Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Anika14
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon Anika14 » 07.10.2019, 22:29

Mein Mini ist ja jetzt noch im KiGa, aber neigt auch zu körperlichen Aktionen, wenn ihm in einer Situation die Sprache fehlt. Unsere SB greift dann ein, unabhängig von den Erziehern, und versucht mit den Streithähnen zu klären, in dem sie (in unserem Fall) versucht, Minis Gefühle zu benennen. Das sehe ich schon als ihre Aufgabe, denn sie ist ja auch für den sozialen Teil mit zuständig. Und ich muss sagen, dass sich dadurch vieles gebessert hat und auch die Erzieherinnen stark entlastet sind. Ansonsten lässt unsere IB wirklich viel laufen und ihn selber machen, aber wenn ein anderes Kind beleidigt oder gar körperlich angegangen wird, zieht sie eine Linie...
Anika mit
Maxi Bub (*04/11) fit & überschlau
Mini Bub (*11/14) 33+0 SSW, Katarakt, Fütterstörung, Kleinwuchs, Reflux, muskuläre Hypotonie, starker Hypotonie & Hypersensitivität im Mund- & Rachenbereich, massiv gestörte Körperwahrnehmung, Hypoglykämien, Kamikaze mit viel Verstand, großem Herz & stets gut gelaunt, PG 3 und 80% G,B,H

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 07.10.2019, 22:41

Dass Du, Mariannnna, nicht Lösungen, sondern Schuldige suchst, ist schon klar.

Ich habe nicht behauptet, dass Sandras Tochter Anteile von Schuld hat (ich habe gar nicht von Schuld gesprochen), aber sie hat definitiv Anteil an der Interaktion, und zu klären ist, was da läuft und wer welchen Anteil hat - sind ja vielleicht auch mehr als zwei Beteiligte).
Von einer Beleidigung, die Du inhaltlich nicht kennst, und deren Kontext Du nicht kennst, eine direkte Linie zu „Täterzentrierung“ und Vergewaltigung zu ziehen - das nenne ich mal krass polemisch. Wir reden hier von Minderjährigen, und von montäglichen Beleidigungen (die ich gar nicht schönreden will, ohne sie zu kennen).
Es geht darum, dass sie alle lernen, Konflikte gewaltlos und freundlich zu lösen, und da geht es eben auch darum, was das Kind für Motive für sein Fehlverhalten hat. Denn nur, was man versteht, kann man abstellen.

Jetzt wirfst Du mir hier allerlei vor, und dann setzt Du selber stille Mädels gezielt als Puffer :shock: zwischen Störenfriede. Weil es angeblich nicht anders geht. Nach Deiner Logik.
Doch, es geht anders. Aber dann braucht es lösungsorientiertes (!) und faires pädagogisches Handeln. Miteinander braucht es. Nicht gegeneinander.


Das ist übrigens alles nicht auf meinem persönlichen Mist gewachsen, sondern sonderpädagogisches Wissen nach heutigem Stand. Deckt sich aber mit meinen langjährigen Alltagserfahrungen.

Gruß
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

GretchenM
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Re:

Beitragvon GretchenM » 08.10.2019, 08:00

Miteinander braucht es. Nicht gegeneinander.


Das ist übrigens alles nicht auf meinem persönlichen Mist gewachsen, sondern sonderpädagogisches Wissen nach heutigem Stand. Deckt sich aber mit meinen langjährigen Alltagserfahrungen.

Gruß
Mit meinen auch. Es hilft gar nichts, einfach nur zu sehen wer Schuld hat. Gerade wenn es um Ärgern oder sogar mobben geht, muss es um Lösung gehen und nur nachrangig um negative Konsequenzen.

Christiane81
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon Christiane81 » 08.10.2019, 09:00

Guten Morgen,

Hier muss ich marianna einmal zustimmen. Was der Junge macht ist Mobbing. Und das ist durch keine Diagnose oder Einschränkung dieser Welt zu entschuldigen, und schon gar nicht muss das Mädchen lernen damit umzugehen. Lehrer und SB haben dafür zu sorgen, dass auch das Mädchen (das schon psychosomatische Reaktionen auf das Mobbing zeigt!) angstfrei in die Schule gehen kann. Mir ist vollkommen unverständlich, warum das Mädchen gebrieft werden sollte im Umgang mit einem mobbenden Jungen. Wäre hier das eigene Kind das Opfer, würde die Argumentation wohl sehr anders aussehen. Ich bin wirklich erschrocken.
Welche Konsequenzen nun gezogen werden sollen vermag ich nicht zu beurteilen, dafür fehlen mir die fachlichen Kompetenzen. Aber die Konsequenz kann doch ganz sicher nicht sein, dass das Kind das gemobbt wird lernt, damit umzugehen. Sie hat sehr umsichtig und richtig reagiert, alles andere liegt in der Hand von Lehrer und SB, die das Mädchen schützen müssen.
Teilhabe am System "Schule" heißt nicht, dass es legitim ist das andere leiden. Vielleicht wird es ein langer Weg, bis der Junge versteht wie sein Verhalten auf andere wirkt. Aber solange müssen andere vor solchem Verhalten geschützt werden.

Viele Grüße
Christiane

RikemitSohn
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon RikemitSohn » 08.10.2019, 09:11

Hallo,

ich finde, dass es Situationen in Schulen gibt, in denen durchaus Schuld verteilt werden kann. Es gibt Fälle, in denen ein Kind einfach gepiesakt wird, weil es sich nicht wehren kann oder andere befremdliche Eigenschaften hat. Da auf eine gemeinsame Lösung zu warten und die Anteile von jedem heraus zu suchen, empfinde ich als falsch. Ein Kind, das grundlos geärgert wird und darunter leidet, muss als erstes aus der Schußlinie geholt werden, damit es nicht mehr leidet. Danach können sich die Erwachsenen um die Gründe und Probleme des "Täters" kümmern. Das ist nicht die Aufgabe des Opfers.
Bei meinem Sohn wurde auch auf Gespräche gesetzt und sein Anteil gesucht. Aber niemand hat dem Kind und seinen Gehilfen mal eine klare Grenze gesetzt. Der andere Junge hatte massive Probleme und Eltern, denen es egal war, aber mein Sohn konnte nichts dafür.
Ich denke, man muss schauen, warum der Junge ärgert. Versteht er, was er dort tut. Macht es ihm Freude, kann er darüber Dampf ablassen. Doch damit hat Jasmins Tochter nichts zu tun. Sie hat gut gehandelt und das richtige getan. Nun sind die Erwachsenen gefordert.

LG Rike
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon RikemitSohn » 08.10.2019, 09:16

Hallo,
noch ein Nachtrag: mir wurde damals eine Therapie für meinen Sohn vorgeschlagen, damit er seine Mitschüler erst einmal besser aushält.
LG Rike
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon Regina Regenbogen » 08.10.2019, 09:48

Ich denke, man muss schauen, warum der Junge ärgert. Versteht er, was er dort tut. Macht es ihm Freude, kann er darüber Dampf ablassen. Doch damit hat Jasmins Tochter nichts zu tun. Sie hat gut gehandelt und das richtige getan. Nun sind die Erwachsenen gefordert.
Das sehe ich ganz genauso.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon JasminsMama » 09.10.2019, 17:27

Hallo Ihre Lieben,

danke für Eure Antworten und Euren Input.

Mir geht es in keinster Weise darum einen Schuldigen zu finden, vielmehr möchte ich verstehen, wie der Ablauf in der Schule ist und wer für was zuständig ist, damit ich meiner Tochter einen Rat geben kann. Bisher war es immer so, dass ich ihr geraten habe sich, falls sie alleine nicht klar kommt, an einen Lehrer oder eine Aufsichtsperson (Pause) zu wenden. Ein Kind mit Schulbegleitung hatte meine Tochter bisher nicht in der Klasse bzw. der AG, daher ist das für uns Neuland.

Da das mit dem "an den Lehrer wenden" in diesem Fall nicht geklappt hat (Schulbegleitung sagt, klär das selbst, Lehrer sagt, Schulbegleitung ist zuständig) war mein Kind sehr verunsichert, denn es war da dann wirklich kein Erwachsener vor Ort, der ihr geholfen hat.

Verunsicherung führt bei ihr immer zu Angst und in diesem Fall hat sie sich völlig "im Regen stehen gelassen gefühlt" mit einem Gegenüber, dass sie beschimpft. Daher hat sie jetzt Angst, dass auch zukünftig kein Erwachsener hilft, falls sie nicht alleine weiter kommt. Diese Angst will ich ihr nehmen, daher muss ich verstehen, wie der Ablauf ist...wobei das anscheinend auch die Lehrer/Schulbegleiter nicht so genau wissen.

Jasmin auf solche Situationen vorzubereiten finde ich schwierig, denn jeder Mensch reagiert ja anders. Manch einer will eine Reaktion provozieren, ein anderer will wirklich kränken etc.

Mein Kind kommt mit so "Boshaftigkeiten" schon immer nur schwer zurecht, sie selbst ist sehr empathisch, würde nie zurückhauen, weder körperlich noch verbal, meist fängt sie an zu weinen, was manch einen noch mehr anstachelt... klar muss sie mehr über so etwas stehen und selbstbewusster werden, aber das sagt sich so leicht. :roll:

Ich versuche das ganze am Donnerstag beim Elternabend zu klären...danke noch mal für Eure Hilfe.

LG
Sandra
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon mariannna » 23.10.2019, 00:23

Hallo Sandra,

Ich wollte mal nachfragen, wie der Elternabend war und ob du deiner Tochter helfen konntest?


Und nein, deine Tochter muss nicht lernen, mit solchen "Boshaftigkeiten" besser zurecht zu kommen. Sie hat das Recht durch die Erwachsenen geschützt zu werden!

Mein Kind kommt mit so "Boshaftigkeiten" schon immer nur schwer zurecht, sie selbst ist sehr empathisch, würde nie zurückhauen, weder körperlich noch verbal, meist fängt sie an zu weinen, was manch einen noch mehr anstachelt... klar muss sie mehr über so etwas stehen und selbstbewusster werden, aber das sagt sich so leicht. :roll:
LG
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Re: Konfliktschlichtung: Aufgabe der Schulbegleitung oder der Lehrer?

Beitragvon JasminsMama » 23.10.2019, 16:57

Hallo Marianna,

danke der Nachfrage...so richtig klären konnte ich es leider nicht. Die Klassenlehrer waren erstaunt, dass der Lehrer es auf die Schulbegleitung geschoben hat. 'Und ebenso erstaunt, dass die Schulbegleitung so gar nicht reagiert hat.

Es wurde aber zugesichert, dass sie mit dem AG Lehrer sprechen und klären, dass Jasmin Unterstützung bekommt, wenn sie darum bittet.

Ob das klappt kann ich noch nicht sagen, da mein Kind seit dem Vorfall montags leider mal wieder "stresskrank" war mit erhöhter Temperatur und Bauchweh... :(

Dienstags geht sie dann (meist) wieder und ist topfit! Ich hoffe nach den Herbstferien können wir ohne Krankheiten wieder starten, leider nimmt Jasmin so etwas immer sehr mit und sie steigert sich so rein, dass sie dann am Tag x krank ist.

LG
Sandra
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