Arbeitgeberpflichten bei I-Helfer oder Schulbegleitung

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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eifelanja
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Arbeitgeberpflichten bei I-Helfer oder Schulbegleitung

Beitragvon eifelanja » 14.05.2008, 13:49

Hallo an Alle!

Nachdem ich nun gesucht und noch nichts zu diesem Thema gefunden habe starte ich hier mal eine Anfrage, die in Zikunft wohl noch mehr im Rahmen des Pers. Budget betreffen könnte.
Wir werden wohl als Arbeitgeber (mein Erziehungsurlaub endet zum Jahrsende) eine Tagesmutter und mit dem Kitaplatz dann einen I-Helfer einstellen müssen (I-Helfer, weil es bei uns zur Zeit keine geeigneten Träger, Konzeptionen und I-Helfer gibt). Da für beide die Verdienste jenseits der Minijob-Grenze liegen, müssen wir sie sozialversichern. Wer von euch hat Erfahrung als Arbeitgeber und kann uns Infos, Tipps und Hinweise zum Ablauf geben? Konkret geht es mir um folgende Bereiche:

1. Gestaltung des Arbeitsvertrages
2. Berufsgenossenschaft/Unfallversicherung der/des Beschäftigten
3. Lohnkontenführung (Aufbewahrungszeit 10 Jahre), Lohnabrechnug
4. Abführen der Steuer
5. Abführen der Sozialversicherungsbeiträge Arbeitnehmer und Arbeitgeber
6. Regelung im Krankheitsfall, Mutterschutz der Beschäftigten und zu guter Letzt:
7. brauche ich als Arbeitgeber eine Rechtsschutzversicherung :wink: ????

Herzlich Dank schon mal für eure Hilfe!
Grüße aus der Eifel
Anja

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Beitragvon Kaja » 14.05.2008, 18:35

Hallo Anja,

als erstes benötigst du eine Betriebsnummer. Die erhälst du vom für deinen Wohnsitz/Ort der Tätigkeit der Beschäftigen zuständigen Arbeitsamt/Betriebsnummernstelle.

1. Arbeitsvertrag

Das Nachweisgesetz regelt in § 2 die zwingend erforderlichen Bestandteile des Arbeitsvertrages

http://www.gesetzesweb.de/NachwG.html

Ansonsten kann man auch Formularverträge nehmen und diese entsprechend anpassen. Beim Urlaub ist zu beachten, dass ein gesetzlicher Mindesturlaub von 24 Werktagen im Kalenderjahr bei einer 6-Tage Woche (also 20 Arbeitstage bei einer 5-Tage-Woche) zu gewähren ist.

2. Berufsgenossenschaft

Für Tagesmütter war zumindest vor einigen Jahren die BGW zuständig. Ruf am besten vorher dort an, ob das noch aktuell ist. Ansonsten wahrscheinlich die VBG als Auffang-BG.

Die BGW hat ein Anmeldeformular entwickelt, dass du ausgefüllt an die BG schicken musst.

http://www.bgw-online.de/internet/gener ... /navi.html

Zum Jahresende erhälst du ein Formular, in das du die Anzahl der Arbeitnehmer, die tatsächlich gearbeiteten Stunden und das gezahlte Entgelt einträgst. Daraus berechnet die BG die zu zahlenden Beiträge.

3. Für die Lohnabrechnung gibt es einfach zu handhabende Computerprogramme, die auch die Beitragsnachweise für die KK und die Lohnsteueranmeldungen für das Finanzamt erstellen (und versenden) und die Lohnkonten fertigen. Natürlich kannst du die Abrechnung auch per Excel machen. Das Lohnkonto muss das monatliche Bruttoentgelt, die darauf entfallene Lohn- und gegebenenfalls Kirchensteuer, den Soli sowie die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie die abzuführenden Umlagen enthalten.

4.Lohnsteuer

Du musst das für den Arbeitsplatz der Beschäftigen zuständige Finanzamt/Lohnsteuerstelle informieren. Dann erhälst du einen Fragebogen, den du ausgefüllt an das Amt zurückschickst. Das entscheidet dann, ob du die Lohnsteueranmeldung monatlich, vierteljährlich oder jährlich abgeben musst. Die Höhe der abzuführenden Lohnsteuer kannst du aus Tabellen ablesen, die man kaufen kann.

5. Deine Arbeitnehmer müssen dir ihre Rentenversicherungsnummer und ihre KK nennen. Dann rufst du bei den entsprechenden KK an und lässt dir das Formular zur SV-Anmeldung schicken. Die Beitragsnachweise für die KK müssen per Datenfernübertrag an die KK gesendet werden. Da lässt du dir am besten von der KK die Möglichkeiten nennen, die sie akzeptieren. Auch beim Ausfüllen unterstützen die KK eigentlich ganz gut. Wenn das Gehalt jeden Monat gleichbleibend ist, kannst du auch einen Dauerbeitragsnachweis erstellen, der so lange gilt, bis es Veränderungen gibt.

6. Wenn die Arbeitnehmer Kinder haben, nimmst du am besten die Regelung auf, dass § 616 BGB nicht gelten soll. Dann musst du im Fall der Krankheit der Kinder keine Lohnfortzahlung leisten, sondern die Mutter erhält Kinderkrankengeld von der KK.

Nach § 3 EntgeltFortzahlungsgesetz musst du bei jeder Krankheit bis zu 6 Wochen Lohnfortzahlung leisten, nicht aber in den ersten vier Wochen des Arbeitsverhältnisses. Für diese Lohnfortzahlung musst du eine Versicherung zahlen (Umlage 1). Dann erhälst du im Krankheitsfall einen bestimmten Prozentsatz der geleisteten Entgeltforzahlung zurück.

Während der Zeiten des Mutterschutzes musst du einen bestimmten Zuschuss zum Mutterschaftsgeld zahlen, den du aber über die Umlage 2 zu 100 % wieder zurück erhälst.

7. Eine Rechtsschutzversicherung ist zwar nicht gesetzlich vorgesehen, aber zu empfehlen - es sein denn, du schüttelst das Arbeitsrecht aus dem Ärmel.

Viele Grüße

Kaja

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Beitragvon eifelanja » 14.05.2008, 20:24

Hallo Kaja,

herzlichen Dank für deine schnelle und vor allem so ausführliche Antwort. Hast du Erfahrungen als Arbeitgeber? Was ist, wenn ich die ganze Sache an einen Steuerberater übergebe? Was habe ich dann noch zu tun? Wie hoch ist der Aufwand tatsächlich? Kann ich das so nebenbei machen (als berufstätige Mama von vier Kindern)? Gibts vielleicht Alternativen, gerade auch in Bezug auf I-Helfer?
Fragen über Fragen...
Es dankt euch mit lieben
Grüße aus der Eifel
Anja

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Beitragvon Kaja » 14.05.2008, 20:58

Hallo Anja,

eifelanja hat geschrieben: Was ist, wenn ich die ganze Sache an einen Steuerberater übergebe? Was habe ich dann noch zu tun?

dann dürften auf dich eigentlich nur die Zahlungen an den Steuerberater zukommen, die aber auch über das persönliche Budget finanziert werden müssten. Nur - viele Steuerberater übernehmen allein die Lohnabrechnungen recht ungern, weil die Abwicklung nicht kostendeckend erfolgen kann. Reine Lohnbüros können zwar die normale Lohnabrechung leisten, sind aber oft schon überfordert, wenn es an die Abwicklung der Zahlungen während des Mutterschutzes einer Arbeitnehmerin geht,

eifelanja hat geschrieben:Wie hoch ist der Aufwand tatsächlich? Kann ich das so nebenbei machen (als berufstätige Mama von vier Kindern)?

Unter der Voraussetzung, dass die Tagesmutter und der I-Helfer monatlich gleichbleibende Zahlungen erhalten, ist nur ein relativ hoher Anfangsaufwand erforderlich, bei dem ich dir gegebenenfalls helfen könnte. Handlungsbedarf besteht danach nur noch, wenn die KKn ihre Beiträge ändern oder jemand krank wird. Das wäre dann auch für dich zeitlich machbar.

Als Alternative käme noch in Betracht, dass sich Tagesmutter und I-Helfer selbständig machen und damit verpflichtet sind, für ihre Lohn- und Sozialrechtsangelegenheiten allein zu sorgen. Da muss man schauen, inwieweit das für die konkreten Leute realisierbar ist.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass beide bei einer sozialen Organisation (DRK, AWO usw.) angestellt sind, die dann die Arbeitgeberpflichten übernimmt, so dass du nur den vereinbarten Stundensatz für die Nutzung der Betreuungsdienstleistung an die Organisation zahlen musst.

Viele Grüße

Kaja

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Re: Arbeitgeberpflichten bei I-Helfer oder Schulbegleitung

Beitragvon Barbara04 » 22.07.2019, 16:07

Hallo Kaja,

ich habe diese Frage und deine wunderbar ausführliche Antwort über Google gefunden. Ich bin gerade nur noch ganz selten hier im Forum und habe gar keinen Überblick mehr.

Ist die Antwort noch in groben Zügen aktuell? (Also dass eine Anmeldung über einen anderen technischen Weg läuft oder man https statt http verwenden meine ich damit nicht, das merkt man ja dann.)
Falls es aktuellere Threads zu diesem Thema gibt, würde ich mich über einen Hinweis (Link) darauf freuen.

Liebe Grüße,
Barbara
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Re: Arbeitgeberpflichten bei I-Helfer oder Schulbegleitung

Beitragvon LasseUndJohannes » 22.07.2019, 18:45

Hi,
im groben stimmt das noch. BGW ist für unsere Schulbegleitung auch die richtige BG. Was sich geändert hat ... Inzwischen gibt es die Lohnbuchhaltung nicht als Programm für deinen Rechner sondern gleich komplett online. Einfach mal googeln und Anbieter wählen. Die machen dann auch die entsprechenden Meldungen an die KK und ans Finanzamt. Das heißt bei Punkt 4. oben habe ich lediglich eine Steuernummer als Arbeitgeber beantragt und dann im online Lohnabrechnungsprogramm verwendet. Inklusive ein paar Euro Mahngebühren weil ich dem Finanzamt nicht rechtzeitig eine Einzugsermächtigung erteilt habe.
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Re: Arbeitgeberpflichten bei I-Helfer oder Schulbegleitung

Beitragvon Barbara04 » 25.07.2019, 12:23

Dankeschön, LasseUndJohannes!

Dann mach ich mich mal auf die Suche danach.
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Re: Arbeitgeberpflichten bei I-Helfer oder Schulbegleitung

Beitragvon FeliLeya » 18.08.2019, 21:34

Hallo, ich empfehle noch eine Berufshaftpflichtversicherung. Dabei sollen Sach -und Personenschäden an Dritte (z.b. Deine Angestellte beschädigt etwas in der Schule/Kindergarten) abgedeckt sein.
SV Abgaben sind über SVnet möglich, Lohnsteuer, Soli u. Kirchensteuer über Elster.
Grüße
*2013 spastische tetraparese PS3

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Re:

Beitragvon Leasanne » 18.08.2019, 22:01

Hallo Kaja,

[...] Was ist, wenn ich die ganze Sache an einen Steuerberater übergebe? Was habe ich dann noch zu tun?
Das ist sogar die bessere Variante, wenn du als Arbeitgeber auftrittst. Da sitzen Fachleute, die sich laufend weiterbilden, weil es gerade in diesem Bereich fast vierteljährlich neue Regelungen und Gesetze gibt. Die müsstest du alle parat haben, wenn du das alles korrekt machen willst.
Zu den Kosten: bei einem Arbeitnehmer und gleichbleibenden Gehalt liegen die Kosten bei vielleicht 25,00€ netto, die Einrichtung kostet erstmal etwas mehr, ebenso die jährlichen Meldungen an die BG z.B.. Dafür hast du mit nix was zu tun, das macht alles der Steuerberater: Anforderung einer Betriebsnummer, Anmeldung bei der BG, Lohnsteueranmeldung, Meldung der SV-Beiträge an die Krankenkasse, lfd. Erstellung der Lohnabrechnungen, Abwicklung von Krankmeldungen und evtl. Arbeitsunfälle, etc.
Das einzige, was du bei einem guten Steuerberater noch tun musst (bös ausgedrückt) ist, die Rechnung zu bezahlen. ;-)

Der Steuerberater kann dir auch in Fragen des Arbeitsrechts weiterhelfen.
Liebe Grüße
Leasanne
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