Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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PaulaW
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Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon PaulaW » 09.10.2019, 11:48

Ihr Lieben,
ich hätte mal wieder eine etwas komische Frage.
Unser Sohn (10) liest trotz seiner sehr kurzen Aufmerksamkeitsspanne und starker Reizverarbeitungs-/
Wahrnehmungsprobleme sehr gut und flüssig. Es wurden ihm vom SPZ altersgemässe Lesefähigkeit und
fast altersgemässe Rechtschreibkenntnisse bescheinigt. :D
(
Ich bin so stolz auf ihn.)
Die (Förder) Schule möchte uns mal wieder weismachen, wie unterirdisch seine Leistungen doch
sind verglichen zu den anderen lernbeeinträchtigten Kindern.
Erstens glaube ich das nicht und zweitens möchte ich Euch fragen, was seine oben genannten Kenntnisse
über ihn aussagen.
So ganz kurz kann doch seine Konzentrationsspanne gar nicht sein wenn er zB ein ganzes Pixi fehlerfrei
lesen kann und offensichtlich ist er nicht so doof wie sie ihn darstellen.
Oder hab ich da die Mama Brille auf ?
Wir sollen bald in der Schule antanzen und dafür wäre es wichtig.
Danke und
liebe Grüsse
Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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GretchenM
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon GretchenM » 09.10.2019, 11:57

Hallo,

ich bin keine Spezialistin, aber bei meinem Träumer-Ads Kind (ausserdem ASS und AVS) ist es genauso: er hat sich das Lesen sogar vor der Einschulung selbst beigebracht und schnell ganze Bücher gelesen.
Das Problem ist bei ihm dass er wirklich nur das konzentriert liest und bearbeitet, dass seine Aufmerksamkeit fesselt und vor allen: ohne jede Ablenkung.
Daher klappt es in der Schule oft gar nicht, zuhause erledigt er alles sehr viel leichter.
Ein Lehrer meinte mal zu mir, ihn müsse man in einem leeren, fensterlosen Kellerraum unterrichten.
Daher passt das für mich leider schon zusammen. Je nach Tagesform und Umgebung kann mein Sohn dieselbe Aufgabe in 5 Stunden nicht schaffen oder in 15 Minuten runterrattern.

Schönen Gruß,

GretchenM

SandyErgo
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon SandyErgo » 09.10.2019, 12:31

Hi!

Ich denke mal, das Problem ist:
Man kann gut lesen - flüssig und fehlerfrei > was bleibt aber davon hängen >> was kann wieder reproduziert werden, werden Zusammenhänge verstanden?

Vielleicht ist das das Problem deines Sohnes - er liest flüssig und fehlerfrei. Hat dann aber im Vergleich zu anderen ein größeres Problem, auf Fragen adäquat zu antworten - es ist inhaltlich nicht alles hängengeblieben >> das würde nämlich zu einer stark verminderten Aufmerksamkeitsspannw passen.

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

PaulaW
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon PaulaW » 09.10.2019, 12:41

Danke Euch!
Das mit der sehr kurzen Aufmerksamkeitsspanne kommt auch aus der Schule. Ich kann es von zu Hause nicht bestätigen, aber ist ja kein Wunder.
Doch, er kann die Fragen anschließend richtig beantworten.
Antwort ist eigentlich klar fällt mir gerade auf. Großer Unterschied zwischen schulischem Lernen und zu Hause.
Liebe Grüße Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

Ayden
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon Ayden » 09.10.2019, 12:49

Liebe Paula,

Wie schön, dass Dein Sohn so gut liest!

Werden an der Schule Deines Sohnes Tests geschrieben?

Wenn ja, dann hättest Du ja eine Idee, warum die Lehrer zu ihrer Einschätzung kommen.

Das SPZ Ergebnis würde ich mir schriftlich geben lassen, mit Angabe des verwendeten Tests.

Vielleicht stimmen ja in der Schule die Rahmenbedingungen für Deinen Sohn wirklich nicht, wie Gretchen vermutet?

Vielleicht kann man sie verbessern?

Um einen Anhalt dafür zu bekommen, wie Dein Sohn im Vergleich zu anderen (Regel-) Kindern liegt, lass ihn doch zu Hause mal Tests schreiben. Im Internet gibt es ja genug Materialien mit Texten und dazugehörigen Fragen.

Unsere Tochter (Regelschule, 4. Klasse) schreibt ca. 3-4 Lesevergleichstests im Jahr, der letzte ging über das Schachspielen. Da wurden u.a. dann Ankreuzfragen zum Ziehen der Figuren gestellt. Der Text selbst war ca. 1,5 Seiten lang.

Dazu kommt ein von Hamburg vorgeschriebener Lesevergleichstest.

Den bekommen wir Eltern gar nicht zu Gesicht, er besteht aber wohl in ganz vielen Sätzen, die ca. 5-7 Worte lang sind und bei denen unter Zeitdruck (4 Minuten) `falsche ´ Wörter rausgestrichen werden müssen, also wie in den Leseübungsheften : z.B Im Herbst färben sich Baum Blätter gelb.
`Gut´ war am Ende der zweiten Klasse die Leistung unserer Tochter mit 24 richtig rausgekreuzten Sätzen. Für den von Anfang der 4. Klasse haben wir noch kein Ergebnis.

Insgesamt würde ich mich mehr auf das Ziel des Gesprächs konzentrieren und Argumente dafür sammeln. Schließlich ist die Lesefähigkeit ja nicht in Stein gemeißelt und nur ein wichtiger Baustein für die Art wie weiter gelernt werden soll: Aus Büchern, aus Videos, mittells Kasetten etc.. Ich würde mir selber Ziele setzen, damit es für Euren Sohn gut weiter geht, vielleicht geht es schon um die Schulwahl? Um neue Förderschwerpunkte? Was sagt denn Dein Sohn: Was könnte besser laufen? Was stört ihn beim Lesen in der Schule?

Viel Glück!

Ayden

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Regina Regenbogen
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon Regina Regenbogen » 09.10.2019, 14:07

Doch, er kann die Fragen anschließend richtig beantworten.
Mehrere Stunden später auch noch, auch noch am nächsten Tag?
Antwort ist eigentlich klar fällt mir gerade auf. Großer Unterschied zwischen schulischem Lernen und zu Hause.
Dann lass ihn doch mal etwas (für ihn) weniger interessantes Lesen. Ich habe die Lesekünste meiner Kinder immer dadurch getestet, dass ich sie -während ich gekocht habe- Rezepte vorlesen ließ. Oder Anleitungen für irgendwelche Dinge, die ich gerade zusammenbauen musste.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Angela77
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon Angela77 » 10.10.2019, 11:51

Hallo Paula,

ich weiß nicht, ob es den Lehrern darum geht, dass sie ihn in den Bildungsgang GE umschreiben wollen?!?
Bene kann ebenfalls sehr schnell lesen und sehr guter Rechtschreibung tippen.
Sprach/Leseverständnis ist auch sehr gut. Daran hat niemand Zweifel.

Dennoch zeigt Bene in der Schule so gut wie keine wirkliche Arbeitsbereitschaft, in Mathe noch weniger, wenn gleich seine Aufmerksamkeitsspanne durch MPH erheblich größer geworden ist.

Seit etwas mehr als einem Jahr haben wir nun wirklich hervorragende Lehrer, die für optimale Bedingungen sorgen, ihn sehr ernst nehmen, angemessene Aufgaben stellen, diese sinnvoll anpassen etc. Ich kann nur wirklich nur das allerbeste von diesen Lehrern sagen. Dennoch wird Bene ab diesem Schuljahr offiziell nach dem Bildungsgang GE beschult (auch wenn ihm anspruchsvollere Inhalte angeboten werden). Und ich bin damit einverstanden: Für einen LB Abschluss müsste Bene nämlich bereit sein, über einen längeren Zeitraum Leistungsnachweise zu schreiben um irgendwann eine "objektive Prüfung" schreiben zu können. Genauso wie er auf dem ersten Arbeitsmarkt verlässlich arbeiten können müsste, und nicht nur, wenn es möchte oder wenn es seine Reizverarbeitung/seine Selbstmotivation es zulässt. Und aktuell können ihm die Lehrer WIRKLICH kein LB oder sonstiges Zeugnis ausstellen, weil er einfach die Anforderungen objektiv nicht erfüllt, oder eben nur im optimalsten Rahmen zuhause.

Dein Sohn ist ja noch viel jünger als Bene und wohl auch deutlich weniger eingeschgränkt als er, der weder sprechen noch einigermaßen sinnvoll kommunizieren kann. Daher würde ich einer GE-Beschulung zum jetzigen Zeitpunkt mutmaßlich auch noch (lange) nicht zustimmen.
Aber ich würde versuchen, an der Konzentrationsspanne ( war ADHS und/oder eine ensprechende Therapie schon mal Thema?) und der Arbeitsmotivation zu drehen - woran natürlich auch die Schule ihren Anteil haben sollte.
Lass dir da ruhig auch mal das Förderkonzept zeigen. Faktisch wird es aber auch wahrscheinlich ein bisschen so sein, dass man nicht zuletzt aufgrund der Besonderheiten der anderen Schüler in der Schule (egal welcher!) gar keine optimalen Lernbedingungen für deinen Jnior schaffen kann!

Will heißen: Möglicherweise lernt deine Sohnemann auch auf Dauer am besten zuhause, selbst wenn die Lehrer ihr aller, allerbestes geben sollte!

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Marielouisa
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon Marielouisa » 11.10.2019, 18:13

Hallo,

aus Lehrerperspektive kann ich da auch eine Erfahrung beisteuern: Wir haben einen Schüler, Bildungsgang Hauptschule, der unter starken Aufmerksamkeitsproblemen leidet. Er ist klug und verfügt über ein großes Wissen, zeigt dies aber nur, wenn er kann/möchte. Er kann gut lesen - tut es aber einfach nicht. Um zu arbeiten, muss eine Person dauerhaft (!) neben ihm sitzen, ihn abschirmen und motivieren. Außerdem darauf achten, dass er die Aufgabenstellung überhaupt liest. Bei unserem( für eine Regelschule schon guten) Betreuungsschlüssel von 1-2:18 nicht machbar. :-(

Liebe Grüße,
Marielouisa
Rehabilitations- und Integrationslehrerin (Förderpädagogin)

PaulaW
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon PaulaW » 11.10.2019, 19:36

Danke Ihr Lieben,
hat sich jetzt geklärt.
Die Lehrerin hat dieses Formular wohl auf die Schnelle ausgefüllt wie sich jetzt
herausgestellt hat und beurteilt ihn zum Glück nicht so schlecht wie es aussah.
Grrrrrr.
Nein, es geht nicht um einen Wechsel des Förderschwerpunktes in GE, das hatten wir auch
schon.
Ja, wir arbeiten täglich an der Konzentrationsspanne und die hat sich erheblich
verbessert.
Er hat eine tolle Entwicklung genommen.
Mein Problem ist erstmal gelöst.
Danke und liebe Grüsse
Paula
ps: Ja, er lernt definitiv am besten zuhause und ich habe mich darauf eingestellt. :D
Solange er noch mitmacht üben wir hier.
Es ist ja auch nicht so als sei der Betreuungsschlüssel
an seiner Förderschule so optimal wie es uns verkauft wurde. Es ist immer nur ein Lehrer
in der Klasse und alle Kinder haben starke Beeinträchtigungen.
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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GretchenM
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Re: Was sagt das aus ? Liest sehr gut

Beitragvon GretchenM » 11.10.2019, 21:15

Marielouisa hat geschrieben:Hallo,

aus Lehrerperspektive kann ich da auch eine Erfahrung beisteuern: Wir haben einen Schüler, Bildungsgang Hauptschule, der unter starken Aufmerksamkeitsproblemen leidet. Er ist klug und verfügt über ein großes Wissen, zeigt dies aber nur, wenn er kann/möchte. Er kann gut lesen - tut es aber einfach nicht. Um zu arbeiten, muss eine Person dauerhaft (!) neben ihm sitzen, ihn abschirmen und motivieren. Außerdem darauf achten, dass er die Aufgabenstellung überhaupt liest. Bei unserem( für eine Regelschule schon guten) Betreuungsschlüssel von 1-2:18 nicht machbar. :-(

Liebe Grüße,
Marielouisa


Hat er keinen Schulbegleiter, der neben ihm sitzen und genau das tun könnte? Genau das ist etwas, dass ich als SB tue.

Es ist unglaublich tragisch wenn so ein Kind sein Potential nicht entwickeln kann :-(


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