Stephanie - Logopädin

Hier stellen sich verschieden Fachleute vor, die im REHAkids Forum aktiv sind.

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Kathrin und Marie
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Beitragvon Kathrin und Marie » 11.10.2010, 12:36

Hallo Steffi

Schön auch mal was von "der anderen Seite" zu hören.
Besonders interessiert mich wie du Kinder mit Mutismus behandelst. Unsere Tochter leidet an selektivem Mutismus und wir sind immer für neue Behandlungsmethoden offen.
LG Kathrin
Kathrin mit Marie *10/00 selektiver Mutismus und Moritz 10/03 gesund und wild

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AniH
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Beitragvon AniH » 11.10.2010, 12:47

Hallo Stephanie.
Schön, dass Du hier im Forum bist.
Vielleicht kannst Du mir helfen.
Unser Zwerg (gerade ein Jahr alt geworden) hat ständig seine Zunge am Lippenrand. Für mich war dies jetzt immer eine Abwehrhaltung, was das Essen betrifft. Er macht dies allerdings auch zwischen dem Essen manchmal, wenn er spielt. Das SPZ sagte mir jetzt, dass dies wahrscheinlich zu Problemen beim Essen (mit Stücken) führen kann. Was meinst Du dazu?
Ich war bisher immer der Meinung, dass dies relativ normal ist.
Viele Grüße
AniH
Carlos 10/2009. op. Omphalocele, korr. Fallot Tetralogie (dabei fast gestorben),Dreiecksschädel, Kau- und Essstörung, seit 2012 glückliches Kita-Kind (wo er übrigens auch isst...toll!!!), Hüftdysplasie links, Spitzfuss links, Spastik links, fokale Epilepsie rechts. Trotz der vielen Krankheiten ein süsser und frecher Sonnenschein hoch fünf.

Logo-Steffi
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Beitragvon Logo-Steffi » 11.10.2010, 13:49

Hallo Kathrin und Marie,
ich berichte dir gerne "von der anderen Seite", wenngleich ich mich eher als Begleiter als Gegenüber sehe.
Früher war Mutismus ein rein psychiatrisches "Problem". Oft berichteten die Betroffenen von jahrelanger Odyssee durch alle möglichen ambulanten und staionären Behandlungsversuche, die nicht selten abgebrochen wurden mit der Begründung: Dem kann man nicht helfen, der spricht ja nicht mit mir. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Inzwischen gibt es aber recht erfolgreiche Therapiemodelle im logopädischen Bereich.
Grundsätzlich orientiere ich mich an der Therapiemethode "Symut" nach Dr. Boris Hartmann. Über seine Methode findest du sehr viele Veröffentlichungen im Internet, sowie ein tolles Buch mit vielen Fallbeispielen: "Gesichter des Schweigens". Vielleicht kennst du es ja bereits. Ich bereite allerdings die Einheiten etwas individueller auf und spicke sie mit eigenen Ideen und Elementen aus anderen Therapiemethoden, z.B. nach Katz-Bernstein. Das oberste Ziel heißt immer: Das "Sprechen wollen" muss wichtiger und interessanter sein als das Schweigen. Ich versuche ein gutes Therapeuten-/Klientenverhältnis aufzubauen, mache viele Eltern-Gespräcnstermine und versuche das gesamte persönliche Umfeld des Klieten mit einzubeziehen, d.h. auch Schule und Kindergarten. Letztendlich heißt das viele, viele Stunden Telefonate und Gespräche. Super ist es, wenn alle beteiligten Disziplinen es schaffen ein gemeinsames Gespräch zustande zu bringen.
Die besten Erfolge habe ich, wenn das Kind gleichzeitig von einem Kinderpsychiater betreut wird. Mit ihm spreche ich mich im engen Setting ab, so dass wir uns wirklich gegenseitig unterstützen können. Da habe ich glücklicherweise eine sehr gute Kooperation aufbauen können.
Leider kenne ich keine Therapeuten aus deiner Region, aber da kannst du gerne man unter www.mutismus.de in der Therapeutenliste schauen.
Ich wünsche dir viel Erfolg und freue mich, wenn du hin und wieder berichtest, wie es euch geht. Selbstverständlich kannst du mich auch jederzeit über dieses Forum kontaktieren.
Liebe Grüße
Logo-Steffi
"Die Stärken stärken schwächt die Schwächen"

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Beitragvon Logo-Steffi » 11.10.2010, 17:38

Hallo AniH,
danke für die Anfrage. Ums gleich vorweg zu sagen, eine eindeutige Aussage ist in deinem Fall schwer. Hat dein Zwerg denn irgendeine Grunderkrankung?
Grundsätzlich kann man sagen, dass der Wechsel von flüssiger Nahrung aus der Flasche oder Brust hin zum Kauen von fester Nahrung eine Reifung des Schluckmusters braucht. Beim Trinken aus der Flasche oder an der Brust liegt die Zunge recht weit vorne, um durch Melkbewegungen an die Milch zu kommen. Das Kauen und v.a. der Transport von fester Nahrung braucht eine Wellenbewegung nach hinten oben, um die Nahrung in Richtung Schlund zu befördern. Da in deinem Fall die Zunge sehr weit nach vorne orientiert ist, könnte (muss aber nicht) der ÜBergang in dieses reifere Schluckmuster schwierig sein. Logopäden mit Erfahrung in der Behandlung von Fütterstörungen können dir da aber sicher weiterhelfen. Es gibt einige Tricks und Möglichkeiten, um deinem Schatz den Übergang zu erleichtern. Bleib einfach dran und probier mal aus und wenns nicht von alleine klappt, lass dir fachlich helfen.
Liebe Grüße
Logo-Steffi
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Beitragvon ehemalige Userin » 17.10.2010, 17:16

Hallo :-)

Vielen Dank. Dies hat mir auf jedenfall weitergeholfen und war ausführlicher als das was ich bis jetzt so zuhören bekommen hab.

Fabian lispelt ja nicht nur, er hat ja auch Dysgrammatismus. Aber die HNO Ärtzin meint wir müssen abwarten, bis das mit dem Paukenröhrchen vorbei ist. (eines wird gerade abgestoßen).

Jetzt haben wir das Glück dass in der KiGa Gruppe eine Logopädin tätig ist. Die werde ich sobald sie sich eingearbeitet hat mal fragen was sie dazu sagt.

Lieben Dank!

Viele Grüße
Steffie

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Beitragvon Logo-Steffi » 17.10.2010, 18:56

Hallo SteffieKoeln,
danke für die Antwort und weitere Hinweise. 2 Dinge würde ich ganz gerne noch anfügen:
1. du schreibst, dass dein Sohn auch einen Dysgrammatismus hat. Egal wie schwer dieser ist, sollte er baldmöglichst behandelt werden. Einerseits ist die Behandlung in der Regel nicht nach 10 oder 20 Einheiten abgeschlossen, sondern dauert länger. Zum Anderen hängt der Aufbau der Grammatik mit anderen entwicklungsbedingten Fähigkeiten zusammen, die sich auch nur weiterentwickeln können, wenn eine bestimmte Reife erreicht ist.
2. Wenn dein Sohn JETZT gut hört, gibt es keinen Grund warum nicht sofort mit der Behandlung begonnen werden kann. Warum das Abstoßen der Röhrchen abwarten? Wichtig für die Ausbildung einer guten sog. phonologischen Bewusstheit ist die Stimulatiion des Hörnervs, damit überhaupt etwas "oben" ankommt, das weiterverarbeitet werden kann. Der Hörnerv ist jedoch bereits in recht frühem Alter "ausgereift". Je länger der keine Stimulation bekommt, desto schwerer wird es zu einem späteren Zeitpunkt Höreindrücke zu verarbeiten. Daran hängt ein ganzer Rattenschwanz, den ich hier so nicht erläutern kann, aber wichtig für den gesamten Spracherwerb ist.

Diese beiden Informationen hatte ich in deiner 1. Anfrage nicht, sonst hätte meine Antwort von vorneherein etwas anders ausgesehen.
Das Lispeln ist in der Tat wohl das kleinste Problem.

Macht die Logopädin Sprachförderung oder Sparachtherapie? Wenn Sprachtherapie, dann müsstet ihr einen integrativen Kindergarten haben, sonst kann sie große Probleme mit den Krankenkassen bekommen.

Liebe Grüße
Logo-Steffi
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Beitragvon ehemalige Userin » 19.10.2010, 07:43

Hallo :-))

Das mit dieser fehlenden Grammatik war mir zwar bewusst, aber dass es dafür einen medizinischen Fachbegriff gibt wusste ich nicht. Vorallem weil die beim SPZ meinten von der Sprache sind sie begeistert. Mein Sohn spricht sehr viel und sehr schnell. Aber bei der Vorsorgeuntersuchung hab ich unser Kinderärztin gefragt. Sie ist zwar auch der Meinung, wir sollten abwarten. Aber von warten halte ich nix. Und so wurden wir zum HNO überwiesen.

Die HNO Ärztin meinte weil der Prozess gerade im Gange ist (zumindest rechts) sollte man abwarten.

Ja wir sind in einem I Kindergarten. Ich möchte die Logopädin auch nur nach ihrer Meinung fragen. So kann ich beim HNO erklären, dass eine Logopädin die Fabian kennt (evtl.) der selbem Meinung ist.

Lieben Dank für deine Informationen und Tips. :alien: :icon_flower:

Liebe Grüße
Steffie

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Beitragvon Logo-Steffi » 19.10.2010, 07:59

Hallo Steffie,
ich kann verstehen, wenn du total verunsichert bist. Ohne das nötige Fachwissen ist es auch sehr, sehr schwer in der Materie durchzublicken. Du hast auch im Forum andere Eltern angeschrieben - finde ich gut, pass aber auf, dass dich das nicht komplett verunsichert.
Ich wollte dieser Logopädin nicht zu nahe treten, aber im Moment sind die Neider unterwegs und rein rechtlich dürfen Logo´s nur im Kindergarten arbeiten, wenn es um Integrationshilfe geht. Auch ich habe eine Zeit lang Kinder im Kiga betreut, aber momentan auf Eis gelegt, weil es einfach zu gefährlich ist, eine Anzeige zu kassieren und womöglich die Zulassung zu verlieren. Aber keine Sorge, ihr könnt euch in einem I-Kiga durchaus auch behandeln lassen.
Noch ein kleiner Tipp: sei vorsichtig mit Aussagen wie "die Logopädin hat gesagt... oder die Erzieherin meinte..." Auf solche Sätze reagieren die allermeisten Ärzte allergisch und verordnen erst recht nicht. Meine Erfahrung: das Anliegen immer so vorbringen, dass die Ärzte meinen, sie hätten selbst entschieden, aber hartnäckig bleiben, was das Vorhaben betrifft. So nach dem Motto: Was denken Sie, wäre es gut wenn... könnten wir evtl. einen Versuch mit 5-6 Einheiten mit Logo starten? Abbrechen ist ja immer möglich..... Ich habe so viele Meinungen gehört, ich wäre beruhigter wenn.....
Dir wird sicher etwas einfallen. :P

Na dann, viel Glück
liebe Grüße Steffi
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Nine
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Beitragvon Nine » 19.10.2010, 18:11

Hallo Logo-Steffi,

meine Tochter ist jetzt 2 J und 7 M und ich mache mir Sorgen, da die Sprache nicht so kommen will. Sie ist körperlich und geistig super fit. Versteht und setzt alles um, was sie hört. Fährt Laufrad, wie ein Wirbelwind, kann super puzzeln und malt schon Männchen. Aber sie hat sich so ihr eigenen Wort gebaut, von denen ich sie nicht weg bekomme. Auch kommen viele Worte sehr undeutlich. Sie benutzt kaum Verben. Es macht mir echt Sorgen und meine Kinderärztin mein, sie wäre halt so ein Kind, welches dann im Kindergarten anfängt und Logo fände sie erst ab 4 sinnvoll. Wir schauen viele Bücher, lesen jeden Abend...! Ich versuche alles, aber ich komm nicht weiter. Hören ist auch ok.

Gruß Nine
Nine 43 Jahre, Söhne Lennart 17 Jahre Hemiparese li. und Epilepsie und Philipp 19 Jahre "bester großer Bruder" und Charlotte 5 Jahr unser Wirbelwind

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Logo-Steffi
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Beitragvon Logo-Steffi » 20.10.2010, 08:18

Liebe Nine,
danke für die Anfrage. Du hast ganz recht, wenn du dich um Logopädie für deine Kleine bemühst. Ich muss auch deiner Kinderärztin wehement widersprechen. Es ist in der Tat so, dass man bereits mit 2 Jahren Logopädie ansetzen kann, wenn die Sprache nicht kommen will, bzw. sich die Kinder ihre "eigene" Sprache zurechtzimmern. Außer den engsten Angehörigen werden diese Kinder von nahezu niemandem verstanden. Je früher man in das sich aufbauende System eingreift und es "korrigiert", desto weniger Folgeprobleme sind zu erwarten. Im Alter von 2 Jahren arbeitet man natürlich sehr spielerisch, die Kinder haben ihre Freude daran und lernen so ganz nebenbei auch noch das deutsche Sprachsystem korrekt, erweitern ihren Wortschatz und finden auf einmal Spaß am "plappern", nämlich dann, wenn sie auch von den Erwachsenen verstanden werden. Die Zaubertherapie heißt "Zollinger". Es gibt wissenschaftliche Studien, die beweisen, dass diese Therapie wirklich Sinn macht.

So ganz nebenbei bemerkt: Zum Aufbau einer korrekten Grammatik ist ein ausreichend großer Verbwortschatz nötig. Wenn dieser noch nicht da ist, kann sich da nichts weiterentwickeln. Ein Kind mit 2 JAhren sollte ca. 200 Wörter VERSTEHEN und aktiv mind. 50 Wörter SPRECHEN. Das ist ein sog. Schwellenwert, erst wenn dieser erreicht ist, wird sich die Sprache weiterentwickeln. Mit 4 Jahren sollte der Spracherwerb in der Basis erworben sein. Das heißt, die Kinder sind in der Lage einen Sachverhalt folgerichtig wiederzugeben, komplexe Sätze zu sprechen und (das /s/ ausgenommen) alle Laute des deutschen Lautsystems motorisch zu bilden und im Wort an der richtigen Stelle einzusetzen.

Ich würde an deiner Stelle absolut hartnäckig bleiben, was eine Verordnung angeht und zumindest eine umfassende Diagnostik bei einem Logopäden oder einem Sprachheilpädagogen erwirken, um herauszufinden, warum deine Kleine nicht spricht. Oft kann man auch mit recht einfachen Mitteln den Alltag anders gestalten und mehr Sprachanlässe schaffen, was die Entwicklung sicher begünstigt.
Du kannst auch man unter dem Stichwort "Barbara Zollinger" oder "Institut für kleine Kinder" googeln. Die Adresse kommt aus der Schweiz. Vielleicht findest du geeignetes Schriftmaterial, das dein Verlangen bei der Kinderärztin untermauern kann.
Psst: neben der Kinderärztin gibt es ja auch noch HNO-Ärzte, Pädaudiologen, Neurologen, Psychologen und Hausärzte, die eine Verordnung ausschreiben dürfen.

Ich wünsche dir viel Glück und bis bald. Vielleicht kannst du mir ja mal schreiben, was du erreichen konntest. :wink:

Liebe Grüße
Steffi
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