Sind Autismus und Transidentität (transgender) vereinbar?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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sepperl
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Sind Autismus und Transidentität (transgender) vereinbar?

Beitragvon sepperl » 26.01.2009, 20:27

Ich möchte gerne mal wissen ob und warum das Gesetz sagt dass sich transsexuelle Menschen mit Autismus nicht operieren lassen dürfen bzw. dass selbiges nicht genehmigt wird? Dazu habe ich auch gehört dass Autismus eine Ich-Störung sei und diese nicht operativ behandelt bzw. therapiert werden darf, allerdings ist Transidentität ja auch eine Ich-Störung und wird trotzdem meist operativ behoben.

Man sagte mir auch dass mein Psychologe bzw. Lebensberater keine autistische Diagnose (lediglich autistische Züge) gestellt habe, damit mir der Weg zur Anpassung nicht versperrt wird. Bedeutet das für mich sobald ich eine offizielle Diagnose in meinen Händen halte ist der Weg für mich abgeschlossen, auch wenn ich noch gar nicht wirklich fertig bin? Oder kann man mir jetzt nicht mittendrin die Genehmigung entziehen? Habe ich ein Recht darauf im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten zu entscheiden wie mein zukünftiger Körper aussehen wird, auch wenn ich offiziell als Autist gelte?

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Beitragvon Leonie » 26.01.2009, 23:22

Hallo David,
warum solltest du nicht operiert werden dürfen?
Autismus ist doch eine neurologische Besonderheit und keine Krankheit, die dich in deiner Entscheidungsfähigkeit einschränkt.
Wenn du dich operieren lassen würdest, wärst du doch immer noch Autist. Also der Autismus würde nicht operiert werden, sondern es würde nur eine Geschlechtsangleichung durchgeführt werde.
Eine Diagnose ist nur eine Diagnose. Du kannst dich dann doch noch genau so weiter entwickeln? oder erschließt sich nur mir der Sinnzusammenhang nicht?
Das habe ich dir jetzt als Leonie, nicht als Professionel geschrieben :)
Viele Grüße
Leonie

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KatrinBr
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Beitragvon KatrinBr » 27.01.2009, 13:33

Hallo David,
da stellst Du aber eine spannende Fage. Die ist ja fast philosophisch :? .
Ich kann Dir darauf keine Antwort geben, da ich die Rechtslage nicht kenne, kann mir aber nicht vorstellen, daß Autismus das Ausschlusskriterium für eine OP zur Geschlechtsangleichung sein soll. Ich weiß nicht, welche Motivationen vorhanden sein müssen, bzw. abgeprüft werden, bevor diese OP gemacht wird. Dazu gibt es doch sicher Richtlinien. Vielleicht kann man daraus etwas herleiten :? .
Man kann ja auch keiner Autistin verwehren einen Schwangerschaftsabbruch zu machen! Gleiches Recht für Alle!
Liebe Grüße
Katrin

PS: Ich würde keinen Abbruch machen, nur um Diskussionen zu vermeiden. Das ist allerdings auch meine ganz persönliche Meinung und ich respektiere die Meinung der Anderen!
Katrin mit H. und Jonas geb. 2006
Jonas : V.a. Frühkindlichen Autismus

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MarkusB.
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Re: Sind Autismus und Transidentität (transgender) vereinbar

Beitragvon MarkusB. » 27.01.2009, 19:23

Ich möchte gerne mal wissen ob [...] das Gesetz sagt dass sich transsexuelle Menschen mit Autismus nicht operieren lassen dürfen bzw. dass selbiges nicht genehmigt wird?
Ich kenne zwei transsexuelle Autisten, die eine Geschlechtsumwandlung anstreben. Soweit ich das bislang mitbekommen habe, ist Autismus in diesem Zusammenhang nie als Ausschlusskriterium für das Recht auf eine Operation benannt worden.

In jedem Fall wird natürlich sichergestellt, dass Dein Wunsch ernsthaft ist und es sich nicht bloß um eine "fixe Idee" aus einer momentanen Stimmung heraus handelt. Aber das wird ja bei jedem gemacht, der eine Geschlechtsumwandlung anstrebt.
Liebe Grüße
Markus

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Beitragvon sepperl » 27.01.2009, 22:33

Ich habe heute mit meinem Psychologen und Lebensberater über das Thema Autismus und Transsexualität gesprochen und er meinte es wäre ein ärztlicher Kunstfehler wenn ein Gutachter einem Autisten ein Gutachten ausstellt das eine solche Operation befürwortet und dass es bei einer offiziell vorliegenden Diagnose (z.B. über HFA) plus neuen Anträgen diesbezüglich und erforderlicher neuer Begutachtung durch den MdK zu Problemen kommen könnte bzw. wird. Es würde aber kein offizielles Gesetz darüber existieren.

Er hat auch argumentiert dass Autismus eine Ich-Störung und somit als eine psychologische Erkrankung gilt. Ein Autist hätte zudem keine stabile Geschlechts- und sonstige Identität, sondern er müsse diese ständig neu (er-?)finden und sie würde also möglicherweise ständig wechseln. Ein Kriterium bei Transgendern ist aber dass die Identität mit absoluter Sicherheit nicht mehr wechselt und sich das Geschlechtsempfinden mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird.

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Beitragvon Cordula67 » 28.01.2009, 01:44

Also dass ein Autist seine Geschlechtsidentität ständig ändern soll ist ja reiner Humbug. Was soll denn so eine Aussage? Ich bin Autist und Frau und fühle und bleibe seit vielen Jahren Frau und bin mir gaaanz sicher auch noch bis an mei Lebensende Frau bleiben zu wollen. Ansichten gibt es *kopfschüttel

Ich kenne auch einen transsexuelle Autisten und er/sie ist auf ihrem Weg, aber das der Autismus hinderlich wäre, hat man auch nicht anklingen lassen. Vielleicht konsultierst Du mal einen anderen Psychologen/Arzt.

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Beitragvon sepperl » 28.01.2009, 12:12

Wie bereits erwähnt und um mögliche Diskussionen gleich im Keim zu ersticken: nein, das ist nicht meine persönliche Ansicht, sondern nur die meines Psychologen! Weiss auch nicht wie ich diesen Kerl loswerde, weil ich wenn ich vor ihm stehe oder mit ihm telefoniere nicht dazu komme zu neuen Terminen "Nein!" zu sagen?! :icon_silent: Heisst ich gehe zu einem Lebensberater von dem ich schon lange nicht mehr überzeugt bin, aber wie kommt man aus dieser Zwickmühle wenn dieser einen nicht aus seinen Fängen lässt? :?

Dazu kommt noch dass einer seiner Mitarbeiter einen wöchentlichen Kreis hält zu dem ich momentan und auch weiterhin gerne hingehe und der mit ihm in Kontakt steht, dieser drückt mir teilweise den Hörer in die Hand und sagt ich solle mit ihm reden! :shock: Ich möchte gerne von Frau Dr. Wilczek vom Autismusinstitut behandelt werden oder von einem anderen Psychologen der sich mit Autismus auskennt und mich so sein lässt wie ich bin.

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Beitragvon MarkusB. » 28.01.2009, 18:35

...er meinte es wäre ein ärztlicher Kunstfehler wenn ein Gutachter einem Autisten ein Gutachten ausstellt das eine solche Operation befürwortet... Es würde aber kein offizielles Gesetz darüber existieren.
Das ist doch widersprüchlich! Entweder ist etwas ein Kunstfehler und wird dementsprechend geahndet oder eben nicht. Gesetze und Richtlinien sind dafür da, korrekt durchgeführte Behandlungen von Behandlungsfehlern ("Kunstfehlern") zu unterscheiden. Gibt es keine solche Richtlinie, kann sie logischerweise auch niemand richtig oder falsch befolgen.
Er hat auch argumentiert dass Autismus eine Ich-Störung und somit als eine psychologische Erkrankung gilt. Ein Autist hätte zudem keine stabile Geschlechts- und sonstige Identität, sondern er müsse diese ständig neu (er-?)finden und sie würde also möglicherweise ständig wechseln.
:shock: Was gibt Dein Psychologe denn da fürn Quatsch von sich?! Autìsmus ist etwas völlig anderes als eine Ich-Störung, wodurch auch die ganze nachfolgende "Argumentation" unsinnig ist. :evil: Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist es ohnehin fraglich, warum bei Autìsmus die Psychiatrie die zuständige Fachrichtung ist und nicht die Neurologie.
Ich möchte gerne von Frau Dr. Wilczek vom Autismusinstitut behandelt werden oder von einem anderen Psychologen der sich mit Autismus auskennt und mich so sein lässt wie ich bin.
Ist es Dir möglich, Frau Wilczek mal anzurufen oder ihr einen Brief zu schreiben? Sobald der erste Kontakt hergestellt ist, kann sie Dir vielleicht helfen, den Wechsel zu vollziehen.
Liebe Grüße
Markus

Ich bin übrigens der Junge auf dem Avatar, ein Asperger-Autist. Das war ich 1981 im Alter von 6 Jahren.
Weitere Infos in meiner Vorstellung. | Mein Projekt: Infos und Adressen zur Autismusdiagnostik.

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Beitragvon sepperl » 31.01.2009, 14:44

Genau das waren seine Argumente, dass es als psychologische Störung (u.a. Ich-Störung) gilt und dass dies der Transidentität widersprechen würde und es zudem ein ärztlicher Kunstfehler ist wenn man dies (ein Gutachten oder Indikation für OP ausstellt) dennoch tut. Er meinte auch dass es evtl. bei weiteren Anträgen für Kostenübernahmen Probleme mit der Kasse geben könnte, sobald dort die Diagnose HFA bekannt werden würde.

Es kann natürlich auch sein dass er quasi um mich als seinen Patienten kämpft und mich u.a. auch deshalb nicht aus seinen Fängen lässt. Ich aber möchte so schnell wie möglich von ihm weg und am liebsten gar nicht mehr hingehen, aber ich werde von seinem "Untergebenen" ans Telefon geholt und er ist dran...! :shock: :x Ich hatte vorher gesagt dass ich heute nicht mit ihm sprechen möchte und trotzdem hat er ihn einfach angerufen. :roll: Was soll ich tun wenn dies wieder vorkommt, denn ich habe eigentlich nicht vor da noch oft hinzugehen?

Ich habe bereits versucht Frau Wilczek anzurufen, aber sie hat den AB dran und ruft auch nicht zurück! Eine Postadresse habe ich leider nicht, sonst würde ich ihr einen Brief schreiben oder eine Email schicken. Habt ihr irgendwelche Kontaktdaten von ihr, sie arbeitet u.a. im Hamburger Autismusinstitut und in Neumünster?

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Beitragvon Cordula67 » 31.01.2009, 16:59

Was soll ich tun wenn dies wieder vorkommt, denn ich habe eigentlich nicht vor da noch oft hinzugehen?
Ganz einfach Sepperl - tu das was man Autisten immer nachsagt so gern - rede kein Wort mehr, wenn er Dir das Telefon rüber reicht - hast eine Redeblockade *grins und auf keinem Fall mehr hingehen.


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