt,würde ich mir gern sofort eine Logopädin vom Fach suchen.
LG

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Christianehgf
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Re: Sprachprobleme

Beitragvon Christianehgf » 22.08.2019, 13:10

Hallo Christiane,
meinst du vielleicht Dysgrammatismus ? Mein Grosser ist davon bis heute stark betroffen. Uns wurde es auch als mentale Repräsentationsstörung / cerebrale Integrationsstörung beschrieben.
Auch mein Sohn hat früher viele "absurde" Worte erfunden, weil ihm die gängigen nie präsent waren, z.B. die Kirche glockt, statt die Glocken läuten.
Auch ihm fällt das Erzählen von Reihenfolgen schwer. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er die Reihenfolgen von Abläufen schon beim Erleben nicht erkennt und abspeichert oder ob er sie nur im Nachhinein nicht wiederfindet. Er kann auch nicht wirklich filtern und seine Erzählungen auf relevante Bausteine begrenzen. Im KiGa-Alter konnte er zwar alle Buchstaben lesen, aber ein Bild nicht sicher, einem Wort oder der Realität zuordnen.
Wie du schon selbst sagst, spüren die Kinder dieses Problem recht schnell und da finde ich, das wichtigste, dem Kind trotz allem Erfolgserlebnisse zu verschaffen.
Ich frage ihn kaum noch aus, was, wann wo passiert ist, da der Informationsgehalt ohnehin sehr gering ist und er sich nur quält.

Viel öfter sprechen wir über Dinge, die ich selbst miterlebt habe, sodass ich beim Strukturieren unauffällig helfen kann, z.B. erzählt er seinem Opa oder Bruder etwas und ich streue Erinnerungsschnipsel ein. So erlebt er wenigstens, dass er es schafft auch Dritten etwas zusammenhängendes zu erzählen.
Gut tut ihm auch, wenn wir z.B. für einen Zoobesuch direkt einen Zooführer mitnehmen und die Bilder und Texte live vor Ort mit der Realität abgleichen. So kann er sich dann bei Durchblättern des Führers zuhause gut erinnern.
Im Urlaub "schreiben", malen und kleben wir schon immer ein Tagebuch zusammen und er darf sich Postkarten von live Gesehenem aussuchen (und dabei unauffällig Abstraktion üben). Faszinierend wie schwierig es sein kann, ein Postkarte einer Kirche zu finden, die man gerade eben live gesehen hat und von der Dutzende am Ständer verfügbar sind.
Mit den Jahren hat er gelernt mit diesem Problem besser umzugehen. Er hat gebräuchliche Sachverhalte einfach abgespeichert, auch wenn er sie selbst nicht herstellen kann. Vielen fällt sein Problem überhaupt nicht auf, aber welche Kraft diese Kompensation kostet, merkt man in ungewohnten, stressigen Situationen und wenn man ihn besser kennt.
Hallo Cordula !
An Dysgrammatismus denke ich manchmal insofern,dass M. oft solche Sachen sagt wie "Wann gehen wir bei die Oma",also ,dass da auch was im argen liegt.
Aber eben nicht nur da.
M.fragt oft,was ist da? und zeigt auf etwas in der Ferne.
Wenn ich frage wo denn,was denn,kann sie mir nur antworten "da",anstatt "was hängt denn da oben im Baum",was oft echt mühsam ist.

Ich finde deine Idee klasse,in den Zoo einen Führer mitzunehmen,anhand diesem später besser erinnern zu können.
Muss dazu aber sagen,dass M.leider im Zoo kaum zu "bändigen" ist.
Eigentlich,egal,wo man hingeht.
Sie rennt getrieben umher,sagt dauernd gehen wir weiter und fragt eigentlich kaum etwas.
Bücher ,in dem Fall den Führer anzuschauen,ist echt anstrengend ,weil sie auch hier nicht auf etwas fokussiert,sie ist da sehr impulsiv,blättert dauernd weiter,unterbricht,will fertig werden .
Beispielsweise fragt sie am Tag auch so oft immer das Gleiche (morgens fragt sie,ob wir jetzt Abend hätten,was fressen Nilpferde...),oft völlig aus dem Zusammenhang und sie wartet Antworten auch nicht ab,unterbricht mit einem anderen Thema oder beschäftigt sich anderweitig.


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