GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Briddel
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GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon Briddel » 08.11.2019, 11:12

Hallo!
Ich bin noch neu hier und habe trotz Suche leider noch keine Antwort auf eine aktuelle Frage gefunden.
Luca wird bald 12 Jahre.
Bei uns kam im Laufe der Jahre immer mehr Defizite zueinander, so dass Luca nun auch vor kurzem auf eine Förderschule für Motorik und Sehen wechseln musste. In diesem Zusammenhang wurde mir dann auch erstmalig geraten einen Behindertenausweis zu beantragen (nur das Ihr Euch nicht wundert, dass ich jetzt erst tätig werde).
Bei uns handelt es sich nicht um ein spezielles Krankheitsbild mit einem Namen, unter dem sich alle was vorstellen können, sondern wie Ihr der Überschrift entnehmen könnte um viele Dinge, die im Zusammenspiel Ihre Wirkung erzielen.
Luca hat eine Nystagmus (kann mit Brille aber zumindest 50% sehen).
Körperwahrnehmungsstörung (isst wie ein Kleinkind (dreckiger Mund wie auch Benutzung des Bestecks), keine Körperteile nur grob benennen, hat Schwierigkeiten mit gestern/morgen/vorgestern/übermogen, schneiden und malen fällt sehr schwer, die Schrift ist kaum leserlich (muss jetzt umlernen auf Laptopbenutzung/10-Finger Schreiben), nässt und kotet sich immer noch gelegentlich ein, hat kein Sättigungsgefühl, so dass er zu Übergewicht neigt, weil wir es nicht überall kontrollieren können, kann kein Einbeinstand, was beim Fußballspielen fehlt, hat kein Überblick über das Spielfeld sowie auch den Straßenverkehr, er kann zwar Fahrradfahren, aber das ist sehr wackelig und dabei fährt er aber auch schnell (ich habe immer Angst und lass ihn nicht alleine los) (Stürze kommen regelmäßig vor, einmal ist er so dolle vor einen Laternenmast gefahren, dass das Fahrrad Totalschaden war und er, wenn er keine Helm auf gehabt hätte, schwerste Kopfverletzungen davongetragen hätte, laut Rettungshelfer), er hat keine Kontrolle über Darmwinde und auch Bäuerchen (was manchmal ganz schön peinlich ist, bei so einem großen Jungen).
Die Augen-Hand-Koordination ist katastrophal.
Auditive Verarbeitungsstörung (er brauch für alles extrem lange, kann sich keine 3 Dinge merken, die er Abarbeiten soll, Konzentrationsschwächen, kann sich selber und seinen Schulalltag nicht organisieren bzw. seinen Arbeitsplatz)
Das hört sich vielleicht etwas komisch an, aber er verliert total viele Dinge (z. B. in den letzten 6 Wochen: Schlüsselbund, eine Winterjacke, sein Handy, ein Schulbuch sowie 2 mal die Brille kaputt). Das kann nicht normal sein und ich denke fast, dass es auch etwas ist, was speziell zu ihm gehört
Um 2 - 3 Jahre entwicklungsverzögert
LRS-Schwäche

Er hat einen GdB von 40% zugesprochen bekommen. Ich habe diese Liste, nach der bestimmte Krankheiten eingestuft werden gefunden, aber trotzdem weiß ich nicht und kann nicht einschätzen, wo Luca dort einzuordnen ist. Deshalb habe ich Widerspruch eingelegt, Akteneinsicht verlangt und da waren schon ein paar Dinge, die mich stutzig gemacht haben. Bei der Begründung war ich mir dann aber wieder unsicher. Deshalb habe ich mir einen Beratungstermin beim VdK geholt. Natürlich habe ich trotzdem weiter recheriert und auch einiges zu Papier gebracht (über 70 Auswirkungen habe ich zusammengetragen). Der beim VdK konnte angeblich auch keine Einschätzung vornehmen, aber war mit meiner Ausarbeitung zufrieden, riet mir noch die Merkzeichen B und H zu beantragen und sagte, dass ich das dann so hinschicken könnte. Das habe ich nun gemacht.
Gibt es hier vielleicht jemanden, dessen Kind ähnlich alt ist und ähnliche Probleme hat? Oder kann sonst jemand einschätzen, was Luca zusteht?

Schon mal lieben Dank für Eure Antworten Britta

Anna-Nina
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Re: GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon Anna-Nina » 08.11.2019, 11:38

Hallo,
was hast du denn für ärztliche Befunde abgegeben? Wichtig wäre in eurem Fall auch einen IQ-Test mit abzugeben. Habt ihr das schon dabei gehabt?

LG
Anna

kati543
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Re: GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon kati543 » 08.11.2019, 12:31

Hallo,
man kann Kinder zwar nicht vergleichen, aber ich will Dir mal sagen, wie es bei meinem Ältesten war. Er hat 70 H - ausschließlich aufgrund einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung zugesprochen bekommen bereits als Kleinkind. Irgendwann wurde klar, dass es Autismus ist und die Diagnosen wurden ausgetauscht - GdB und Merkzeichen blieb bestehen. Später kam die Diagnose AVWS dazu - es wurde mit einem Einzel-GdB von 20 berücksichtigt, aber hatte gar keinen Einfluss auf den Gesamt-GdB oder gar Merkzeichen. Vor 3 Jahren kam nun noch die sehr schwer ausgeprägte LRS - Diagnose dazu. Auch diese wurde mit einem Einzel-GdB von 20 berücksichtigt, hatte aber wieder gar keinen Effekt auf den Gesamt-GdB oder die Merkzeichen.
So hart es klingt: Dein Sohn ist eher geholfen mit EINER Diagnose, die 20 Symptome beinhalten KANN, als 20 einzelnen Symptomen, die er tatsächlich hat. Leider werden die einzelnen Symptome vom GdB eben nicht addiert, oftmals noch nicht einmal überhaupt berücksichtigt. Das Versorgungsamt nimmt meistens einfach nur den höchsten GdB einer Behinderung und bescheidet diesen.
An deiner Stelle würde ich hier Ursachenforschung betreiben. Was sagt denn das SPZ, die Humangenetik? Wurde ein IQ-Test gemacht?
Welchen Pflegegrad hat dein Kind? Hat es eine Schulbegleitung? Alles diese Dinge haben zwar „offiziell“ keinen Einfluss auf den Schwerbehindertenausweis, inoffiziell aber schon. Es KANN durchaus hilfreich sein, das Gutachten des MdK/MEDICPROOF mitzuschicken. Natürlich muss man vorher wirklich nochmal alles lesen, ob dort nicht steht, wie selbstständig und toll das Kind ist.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Nicole5kids
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Re: GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon Nicole5kids » 08.11.2019, 13:02

Hallo,

oh wie kommt mir das bekannt vor!

Unsere Tochter hat einen Visus von 5 %, ist Nachtblind, hat visuelle Wahrnehmungsstörungen, Gesichtsfeldausfälle. Die Jungs sind auf dem Weg dorthin( verschlechtern sich zusehends). Auch wir haben keine abschließende Diagnose und somit keinen Namen der Erkrankung. Die Genetik hat uns einen Zeitraum von 5-10 Jahren ! Genannt, bis sie eine Aussage treffen können. Unsere Tochter hat auch einen GdB von 40. wir streiten seit 6 Jahren mit dem Versorgungsamt. Mittlerweile vor dem Landessozialgericht. Unzählige Gutachten mussten wir machen lassen. Es wird zwar immer festgestellt, dass sie die Einschränkungen hat ( wie ihre Brüder auch) aber keiner kann erklären warum. Daher keinen Namen für die Erkrankung- keinen angemessenen GdB. Ich kann euch nur raten Mitglied im Blinden und Sehbehindertenbund zu werden . Die haben eine hervorragende Rechtsvertretung über die RBM in Marburg.
Ich wünsche euch einen langen Atem!

Viele Grüße
NIcole
5 Kinder, davon 3 mit oculärem Albinismus und davon eine Tochter mit zusätzlicher visueller Wahrnehmungsstörung

Joney
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Re: GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon Joney » 08.11.2019, 14:38

Unfassbar . Habe mich immer über meinen GdB aufgrund der Ungerechtigkeit geärgert, wenn ich sah ,wie viel % andere,denen es in allen Belangen wirklich besser geht haben , nur weil sie ihren Ausweis einfach viel früher,teilweise schon in den 80er , beantragt hatten.
Bei der Anzahl an Einschränkungen und nur 40% können sie auch gleich komplett drauf verzichten und den GdB abschaffen. UNFASSBAR

Ein kleiner Tipp was bei mir in einer sehr ähnlichen Sache half ,nachdem ein einjähriger Rechtsstreit und das gefühlt gekaufte Gutachten eines vom Gericht gestellten Gutachters nicht zum Ziel führte, war, ein Mehrwöchiger Aufenthalt in der Psychiatrie und ein entsprechendes Gutachten von dort.

Jetzt standen den 2 Stunden ,die der Gutachter mich erlebt hatte, die Beurteilung von Ärzten gegenüber, die mich über mehrere Wochen kennenlernen durften , was letztlich zum "Erfolg" führte.

VG und viel Kraft und Erfolg.

melly210
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Re: GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon melly210 » 08.11.2019, 15:44

Ich würde in dem Fall auch mal zu einem IQ Test raten. der wird vermutlich, schon alleine wegen der Wahrnehmungsstörungen, eher niedrig ausfallen, und das würde den GdB erhöhen.

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Beitragvon Engrid » 08.11.2019, 19:01

Hallo,

Britta hat geschrieben, ihr Sohn hatte eine Realschulempfehlung. Auf gar keinen Fall würde ich das Kind bloß wegen einem höheren GdB per nicht barrierefreiem IQ-Test „runtertesten“. :shock: Mit der Realschulempfehlung ist ja der normale IQ schon nachgewiesen. Umso klarer wird in der Schulbiographie, dass es für ihn mit seiner Wahrnehmungsausstattung massive Barrieren gibt. Letztlich ist das Scheitern an der Regelschule ja ein Beleg für eine massive Teilhabebeeinträchtigung. Um genau die geht es ja beim SBA.

Ja, man muss um alles kämpfen, und sich in den ganzen bürokratischen Kram einarbeiten. Aber dafür helfen wir ja hier zusammen :wink:
Das wird schon.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re:

Beitragvon melly210 » 09.11.2019, 00:03

Hallo,

Britta hat geschrieben, ihr Sohn hatte eine Realschulempfehlung. Auf gar keinen Fall würde ich das Kind bloß wegen einem höheren GdB per nicht barrierefreiem IQ-Test „runtertesten“. :shock: Mit der Realschulempfehlung ist ja der normale IQ schon nachgewiesen. Umso klarer wird in der Schulbiographie, dass es für ihn mit seiner Wahrnehmungsausstattung massive Barrieren gibt. Letztlich ist das Scheitern an der Regelschule ja ein Beleg für eine massive Teilhabebeeinträchtigung. Um genau die geht es ja beim SBA.

Ja, man muss um alles kämpfen, und sich in den ganzen bürokratischen Kram einarbeiten. Aber dafür helfen wir ja hier zusammen :wink:
Das wird schon.

Grüße
Er geht aber doch jetzt an eine Förderschule, weil die Realschule doch zuviel war und die Frage war wie sie an einen höheren GdB und mehr Hilfen kommt ? Du weißt ja, ich habe auch einen Sohn mit Wahrnehmungsstörungen und habe ihn absichtlich nicht testen lassen. Daß uns dadurch ev Geld und ev auch Hilfen entgehen, nehmen wir in Kauf. Aber wenn sie mehr GdB und mehr Hilfen will, ist ein IQ Test tatsächlich der einfachste Weg. Und nein, nur weil er eine Realschulempfehlung hatte die dann im Nachhinein noch nicht mal gestimmt hat, wird kein Amt als erwiesen ansehen, daß er einen IQ im Normalbereich hat, leider. Für deine Argumentationslinie wird sehr wahrscheinlich ein IQ Test im Normalbereich vorliegen müssen...

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Re: GdB, Widerspruch bei Körperwahrnehmungsstörung, Nystagmus, auditive Verarbeitungsstörung und LRS

Beitragvon Engrid » 09.11.2019, 09:13

Hallo,

ich muss mich wundern, Melly, das grade von Dir zu lesen.
Zu einem IQ-Test zu raten, weil er schlecht ausfallen könnte (eG Wahrnehmungsproblematik, nicht wegen kognitiven Defiziten) und damit für einen höheren GbB gut sein könnte. Für ein Kind, das ganz offensichtlich nicht geistig eingeschränkt ist. Da fällt mir nichts mehr ein.

Britta, ich denke, mit guter Begründung für genau das, das TATSÄCHLICH die Problematik Deines Sohnes ist, gibt es auch einen passenden GdB.

Grüße
Engrid
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Beitragvon Engrid » 09.11.2019, 09:30

Nachtrag, mein Sohn hat hier grade das Editieren torpediert :P

dass eine Schule zuviel ist, heißt doch nicht, dass er sie kognitiv nicht geschafft hätte. Das Forum ist voll von Geschichten von geistig fitten Kindern, denen eine Schule zuviel war. Das heißt dann eben nicht, dass die Schulempfehlung nicht gestimmt hat, sondern dass die konkrete Schule (nicht Schulart!) nicht gestimmt hat, pädagogisch.

Einen wirklich (!) barrierefreien Test zu machen, der Konzentrationsprobleme oder Probleme im Arbeitsspeicher offenlegt, oder einem eventuellen ADHS-Verdacht nachgeht, wäre vielleicht schon sinnvoll, dafür würde ich aber unbedingt einen guten Kinder- und Jugendpsychiater suchen. Eine gute Möglichkeit ist vielleicht alternativ auch, eine interne fachliche Einschätzung seiner Förderschule dazu einzuholen.
Engrid
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