Stationärer Aufenthalt

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Suza
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Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Suza » 05.09.2019, 12:13

Hallo Ihr Lieben,

ich hatte vor einer Weile schonmal geschrieben. Für meine Tochter (13) mit Angststörung, Verdacht auf Asperger-Autismus und Schulverweigerung gab es irgendwie nirgends Hilfe. Das Problem ist leider auch, dass sie viele Hilfen ablehnt (Schulbegleitung, ambulante Therapie,...).

Die Situation ist inzwischen untragbar geworden, ich betreue meine Tochter eigentlich durchgehend von früh morgens bis zum Schlafengehen irgendwann zwischen 21 und 23 Uhr. Ich bin schon lange über meiner Belastungsgrenze und auch die Familie insgesamt leidet, am meisten wohl meine Tochter.
Sie soll nun eine stationäre Therapie machen, sie selbst hatte in ganz schlechten Phasen auch schon diesen Wunsch geäussert.
Nachdem wir sechs Monate auf eine Platz gewartet haben, geht es nun sehr schnell. Morgen ist das Vorgespräch und die Aufnahme wäre dann in zwei Wochen.

Nun weigert sich meine Tochter aber, ich denke, sie hat große Panik vor dem Aufenthalt, auch wenn sie im Grunde weiß, dass es notwendig ist.
Ich kenne dieses Verhalten bereits von anderen Situationen. Erster Schultag, erstes Mal Therapie,.... da hat sie immer "gekniffen", war eigentlich massiv überfordert. Auf den zweiten Anlauf hat es dann oft geklappt.
Allerdings gibt es bei der KJP keinen zweiten Anlauf. Wenn sie am Aufnahmetag nicht kommt, ist der Platz weg und wir müssen wieder warten.

Für mich ist es die letzte Möglichkeit, dass sie Hilfe bekommt, alles andere haben wir schon erfolglos versucht. Die Aussicht auf diesen Platz hat mich überhaupt noch durchhalten lassen.

Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie kann ich meine Tochter am besten unterstützen und sie dazu bekommen, am Aufnahmetag mit mir in die Klinik zu gehen?
Und wie ging es Euch selbst damit? Ich kann mir unsere Familie ohne sie kaum vorstellen.

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon NataschaSte » 05.09.2019, 15:53

Hallo,

Ich bin so, wenn ich was nicht kenne gehe ich wenn es irgendwie geht nicht hin.
Folglich hilft mir immer sehr, mir vorher alles anzuschauen, jemanden mitnehmen der sich gut auskennt. Der weiß wie es gemacht gehört.
Vielleicht hilft das deiner Tochter auch sich vorab alles anzuschauen, genau erklären lassen was passiert und möglichst alle Unklarheiten beseitigen.

Alles Gute
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit. - Gerald Hüther

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Engrid » 05.09.2019, 16:04

Hallo,

Junior ist auch so, egal wobei: Der Anfang ist deshalb so schwer, weil es halt der Anfang ist, alles unbekannt, neue Datei laden quasi. Da hilft alles, was Halt gibt: Abläufe vorher klären, souveräne Begleitperson, die viel abnimmt, vorher kurzer Besuch der Räumlichkeiten bzw Hinweg schonmal probefahren, etwas zum geistigen „Festhalten“ (Fokussieren) mitnehmen (zb Tablet mit Filmen, ...)

Grüße
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon rena99 » 05.09.2019, 18:31

Hallo Suza,

ich kenne das sehr sehr gut. Meine Tochter war mit 13 auch in stationärer Behandlung wegen ihrer Angst-/Zwangsstörung.

Erst einmal dir zur Ermutigung: der Aufenthalt war der Wendepunkt zum Besseren und heute (sie ist nun bereits erwachsen) geht es ihr wirklich gut.

Aber: das war ein harter Weg, der uns allen enorm viel abverlangt hat. Und gerade auch der Krankenhausaufenthalt hat noch mal ganz schön Kraft gekostet. Ich will dir da keine Angst machen, nur ein wenig dafür sorgen, dass du vorbereitet bist.

Die Kinder/Jugendlichen reagieren enorm darauf, was man selber unterbewusst ausstrahlt. Man muss also sehr deutlich sein in der Ausstrahlung, dass dieser Aufenthalt ein absolutes "Muss" ist und man da gar keine Alternative sieht und zulässt. Natürlich haben die Kinder Angst, das hätte ja jeder von uns. Du musst es also schaffen, dass sie zumindest mit dir am ersten Tag dorthin geht. Und am besten mit Vorlauf ankündigen: im täglichen Abstand eine Woche lang: in einer Woche starten wir, in 6 Tagen starten wir.... Der Gedanke muss seine Schrecklichkeit verlieren.

Am Tag selbst ist es am Schwierigsten. Man muss damit rechnen, dass die Kinder das Bett, das Zimmer, das Haus gar nicht verlassen wollen. Hart bleiben, freundlich bleiben, ruhig bleiben (ganz wichtig! sonst steigt die Angst) und bestimmt erklären, dass man jetzt fährt. Im allerletzten Moment wird sie mitkommen, denn sie weiß ja, dass sie die Hilfe benötigt.

Wenn man einmal da ist, klappt der erste Tag dann meist ganz gut. Hattet ihr schon mal die Chance, die Station vorab zu besichtigen? Hast du ein gutes Bauchgefühl dort?

Die Uni Ulm hat eine ganz nette Infobroschüre herausgesgeben: https://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/ ... nWIDSN.pdf
Vielleicht könnt ihr euch die gemeinsam anschauen.

Ich drücke dir die Daumen. Wenn du Fragen hat: nur zu!

Alles Gute
Rena, die sich damals gar nicht vorstellen konnte, dass auch bessere Zeiten kommen.
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon rena99 » 05.09.2019, 18:49

Ich habe gerade noch mal meinen alten Thread von damals gelesen:
https://REHAkids.de/ftopic91987.html

Daraus:
Auch wenn das hier alles so nüchtern klingt, ich bin irgendwie total fertig, schlafe nicht mehr und kann nicht mehr klar denken.
Da kann man schön sehen, wie verunsichert und verzweifelt ich da war. Aber es ging dann Schritt für Schritt besser. Ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor: Klarheit in der eigenen Argumentation, Ruhe ausstrahlen und dem Kind einen verlässlichen Rahmen bieten, der aber auch Anforderungen stellt.

Ich drücke die Daumen!
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon rena99 » 05.09.2019, 19:01

Irgendwie bin ich zu langsam beim editieren...

Also hier noch mal die geänderte Fassung....

Ich habe gerade noch mal meinen alten Thread von damals gelesen:
https://REHAkids.de/ftopic91987.html

Daraus:
Auch wenn das hier alles so nüchtern klingt, ich bin irgendwie total fertig, schlafe nicht mehr und kann nicht mehr klar denken.
Da kann man schön sehen, wie verunsichert und verzweifelt ich da war. Das soll dich jetzt nicht "runterziehen", sondern eher zeigen, dass du nicht allein bist mit diesen Problemen und dem tiefen Loch, in dem du gerade sitzt. Bei uns ging es nach Ende des zitierten Threads Schritt für Schritt besser. Ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor: Klarheit in der eigenen Argumentation, Ruhe ausstrahlen und dem Kind einen verlässlichen Rahmen bieten, der aber auch Anforderungen stellt. Dabei haben uns insbesondere auch die familientherapeutischen Gespräche in der KJP geholfen. Ich selbst habe damals für einige Monate eine eigene ambulante Therapie gemacht. Nicht weil ich wirklich krank war, sondern weil ich dringend jemanden zum Gedanken sortieren gebraucht habe. Mein Mann konnte das nicht leisten. Der war genauso fertig wie ich. Ich kann so einen Schritt nur empfehlen.

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Suza » 06.09.2019, 08:45

Vielen Dank für Eure Antworten.
Gestern war ich bis halb zwei nachts bei meiner Tochter. Sie hatte so große Angst dass sie ständig hyperventiliert hat, sie hatte das Gefühl zu zerspringen.

Ich bemühe mich sehr ruhig zu bleiben und ich bin mir mit dem stationären Aufenthalt auch absolut sicher. Das zeige ich ihr auch, denn ich denke sie braucht das zur Orientierung.

Ein weiteres Problem bei meiner Tochter ist ihre Aggressivität, verbal aber auch physisch. Oft ist sie extrem aggressiv in Angst- und Überforderungssituationen. Es ist für mich schwer hinter diesem Verhalten ihre Angst zu sehen.
Das macht den Alltag neben allen Ängsten auch so anstrengend. Diese ständige Aggressivität. Ich bin wirklich am Ende meiner Kräfte und habe einfach Angst dass sie nicht mit mir in die Klinik geht und der Platz dann vergeben wird. Ich weiß nicht wie es dann weitergehen sollte.

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Suza » 06.09.2019, 08:49

Hallo,

Junior ist auch so, egal wobei: Der Anfang ist deshalb so schwer, weil es halt der Anfang ist, alles unbekannt, neue Datei laden quasi. Da hilft alles, was Halt gibt: Abläufe vorher klären, souveräne Begleitperson, die viel abnimmt, vorher kurzer Besuch der Räumlichkeiten bzw Hinweg schonmal probefahren, etwas zum geistigen „Festhalten“ (Fokussieren) mitnehmen (zb Tablet mit Filmen, ...)

Grüße
Darum bemühe ich mich immer sehr. Wir planen alles durch, es wird visualisiert. Jeden Tag wird mit ihr alles genau durchgesprochen. Das funktioniert in der Regel gut, nur nicht wenn sie vor etwas so große Angst hat.

Der Termin heute ist genau dafür gedacht. Sie wird ihren Therapeuten kennenlernen, die Station und ihr Zimmer anschauen, organisatorisches wird geklärt. Aber sie weigert sich.
Und ich bin mit meinen Nerven am Ende.

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon IlonaN » 06.09.2019, 09:07

Liebe Zuza,

auch wenn es hart klingt, aber ich habe auch schon mal eins meiner Kinder mit dem Krankentransport in die Klinik fahren lassen. Es war schlimm und äußerst traurig. Ich hätte nicht gewußt wie ich den damals 12 jährigen dort hinbekommen hätte, den platz verfallen zu lassen war keine Option, sonnst wär er heut nicht mehr bei mir. Sprech mit der Klinik über deine Befürchtungen und auch in ruhigen Momenten mit deiner Tochter.
Viel Kraft
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Engrid » 06.09.2019, 09:08

Hallo Suza,

bei uns ging es noch nie um stationären Aufenthalt, aber KJP-Termine hat bzw hätte Junior auch schon verweigert.
Ich bin in Eurem Fall komplett bei Rena, es gibt keine Alternative für Deine Tochter jetzt, und sie weiß das auch.
Ruhig, souverän, klar als Mama. Unsere Kinder haben extrem feine Antennen, Junior spürt sofort, wenn ich „wackle“, sogar bevor ich selber es merke.

Ihr schafft das.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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