Asperger und der Führerschein

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Petra62
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Asperger und der Führerschein

Beitragvon Petra62 » 11.07.2019, 19:54

Falls es das Thema schon gibt, bitte verschieben ;-)
Mein Sohn, fast 21, möchte gerne den Führerschein machen. Da wir aber ländlich wohnen, gibt es keine spezielle Fahrschule.
Ich denke, man sollte mit dem fahrlehrer sprechen, ob er es für möglich hält. Gelesen habe ich, das man zum TÜV muss, um einen
Antrag zu stellen, das er überhapt anfangen darf. Meine Sorge ist eher das lernen der Übungsbögen. Weitergehend habe ich eine
Frage. Er hat z.Zt. einen SBA mit 70 und G+B. Sollte er den Führerschein bestehen, kann man ihm dann den SBA abnehmen ? Weil man
mit einem G im Ausweis ja als , hm, nicht so orientierungsfähig eingestuft ist. Wenn er aber Auto fährt, muss er sich ja orientieren.
Schwere Frage, aber vielleicht weiß jemand Rat. Danke schonmal.
Viele Grüße
Petra
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Petra ( 1962 )
Sohn (1998) Asperger ( Diagnose 2016 ), ADS Träumer, Scoliose, Rechtsschenkelblock, fehlender Brustmuskel.
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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Engrid » 11.07.2019, 23:14

Hallo,

das mit dem TÜV ist Unsinn, da müssen nur die Autos hin. :wink:

Wenn nichts Konkretes dagegen spricht, kann er ganz normal den Führerschein machen. Ob es sinnvoll ist, dem Fahrlehrer die Diagnose zu sagen, kommt wahrscheinlich auf den Einzelfall an.
Auf jeden Fall wird es sinnvoll sein, den Fahrlehrer sorgsam auszusuchen, ich kenne zb jemand mit ADHS, der fatalerweise an einen echten Demotivationstrainer geraten ist :roll:

Das G bezieht sich ja auf die Fortbewegung zu Fuß.
Das B bezieht sich auf die Hilfe im öffentlichen Nahverkehr. Kommt nun drauf an, weshalb er da hilfsbedürftig ist. Wenn er zb beim Alleinefahren keine Probleme hat, mit 20 Fremden im Bahnabteil aber leicht aus der Spur kommt, dann „beißt“ sich das ja nicht, SBA und Führerschein.

Grüße
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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Regina Regenbogen » 12.07.2019, 07:53

Engrid hat geschrieben:das mit dem TÜV ist Unsinn, da müssen nur die Autos hin. :wink:


Sie meint, glaube ich, das hier:
Zusammen mit der Fahrschule stellen Sie dann bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde einen Antrag auf die Erteilung einer Fahrerlaubnis.
Wenn ein Antragsteller eine Behinderung hat, die seine Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen, einschränken kann, darf die Behörde ein Gutachten anfordern.
Die Behörde legt fest, ob das Gutachten von einem Facharzt, einem Amtsarzt, einer staatlich anerkannten medizinisch-psychologischen Untersuchungsstelle (MPU) oder einem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr erstellt wird.

https://www.myhandicap.de/mobilitaet-behinderung/fuehrerschein-handicap/
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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Engrid » 12.07.2019, 08:18

Hallo,

ich würde jetzt bei einem Asperger, dem ich den Führerschein zutraue, einfach davon ausgehen, dass der von Regina zitierte Passus nicht auf denjenigen zutrifft. Da ist ja GRADE so formuliert, dass keine pauschalen Einschränkungen angenommen werden.
Individuell verantwortlich muss man ja sowieso mit der Sache umgehen.

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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Regina Regenbogen » 12.07.2019, 08:57

Schwierig an der Sache könnte es sein, dass die Beurteilung über die Fahrbefähigung nicht den Eltern oder dem Antragsteller obliegt, sondern der Fahrerlaubnisbehörde.
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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon LunaBluna » 12.07.2019, 20:09

Müssen Asperger diagnostizierte Personen zwingend zu dem Amtsarzt bevor sie mit dem Führerschein beginnen dürfen?

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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Engrid » 12.07.2019, 22:41

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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Inselheike » 14.07.2019, 13:09

Hallo Petra,

mein Sohn hat vor drei Jahren den Führerschein gemacht. Wir wohnen auch eher "ländlich" und spezielle Fahrschulen gibt es hier nicht.
Wir haben vorher mit dem Fahrlehrer gesprochen, ob er sich das zutrauen würde und er hat sich schlau gemacht, was das bedeuten würde.
Außerdem hat er ein Gespräch mit meinem Sohn gehabt.
Es hat zwar etwas länger gedauert (8 Monate), aber nun ist mein Sohn sehr glücklich.
Am Anfang ist er nur bekannte Strecken gefahren und eher wenig, aber seit ein paar Wochen ist er nun auch auf Strecken unterwegs, die er vorher noch nie gefahren ist.
Ich bin sehr stolz auf ihn und auch für ihn war es bestimmt ein Schub in die Selbständigkeit.

LG Heike
Heike (02/68)mit Lars (06/97), Asperger Autist

Petra62
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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Petra62 » 15.07.2019, 18:54

Danke für eure Antworten. Regina@Genau so meinte ich das ;-)
Engrid@Das G bezieht sich ja auf die Fortbewegung zu Fuß.
Das B bezieht sich auf die Hilfe im öffentlichen Nahverkehr. Kommt nun drauf an, weshalb er da hilfsbedürftig ist. Wenn er zb beim Alleinefahren keine Probleme hat, mit 20 Fremden im Bahnabteil aber leicht aus der Spur kommt, dann „beißt“ sich das ja nicht, SBA und Führerschein.

Das wusste ich so nicht. Ich dachte, es geht generell um die Orientierung. Hilfebedürftig ist er tatsächlich deshalb, weil er sich schlecht orientieren kann,z.B. mit dem Fahrplan und den Zeiten... Also dürfte das kein Hindernis sein. Leider befinden wir uns z.Zt. noch im Klageverfahren beim SBA. Das Sozialgericht soll nach Aktenlage entscheiden, das läuft seit Nov. 2018.
Heike@ Wir werden es mal so machen. Bei unserem ansässigen Fahrlehrer hat unser 2. Sohn schon den Mofaführerschein gemacht und wird auch seinen PKW Führerschein machen. Ich denk, man kann gut mit ihm reden. Auch wenn es dann Monate dauert, es soll sein Selbstbewusstsein ja stärken.
Viele Grüße

Petra

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Re: Asperger und der Führerschein

Beitragvon Leasanne » 22.08.2019, 11:30

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch: nimmt dein Sohn Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit einschränken können?Mein Sohn dürfte schon aufgrund der Medikamente, die er nimmt, gar kein Fahrzeug führen, weil im Beipackzettel steht, dass die Medikamente die Reaktionsfähigkeit einschränken.
Ich weiß, dass steht auch bei Aspirin & Co. drin, kann aber trotzdem zu einem ko-Kriterium führen. Was ich grundsätzlich auch richtig finde.
Liebe Grüße
Leasanne
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