Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Karsten1981
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Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon Karsten1981 » 30.08.2019, 11:59

Hallo,

Ich durchlebe hier mal wieder die Hölle auf Erden, unser Sohn ist umgerechnet 10 Monate und es gibt Phasen da läuft es zwischen mir und meiner Frau, aber es gibt auch Phasen wie jetzt wieder, da hasst sie mich über alles, schreit mich die ganze Zeit nur an und will sich so schnell wie möglich scheiden lassen. Die Phase dieses mal dauert bereits 3 Tage und ich habe mal wieder Panik abends nach der Arbeit nach Hause zu gehen.
Ich mach nachdem ich abends nach Hause eigentlich nichts anderes als Hausarbeit (Wäsche, Zimmer auräumen, Geschirr abspülen etc.) bevor ich endlich um 1 Uhr ins Bett komme und um 6:50Uhr dann wieder aufstehe. Stehe manchmal auch nachts auf, wenn unser Sohn Hilfe beim Einschlafen brauch. Aber es ist einfach nie genug und wenn ich eine Kleinigkeit vergesse dreht meine Frau absolut durch.

Dieses mal war der Auslöser, dass ich vergessen hatte das Handtuch auf dem unser Sohn schläft für eine Woche zu wechseln. Ich frage mich zwar warum sie das nicht auch mal machen kann, wenn sie es merkt, aber sie hat ja mit dem Kleinen und unserer Tochter tagsüber ja bereits genug zu tun.

Bis wir unsere Tochter 2016 bekamen, hatten wir eigentlich nie Zoff, ausser ein oder 2 Tage im Monat, was mit Ihrem Zyklus zu tun hat, ich weis daher dass sie auf Hormon Schwankungen extrem negativ reagiert. Nachdem unsere Tochter dann da war gab es bereits einige richtig stramme Phasen, wo sie mich sogar geschlagen oder getreten hat, wegen den gleichen Kleinigkeiten. Aber das waren meist sehr kurze Phasen und waren dann auch wieder rum. Nach dem ersten Geburtstag unserer Tochter hatte sie dann mit dem Stillen aufgehört, und es gab eigentlich keinen großen Zoff mehr. Sie hatte sich sogar eines Tages noch für alles entschuldigt und meinte sie hätte die Kontrolle über sich verloren. An dem Tag entschieden wir uns dann auch ein zweites Kind zu bekommen und sie warnte mich bereits dass sie noch verückter sein würde (Ihre eigenen Worte), aber sie bat mich auch an sie zu glauben und stark zu bleiben, was ich Ihr auch versprach.

Kleinere Phasen haben dann bereits in der Schwangerschaft angefangen und seit dem er auf der Welt war (und wir seine Diagnose (PVL) bekamen), wurde es streckenweise richtig heftig. Ich muss nun auch sagen, dass es noch viel schlimmer ist als ich mir vorgestellt habe und ich glaube dass die Sorgen um unseren Sohn und der zusätlzliche Stress dadurch Schuld daran sind. Sie macht mehrmals am Tag mit Ihm Vojta und ich merke wie Ihre Stimmung teilweise darunter leidet. Aus irgendwelchen Gründen verhält sie sich zu Freunden und Ihren Eltern absolut normal, daher ist mein Verhältnis zu Ihren Eltern jetzt auch sehr schlecht, weil sie Ihr glauben, wenn sie Ihnen in diesen Phasen erzählt wie schlecht ich sei und doch alles meine Schuld sei. Ich hatte sogar mal versucht einen Experten einzuschalten, aber sie ist strikt dagegen, da ja alles an mir liegen würde und mit Ihr alles in Ordnung sei.

In der jetzigen Phase sagt sie mir die ganze Zeit, dass sie sich scheiden will, das sie mein Gesicht nicht sehen will und kann und hat mich bereits wieder mit Ihrem Fuß getreten. Sie brachte auch meine Zahnbürste in die Küche, hat mit Ihr über das Waschbecken und darum gebürstet und meinte, dass wenn ich es wie versprochen immer putze, dann sollte das ja kein Problem sein, da es alles sauber ist. Also ich brauche ja nicht zu sagen, dass das alles weit weg von normalem Verhalten ist.

Ich weis einfach nicht mehr weiter, will einfach durchhalten bis wir mit dem Stillen aufhören in der Hoffnung dass es dann wieder besser wird, bin aber besorgt dass es nicht alles lösen wird, weil die Sorge und der Stress durch die ewgigen Behandlungen einfach zu hoch ist.
Experten einschalten wie gesagt darf ich nicht, da mir keiner glaubt, und eine Trennung auf Zeit will Sie zwar ich aber nicht, da ich denke dass ohne mich Ihr Stress noch größer wird und zweitens ich auch ohne die kleinen nicht mehr leben kann.

Hat irgendeiner auch die Erfahrung gemacht dass das ganze sich negativ auf Eure Beziehung ausgewirkt hat auch wenn vermutlch nicht so extrem wie bei uns (aufgrund der immer existenten geringen Toleranz meiner Frau auf Hormonschwankungen)?

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Julia27118
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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon Julia27118 » 30.08.2019, 12:42

Also erst mal schicke ich dir ein riesen kraftpaket!

Körperliche übergriffigkeit, ganz egal von wem an wen gehen absolut nicht! Ich bin selbst extremes hormonopfer, aber ich weiß das und bin in der lage das zu händeln...bin ja keine 14 mehr. Wer das so wenig kann, wie du es beschreibst braucht leiner meinung nach hilfe.

Das Grundproblem bei euch wird sein, das deine frau all die negativen gefühle, die eure kinder in ihr auslösen auf dich überleitet...das ist grundsätzlich normal. Eine Mutter liebt ihr kind (speziell unter stillhormonen einen Säugling) über alle maßen, sonst würden grad die anstrengenden Exemplare ja auch schlicht nicht überleben. Alle negativen und damit das kind gefährdenden gefühle schiebt die psyche also auf jemanden anders. Und zur Verfügung steht halt meist der partner.

Deine Frau läuft grad im katastrophenmodus, die stresshormone bis unter die ohrläppchen, pingpong mit den stillhormonen. Grad das oxytocin ist vermutlich das einzige, was sie noch am laufen hält und die Quelle dessen ist der kleine. Alles was zwischen sie und diese “hormonquelle“ kommt ist unbewusst eine Bedrohung...

Also zumindest ging es mir phasenweise so :wink:

So doof es klingt, nimm ihr nicht den haushalt ab, sonder jede möglichkeit, negativgefühle für das kind zu sammeln. Also mach die übungen (bei denen das kind vermutlich brüllt und ein Teil von ihr schlimm mitleidet) soweit es geht. Und im zweifel bezahlt ne haushaltshilfe!

Es gab Phasen, da hab ich mit freuden geputzt, solange ich dafür das brüllende kind vom hals hatte, weil mich meine Hilflosigkeit bezüglich des gebrülls innerlich zerrissen hat. Gleichzeitig musste mein mann mir das kind dafür aber regelrecht entreißen und ich hätte ihn am liebsten umgebracht!!

RikemitSohn
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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon RikemitSohn » 30.08.2019, 12:51

Hallo,

das, was du erzählst, erinnert mich stark an meine Schwester. Die hatte bei den ersten beiden Schwangerschaften auch solche Probleme. Das ging soweit, dass Nachbarn die Polizei riefen. Als sie ihre zweite Schwangerschaft verkündete, sind alle in Panik geraten anstatt sich zu freuen. Und als das Kind da war traute sich erst einmal niemand sie zu besuchen. Für dich als Hoffnungsschimmer kann ich sagen, dass es sich wieder reguliert. Meine Schwester hat trotzdem eine Therapie später noch gemacht um das ganze zu verarbeiten.
Wenn es bei euch mit dem Stillen zusammenhängt, würde ich als erste zum Abstillen raten. Euer Kind ist alt genug um auch andere Nahrung zu sich zu nehmen und deine Frau hat schon genug Stress.

LG Rike
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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon RikemitSohn » 30.08.2019, 13:05

Hallo,

ich habe jetzt eben noch deinen Post über die KG deines Sohnes gelesen und ich möchte dir und deiner Frau raten den Druck raus zu nehmen. Ihr seid beide im Hochstress und merkt wahrscheinlich gar nicht mehr wie sehr das an euch zerrt. Ich würde euch dringend raten über eine Haushaltshilfe nachzudenken, falls das finanzierbar ist, und vielleicht stundenweise eine Tagesmutter als Entlastung zu suchen. Ihr braucht beide Pause und auch mal Zeit füreinander. Und zeig deiner Frau auch deutlich, dass ihr so auf Dauer nicht weitermachen könnt.Hormone entschuldigen nicht alles und das ist auch nicht gut für eure Kinder.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon Engrid » 30.08.2019, 13:26

Hallo,

ich stimme meinen Vorschreiberinnen absolut zu.

Kann mich gut erinnern an die Zeit, als Junior klein war, und sehr stressig, und seine kleine Schwester noch ein Baby. Beide Elternteile völlig überlastet, und irgendwohin muss man die Überforderung auslagern, abkippen. Da bietet sich der Lebensgefährte an, denn da wo‘s herkommt, kann man es ja nicht rauslassen, bei den Kindern.
Das ist Gift für die Beziehung.
Es ging vorbei, die Beziehung hat (gut) überlebt. Wichtig war:
- jeder bekommt regelmäßige verlässliche Freiräume für sich alleine.
- Entlastung von außen holen, das hat absolute Priorität. Dafür kann man woanders streichen, dann ist halt der Haushalt mal nicht tipptopp.
- Humor bewahren, auch wenn‘s Galgenhumor ist
- reden, aber in Ruhe
In der jetzigen Phase sagt sie mir die ganze Zeit, dass sie sich scheiden will, das sie mein Gesicht nicht sehen will und kann und hat mich bereits wieder mit Ihrem Fuß getreten. Sie brachte auch meine Zahnbürste in die Küche, hat mit Ihr über das Waschbecken und darum gebürstet und meinte, dass wenn ich es wie versprochen immer putze, dann sollte das ja kein Problem sein, da es alles sauber ist.
Das geht aber alles gar nicht, das würde ich nicht schlucken. Respekt, Achtsamkeit sind einfach grundsätzlich.

Grüße
Engrid
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"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon melly210 » 30.08.2019, 13:47

Hallo :-) Ich würde auch sagen, ihr steht beide schwer unter Streß. Wenn es ungewiß ist wie das Kind sich entwickeln wird, zerrt das einfach sehr an den Nerven. Das kennen fast alle hier.

Sucht euch eine psychlogische Begleitung. Die SPZs bieten das oft an. Ideal beide, wenn sie gar nicht will erstmal nur du. Die werden dann sicher auch mit dir/euch erarbeiten wie ihr Entlastung finden könnt. Mein Mann und ich haben es zwar nicht aneinander ausgelassen, aber wir hatten schwere Streßsymptome.
Und wegen dem Abstillen kannst du sie ja mal fragen wie es ihr damit geht und ob sie ev abstillen will damit ihr Streßpegel sinkt.

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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon Anjali » 30.08.2019, 14:25

Hallo Karsten,

tutmir leid, das so offen schreiben zu müssen, aber du scheinst dich von deiner Frau ja völlig unterbuttern zu lassen.

Vielleicht wäre es daher eine Option, selbst eine Beratungsstelle aufzusuchen und dir Rat und Hilfe bezüglich der schwierigen häuslichen Situation zu holen. Eine Eheberatung z.B., könnte man prinzipiell auch ohne Partner in Anspruch nehmen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon AlexMama2006 » 30.08.2019, 16:05

Hallo Karsten,

ich bin ehrlich gesagt ziemlich schockiert, wie deine Frau mit dir umgeht. Es gibt überhaupt keine Entschuldigung oder Erklärung für körperliche Gewalt, das geht überhaupt nicht, was sie macht.

Die Geschichte mit der Zahnbürste ist psychische Gewalt, auch wie sie dich runtermacht, obwohl du wirklich alles für die Familie machst.

Du musst dir darüber im Klaren sein, dass das verboten ist und zudem strafbar.

Es ist wichtig, dass du deine Kinder schützt, wer weiß, wie sie mit denen umgeht, wenn du nicht da bist, sie hat sich ja gar nicht im Griff.

Beraten lassen kannst du dich bei deiner zuständigen Polizeidienststelle. Es gibt auch die Diakonie oder Innere Mission, das sind aber kirchliche Träger, die hauptsächlich auf den Erhalt der Ehe abzielen.

Das sehe ich bei dir momentan gar nicht.

Unterstützung bekommst du auch vom Jugendamt, es gibt die Möglichkeit, in so einem Fall Krippenplätze und Kitaplätze bevorzugt zu bekommen, damit du deine Kinder unterbringen kannst. Oder du nimmst Elternzeit, das geht natürlich auch.

Meine erste Ehe ist am behinderten Kind gescheitert, ich bin vor Gewalt geflüchtet und ich hoffe, du schaffst es auch, dich und deine Kinder zu schützen.

Ich bin übrigens selber psychisch nicht gesund und bin auch öfter ausgerastet, geschlagen habe ich aber noch niemanden. Das ist wirklich absolut unterste Schublade, anders kann ich es nicht sagen, sorry.

Alles Gute!
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon AlexMama2006 » 30.08.2019, 16:19

Edit: mit, dass ich schon ausgerastet bin, meine ich, dass ich rumgeschrieen und mit Türen geknallt habe
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

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HannahKillian
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Re: Hat die (mögliche) Behinderung eurer Beziehung geschadet?

Beitragvon HannahKillian » 30.08.2019, 16:47

Hallo Karsten,

ohne dir bzw. deiner Frau irgendwie zu nahe treten zu wollen... so kann man nicht zusammenleben, daher sucht euch schnellstens kompetente Hilfe und Unterstützung!

Wenn du dir diesen Psycho-Terror inklusive physischer bzw. psychischer Gewalt gefallen lässt, dann ist das deine Sache - aber bitte denk auch mal deine Kinder! Die kriegen das unterschwellig doch irgendwie auch alles mit - zumindest spüren sie diese permanent negative Atmosphäre, geprägt von Beschimpfungen und latenter Gewalt...

Mach den ersten Schritt und nimm Kontakt mit den entsprechenden Stellen auf!

Alles Gute,
Hannah
"Aufgeben?'" Komisches Wort, kenn ich gar nicht...

Meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... hannah+icp


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