Doris mit Thomas (Hirninfarkt während der Schwangersch.)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Beatrice1967
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Beitragvon Beatrice1967 » 01.04.2013, 23:52

Liebe Susanne

Da ging es mir grundsätzlich ähnlich wie Deinem Sohn. Auch bei hat sich der Sauerstoffmangel ausschliesslich auf die körperliche Verfassung ausgewirkt, nicht aber auf die geistige. Ich konnte auch in die Regelschule gehen und hatte wenig Mühe, nur mit dem Rechnen stand ich etwas auf dem Kriegsfuss - doch das haben ja auch andere Kinder.
Hat Dein Sohn denn schon mal so Dinge gefragt oder ärgerlich gesagt: Warum kann ich das denn nicht? Warum geht das bei allen anderen gut und bei mir nicht?

Ich habe solche Sachen oft gefragt und mich in meiner Verzweiflung über mich und die Ungeschicktheit manchmal selber geohrfeigt im Kindergarten - leider nützte alles nichts. Und die Kindergärtnerin schimpfte dann und die Mama sagte halt einfach, dass ich eben so bin wie ich bin, und dass ich doch okay sei so, und sie mich lieb habe. Das war immer schön, das wieder zu hören, doch es erklärte mir nicht, was ich so gerne gewusst hätte: Warum bin ich so wie ich bin und warum können meine jüngeren Geschwister alles besser als ich?
Warum sind meine Hände so schwach, vor allem die rechte? Warum kann ich nichts ganz sachte in die Hand nehmen, warum fallen mir die Dinge aus der Hand?

Die ganzen Selbstzweifel hätte es mir genommen, wenn ich gewusst hätte, dass es einfach darum ist, weil ich diese schwere Geburt hinter mir habe und den Sauerstoffmangel.

Ich denke, wenn ein Kind fragt, egal wonach, dann ist es reif für eine kindgerechte Antwort.

Wenn Du die Nachdenklichkeit Deines Jungen spürst, wenn er traurig wirkt - frag, was ihn beschäftigt und wenn es das ist, was ich geschildert habe, könnte es sein, dass er sich ebenso eine Antwort wünscht, die ihm sagt, dass Du ihn lieb hast, dass Du stolz auf ihn bist, wie er alles macht, aber vielleicht auch, was die Ursache ist, dass er die Hemi hat (Blutung im Kopf oder was auch immer) und vereinfacht erklären, warum jetzt gewisse Bewegungen für ihn viel schwieriger sind.

Mit Bildern, wo er sich etwas darunter vorstellen kann, z.B.:

Wenn ein Garten überschwemmt wird, viel zuviel Wasser auf einmal kommt, werden manchmal Erde oder auch Blumenzwiebeln fortgespült. Bis dann wieder neue Blumen wachsen können, wird es länger dauern als sonst, braucht es mehr Zeit und der Garten mehr Pflege.

Irgendwie so. Bestimmt findest Du als Mami einen Vergleich, der ihm entspricht. Der ihn vom Gefühl frei macht, irgendwie doch schuld zu sein an der Ungeschicktheit.

Sende Dir liebe Vormitternachtsgrüsse

Bea
selbstbetroffen von Cerebralparese und kongenitaler Amblyopie, hochgradiger Kurzsichtigkeit und Makuladegeneration,
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Sanne1511
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Beitragvon Sanne1511 » 02.04.2013, 10:58

Hallo Bea,
Danke für deine persönlichen Ausführungen. Das Buch werde ich mir gleich für unseren Sohn Nils besorgen. Nils hat seit Geburt eine Hemiparese links. Der Arm ist stärker betroffen als das Bein. Er kann nicht rennen, er hopst, hat aber riesig Freude an Bewegung. Mit der linken Hand greift er, benutzt sie gut als Hilfshand und kann mittlerweile an der Sprossenwand hochklettern. Das übt er mit seinem Ergotherapeuten und ich halte natürlich beim Zuschauen die Luft an.
Nils ist Brillenträger, schielt, trägt aber sehr tapfer für eine halbe Stunde tgl. ein Augenpflaster. Leider liegt eine Sprachentwicklungsstörung vor, die Zunge ist auch betroffen. Seit Nils eine Gaumenplatte trägt, hat sich das Sprechen aber sehr gebessert und kann sich im Kindergarten gut austauschen.
Er fragt noch nicht nach seiner Behinderung, er schaut nur manchmal seine linke Hand an und meint dann: "die will nicht mitspielen..."
2014 wird Nils eingeschult und das wird ein sehr großer Abschnitt, Regeschule oder Förderschule? Da haben wir noch sehr schwere Entscheidungen zu treffen.
Als du geboren wurdest, hörte die Erde für einen kurzen Moment auf sich zu drehen,
der Mond hielt den Atem an und ein neuer Stern erschien am Himmel.

Nils (*15.11.2007) Infantile Hemiplegie links, wahrscheinlich Infarkt in der 30. SSW, Deutliche Aufweitung des rechten Seitenventrikels. Sehr fröhlicher und ausgeglichener Junge.

KReimann
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Beitragvon KReimann » 02.04.2013, 15:49

Hallo Bea,

ich möchte mich auch für deinen Beitrag bedanken. Ich denke für Mütter von betroffenen Kindern ist es immer sehr wichtig Erfahrungsberichte von erwachsenen Hemiparetikern zu hören, denn wie Susanne schon sagt, es ist schier unmöglich sich in die Situation und Gefühlswelt eines Betroffenen zu versetzen.
Mein Sohn Lauris ist seit einiger Zeit immer wieder verzweifelt. Er schimpft besonders über seine Hand, die er seine Babyhand nennt, was auf keinen Fall nett gemeint ist. Wenn er mal wieder versehentlich etwas umgestoßen hat, weint er oft, schimpft auf die Hand und beißt sie. Vorhin hat er versucht so einen Tret-Traktor für Kinder zu betätigen, was ihm natürlich mit seinem Hemi-Bein schwer fällt.
Er beklagt es offen behindert zu sein und fragt mich, warum grad er so ist, wo er doch nicht so hatte sein wollen und auch lieber so wäre, wie seine Geschwister. Ich habe früh angefangen zu erklären, woher seine Beeinträchtigungen kommen: Dass bei ihm im Gehirn etwas kaputt gegangen ist, weil er wahrscheinlich zu wenig Sauerstoff bekommen hat. Ich suche kindgerechtes Info-Material über das Gehirn um ihm und seinen Geschwistern die Zusammenhänge klar zu machen. Das hilft ihm aber wahrscheinlich im Moment noch nicht darüber hinweg, dass es so ist, wie es ist. Ich erkläre ihm, dass wir deswegen so viel trainieren, bei der Physio und bei der Ergo .... Er ist ja noch recht klein, irgendwann wird er es besser verstehen und hoffentlich dann erst Recht weiter an sich arbeiten. Das Kinderbuch hätte ich gerne, aber in Deutschland scheint es nicht erhältlich. Ich werde mal eine Schweizer Freundin darauf ansetzen.
Alles in allem ist Lauris aber ein lustiges und aufgewecktes Kind mit einer großen Portion Humor und einem enormen Dickschädel :D . Unter kriegen lässt er sich nicht so schnell!!

Sanne,
Lauris wäre eigentlich dieses Jahr eingeschult worden. Wir sind sehr stark in Richtung Waldorf-Pädagogik orientiert; alle Kinder waren und sind dort im KiGa und meine Tochter geht in die zweite Klasse der Rudolf-Steiner-Schule. Leider hat die Schule Lauris abgelehnt. Inklusion oder integrativen Unterricht trauen sie sich noch nicht zu. Jetzt ist er erst noch einmal ein Jahr zurück gestellt worden und im nächsten Jahr suche ich mir eine nette Grundschule mit Erfahrung und Traute auf diesem Gebiet. Lauris wird dann zeitgleich mit seinem kleinen Bruder eingeschult. Mal sehen, wie das wird.

Bea,
Lauris will auch Laufrad, bzw. Fahrrad fahren und die Ergo hat von Stützrädern abgeraten. Wie habt ihr das mit dem Lenker gemacht? Lauris hat durch die Spastik im linken Arm erstens weniger Kontrolle und zweitens einen leicht verkürzten Arm; wir bräuchten etwas wie eine Orthese oder so, die es Ihm erleichtert den linken Arm am Lenker zu haben ....

Liebe Grüße,
Katina
Katina mit Selvi*12.5.2005, Lauris*09.11.2006, unilaterare spastische Cerebralparese links nach vorgeburtlichem Mediainfakt, wahrscheinlich auf Grund starker Blutungen durch Plazenta praevia, und Tammo*14.5.2008

Beatrice1967
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Beitragvon Beatrice1967 » 02.04.2013, 17:16

Liebe Katina

Das Buch müsste es in Deutschland aber schon geben, denn es ist im Verzeichnis lieferbarer Bücher Deutschland eingetragen, zum Preis von € 14,50 Eur[D]
Ich habe erst vor 2 Wochen aus der Schweiz wieder eines bezogen
Schau mal unter www.buchhandel.de und dann Profisuche.
Bei amazon.de gibt es hingegen vorderhand grad keines.
Das Buch ist übrigens in einem österreichischen Verlag erschienen.

Zur Frage mit der Lenkerhalterung - ich trug eine Schiene, welche am Handballen eine Klettvorrichtung hatte. Um den Lenker hatte es an der Handgriffseite ebenfalls eine Bandage aus Klettmaterial und so gelang es, meine Hand dort festzukrallen, ohne dass ich selber schon Kraft anwenden musste. Denn wenn ich versuchte, Kraft in diese Hand zu bringen, reagierte sie mit Spastik.
In der Physio lernte ich dann ganz gezielt auch greifen und halten - heute kann ich es ohne Hilfsmittel - die Übung hat es gebracht und die Geduld.
Auch ich war und bin ein humorvoller Mensch- das hat vieles zu überbrücken geholfen, aber an manchen Tagen verging mir das Lachen, je lauter andere darüber lachten, dass ich etwas Einfaches nicht kann, umso mehr.

Das mit der Klettmanschette war übrigens sehr umstritten. Vor allem, wenn ich umfiel, gab es daraus Probleme. Da ich aber ausserdem sehr biegsam bin in allen Gelenken (ich kriege die Beine problemlos hinter den Kopf, kann alle unmöglichichen Übungen mit meinen Händen nachturnen (meine Hände haben sämtliche Ehlers-Danlos-Merkmale ausser der überdehnbaren Haut - ich habe aber sonst das Ehlers-Danlos-Syndrom nicht auch noch). Jedenfalls erlitt ich nie einen Bruch, egal wie blöd ich fiel trotz der Stützräder. Leider hatte ich ja immer eine Schlagseite, darum konnte ich noch mit den Stützrädli kippen, wenn ich mein Gefühl nicht richtig verlagert habe. Dadurch bekam ich aber auch endlich ein Gefühl dafür, wie ich es besser machen kann.
Das Klettding hat übrigens mein Vater "erfunden", heimlicher Tüftler wie er war. Sonst hatte niemand eine andere Idee, wie man eine schwache Hand an den Lenker bringen kann.

Heute sind die Stützräder ja für alle Kinder umstritten, doch ich glaube, ohne sie hätte ich es nie aufs Fahrrad gebracht und mir wären wichtige Bewegungserfahrungen nicht möglich gewesen. Hometrainer fahren ist halt nicht dasselbe. Bei mir kam dazu, dass ich zu Anfang keine Isolierten Bewegungen machen konnte. Wenn die Beine unten strampelten, wollte meine stärkere Hand auch kreisen und die schwache lahmte so vor sich hin.

Das ist übrigens ganz schön schwer, was ich dann in der Rhythmik lernen musste(durfte). Mit der einen stärkeren Hand auf dem Bauch Kreise machen und mit der schwächeren Hand auf dem Oberschenkel in sitzender Stellung gleichzeitig auf und ab fahren. Und die schwächere Hand bewusst ins Spiel bringen. Und viele solcher Sachen.

Abgesehen von einer Gefühlsarmut und immer noch etwas ungeschickterem Bewegungsablauf merkt man es heute meiner rechten Hand nicht mehr an, was für eine Einschränkung sie einmal hatte. Ich konnte sogar wider Erwarten aller, das 10-Finger-System lernen. Weltmeister im Schnelltippen werde ich zwar nicht, aber ich kann das 10-Finger-System blind und fast fehlerfrei, dank speziellen Fühlpunkten aus Silikon auf der Tastatur und der Technik, die Finger aus dem Gelenk heraus zu steuern (und nicht nur vom Gefühl her).

Ich durfte einmal an einer Kindervorstellung im Zirkus in die Manege. Ich hatte mich gemeldet und aufgestreckt, als der Clown ins Publikum fragte, wer von den Kindern denn etwas ganz Besonderes könne.
Beim Weg über die Holztreppe in die Manege bin ich zweimal hingefallen (Treppen sind und waren nie meine Freunde), meine Mutter wollte mich zurückholen, sie hatte Angst, dass ich mich nur blamiere -bis dahin wusste sie nicht, dass ich heimlich herausgefunden habe, dass ich meine Beine hinter den Kopf nehmen kann, oder dass ich ein Bein hinter den Kopf nehmen kann und dann so aufstehen kann, das Bein huckepack im Genick.
Sonst hatte ich gar kein Gleichgewicht, aber so, mit dem Bein hinterm Hals, da konnte ich so stehen und sogar etwas hüpfen. Irgendwie war das erstaunlich.Ich war 9 Jahre alt damals, meiner Mutter blieb fast das Herz stehen im Publikum, ich hörte sie immer: "Je, je, jiii" sagen. Die Kinder und Erwachsenen aber klatschten und der Clown sagte mir, er habe noch nie ein Kind so etwas Tolles zeigen sehen -ich sei was ganz Besonderes.

Dieser Auftritt hat mich geläutert. Wo auch immer sich wieder Kinder über mich lustig machten, weil ich viel Selbstverständliches nicht konnte, warf irgendein Kind ein, dass ich aber dafür was anderes könne, was niemand kann - dann durfte ich meine Kunststücke zeigen und die Show nahm eine andere Richtung.
Aber auch mir persönlich tat es gut. Wenn wieder etwas einfach nicht gelang, dann tröstete ich mich damit, dass der Clown mir gesagt hätte, ich sei etwas ganze Besonderes. Und wie er mir sagte, dass jeder Seiltänzer zuerst ganz viel üben muss, bis sein Kunststück gelingt. Und dass er viele Male herunterfällt, bis er es ganz richtig kann. Und dass ich einfach nie aufgeben darf und weiter üben soll, dann schaffe ich es - daran habe ich immer wieder gedacht. Eigentlich bis heute.

Warum ich das erzähle?
Kinder, die Schwäche am eigenen Körper bewusst erleben, brauchen ganz dringend eine andere Erfahrung -irgendwas, worin sie gut sind. Und Erfolgserlebnisse , auch und gerade beim Üben der Bewegungen. Hin und wieder sagen, das konntest Du mit 5 noch gar nicht und heute geht es schon so gut.

Ich kann natürlich nur über mein Erleben sprechen. Es ist nicht gesagt, dass Eure Kinder es genau gleich empfinden. Ich denke, bei den Buben fällt es vom Selbstbewusstsein noch mehr ins Gewicht, wenn sie eben nicht so gut klettern können. Das Klettern hat von mir als Mädchen niemand so richtig erwartet - ich kann es bis heute nicht gut.

Fragt einfach, manchmal muss ich meine Mutter zu Rate ziehen, weil ich es gar nicht genau weiss, was man mit mir alles angestellt hat. Doch auf der Gefühlsebene weiss es nur ich, wie es bei mir war.
Einen sturen Kopf hatte ich übrigens auch - das half auch, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und für den Erfolg zu kämpfen.

Ich wünsche all Euren Kindern darum auch Siege - kleinere und grössere. Dass sie für ihre Anstrengungen auch "belohnt" werden vom Leben, immer etwas mehr erreichen und nicht nur vor unüberwindbaren Mauern stehen mit dem Gefühl, es geht trotz all meinem Willen überhaupt nicht weiter.

In kleinen Schritten, sagte der Clown, kommt der Seiltänzer weiter, nicht in grossen Sprüngen - vielleicht ist auch das ein Bild, das Euren Kids Mut macht.


Liebe Grüsse

Bea
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Beitragvon KReimann » 02.04.2013, 18:20

Bea,

ein tolles Erlebnis, dass du da als 9 jährige haben konntest und natürlich auch eine bemerkenswerte Fähigkeit! Hast du mal überlegt, welbst ein Kinderbuch zu verfassen? Mir will scheinen, dass du schon das Material zusammen hast!!!!! Ganz im Ernst!
Lauris hat ein tolles Gedächtnis. Meine Kinder sind Halbtürken und leider hat mein Mann das mit der Zweisprachigkeit nicht sehr konsequent verfolgt. Jetzt kommt einmal in der Woche eine Studentin, die mit den Kindern spielerisch Türkisch übt. Lauris ist am ausdauernsten und hat das beste Sprachgefühl. Das bringt ihn natürlich motorisch nicht so weit, aber ich habe mir von Müttern von Kindern mit weitaus drastischeren körperlichen Beeinträchtigungen sagen lassen, dass auch eine intellektuelle Überlegenheit respektive Gleichwertigkeit gut ist.
Er liebt Pferde, wir machen immer mal wieder Hippo-Therapie, auch für's Gleichgewicht. Ich hoffe, er kann bald richtigen Reitunterricht nehmen, da kann er auf jeden Fall auch punkten ;-).
Wegen des Fahrrads: Ich will mit unserem Orthopädie-Techniker sprechen, damit wir eine Lenkraderweiterung für's Laufrad kriegen. Damit kann man auch gut das Gleichgewicht erproben. Lauris fährt sehr sicher Kickboard.

Ich denke, es ist auf jeden Fall schon mal auch als positiv zu werten, dass Lauris seine Frustration verbalisiert und nicht in sich vergräbt. So kann man damit arbeiten.

Danke, dass du dich so mit uns austauscht!!!!
Und ums Buch kümmere ich mich weiter!

Liebe Grüße,
Katina
Katina mit Selvi*12.5.2005, Lauris*09.11.2006, unilaterare spastische Cerebralparese links nach vorgeburtlichem Mediainfakt, wahrscheinlich auf Grund starker Blutungen durch Plazenta praevia, und Tammo*14.5.2008

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Beitragvon KerstinNaß » 05.04.2013, 19:52

Hey Katina,

unser Hemi-Kind ist ein Jahr jünger - aber sonst gibt es die üblichen Parallelen. Armbetonte Hemi links durch einen Infarkt unter der Geburt.

Bezüglich des Radfahrens gab es auch Probleme, obwohl Laufrad super ging, fiel ihm der Umstieg auf`s Fahrrad sehr schwer. Jetzt ist endlich vor 2 Wochen der Knoten geplatzt und er saust durch die Gegend. Allerdings in kreativ schiefer Haltung, wegen des angespannten linken Armes und der allgemeinen Windschiefe. Ich hoffe, er lernt bald nur mit einer Hand zu lenken, das scheint mir das einfachste Konzept für geraderes Fahren zu sein, und so fahren "normale" Kinder ja auch - falls sie nicht lieber freihändig fahren...

Die "schlechte" Hand nimmt Ben zwar wahr und versucht, sie immer ins Feld zu führen, wenn etwas dadurch schwerer ist - Reißverschlüsse, Knöpfe, fisseliges Lego-Technik und und und.

Aber bis jetzt scheint es mir eher, es ist eine gerne genommene Ausrede, als ein Leidensdruck, mal schauen, ob und wann sich das ändert.

Jetzt steht auch 2014 die Schule an, der I-Status wird dann beendet und Ben wird "normal" eingeschult. Und dann werden die Karten neu gemischt.

LG von Kerstin
Kerstin mit
Nicolas * 11.2003 kerngesunder Gymnasiast
Benedikt *11.2007 mit ICP links durch Asphyxie während der Geburt, Gymnasiast 5. Klasse

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Beitragvon KReimann » 06.04.2013, 22:37

Hallo Kerstin,

Benedikt liest sich sehr fit! Gut gemacht!!!!! Ich weiß nicht, ob Lauris das mit dem Rad hinkriegt, aber versuchen werden wir es! Wir müssen jetzt endlich mal ganz sauber werden, das ist auch so ein großes Problem! Er sperrt sich schrecklich! Ich habe jetzt von der TK eine Toilettenaufsatz bewilligt bekommen, der das ganze vereinfachen soll und hoffentlich geht es dann bald ganz normal!
Warum wird der I-Status beendet? Habt ihr eine Pflegestufe?

LG,
Katina
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Beitragvon Beatrice1967 » 07.04.2013, 16:25

Liebe Katina

Hast Du wegen des Buches schon Erfolg gehabt. Falls nein und Du die Schweizer Freundin schon gebeten hast, sich darum zu kümmern, gibt es evtl. noch ein Buch, das Dir zusagen könnte und Deine Freundin kann Dich im Doppel beliefern.

Du hast weiter oben geschrieben, dass Du auch ein Buch suchst, das Lauris die Zusammenhänge erklären kann oder den Geschwistern. Nun, ein Buch, das so richtig tief ins Gehirn einblicken lässt, kenne ich zwar jetzt nicht, doch ich kenne das Buch "Ich bin Julia und Du?" - Vom Leben mit einer Cerebralen Bewegungsstörung.
In diesem Buch wird erklärt, was seine Cerebrale Bewegungsstörung ist, wie sie sich auswirken kann, auch bezüglich Mundmotorik.
"Ich bin Julia..." wurde von der Schweizerischen Vereinigung zugunsten cerebral gelähmter Menschen herausgegeben, im Jahr 1996, und ist dort auch noch erhältlich:
http://www.vereinigung-cerebral.ch/Buec ... L=ignopgue
Allerdings wird nur schweizintern versendet. Also Deine Freundin könnte es bestellen.


Sende Dir liebe Grüsse nach Essen

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Beitragvon Sanne1511 » 08.04.2013, 12:27

Hallo Bea, die Idee mit dem Buch schreiben finde ich echt klasse. Du hast so super Beiträge, das als Buch wäre echt der hit.
Zum Thema RAD: Nils hat letzten Frühjahr ein Laufrad bekommen (XL-Ausführung da er sehr groß ist). Bis zum Herbst war es furchtbar, ich hätte ständig Angst dass er über den Lenker fliegt oder anders bös fällt. Aber nichts dergleichen. Seit Herbst hatte er sich mit einem anderen Kindergarten-Jungen angefreundet (Bastian ist in jeder Hinsicht sehr fit). Die beiden haben bei uns im Hof ein Wettrennen veranstaltet, abwechselnd durfte jedes Kind mal Laufrad bzw. mal Roller fahren. Und das ist der Knoten bei Nils geplatzt, er durfte vor Bastian ja nicht seine Schwäche zeigen (da ist er zu stolz und zu ehrgeizig), seit dem fährt es super Laufrad. Gestern hat er sogar bergab beide Beine hochgehoben....Ich sehe uns zwar jedes Mal in der Klinik, aber ich glaube, die Mamas sind oft ängstlicher. Wir hoffen, dass Nils bis Sommer ein Reha-Fahrrad bekommt, Wir warten noch auf einen Termin mit dem Sanitätshaus. Uns sind Stützräder empfohlen worden. Nils soll dann erst mal die Anst verlieren und seine Physiotherapeutin hat gemein, gerade der Bordstein ist sehr gefährlich, nicht dass Nils gleich am Anfang stürzt und die Lust verliert. Viele Kinder brauchen oft im 2. Jahr keine Stützräder mehr. Mal schauen, ob seine Kraft im linken Bein ausreicht.
Zum Thema SAUBERKEIT: Nils hat bis letzten Herbst noch nachts eine Windel gebraucht. Abends war mal ein Freund von uns da, den Nils sehr liebt. Er hat sich geschämt mit Windelpopo Gute Nacht zu sagen. Stefan hat dann auf eine lockere Art erklärt, dass er auch keine Windel mehr hat, und dass Sportler (so bezeichnen wir Nils oft) einfach austehen, Clo, wieder ins Bett fertig.
Wir hatten dann harte zwei Wochen, zum Teil hat er zweimal ins Bett gemacht, aber auf einmal hat er es scheinbar rechtzeitig gespürt und schafft es mittlerweile (fast immer) auf Toilette.
Beil Nils hatte vieles erst dann funktioniert, wenn wir als Eltern fast aufgegeben hätten, so als würde er unseren Kummer spüren, und hat es dann doch alleine geschafft.
Mit dem Anziehen hapert es noch sehr bei Nils. Oberteile gehen garnicht, die Hose kann er alleine an- bzw. ausziehen (bis auf die Knöpfe), Strümpfe kann er auch nicht anziehen. Leider haben wir oft auch morgens keine Zeit für ewiges probieren, da ich berufstätig bin.
Allen eine schöne Woche!
Als du geboren wurdest, hörte die Erde für einen kurzen Moment auf sich zu drehen,
der Mond hielt den Atem an und ein neuer Stern erschien am Himmel.

Nils (*15.11.2007) Infantile Hemiplegie links, wahrscheinlich Infarkt in der 30. SSW, Deutliche Aufweitung des rechten Seitenventrikels. Sehr fröhlicher und ausgeglichener Junge.


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