Es geht voran, oder doch nicht?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Karo B.
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Beitragvon Karo B. » 23.07.2015, 10:44

Hallo Jenny,

du hast eine pn!
Viele Grüße
Karo mit Tochter *2008, Entwicklungsstörung, Lernbehinderung, ADS, V. a. atypischen Autismus

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Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 23.07.2015, 13:48

Ja, Karo B., ich danke Dir.
Habe Dir ebenfalls eine PN geschickt.

Jenny66
Tochter, 1999 (sel. Mutismus + AS)

rena99
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Beitragvon rena99 » 23.07.2015, 20:58

Liebe Jenny,

es ist gut zu lesen, dass es ein Stück weiter geht und deine Tochter so langsam ein Gefühl für das Machbare bekommt. Und gerad im letzten Schuljahr machen die meisten ja doch noch eine ganz erstaunliche Entwicklung durch. Wenn sie jetzt weiß, dass sie erst einmal weiter zur Schule gehen will, dann ist ja ein großer Schritt getan.

Für deine Trauerarbeit wünsche ich dir alles Gute. Setz dich nicht unter Druck. Es braucht Zeit!

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 16.10.2015, 14:27

Hier bin ich mal wieder....

Nur noch nicht ganz zwei Stunden und unsere Tochter hat ihr drittes Praktikum - jetzt ist sie schon in der zehnten Klasse - geschafft.

Am Anfang sah es nicht gut aus, sie hat doll geweint. Ich habe wieder alles mit meiner Tochter durchgesprochen. Wie immer mache ich alles alleine, es gibt für unsere Tochter neben ihrer Freundin keine weiteren Vertrauten. Ich habe es dann geschafft sie wieder auf die Spur zu bringen und so hat sie auch das jetzt wieder geschafft. Ich bin jetzt aber auch platt.

Außerdem habe ich die Sache mit dem Behindertenausweis immer im Hinterkopf, weil das ja abzusehen ist, dass der abläuft (noch etwas über zwei Jahre).

Ich weiß nicht, ob wir von unserer zuständigen Ärztin da Unterstützung bekommen werden, einen Bericht oder so. Unsere Tochter müsste dafür dort wieder in eine Gruppe und das möchte sie nicht. Wird eh dann noch schwieriger, weil sie mit der nächsten Schule (Berufsfachschule) eh kaum noch Zeit haben wird.

Aber ich kann mir das ja nicht "selbst stricken" so ohne Nachweise, dass sie noch so gehandikapt ist, dass das die Verlängerung des Ausweises rechtfertigt. Und der Ärztin sagt unsere Tochter schon lange nichts mehr von ihren Problemen, weil sie dann wieder eine Gruppe vorgeschlagen bekommt und das will sie ja nicht. Also sind diese Termine bei der Ärztin völlig sinnlos.

Mittlerweile kommt mir das alles so absurd vor. Ich mag auch kaum noch hier lesen. Wenn ich jetzt mitbekomme, dass einige alle zwei Jahre einen neuen Diagnosemarathon auf sich nehmen müssen, um klitzekleine Hilfen zu bekommen. Mag über all das gar nicht mehr nachdenken.

Bei uns rückt der Übergang ins Arbeitsleben immer näher und ich weiß nicht, wie das alles werden soll. Wäre es gut und richtig über die Schiene Behinderung alles auszuprobieren, was geht? Oder ist das eh auch aussichtslos und wir kämpfen um etwas, was am Ende eh nichts bringt. Oder unsere Tochter muss dafür erst in Vorleistung gehen, Gruppe machen, vielleicht noch einmal Klinik, Begutachtung, keine Ahnung, was noch alles. Ich fürchte, dazu wäre sie nicht bereit, eher lässt sie sich hängen und dann hat eben alles keinen Zweck mehr für sie.

Dann denke ich wieder, wir vergessen das alles, kehren die Diagnose unter den Teppich und hoffen einfach darauf, dass keiner etwas merkt und sie einfach so irgendwie klar kommt.

Viel öfter denke ich aber auch gar nichts und bin einfach auch müde. Es ist schon anstrengend hier den Alltag hinzubekommen und dann freue ich mich, wenn wir wieder eine Herausforderung geschafft haben und konzentriere mich auf die nächste.

Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 12.06.2016, 12:26

So, acht Monate weiter melde ich mich hier mal wieder .... :wink:

Nächste Woche gibt es Abschlusszeugnisse, unsere Tochter hat die zehnte Klasse hinter sich, hat den erweiterten Realschulabschluss auf der Förderschule geschafft.

Es gab ja enorme Irrungen und Wirrungen bezüglich wie es dann danach weitergehen soll. Ganz klar war für unsere Tochter, dass sie noch keine Ausbildung macht, machen kann. Weiterhin klar wurde ihr, dass sie es auch nicht mit Abi machen auf einer Regelschule probieren will. Wir haben eine Info-Veranstaltung auf einer Berufsfachschule geschafft - mehr ging wirklich neben dem ganzen anderen Stress nicht - und das war so abschreckend für sie, dass sie eine Berufsfachschule in Richtung Büroberufe auch nicht mehr wollte, evtl. später noch einmal drüber nachdenken. Übrig blieb bei alledem dann noch eine Berufsfachschule für Hauswirtschaft. Damit startet sie nach den Sommerferien und hat große Sorge, ob das alles auch klappt, ob sie wieder gemobbt wird, usw.

Da bei ihr so insgesamt die Ängste auf vielfältige Weise zugenommen haben, ist es echt sehr schwierig irgendetwas zu finden, was passen könnte. Mit so vielen Ängsten kann man sich scheinbar auch gar nicht richtig entfalten und finden. Und leider muss ich mich auch von der Hoffnung verabschieden, dass uns noch irgendwer da weiterhelfen kann. Unsere Tochter kann kein Vertrauen zu ihrer KJP-Ärztin finden und ich habe es jetzt aufgegeben. Den Termin, den wir jetzt noch haben, werde ich wohl absagen, weil es so einfach nicht weiter geht.

Blöd ist auch, dass man ja praktisch schon in einem Jahr wieder wissen muss, wie es weitergehen soll und dafür muss man ja auch schon wieder sehr früh entsprechend rumsuchen, sich bewerben, usw. Oder überhaupt Vorstellungen und Perspektiven für sich entwickeln. Das funktioniert aber so mit unserer Tochter nicht. Sie kann immer erst nur eine Sache zuende machen und muss sich darauf voll konzentrieren, weitere Fenster dann zu öffnen geht eigentlich gar nicht, weil das zu sehr stresst. Es reicht im Grunde genommen schon völlig, dass wir uns ja wohl demnächst schon wieder um ein Praktikumsplatz kümmern müssen. Das hat man dann davon, wenn man weiter zur Schule geht. Dann ist jedes Mal wieder dieser ganze Ringelreim mit Praktikumssuche dran. Für uns dann jetzt das vierte Mal. Sollte sie evtl. die Fachoberschule danach anstreben, dann geht es wieder los mit Praktikumsplatzsuche. Aber wie gesagt, so weit können wir absolut nicht planen.

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Beitragvon Regina Regenbogen » 12.06.2016, 13:13

Jenny66 hat geschrieben:Nächste Woche gibt es Abschlusszeugnisse, unsere Tochter hat die zehnte Klasse hinter sich, hat den erweiterten Realschulabschluss auf der Förderschule geschafft.


Klasse :icon_thumleft:

Ganz klar war für unsere Tochter, dass sie noch keine Ausbildung macht, machen kann.


Warum ist ihr das ganz klar? Gerade eine duale Ausbildung in einem entsprechend geeigneten Ausbildungsbetrieb UND einer sie interessierenden Berufsrichtung kann ihr Selbstsicherheit und Stärke geben, auf jeden Fall mehr als eine Dauerbeschulung.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Beitragvon Jenny66 » 12.06.2016, 19:45

Warum ist ihr das ganz klar? Gerade eine duale Ausbildung in einem entsprechend geeigneten Ausbildungsbetrieb UND einer sie interessierenden Berufsrichtung kann ihr Selbstsicherheit und Stärke geben, auf jeden Fall mehr als eine Dauerbeschulung.

Es gibt nichts wofür sie talentiert ist oder Interesse hat, handwerklich begabt ist sie auch nicht. Dann ist sie kaum belastbar, würde einen ganzen Arbeitstag nicht schaffen, hat jetzt schon Sorge, dass sie die sechs Stunden mehr nicht schafft, weil sie so schon immer am Rande war. So sieht sie das. Im letzten halben Jahr hat sie am Nachmittag oft völlig erschöpft da gehangen und hat geweint. Dazu kommen noch ihre diversen Ängste, Schlafstörungen und Alpträume. Sie ist echt so gebeutelt, dass nicht mehr viel reingeht bei ihr. Wir haben hier alle keine Ahnung, was daraus mal werden soll. Irgendetwas mit vielen Menschen und/oder Lärm geht auch nicht. Etwas mit Kindern eigentlich auch nicht, weil sie Kinder nicht mag, auch wenn sie u. a. ein Praktikum im Kindergarten gemacht hat und das auch hinbekommen hat. Ist also alles nicht so einfach. Aber wir hoffen jetzt, dass sie dieses eine Jahr auch gut schafft und dann sehen wir weiter.

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Beitragvon rena99 » 14.06.2016, 16:09

Jenny66 hat geschrieben:Da bei ihr so insgesamt die Ängste auf vielfältige Weise zugenommen haben, ist es echt sehr schwierig irgendetwas zu finden, was passen könnte. Mit so vielen Ängsten kann man sich scheinbar auch gar nicht richtig entfalten und finden. Und leider muss ich mich auch von der Hoffnung verabschieden, dass uns noch irgendwer da weiterhelfen kann. Unsere Tochter kann kein Vertrauen zu ihrer KJP-Ärztin finden und ich habe es jetzt aufgegeben. Den Termin, den wir jetzt noch haben, werde ich wohl absagen, weil es so einfach nicht weiter geht.


Hallo Jenny,

ich habe ganz gute Erfahrungen damit gemacht, die therapeutischen Möglichkeiten zu listen und in einen Ordner zu packen. Und meiner Tochter erklärt, wo sie das finden kann, sollte sie da etwas unternehmen wollen. In dem Alter deiner Tochter geht Therapie sowieso nur noch vom Betroffenen aus. Aber die Möglichkeiten sollten für deine Tochter "nicht weit weg" sein, wenn sie doch etwas machen mächte. Denn Ängste sind wirklich fürchterlich und schränken das Leben so ein.

Ansonsten entwicklen sich die Jugendlichen ja mit steigendem Alter immer auch ein Stück weiter. Vielleicht ist ein Jahr Berufsfachschule (oder wie immer das heißt) ja gar nicht so schlecht um noch ein Stück nachzureifen. Wobei es, wie du ja auch schreibst, ja dann direkt schon wieder Zeit wird, weiter zu suchen. Bis zu den Herbstferien hat es aber noch Zeit, denke ich. Bis dahin seht ihr hoffentlich klarer, wie es läuft.

Alles Gute
Rena, deren Tochter es im Moment richtig gut macht (freu)
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Beitragvon Jenny66 » 25.08.2016, 08:06

So, da bin ich mal wieder... :D

nach dem heutigen Tag sind drei Wochen rum auf der neuen Schule. Sie hat sich da ganz gut reingefunden. Selbst die Dinge, die nicht so gut laufen, drücken sie jetzt nicht so arg, habe ich das Gefühl.

Dass sie Interesse an dem Thema Ernährung hat, sich auch ein wenig schon damit auskennt, ihr das Kochen auch Spaß macht, das hat die Lehrerin wohl auch schon erkannt, auch entsprechend schon mit guten Noten gewürdigt. Der Haken ist bei ihr, dass sie zum einen Linkshänderin ist und zum anderen feinmotorisch nicht gerade sehr geschickt ist. Auch das ist schon aufgefallen, aber auch da hat die Lehrerin wohl jetzt etwas eingelenkt, ist da weniger schroff mit ihr, als am Anfang. Vielleicht weil sie ansonsten die Motivation unserer Tochter sieht. Wie auch immer. Unsere Tochter scheint ganz zufrieden zu sein. Ich hoffe, dass sie mit den meisten Lehrern da weiter gut klar kommt.

Glücklicherweise hatten wir es auch geschafft noch in den Sommerferien einen Praktikumsplatz in einer Kita-Küche zu bekommen. Die sind da auch ganz nett. Das wird wohl hoffentlich dann nach den Herbstferien auch alles gut laufen.

Die Zeit vergeht schnell, es muss bald auch schon wieder überlegt werden, wie es denn nach diesem einen Jahr weitergehen soll. Unsere Tochter ist immer noch auf dem Dreh, dass sie so lange es irgendwie geht, weiter zur Schule will.

Es ist auch so, dass das dort in dieser Schule auch besprochen wird. Die wollen ja wissen, was die Schüler danach weiter machen wollen. Im Moment überlegt unsere Tochter, ob sie danach noch zwei Jahre Fachoberschule anschließt. So hat sie z. B. noch auf ihrer alten Schule einmal ein Praktikum bei einem Hotel und Restaurant gemacht. Würde sie dort noch einmal für ein halbes Jahr einen Praktikumsplatz bekommen, könnte dort in der Küche arbeiten, dann würde sie gerne noch diese zwei Jahre Fachoberschule machen. Dann hat sie zwar drei Tage in der Woche Praxis in einem Betrieb, aber es wäre eben noch keine Ausbildung und den Betrieb - vorausgesetzt es würde klappen - kennt sie dann ja schon, weil sie dort schon einmal war. Das ist für sie eine überschaubare Hürde und von daher machbar.

Jetzt hoffe ich insgeheim, dass die dort unsere Tochter noch einmal nehmen würden, dann müssten wir uns erst einmal keinen Kopf mehr machen. Aber noch ist es zu früh da mal nachzufragen. Oder vielleicht doch bald mal? Ich weiß es nicht. Theoretisch könnten wir dort auch mal gemeinsam Essen gehen und dann nachfragen. Mal schauen.

Alternativ käme auch noch ein berufliches Gymnasium für den Zweig Ernährung in Frage, aber das ist etwas weiter weg und dauert dann drei Jahre und es sind natürlich noch mehr Unterrichtsfächer.

Jenny66
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Beitragvon rena99 » 25.08.2016, 08:34

Hallo Jenny,

wie schön von euch zu hören und endlich auch mal etwas Positives. Unsere "Mädels" entwickeln sich ja doch Stück für Stück weiter. Emotional sind sie halt noch jünger als ihr biologisches Alter, aber nach und nach holen sie auf. Man braucht selber Geduld und die Mädchen das Gefühl, dass man an sie glaubt und sich die Dinge zum Guten wenden.

Alternativ käme auch noch ein berufliches Gymnasium für den Zweig Ernährung in Frage, aber das ist etwas weiter weg und dauert dann drei Jahre und es sind natürlich noch mehr Unterrichtsfächer.

Ich denke, das wäre einen ganz gute Alternative für deine Tochter, wenn es mit der Fachoberschule nicht klappen sollte, denn intellektuell kann sie das sicher und wenn sie sich halbwegs wohl fühlt, wird sie das auch emotional packen. Vielleicht ist es wirklich gut, dass sie jetzt erst mal ein Zwischenjahr mit positiven Erfahrungen machen kann.

Ich drücke euch total die Daumen!!!

LG
Rena
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