Es geht voran, oder doch nicht?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 01.11.2018, 09:05

Hallo,

ich hänge mich hier einfach mal zum Auskotzen mit ran, weil es mir gerade ähnlich geht.

Über unseren langen Weg bis heute will ich mich gar nicht auslassen.

Vielmehr geht es mir darum, dass ich im Moment so unfassbar frustriert und enttäuscht von meiner Tochter bin. Wahrscheinlich ist es vor allem die Enttäuschung über mich selbst.

Mir ist klar, dass sie diese Gefühle nicht verdient. Sie spürt meinen Ärger und meine Enttäuschung und es macht sie unglücklich. Das weiß ich.


Wir haben eine innige und wertschätzende Beziehung und ich gebe täglich alles und mehr um sie zu fördern und selbständiger zu machen.

Dabei kommt es immer wieder zu Rückschlägen.

Normalerweise konnte ich mich immer wieder schnell davon erholen aber diesmal ist es anders.

Zum Hintergrund:
Meiner Tochter ist Mathe immer sehr schwer gefallen.

Damit es besser wird, haben wir oft – gerade im Alltag beim Einkaufen, Kochen etc.- mit Zahlen und Mengen geübt.

Nach 3 Jahren ist der Knoten endlich geplatzt.

Wir waren soweit, sie konnte den Stoff für die Mathearbeit. Sie war super gut vorbereitet. Sie konnte es wirklich. Richtig gut uns sicher.



Am Dienstag kam sie dann mit einer 5 nach Hause. Nicht, weil sie die Aufgaben nicht konnte oder Fehler gemacht hat, sondern weil sie einfach nicht gemacht hat, was gefragt war. Keine Skizze, kein Rechenweg nichts… obwohl ihre I-Kraft sie noch einmal darauf hingewiesen hat.



Ich bin so so wütend und enttäuscht. Es zieht sich so durch alle Lebensbereiche.

Sie kann Dinge aber sie tut sie nicht.

Sie weiß, dass sie auf Toilette muss – geht aber nicht, sondern benutzt immer noch Windeln.

Sie weiß, dass sie Durst hat – trinkt aber nicht von alleine.

Sie weiß dass es kalt ist – zieht aber T-Shirt und kurze Hose an.



Ich fühle mich wie ein Versager. Sie wird geliebt und gefördert. Ich bin so unglaublich frustriert, dass alles nichts bringt. Es geht nirgends voran.

Im Gegenteil… sie kann Dinge und tut sie nicht. Sie braucht so unfassbar lange um mache Dinge zu verstehen und wenn sie sie verstanden hat, vergisst sie sie manchmal wieder.

Ich fühle mich schuldig, weil ich nicht den Mut habe, sie ohne Windel, mit fettigen Haaren und geschwitzt in die Schule gehen zu lassen, damit sie gespiegelt bekommt, dass dies nicht ok ist.

Ich fühle mich schlecht, weil ich ihr immer noch Windeln kaufe, nur weil sie nicht aufs WC geht.

Was nützt es, wenn ich gespiegelt bekomme, dass wir eine tolle Beziehung haben und sie ein tolles Kind ist?

Professionelle Unterstützung gibt es nicht. Da haben wir zu viel Negatives erlebt.

Ich möchte einfach nur noch weg – und weiß doch, dass ich absolut gefangen bin.

Ich weiß, dass es keine passende Entlastung auf Abruf gibt.
Ich weiß, dass es keine schnellen Lösungen gibt.
Ich weiß, dass wir nach dem Prinzip Hoffnung leben, dass es irgendwann schon irgendwie gut ausgehen wird und sie es schafft selbständig zu leben.



Wir bezahlen schon heute knapp 700 Euro für Entlastung – und damit ist nur sichergestellt, dass ich weiterhin arbeiten kann. Das ist meine Teilhabe am Leben. Das ist es mir wert aber mehr geht nicht.

Ich will sie auch nicht weggeben. Ich liebe meine Tochter. Ich weiß, dass ich sie weiter fördern muss, weil es niemanden gibt, der es sonst tut. Kindergarten und Schule packen sie in Watte und trauen ihr nichts zu.

Und auch ich mache mir Vorwürfe, weil ich zu feige bin, sie in kalte Wasser zu werfen und ihr mehr zuzutrauen.

Im Moment wird sie schon nervös, weint und setzt sich vor die Tür, wenn ich nur den Müll raus bringe.

Ich bin wütend auf mich selbst, dass ich mich emotional nicht genug abgrenzen kann um ihr zu sagen, dass sie jetzt bald 10 ist, und ich jetzt eben auch mal schnell alleine einkaufen gehen kann.

Das Gefühl, dass es alles hoffnungslos ist und sich nichts mehr zum Guten wenden kann war noch nie so präsent. Dabei haben wir sicher schon schlimmeres erlebt.

Ich habe die vergangen 10 Jahre so viel geleistet und ausgehalten. Geduld beweisen und doch scheint alles so unendlich sinnlos.



Ich frage mich, wohin das alles führen soll. Die sozialen Einrichtungen und den Umgang dort kennen wir. Da sehen ich mein Kind auch nicht.

Ich bin kein Freund von Selbsthilfegruppen. Coaching habe ich ebenfalls probiert.

Beides war für die anderen immer befruchtend. Ich konnte für mich daraus jedoch nichts Positives mitnehmen, außer, dass wir ja als Familie alles ach so toll machen. Es bringt halt nur nichts.

Im Moment möchte ich einfach nur mal erleben, dass meine Bemühungen Früchte tragen.

So mut- und hoffnungslos kenne ich mich eigendlich nicht.

Hui das musste mal raus.

LG

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rena99
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Beitragvon rena99 » 01.11.2018, 16:55

Hallo Mamavonsarah,

lass dich erst einmal drücken. Das erfordert ja auch Mut, sich den Frust von der Seele zu schreiben!

Vielleicht bittest du einen Moderator, deinen Text hier abzutrennen und in einen eigenen Thread zu packen. Ich habe im Nachhinein ein bisschen ein schlechtes Gewissen Jenny gegenüber, weil ich nicht weiß, ob sie es überhaupt gewollt hätte, dass der Thread wieder nach oben rutscht. Ich war einfach nur neugierig, weil unsere Kinder ähnlich alt sind.

Zu deinem Text. Ich weiß nicht, wie alt Sarah jetzt ist, aber ich vermute, sie steht langsam am Beginn der Pubertät? Ist das richtig?

Eines ist sicher, es geht auch bei Autisten voran, manchmal allerdings sehr sehr langsam. Und man hat selber nur begrenzte Kräfte. Wenn dann die Pubertät startet, sieht es meist so aus, als hätte alles, was man bislang getan hat, fast nichts genutzt. Und dieser Zustand dauert leider auch ein paar Jahre, bevor es dann wieder besser geht.

Was ich damit sagen will: du musst nicht mehr für deine Tochter tun (da tust du garantiert genug, habe da kein schlechtes Gewissen), du musst mehr für dich tun! Vielleicht kannst du selber mal eine Kur machen oder die eine Gesprächstherapeutin/Coach suchen. Nicht weil ich denke, dass du etwas falsch machst, sondern weil ich denke, dass es gut tut, mal den Dampf irgendwo ablassen zu können. Oder such dir ein Hobby, wo du wenigstens regelmäßig mal auf andere Gedanken kommst.

Und natürlich kannst du auch hier regelmäßig Dampf ablassen!

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 29.11.2018, 22:41

Hallo Rena,

jetzt habe ich tatsächlich hier mal wieder reingeschaut und mich gewundert, dass es schon soooo lange her ist, dass ich hier berichtet habe.

Unsere Tochter ist noch dabei im beruflichem Gymnasium ihr Abi zu machen. Übernächstes Jahr ist das dann. Wie sagt man...das erste Jahr ist Einführungsphase und jetzt ist sie schon im zweiten Jahr.

Es hat sich viel getan. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ihre weit entfernt wohnende Freundin wohnt inzwischen in der Nähe, weil sie hier studiert. Das ist schon mal ganz toll. Außerdem hat sie auch einen weiteren guten Kontakt und Austausch in ihrer derzeitigen Klasse. Gerade hat sie für ein Referat, wo sie intensiv dran gearbeitet hat, volle Punktzahl bekommen. Es ist aber so, dass ich kaum ihre Noten weiß, nur dass sie in Mathe nicht so gut ist, aber ihre Freundin hilft ihr so gut es geht.

Unsere Tochter ist inzwischen neunzehn Jahre alt und hat hier im Moment ein wenig einen Lagerkoller, ist genervt von uns. Das ist normal für das Alter, denke ich.

Sie hat inzwischen einen guten Überblick über ihre autismusspezifischen Probleme, kann das alles klar benennen und einordnen. Ihr machen die Overloads zu schaffen. Phasen der Überlastung führen dann auch wieder zu Problemen mit der Ernährung bzw. mit der Verträglichkeit. Es ist also alles nach wie vor ein Kampf.

Es gibt aber noch andere "Probleme", die für sie momentan schwerer wiegen als ihre autismusspezifischen Beeinträchtigungen. Das sind aber alles Dinge, die sie nicht unbedingt mit mir besprechen möchte. Da ist sie noch auf der Suche, ob und wer ihr da mal helfen kann, Therapeut oder so.

Sie rutscht auch immer mal wieder in ganz schlechte Phasen ab und neulich war hier auch mal Funkstille, weil ihr einfach alles zu viel wurde. Normalerweise sprechen wir über alles und sie hat auch oft das Bedürfnis sich mitzuteilen, einfach mal alles raus zu lassen, was sie so beschäftigt. Aber dann kommen eben auch Phasen, wo sie am liebsten den Kontakt einfach mal ganz einstellen möchte, weil jedes Wort, jeder Kommentar oder einfach auch nur ein Blick, meine bzw. unsere Anwesenheit schon zu viel ist.

In solchen Momenten würde ich mir wünschen, dass unser Kontakt auch in guten Zeiten nicht so intensiv wäre, weil ich mit diesem hin und her nicht gut klar kommen kann. Aber auch darüber reden wir dann, wenn es wieder möglich ist.

So, jetzt möchte ich noch ein paar Zeilen zu dem Beitrag von Mamavonsarah schreiben. Ich schließe mich Rena99 an, dass es wichtig ist und gut tut, wenn man irgendwie mal Abstand gewinnen kann, was für sich tun kann. Aber das ist natürlich nicht so einfach.

Ich habe damit irgendwann ganz langsam angefangen. Nichts großes. Heute Nachmittag war ich gaaaanz in Ruhe einkaufen, habe mich mit etwas leckerem verwöhnt, hatte dann später Lust unter die Dusche zu gehen, heiß und kalt und was schönes duftendes. Dann habe ich Musik gehört, gesungen, Kerzenlicht. Später habe ich dann zwei Filme in der Mediathek geschaut und mich kaputt gelacht....

....tja, ... und dann fiel mir ein, dass ich schon soooo lange hier nicht mehr im Forum war.... :lol:

Ich habe jetzt eine andere Arbeitsstelle, seit Anfang des Jahres. Mein Vater ist in diesem Jahr verstorben. Und unsere Tochter kommt immer erst spät von der Schule nach Hause. Das ist auch mit ein Grund, warum mir inzwischen viele andere Sachen und Interessen durch den Kopf gehen. Dazu kommt auch, dass es meiner Tochter wichtig geworden ist, dass ich nicht immerzu gedanklich mit ihr beschäftigt bin. Das heißt aber auch, dass sie manchmal alleine in ihrem Zimmer traurig ist und weint, während ich hier unten nichtsahnend heiter vor mich hinsumme.

Mamavonsarah, ich hoffe, dass es Dir jetzt gerade etwas besser geht?

rena99, wie steht es bei euch?

LG
Jenny66
Tochter, 1999 (sel. Mutismus + AS)

rena99
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Beitragvon rena99 » 29.11.2018, 22:58

Hallo Jenny,

wie schön, dass du dich meldest. Und toll, dass es deine Tochter wirklich in die Oberstufe geschafft hat.

Die Stimmungsschwankungen und die Overloads kenne ich ganz gut, wobei es, denke ich, bei meiner Tochter nicht ganz so extrem ist.

Die hat dieses Jahr Abi gemacht und nun angefangen zu studieren. Ich glaube, es gefällt ihr ganz gut. Im Gegensatz zu dir, Jenny, bin ich total abgemeldet und bekomme fast nichts mehr mit. Außer einigen "bad vibrations", wenn es mal richtig viel ist mit dem sozialen Stress.

Ich denke, meine Tochter hadert damit, dass sie psychisch/sozial soviel weniger belastbar ist, als andere und so viel mehr Auszeiten braucht, in denen sie aus ihrer Sicht so viel verpasst. Das lässt sie die Auszeiten nur begrenzt genießen und das ist ein Teufelskreis.

Aber es ist ihr Leben, da wird sie einen Weg für sich finden müssen und ich bin sicher, das wird sie auch. Da habe ich Vertrauen in sie und bin auch mächtig stolz auf "mein Mädel". Ob sie den Belastungen des Studiums gewachsen ist, wird man sehen. Intelligent genug ist sie, aber da ist natürlich viel Unverhergesehenes, Umgelegtes, Abgesagtes, Studententrauben, Lerngruppen, Professoren, die man nicht kennt und von denen man etwas will und dieser doofe Smalltalk und und und.

Tja, schon komisch, wie schnell die Zeit dann doch vergeht, auch wenn es zwischendurch endlos erscheint.

Alles Gute euch!

Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
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Beitragvon Jenny66 » 30.11.2018, 14:57

Ich denke, meine Tochter hadert damit, dass sie psychisch/sozial soviel weniger belastbar ist, als andere und so viel mehr Auszeiten braucht, in denen sie aus ihrer Sicht so viel verpasst. Das lässt sie die Auszeiten nur begrenzt genießen und das ist ein Teufelskreis.
Ja, ja, ganz genau so ist das auch bei unserer Tochter.

Unsere Tochter will auch studieren, aber genaueres wissen wir noch nicht bzw. sie weiß es eben auch noch nicht. Schauen wir mal. :wink:

Jenny66
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Re: Es geht voran, oder doch nicht?

Beitragvon Jenny66 » 12.09.2019, 17:55

Hallo,

es ist ja schon wieder sooo lange her, dass ich aktuell berichtet habe.

Jetzt geht es mit großen Schritten auf das Abitur zu, berufliches Gymnasium.
Sie schlägt sich so durch. Das letzte Zeugnis war auch wieder ganz gut.
Nach wie vor muss sie sich kurze Auszeiten nehmen und fehlt dann mal einen Tag.
Oftmals auch vorausschauend..."jetzt Ruhe/Pause, damit ich die Hürde, die Klausur, etc. schaffe".
Das regelt sie alles ganz eigenverantwortlich. Muss sie ja auch, denn sie ist ja immerhin schon zwanzig Jahre alt.

Heute kommt sie mit ihrer Klasse von einer Studienfahrt aus London zurück.
Ich bin ja mal gespannt wie es war und wie so ihre Stimmung ist.
Ob sie sehr überreizt und erschöpft ist, gleich auf ihr Zimmer geht und Tür zu?...ich bin auf alles gefasst und erfreut, wenn es nicht so schlimm kommt.
Zum Glück brauchen sie morgen nicht zur Schule und erst wieder am Montag.

Letztes Mal hatte ich geschrieben, dass ich eine neue Stelle habe.
Was soll ich sagen...ich habe jetzt schon wieder eine neue Stelle.

Die vorige Stelle musste ich aufgeben bzw. mein befristeter Vertrag wurde auch nicht verlängert.
Ich hatte dann mal Anfang des Jahres einen kompletten Zusammenbruch.
Eigentlich reif für die Klinik, was ich aber noch abwenden konnte...ob gut oder nicht sei mal dahingestellt.

Ein halbes Jahr lang habe ich Antidepressiva genommen und wollte mir eigentlich auch eine Auszeit von einem Jahr nehmen.
Außerdem habe ich wieder angefangen viel Sport zu treiben bzw. joggen zu gehen und Rad zu fahren.
Bin jetzt jeden Tag zwei Stunden gleich morgens unterwegs und das tut mir sehr gut.
Das ist aber noch ausbaufähig mit Yoga und mal schauen wie und was noch.

Ich arbeite jetzt seit Ende August nur noch an zwei Tagen in der Woche, jeweils drei Stunden.
Und ich hoffe, dass ich das weiterhin schaffen werde.
"Rente/zu wenig Einkommen"....darüber brauche ich gar nicht nachzudenken, denn es geht nicht anders.
Ich schaffe das alles nicht mehr.
Die anstrengenden Jahre zollen ihren Tribut, denke ich mal.
Das alles in Kombi mit den Wechseljahren hat mich einfach ausgeknockt.

In diesem Sinne denkt bitte alle daran, dass ihr auf euch aufpasst und euch Auszeiten nehmt, euch gutes tut, für Ruhe und Entlastung sorgt, etc.

Jenny66
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Beitragvon Engrid » 12.09.2019, 18:03

Hallo Jenny,

schön, mal wieder von Dir zu lesen, und dass Du am aufsteigenden Ast bist. Pass gut auf Dich auf! :wink:

20 Jahre Specialedition, da steckt viel Kraft drin, im doppelten Sinn.

Ich hoffe, es war gut auf der Fahrt für Deine Tochter, und Ihr habt einen positiven Wiedersehensabend.

Grüße
Engrid
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Re: Es geht voran, oder doch nicht?

Beitragvon rena99 » 28.09.2019, 20:49

Hallo Jenny,

wie schön von dir zu hören und zu lesen! Ich find es ja immer spannend, wie sich unsere ja fast gleich alten Mädchen so entwickeln und was das auch mit uns macht....
Hallo,

es ist ja schon wieder sooo lange her, dass ich aktuell berichtet habe.

Jetzt geht es mit großen Schritten auf das Abitur zu, berufliches Gymnasium.
Sie schlägt sich so durch. Das letzte Zeugnis war auch wieder ganz gut.
Nach wie vor muss sie sich kurze Auszeiten nehmen und fehlt dann mal einen Tag.
Oftmals auch vorausschauend..."jetzt Ruhe/Pause, damit ich die Hürde, die Klausur, etc. schaffe".
Das regelt sie alles ganz eigenverantwortlich. Muss sie ja auch, denn sie ist ja immerhin schon zwanzig Jahre alt.
Das klingt doch richtig gut. Berufliches Gymnasium, Abitur, da hättest du vor ein paar Jahren doch gar nicht drauf zu hoffen gewagt. Alle Achtung, da hat deine Tochter ja einen richtig großen Schritt nach vorne gemacht. Und wenn sie lernt, ihr Stressmanagement selbst in die Han zu nehmen, dann ist auch das der richtige Weg. Denn, da sind wir uns ja einig, da ohne werden sie ihr Leben nicht bewältigen können.
Heute kommt sie mit ihrer Klasse von einer Studienfahrt aus London zurück.
Ich bin ja mal gespannt wie es war und wie so ihre Stimmung ist.
Ob sie sehr überreizt und erschöpft ist, gleich auf ihr Zimmer geht und Tür zu?...ich bin auf alles gefasst und erfreut, wenn es nicht so schlimm kommt.
Zum Glück brauchen sie morgen nicht zur Schule und erst wieder am Montag.
Studienfahrt, London, trotz Reizüberflutung: toll, dass das geht. Dass da dann ein Tag zum Erholen nötig ist, finde ich nicht schlimm. Besser, man plant den direkt ein, dann muss man sich nicht ärgern.
Letztes Mal hatte ich geschrieben, dass ich eine neue Stelle habe.
Was soll ich sagen...ich habe jetzt schon wieder eine neue Stelle.

Die vorige Stelle musste ich aufgeben bzw. mein befristeter Vertrag wurde auch nicht verlängert.
Ich hatte dann mal Anfang des Jahres einen kompletten Zusammenbruch.
Eigentlich reif für die Klinik, was ich aber noch abwenden konnte...ob gut oder nicht sei mal dahingestellt.

Ein halbes Jahr lang habe ich Antidepressiva genommen und wollte mir eigentlich auch eine Auszeit von einem Jahr nehmen.
Außerdem habe ich wieder angefangen viel Sport zu treiben bzw. joggen zu gehen und Rad zu fahren.
Bin jetzt jeden Tag zwei Stunden gleich morgens unterwegs und das tut mir sehr gut.
Das ist aber noch ausbaufähig mit Yoga und mal schauen wie und was noch.

Ich arbeite jetzt seit Ende August nur noch an zwei Tagen in der Woche, jeweils drei Stunden.
Und ich hoffe, dass ich das weiterhin schaffen werde.
"Rente/zu wenig Einkommen"....darüber brauche ich gar nicht nachzudenken, denn es geht nicht anders.
Ich schaffe das alles nicht mehr.
Die anstrengenden Jahre zollen ihren Tribut, denke ich mal.
Das alles in Kombi mit den Wechseljahren hat mich einfach ausgeknockt.

In diesem Sinne denkt bitte alle daran, dass ihr auf euch aufpasst und euch Auszeiten nehmt, euch gutes tut, für Ruhe und Entlastung sorgt, etc.
Ja, ich glaube, man sieht erst im Nachhinein, was einen die Zeit gekostet hat und wieviel (emotionale) Energie da notwendig war. Ich bin selbst auch angefangen, mir ein Hobby zu suchen und mir so wieder Inseln im Alltag zu schaffen. Außerdem fahre ich jetzt öfter mal übers Wochenede weg, einfach nur so, mal ein paar Tage Berlin oder ein einsamer Nordseestrand. Das hilft mir persönlich mehr als die Vorstellung, jetzt eine längere Periode Auszeit zu haben. Aber das ist wahrscheinlich von Person zu Person unterschiedlich. Allerdings habe ich hier auch noch die Schwiegereltern zu pflegen, da ist man ja froh um jeden Tag, wo mal nichts ist.

Meine Tochter studiert mittlerweile. Der Anfang war schon heftig. Ihr höherer Erholungsbedarf passt so gar nicht in ein modernes Bachelor-Raster und sie hat sehr mit sich gehadert. Aber so langsam geht es aufwärts, ist mein Eindruck. Auch ist sie ausgezogen und bewohnt nun ihr eigenes WG-Zimmer. Schritt für Schritt voran und zwischendurch auch mal 2 Schritte zurück, gar nicht so einfach, wenn die Studienkollegen leichtfüßig an einem vorbeisprinten.

Ich freue mich auf dein nächstes Update!
Alles Liebe
Rena
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Re: Es geht voran, oder doch nicht?

Beitragvon rena99 » 28.09.2019, 20:50

Hallo Jenny,

wie schön von dir zu hören und zu lesen! Ich find es ja immer spannend, wie sich unsere ja fast gleich alten Mädchen so entwickeln und was das auch mit uns macht....
Hallo,

es ist ja schon wieder sooo lange her, dass ich aktuell berichtet habe.

Jetzt geht es mit großen Schritten auf das Abitur zu, berufliches Gymnasium.
Sie schlägt sich so durch. Das letzte Zeugnis war auch wieder ganz gut.
Nach wie vor muss sie sich kurze Auszeiten nehmen und fehlt dann mal einen Tag.
Oftmals auch vorausschauend..."jetzt Ruhe/Pause, damit ich die Hürde, die Klausur, etc. schaffe".
Das regelt sie alles ganz eigenverantwortlich. Muss sie ja auch, denn sie ist ja immerhin schon zwanzig Jahre alt.
Das klingt doch richtig gut. Berufliches Gymnasium, Abitur, da hättest du vor ein paar Jahren doch gar nicht drauf zu hoffen gewagt. Alle Achtung, da hat deine Tochter ja einen richtig großen Schritt nach vorne gemacht. Und wenn sie lernt, ihr Stressmanagement selbst in die Hand zu nehmen, dann ist auch das der richtige Weg. Denn, da sind wir uns ja einig, da ohne werden sie ihr Leben nicht bewältigen können.
Heute kommt sie mit ihrer Klasse von einer Studienfahrt aus London zurück.
Ich bin ja mal gespannt wie es war und wie so ihre Stimmung ist.
Ob sie sehr überreizt und erschöpft ist, gleich auf ihr Zimmer geht und Tür zu?...ich bin auf alles gefasst und erfreut, wenn es nicht so schlimm kommt.
Zum Glück brauchen sie morgen nicht zur Schule und erst wieder am Montag.
Studienfahrt, London, trotz Reizüberflutung: toll, dass das geht. Dass da dann ein Tag zum Erholen nötig ist, finde ich nicht schlimm. Besser, man plant den direkt ein, dann muss man sich nicht ärgern.
Letztes Mal hatte ich geschrieben, dass ich eine neue Stelle habe.
Was soll ich sagen...ich habe jetzt schon wieder eine neue Stelle.

Die vorige Stelle musste ich aufgeben bzw. mein befristeter Vertrag wurde auch nicht verlängert.
Ich hatte dann mal Anfang des Jahres einen kompletten Zusammenbruch.
Eigentlich reif für die Klinik, was ich aber noch abwenden konnte...ob gut oder nicht sei mal dahingestellt.

Ein halbes Jahr lang habe ich Antidepressiva genommen und wollte mir eigentlich auch eine Auszeit von einem Jahr nehmen.
Außerdem habe ich wieder angefangen viel Sport zu treiben bzw. joggen zu gehen und Rad zu fahren.
Bin jetzt jeden Tag zwei Stunden gleich morgens unterwegs und das tut mir sehr gut.
Das ist aber noch ausbaufähig mit Yoga und mal schauen wie und was noch.

Ich arbeite jetzt seit Ende August nur noch an zwei Tagen in der Woche, jeweils drei Stunden.
Und ich hoffe, dass ich das weiterhin schaffen werde.
"Rente/zu wenig Einkommen"....darüber brauche ich gar nicht nachzudenken, denn es geht nicht anders.
Ich schaffe das alles nicht mehr.
Die anstrengenden Jahre zollen ihren Tribut, denke ich mal.
Das alles in Kombi mit den Wechseljahren hat mich einfach ausgeknockt.

In diesem Sinne denkt bitte alle daran, dass ihr auf euch aufpasst und euch Auszeiten nehmt, euch gutes tut, für Ruhe und Entlastung sorgt, etc.
Ja, ich glaube, man sieht erst im Nachhinein, was einen die Zeit gekostet hat und wieviel (emotionale) Energie da notwendig war. Ich bin selbst auch angefangen, mir ein Hobby zu suchen und mir so wieder Inseln im Alltag zu schaffen. Außerdem fahre ich jetzt öfter mal übers Wochenede weg, einfach nur so, mal ein paar Tage Berlin oder ein einsamer Nordseestrand. Das hilft mir persönlich mehr als die Vorstellung, jetzt eine längere Periode Auszeit zu haben. Aber das ist wahrscheinlich von Person zu Person unterschiedlich. Allerdings habe ich hier auch noch die Schwiegereltern zu pflegen, da ist man ja froh um jeden Tag, wo mal nichts ist.

Meine Tochter studiert mittlerweile. Der Anfang war schon heftig. Ihr höherer Erholungsbedarf passt so gar nicht in ein modernes Bachelor-Raster und sie hat sehr mit sich gehadert. Aber so langsam geht es aufwärts, ist mein Eindruck. Auch ist sie ausgezogen und bewohnt nun ihr eigenes WG-Zimmer. Schritt für Schritt voran und zwischendurch auch mal 2 Schritte zurück, gar nicht so einfach, wenn die Studienkollegen leichtfüßig an einem vorbeisprinten.

Ich freue mich auf dein nächstes Update!
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