Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Angela77
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Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon Angela77 » 07.10.2019, 20:36

Hallo zusammen,

hat damit:

https://www.ukcouch.de/shop/variable-er ... C3%BCcher/
(bitte runnterscrollen)

schon Erfahrungen gemacht.

Mich interesiert insbesondere: Ein doofer Tag, Ein toller Tag und Die Sache mit dem Durchdrehen.

Bene erzählt ja auf dem Talker absolut nix :cry:
Ich fürchte, er weiß gar nicht, wie erzählen geht :|

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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UrsulaK
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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon UrsulaK » 08.10.2019, 08:29

Guten Morgen Angela,

ich habe mir selbst mal so ein variables Erzählbuch mit Klett zugelegt.
Bei uns war das aber kein großer Erfolg. Mein Sohn reagiert auf Klettverschlüsse sehr sensitiv, in dem Sinne, daß es ihn stark ablenkt und er dann ständig kletten möchte.
Das kann natürlich bei Euch anders sein.
Besser funktioniert bei uns die elektronische IPad Variante mit GoTalk Now.
Zum Beispiel habe ich mir mal das *.gtbz Skala Probleme von dieser Seite zugelegt:
https://www.die-uk-kiste.de/k-eine-alternative/
Du mußt etwas weiter runter scrollen.
Das habe ich individuell abgepaßt und auch Möglichkeiten zugefügt, daß ich ebenfalls damit erzählen kann wie es mir gerade geht.
Zum Beispiel es geht mir gut, weil ich einen Kaffee getrunken habe oder ich bin müde, weil es heute so ein bewölkter trüber Tag ist usw.
Wenn ich meinen Sohn frage wie es ihm geht, benutzt er das dann auch.
Allerdings funktioniert das im Moment nur, wenn ich es ihm zuerst vormache und ihn dann frage.

Des weiteren gibt es in der Online Galerie von GoTalk Now auch ein Beispiel von Castaneda wie man von zuhause, von der Schule oder vom Urlaub erzählt.
Das habe ich mir ebenfalls individuell angepaßt.

Variable Erzählbücher kann man ebenfalls auch mit GoTalk Now nachbauen. Da habe ich die Lieblingsthemen meines Sohnes ausgewählt.
Da spricht ihn mehr an.

VG,
Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

Anne-muc
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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon Anne-muc » 08.10.2019, 23:09

Hallo Engrid,

mein Sohn ohne Besonderheiten, 4 Jahre, liebt die Bücher. Wenn er drankommt klettert er alles um und labert und wir haben eine halbe Stunde so schnell um...

Meine eigentliche Zielgruppe meiner Tochter (Talker-Neuling seit diesem Sommer) ignoriert die Bücher. Wenn ich sie doch mal anschleppe klettet sie lustlos irgendwas und täuscht dann furchtbare Müdigkeit vor.

Schade vor allem weil ich die Idee so cool fand (sie sind auch wirklich schön gemacht!).

Ach ja die Klettis überall zu suchen nach kurzer „Kind ist ruhig und spielt allein-Phase“ ist auch ziemlich nervig. Da wäre was elektronisches vielleicht schöner.
Anne mit Tochter (*09/2013, Vorzeitige Plazentalösung, dadurch Asphyxie, ICP, Epilepsie)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 09.10.2019, 02:01

Hallo,
Bene erzählt ja auf dem Talker absolut nix :cry:
Ich fürchte, er weiß gar nicht, wie erzählen geht :|
Junior auch nicht, obwohl der ja echt viele Worte von sich gibt (der stereotype Anteil ist relativ groß und spielt fast immer eine Rolle). Er kann keine Geschichte erzählen, auch keine ganz klitzekleine. Ich glaube, das muss man seeeehr kleinschrittig und raffiniert aufbauen. Wenn es überhaupt geht. Bei Bene ist ja wieder alles anders, Bene kann ja durchaus Perspektivwechsel?
Uns wurde erstmal, fürs Dialogische - Junior will immer interagieren, mit stereotypem Text macht er sich da natürlich keine Freunde - ein individueller „Plauderplan“ verordnet. Es geht aber recht schleppend voran, denn eigentlich möchte Junior weiterhin berechenbare Antworten *seufz*
Solche Erzählbücher sind was tolles, aber für uns leider in weiter Ferne. Ich häng mich hier trotzdem mal dran, vielleicht fällt ja was ab für uns. :wink:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon Anne-muc » 09.10.2019, 07:29

:icon_silent: Ups habe mich oben bei den Namen vertan.

Als kleines Fazit vielleicht: ich denke, dass die Bücher eher was für Kinder sind, die schon ein bisschen erzählen können. Dann macht es Spaß, weil die Geschichten lustig „verdreht“ werden können und viel lustiger Quatsch rauskommt.

Zur kleinschrittigen Anbahnung meines Erachtens nicht geeignet, da zu viele Auswahlmöglichkeiten (4 pro Seite) und ja auch eher lustig als mit der eigenen Wirklichkeit übereinstimmend. Bei meiner Tochter habe ich den Eindruck sie denkt „Was willst du mit dem Quatsch“. Sie sieht auch den Witz nicht. Der vierjährige hingegen schmeißt sich weg. Also je nach Entwicklungsstand...

Viele Grüße Anne
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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon Anjali » 09.10.2019, 07:54

Hallo Angie,
...wenn ich mich als Mutter eines eigentlich gut sprechenden Autisten dranhängen darf:

...möchte Bene denn überhaupt etwas erzählen? „Kann“ er denn überhaupt etwas erzählen?

Meinem Sohn liegt es nicht, Ereignisse nachzuerzählen.
Er tat sich damit schon immer unheimlich schwer.
Er mag bis heute nicht gerne über Erlebtes/Vergangenes berichten.
Wenn, dann höchstens in absolut chronologischer Reihenfolge der einzelnen Geschehnisse. Ohne Sprünge, ohne Heraushebung/Zusammenfassung des Wesentlichen.
Dies gelingt ihm aber auch erst seit ein paar Jahren.

Früher konnte man von ihm nur etwas erfahren, wenn man ihm die Gelegenheit gab, auf konkrete Fragen zu antworten. Das war dann schon ein ziemliches Ratespiel.
Er wollte ja eigentlich berichten, was er (z.B. auf einem Schulausflug) erlebt hatte und wurde zuweilen sehr aggressiv/verzweifelt, wenn ich nicht die richtigen Fragen stellte.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon SimoneChristian » 12.10.2019, 23:31

Hallo,

ich kann auch mal wieder was beitragen, glaube ich.

Zum einen ist es hier oft ähnlich, wie bei Anjali. Man muss die richtigen Fragen stellen! Allerdings ist Chronologie etc. hier nicht so entscheidend. Eher die Frage, was genau ich warum wissen will.
Schule geht mich halt auch nicht so viel an, z.B. :roll:
Dazu kommt, dass gerade Namen und Orte oft unklar bleiben. Da werden auch schon mal Indoor-Spielplätze durcheinander geschmissen und wenn viele Klassenkameraden ähnlich aussehen, kann man nicht über sie sprechen.

Noch schwieriger wird es, wenn es um die eigenen Gefühle geht.
Über gerade unangenehme Dinge wird möglichst gar nicht gesprochen. Offenbar werden dabei die Gefühle zu intensiv noch einmal erlebt.

Besonders gut funktioniert wirklich ungezwungene Plauderei, wenn es dazu noch einen positiven "Trigger" für Erinnerungen gibt.
Das Lied vom Musikunterricht, die getauschte Pokemon Karte, der Schulhof selber (nutzen wir auch als Spielplatz am Nachmittag), die Süßigkeit, die es an einem Kindergeburtstag gab.
Und, ganz wichtig, wenn ich keine Erwartungen an die Unterhaltung habe.

Frag Bene doch mal nach Rollos in den Schulgebäuden! :lol:

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Angela77
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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon Angela77 » 13.10.2019, 13:11

Hi,
danke für den Input! Ich versuche heute oder morgen Abend nochmal zu antworten.

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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UrsulaK
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Re: Praktische Erfahrung mit variablen Erzählbüchern?

Beitragvon UrsulaK » 14.10.2019, 08:21

Hallo Angela,

was bei uns gut funktioniert, sind Erzählbücher in elektronischer Form, die ich mit GoTalk Now gebastelt habe.
Unter diesem Link findest du ab Seite 156 ein Beispiel, wie so ein Erzählbuch aufgebaut sein kann:
https://www.stiftung-liebenau.de/filead ... a_2016.pdf
Ab Seite 145 wird auch darauf eingegangen, warum das Erzählen wichtig ist.

Ich habe dazu die Lieblingsthemen meines Sohnes ausgewählt und mittlerweile übernimmt er das auch etwas in die Alltagssprache.

Gruß,
Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus


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