nicht behindert genug für die WfbM (Werkstatt)

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Sonja Fee
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nicht behindert genug für die WfbM (Werkstatt)

Beitragvon Sonja Fee » 27.01.2009, 08:38

Hallo,
meine 19jährige (Pflege-) Tochter besucht nun seid 2 Jahren die Werkstatt für behinderte Menschen.
Da sie nun den Berufsbildungsbereich, also die 2 Einführungsjahre in die Werkstatt abgeschlossen hat und nun offiziel in den Arbeitsbereich wechselt, wechselt auch der Kostenträger.
Nun haben wir es also mit der Wiedereingliederungshilfe des Sozialamtes zu tuen und die wollen die Behinderung unserer Tochter nicht anerkennen.
Unsere Tochter hat das fetale Alkoholsyndrom. Das heißt für sie , das infolge des Alkoholkonsums der leiblichen Mutter in der Schwangerschaft, vor allen die Verknüpfungen der einzelnen Hirnregionen sich nicht gebildet haben. Dabei hatte sie noch Glück (welch bittere Ironie) denn die einzelnen Hirnzentren sind voll ausgebildet und funktionsfähig. Sie kann also alle Denkleistungen vollziehen, doch diese nicht miteinander verknüpfen. Infolge dessen kann sie nicht logisch und reflektiert denken und nicht aus einer Handlung lernen oder eine Lösung für eine unbekannte Situation finden bzw noch nicht mal erkennen wenn eine Situation unbekannt ist.
Da sie aber super auswendig lernen kann, kann sie sich viele Handlungsabläufe und sogar ganze Gespräche abspeichern und zu gegebener Zeit widergeben. Das erweckt natürlich dann schnell den Eindruck, das sie ganz "normal" wäre.
Die Diagnose wurde bei ihr erst 05 gestellt. Bis dahin musste sie sich als "ganz normal" durchs Leben und duch die Schule kämpfen und hat sogar einen Hauptschulabschluss.
Aufgrund der Diagnose bekam sie dann auch sofort einen Behindertenausweis mit 100% und B,G und H.
Kann man noch mehr "behindert" sein ?
Doch für das Sozialamt zählt das alles nicht.
Dort erkennt man das fetale Alkoholsyndrom nicht an und verweist auf den Hauptschulabschluss.
Nun sollen wir nachweisen das sie geistig behindert ist.
Wie sollen wir denn das machen ?
Mehr als ein Arztgutachten von einem annerkannten Spezialisten auf dem Gebiet und einem Behindertenausweis, geht doch gar nicht......oder?
Himmel, und da dachte ich wir hätten endlich alles für sie geregelt.
Dabei hatten wir uns selber so schwer getan damit sie in die Werkstatt zu geben.
Wofür hat sie denn einen Hauptschulabschluss ?
Doch schau ich mir meine Tochter an, dann weiß ich das es so richtig war.
Sie war noch nie in ihrem Leben so ausgeglichen, zufrieden und glücklich.
Die Werkstatt will uns im Kampf um die Bewilligung unterstützen, doch sagen sie auch ganz klar, das immoment viele ihrer Beschäftigten den Sparmassnahmen zum Opfer fallen und nun Zuhause sitzen.

also, auf in den Kampf......

den führen wir immoment auch mit dem Vormundschaftsgericht. Die haben doch allen ernstes nachgefragt ob die Betreuung überhaupt noch nötig wäre.
Himmel Leute, die Behinderung ist angeboren und unheilbar.
Wo nix ist, kann nix nachwachsen !!!
...oder erwartet das irgentwer von einem Menschen ohne Beine ? fragt da einer nach zwei jahren nach, ob es sich nun erledigt hat ?
Im Grunde könnt ich den gleichen Bericht nun auch ans Sozialamt schicken.

Fällt einem von Euch noch etwas Schlaues dazu ein ?hat vieleicht jemand von Euch einen Rat, einen Tip oder ähnliche Erfahrungen gemacht ?

wenn alle Stricke reißen werden wir uns auf jeden Fall an die Presse wenden



liebe Grüße
Sonja
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Sonja ( *69 / Kinderkrankenschw.)
mit Ehemann Frank (Rehapool)
5 leibl. Kinder : 15,14,11,9 und 6j. alle mit AVWS + hochbegabung
2 Pflegekinder : 19j. spast.CP, geist.+körp. schwerbehindert.,4j.FAS,geistig und körperlich behindert,Unterarm verkürzt,Daumen fehlt,Klumphand,Kleinwüchzig,Mikrocephalus
2 (ehem.)Pflegekinder mit FAS

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Beitragvon Inge » 27.01.2009, 10:17

Hallo Sonja,

eine Betreuung wird immer überprüft. Auch bei Annika, die das Rett-Syndrom hat und lebenslänglich auf Hilfe in allen Bereichen angewiesen ist.
Üblich ist eine Überprüfung alle 5 Jahre. In Zweifelsfällen häufiger. In ganz eindeutigen Fällen (wie bei Annika) kann die Frist auf höchstens 7 Jahre verlängert werden.
Aber überprüft wird immer!

Wegen des Arbeitsplatzes kannst Du Dich eventuell noch an das Integrationsamt wenden. Vielleicht haben die noch Tipps für Dich. Ansonsten kann ich Dir nur gute Nerven und viel Ausdauer wünschen...

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitragvon inkapust » 27.01.2009, 11:39

Hallo Sonja!
Das ist ja echt der Hammer, ich würde mich beim Sozialverband erkundigen und notfalls vor das Sozialgericht gehen, wenn Gutachten vorliegen, das eine GB vorliegt kann der Werkstattbesuch doch nicht verhindert werden.
Vielleicht sollten man auch die Presse einschalten.
Was sagt denn das Arbeitsamt, die wären dann ja jetzt für sie zuständig und müßten sie vermitteln und sie weiter unterstützen?
LG von einer ratlosen
Inka
Andre (14.01.1998) leichte geistige Behinderung, muskuläre Hypotonie, schlechtes Schlaf EEG mit Ospolot eingestellt, V.a. Unspezifisches
Dysmorhiesyndrom, seit 2006 AD(H)S Diagnose
Malina (24.08.2001) bisher normale Entwicklung

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Beitragvon dagmar neo frea » 27.01.2009, 12:30

hallo sonja

der bbb wird ja durchgeführt mit der prämisse des erhalts der arbeitskraft oder dem anzubahnenden wechsel in den normalen arbeitsmarkt

wie lautet denn die empfehlung der werkstatt?

was steht im rehabericht?
eigentlich müsste der verlauf reibunglos vor sich gehen wenn die werkstatt die empfehlung ausspricht deine tochter in den arbeitsbereich zu übernemen und die hierfür erforderliche stellungname des gesundheitsamtes dem landkreis vorliegt

wenn das dem landkreis nicht reicht musst du wiederspruch machen
eigentlich sind die rechtlichen dinge da ziehmlich eindeutig
liebe grüße
dagmar
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA

http://www.institut-fuer-menschenrechte ... rpd_de.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=dVrX7Gqjzs0


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