Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

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SimoneD.
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Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon SimoneD. » 12.09.2019, 14:35

Hallo zusammen :hand:

Ich habe mich lange nicht gemeldet, da ich mich aus sämtlichen Foren/Gruppen zurückgezogen habe.
Nach dem TK Aufenthalt im letzten Jahr und anschließender Eingliederung in die Förderklasse der Waldorfschule ist erstmal Ruhe eingekehrt und ich habe die "Normalität" genossen...

Leider wurde es im Laufe der Monate wieder etwas schwieriger mit N. (bei weitem aber nicht so wie auf der Regelschule) so dass vor den Sommerferien angedacht wurde ihm doch eine I-Kraft zur Seite zu stellen.
Erst hatte es ja ohne geklappt und N. wollte erst überhaupt keine I-Kraft. Es häuften sich aber Ausraster - vorwiegend im Fachunterricht.

Lange Rede kurzer Sinn, zwei Wochen vor den Ferien bekamen wir eine I-kraft an die Seite zum hospitieren, die dann offiziell nach den Ferien starten sollte...

Gestern bekam ich einen Anruf vom Träger das doch mal Gespräch stattfinden sollte und mir mitgeteilt wurde, dass die I-Kraft nur noch diese Woche käme da sie sich beruflich verändert und einen neuen Job annimmt. Am Montag würde für 4 Wochen eine neue I-Kraft vertretungsweise kommen und in der Zeit würde jemand gesucht der dann bleiben soll......

Ich fragte um was es bei dem Gespräch gehen würde....es wurde rumgedruckst und gesagt, dass mit allen Eltern in Abständen Gespräche geführt werden....der Chef würde alle Kinder auch persönlich kennen, die betreut werden...

Allerdings habe ich das Gefühl, dass mehr dahinter steckt. Mein Sohn kann derbe ausklinken. Auch verbal. Da habe ich auch keinen Hehl draus gemacht, als wir uns damals an den Träger wandten.
Leider äußert er manchmal im "Wahn" Tötungsvorstellungen, wo man sich fragt wo er die her hat.
Da gehen dann natürlich bei Lehreren und I-Kraft die Alarmglocken.
Nicht das ich mir da keine Sorgen zu mache. Habe das auch schon bei der Autismus Therapeutin besprochen. Die sieht das allerdings (noch) nicht als schlimm/Gefahr an. Es zeigt seine Hilflosigkeit in dem Moment er wäre dann ja auch nicht er selbst. Sie kennt ihn ja.

Ich gehe aber mal davon aus, das die I-Kraft dem Träger von diesem (es war einmal) Vorfall berichtet hat.

Heute ging mir mit der Post eine Schweigepflichtsentbindung zu:

Liebe Eltern...

um Ihr Kind weiterhin bestmöglich betreuen zu können, benötigen wir eine angepasste Schweigepflichtsentbindung, da die uns vorliegende im Jahr 2019 nicht mehr allen Anforderungen gerecht wird.

Anbei erhalten Sie unser überarbeitetes Formular.....

Hiermit entbinde ich.......XXX von der Schweigepflicht gegenüber allen im Prozess der Integration beteiligten Personen/Einrichtungen,insbesondere

- der/dem Schulbegleiter/in und/ oder Sozialarbeiter

- dem jeweils aktuell zuständigen Jugendamt

- dem vorhandenen Vormund

- einer in unserer Familie tätigen (Sozialpädagogischen) Familienhilfe

- den zuständigen Lehrern der jeweils aktuellen Schule

- im Bedarfsfalle behandelnden Ärzten/Therapeuten

.....

Geht das nicht etwas zu weit???
Oder ist das normal von Trägern die I-Kräfte stellen??
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (9 Jahre) Asperger Autist

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Michaela44
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Michaela44 » 12.09.2019, 16:49

Eine derartige Schweigepflichtentbindung ist unzulässig, verstößt gegen das Grundgesetz und darf nicht verlangt werden. Theoretisch ist sie auch mit Unterschrift ungültig, daran wird sich praktisch niemand halten.

Eine Schweigepflichtentbindung muss genau beschreiben, welche Daten von wem an wen weitergegeben werden. Das ist bei diesen generellen Schweigepflichtentbindungen nicht der Fall. Ich habe sie nie unterschrieben und bei angedrohtem Leistungsentzug den Landesdatenschutzbeauftragten eingeschaltet.

Diese Frage taucht hier im Forum immer wieder auf. Wenn du es in die Suche eingibst, findest du ganz viel.
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SimoneD.
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon SimoneD. » 12.09.2019, 17:58

Ok..

Wenn ich mich weigere bzw nicht unterschreibe, kann der Träger dann sagen, dass sie dann keine I-Kraft stellen können??
Liebe Grüße von Mönchen :-)
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Regina Regenbogen » 13.09.2019, 05:04

Theoretisch könnte er das sagen, praktisch ist er aber an den Vertrag gebunden und da wird mit Sicherheit nicht drin stehen, dass eine generelle Schweigepflichtsentbindung Vertragsbedingung ist.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.09.2019, 08:05

Hallo Simone,

Schau mal da rein, zur Schweigepflichtentbindung:
ftopic135762.html

Grüße
Engrid
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon SimoneD. » 13.09.2019, 09:29

Vielen Dank :icon_flower:

Ich finde es halt nur komisch, dass der Träger jetzt auf einmal eine "angepasste" Schweigepflichtsentbindung möchte...

Mein Gefühl sagt, mir dass die schauen wollen ob mein Sohn nicht etwas anderes hat....und das dann schön verpackt hintenrum einstielen können...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Regina Regenbogen » 13.09.2019, 10:42

Mein Gefühl sagt, mir dass die schauen wollen ob mein Sohn nicht etwas anderes hat....
Geht das schon wieder los?

Der Träger der I-Kraft kann da gar nichts schauen.
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon Sheila0505 » 13.09.2019, 10:56

Hallo Simone, also ich persönlich würde eine solche SE nicht unterzeichnen, dass ist ja nahezu ein Blankoschein und du hast tatsächlich keinen Überblick mehr, wer mit wem über dein Kind spricht.

Von rechtlicher Seite aus: keine Ahnung, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es zulässig ist. Das wär mir aber in erster Linie gar nicht so wichtig, ich würde darauf bestehen, dass genau festgehalten wird, wer gegenüber wem von der SP entbunden wird.

Was ich mir auch denke: wenn sie dich/euer Kind aufgrund einer Nachbesserung nicht mehr betreuen wollen, dann finden Sie schon ihre Gründe es zu rechtfertigen. Aber unterzeichnen würde ich persönlich einen solchen Blankoschein auf keinen Fall.

LG und alles Gute, Sheila

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.09.2019, 11:07

Hallo,

naja,
Leider äußert er manchmal im "Wahn" Tötungsvorstellungen, wo man sich fragt wo er die her hat.
Da gehen dann natürlich bei Lehreren und I-Kraft die Alarmglocken.
Nicht das ich mir da keine Sorgen zu mache. Habe das auch schon bei der Autismus Therapeutin besprochen. Die sieht das allerdings (noch) nicht als schlimm/Gefahr an. Es zeigt seine Hilflosigkeit in dem Moment er wäre dann ja auch nicht er selbst.
Ich denke, da möchten die Beteiligten (Schule, Amt, SB-Träger) halt Info, in welchem Kontext sowas steht, um das einschätzen zu können. Stichwort Medienkonsum, Gewalterfahrung usw. das heißt ja nicht, dass das bei Euch zutrifft.
Dafür sind ja aber die HPG da, und Du bietest ja an, Berichte usw weiterzugeben. Aber es soll halt über Dich laufen, nicht per Schweigepflichtentbindung ohne Dich.

Nur am Rande: Bitte nicht in den „guten Zeiten“ zurücklehnen, auch wenn’s schwerfällt. In den guten Zeiten kann man an den „Baustellen“ arbeiten, vorsorgen für die irgendwann vielleicht wiederkommenden schlechteren ...

Grüße
Engrid
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_Marta
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Re: Konsequenz Schweigepflichtsentbindung

Beitragvon _Marta » 14.09.2019, 20:31

Liebe Simone,

ich möchte auch noch mal unterstützen und schreibe: Unterschreibe nicht.

Irgendwo hier im Forum hat eine Mutter eine tolle Begründung geschrieben, die sie dazuschreibt. So in dem Sinn: "Sie verstehen sicherlich, dass ich selber am Besten gewährleisten kann, dass die jeweils neuesten Diagnosen zu den entsprechenden Experten kommen. Nur ich kann den Überblick behalten..."

Ich selber habe mich inzwischen echt unbeliebt gemacht. Ich habe das Glück, eine tolle Sachbearbeiterin beim ASD zu haben, die stetig sagt: "DAs ist vielleicht umständlich, aber nunmal Ihr Recht". Das stärkt natürlich den Rücken. Ich vergebe nur selbsterstellte Schweigepflichtentbindungen. Grundsätzlich ist dort auch ein Enddatum darauf - sonst verliere ich noch den Überblick. Ja, dann muss ich eben öfter eine austellen - was solls. Und ich lass mir - egal von wem - keine fremden Forumlare mehr aufdrücken, und wenn, dann ergänze ich mit Thema und Enddatum - und lass mir unbedingt eine Kopie geben.

Trotzdem unterlaufen mir immer wieder "Fehler", wenn z.B. plötzlich ein Institut in der Entbindung steht. Totaler Quatsch, da gehören Personen rein. Es ist echt nervig. Gerne kommt auch so eine Haltung, ich hätte wohl Kontrollzwang. Echt unfassbar, dass ich mein Recht nicht einfach nehmen kann, ohne Unterstellungen.

Für Gesprächesrunden bei denen du anwesend bist, benötigt übrigens niemand eine Schweigepflichtentbindung. Jederzeit darfst du sagen, wenn du bestimmte Themen nicht allgemein besprechen möchtest.

Ich drück dir die Daumen,

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
F90.0G, F84.1V, Entwicklungsverzögerung Feinmotorik, HB, Funktionsniveau: 3 - 4


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