Alles aus !! :-(

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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ninona
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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon ninona » 21.09.2019, 22:03

Hallo,

meine persönliche Meinung, Zuhause lassen.

Ohne verlässliche Strukturen kann er doch nur scheitern und verliert immer mehr.
An sicherem Boden, an Selbstvertrauen...

Ich schreibe das auch nicht aus dem Bauchgefühl, sondern aufgrund der selbst gemachten Erfahrungen ( als Mutter).

Was ich gelernt habe und was mir früher als völlig abstrus vorkam, frage ihn ob er zur Schule will. Was er sich zutraut, wie das Umfeld sein muss. Ein separater Raum, eine,zwei Stunden Anwesenheit, eine Sonnenbrille, Gehörschutz was weiß ich was...
Dieses ernst nehmen und nicht über die Grenzen des Kindes gehen, Platz für Bedürfnisse in dieser (Schul-) Welt zu haben, hat mein Kind unglaublich gestärkt heute den Schulalltag durchzustehen.
Klappt es mal nicht, liegt es nicht daran, dass das Kind nicht will, sondern nicht kann.

Wir haben eine wirklich schlimme Grundschulzeit hinter uns. Wirklich schlimm.
Ich (!) erhole mich immer noch davon.
Aber ich stehe inzwischen vollständig hinter meinem Kind.
Was soll bloß werden, wenn die Schule nicht klappt, habe ich immer gedacht, dann waren wir irgendwann kurz davor ( und vielleicht kommt es wieder), dass ein Schulbesuch fast unmöglich war.
Nie wieder zu diesem Preis!

Viele Grüße
Ninona

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SimoneD.
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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon SimoneD. » 21.09.2019, 22:10

Ich habe einfach Angst jetzt falsch zu reagieren. Vor allem weil ich beim Jugendamt jetzt vorsichtig sein muss.
Wenn ich ihn nicht schicke....wer weiß was sie mir dann vorwerfen können?!
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (9 Jahre) Asperger Autist

Rita2
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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon Rita2 » 21.09.2019, 22:19

Prinzipiell gefällt mir die Vorstellung schön ruhig im Norden zu wohnen....aber wovon sollen wir leben....?!

Am Montag versuchen wir die ersten beiden Stunden (Hauptunterricht) beim Klassenlehrer alleine. Es wird Muffins geben, da ein Mädchen am Wochenende Geburtstag hat.
Ich werde in der Nähe bleiben, falls etwas sein sollte....
Wäre es nicht eine Möglichkeit, daß du als Begleitung mitgehst? Dann kannst du schon eingreifen, bevor es zu spät ist.
Oder er geht nur die 2. Stunde. Ich denke mal, daß das Muffins-Essen nicht 2 Stunden dauern wird.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon ninona » 21.09.2019, 22:44

Die Formalien (Krankmeldung) sollte man in Anbetracht der Schulpflicht einhalten.
Das kann aber tatsächlich (bis zum Termin) ggf. auch über den Kinderarzt laufen. Es ist doch ohnehin kein/e verläßliche SchulbegleiterIn da. Schulpsychologen mit einschalten (wenn dort Kenntnisse über Ass vorliegen) wäre auch eine Option. Dein Sohn benötigt derzeit eine bedarfsgerechte Beschulung.

Im übrigen (meine Meinung) würde ich nie zu Müllsammelaktionen o.ä. gehen. Ich würde höchstens den Lieblingsunterricht besuchen und ggf. auch nur mit ihm in der Schulzeit 1-2 Stunden auf dem Pausenhof sitzen (um guten Willen zu demonstrieren und aus dem Nicht-Schulbesuch keine Gewohnheit zu machen).
Aber wie gesagt, persönliche nicht unbedingt übertragbare Erfahrungswerte.

Ohne konstante Schulbegleitung, die er sich aussucht und Senkung der Belastung wird es meines Erachtens nicht klappen. Ich sehe da auch die Schule in der Pflicht.
Du hast ihn doch mal als ganz pfiffig beschrieben. Arbeitet Zuhause parallel zum Grundschulstoff. Er wird vermutlich Zuhause schneller lernen. Halte dich nicht mit den vorgegebenen Materialien auf, wenn er verweigert.

SimoneD.
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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon SimoneD. » 21.09.2019, 23:52

Ich halte es mir nochmal offen ihn evt wieder zu begleiten. Ich sehe es nämlich wie Engrid, dass ein erneuter Ausraster wieder zu Frust und Versagensgefühlen führt. Was wiederum nicht förderlich ist.
Ich kann mir auch vorstellen, dass so alles wieder angefangen hat.
Die Probleme bei Fachlehrern (Religion, Musik, russisch) fingen nämlich schon früh an. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Fachlehrer falsch mit ihm umgegangen sind (auf ihn eingeredet haben, mit Konsequenzen (länger bleiben etc) gedroht haben, die für ihn schlimm sind). Das war ja bereits an der 1. Grundschule fatal...
Das wird sich aufgestaut haben und nun kommt er aus dem Verhalten nicht mehr raus. Das drumherum tut dann ihr übriges.

Nur, diese Vermutung kann ich ja nirgends anbringen. Außer im ATZ.
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (9 Jahre) Asperger Autist

Christiane81
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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon Christiane81 » 22.09.2019, 06:53

Liebe Simone,

Lange habe ich überlegt, ob ich hier etwas schreibe. Jetzt kann ich meine Finger nicht mehr still halten.

Du schreibst "alles ist aus". Das sehe ich völlig anders!!! Du siehst (wieder) alles ausschließlich negativ, wie soll denn da Dein Sohn in dieser Situation positiv gestärkt an sich glauben? Er spürt Dein negatives Denken, Deine Verunsicherung, woher soll er denn dann Sicherheit bekommen?
Sieh doch mal alles Positive:
- es gab die längste problemlose Phase seines Schullebens
- er hat einen engagierten Klassenlehrer, der gut mit ihm umgehen kann
- die Schule unterstützt die Begleitung durch einen SB
- Dein Sohn hat große Ziele, trotz all seiner negativen Erfahrungen!
- er hat bei dem Feldprojekt lange durchgehalten
- Du merkst früher, wenn es zu Problemen kommen könnte und kannst eingreifen
- Dein Sohn ist ein tolles Kind!

Du sagst, er sei der weiteste im Lernstoff und unterfordert. Das mag ja sein, aber soll er deswegen schon wieder die Klasse wechseln? Er scheint intelligent zu sein, den Stoff würde er sicher packen, aber das soziale Miteinander und schon wieder ekn Wechsel (egal wohin!) würde doch nur zu noch mehr Frust führen. Nun lass ihn doch mal ankommen, diese Phase mit Hilfe durchstehen und erleben, dass solche schlechten Phasen nicht sofort Chaos und Veränderung bedeuten. Was sagt der Klassenlehrer denn? Kann er die Fachlehrer "coachen"? Natürlich kannst Du denen nicht sagen "sie haben mit Konsequenzen gedroht, deswegen wird man Sohn fremd-und selbstgefährdend". Aber Du könntest erklären, wie Du Situationen erkennst, wie Du mit Fehlverhalten umgehst usw. Er lernt gerade verdammt viel fürs Leben, lass den armen kleinen Kerl doch lernen und unterstütze ihn positiv dabei! Ihr seid doch auf einem guten Weg.
Weiß der Klassenlehrer evtl jemanden, der als SB in Frage käme?

Zu den "sinnlosen" Dingen, die Dein Sohn mitmachen muss: es ist auch Deine Aufgabe, ihm einen Sinn zu vermitteln wenn er berichtet! Frag Dich doch mal, wie Du ihm Spaß an einer Sache vermitteln kannst, damit er Erfolge haben kann. Die braucht er doch so dringend, er muss zeitweise doch fürchterlich verzweifelt sein. Mir tut dieser kleine Kerl so wahnsinnig leid! Er macht und tut, gibt sein Bestes, hat trotz aller Widerstände nicht komplett aufgegeben und ist mit seinen gerade mal sieben (?) Jahren völlig alleine damit, positiv zu denken. Ganz schön einsam....
Ihr habt so viel erreicht, guck auf das Positive! Es wird immer auf und ab-Bewegungen geben, das ist das Leben. Deine Frustrationstoleranz spielt dabei aber eine extrem große Rolle. Und Dein Sohn spürt genau, wann Du sicher/positiv eingestellt bist und wann nicht.

Ganz zuhause lassen würde ich ihn nicht. Wenn er so stolz darauf war, den Schulalltag zu schaffen wäre das doch eine irre Klatsche. Aber Du könntest doch sagen "mein tolles Kind, Du hast ganz viel geschafft. Wir merken alle, dass es gerade schwierig für Dich ist, und ich helfe Dir jetzt. Wir gehen zusammen in die Schule, und wenn es Dir nicht gut geht bin ich da und helfe Dir. Du machst das super, ich bin sehr stolz auf Dich. Jedem Menschen geht es mal schlecht, Dir darf es auch mal schlecht gehen, aber zusammen schaffen wir, dass es Dir wieder gut geht und Du wieder gerne zur Schule gehst". Und dann freu Dich über jede Stunde, die er schafft, denn das ist für ihn gerade eine große Leistung. Ich finde es toll, dass die Schule sich um ihn bemüht. Aber perfektes eingehen in jeder Situation kannst Du weder von Dir noch von Fachlehrern erwarten. Und das ist auch gar nicht nötig, denn N. wird an der jetzigen Situation wachsen, wenn er genug Hilfe bekommt. Lass ihn erleben, dass er gut ist!

Allein von Deiner Beschreibung muss ich sagen, dass ich Deinen N. sehr mag. So ein mutiger kleiner Junge! Aber er tut mir auch leid, er muss sich oft sehr alleine fühlen und verzweifelt sein. Aber er schafft es, die Situation zu drehen, hilf ihm dabei und sei stark! Ich kenne es von Waldorfschulen, dass eine sehr enge Kommunikation zwischen Klassenlehrer und Eltern gepflegt wird. Nutze das! Dann zieht ihr beide an einem Strang.

Ach siehst Du, da fällt mir noch was zu den sinnlosen Aufgaben ein. Du könntest ihm erklären, dass das Gehirn anstrengendere Aufgaben, die für ihn Sinn machen abspeichern muss. Und das tut es, wenn man etwas macht was weniger herausfordernd ist. Dann speichert das Gehirn die Dinge, die er lernt besser. Manchmal nicht alle, dad macht aber nichts. Deswegen ist es z.B gut, wenn man nach Mathe im Schulgarten arbeitet, da hat dann das Gehirn eine Mathepause und kann verarbeiten. Oder eine richtige Pause... ob er das schon versteht? Vielleicht würde ihm das das Akzeptieren von "sinnlosen" Aufgaben leichter machen?

Hab Mut positiv zu denken, Simone! Es hat sich so viel positiv entwickelt, denk mal zurück wie fürchterlich die Situation vor der Tagesklinik und dem Schulwechsel war!

Ich hoffe, Du kannst bald gestärkt in die Zukunft gucken.

Viele Grüße
Christiane

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Beitragvon Engrid » 22.09.2019, 08:59

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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon SimoneD. » 22.09.2019, 09:14

Liebe Christiane,

ich danke Dir für deinen Post.
Er hat mich bestärkt in eine andere Richtung zu schauen.
Vor lauter Angst, es geht schon wieder los und vor allem vor dem Jugendamt sah ich tatsächlich nur das Negative.

Ich werde ihm vermitteln "zusammen schaffen wir das".

N. ist ein mutiger kleiner Junge. Der kleine Kerl versucht es jeden Tag aufs Neue. Das hatte mir der Lehrer auch schon mal so gesagt.

Er ist vom Rahmen her schon gut in der Waldorfschule untergebracht....nur er glaubt, dass was die da machen bringt ihn nicht zu seinem Informatikstudium......und ganz ehrlich, ich kann es mir auch nicht vorstellen, auch wenn man die Ausraster aussen vor lässt, aber das behalte ich natürlich für mich. Für mich war in erster Linie erstmal wichtig, dass er sich in der Schule wohl fühlt. Das die für ihn "unnützen" Fächer und Inhalte mal zu Problemen werden habe ich nicht mit gerechnet....
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (9 Jahre) Asperger Autist

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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon AnnalenaO » 22.09.2019, 09:27

Hallo Simone!

Es gibt in der Schule keine sinnlosen Fächer. Auch Informatiker müssen wissen wie man einen Garten pflegt wenn sie vielleicht mal ein Haus mit Garten haben. Feldarbeit ist auch sehr wichtig, zu wissen wie man anbaut, woher das Essen kommt, das ist essentielles Wissen. Brot wächst nicht im Supermarkt. Ein Informatiker muss auch in der Lage sein über seinen Tellerrand zu gucken. Wenn man sich zu sehr spezialisiert und alles andere ausblendet ist das definitiv nicht gut.
Ich wünsche euch dass ihr gut durch diese Zeit kommt!

Liebe Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Michaela44
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Re: Alles aus !! :-(

Beitragvon Michaela44 » 22.09.2019, 10:00

.... ein Informatiker ist ja auch nicht nur Informatiker sondern hat noch vielfältige andere Aufgaben in seinem (Privat)Leben. Und auch dafür lernt man in der Schule. Die berufsspezifischen Inhalte kommen dann in der Ausbildung bzw im Studium.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie


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