Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

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Alexandra2014
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Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Alexandra2014 » 19.09.2019, 09:38

Hallo!

Wir hatten ja letztes Jahr nach Schulwechsel (Ganztag + knapp 3 Stunden Fahrt insgesamt) massive Probleme. Kind weinte von früh bis spät, hielt die lange Trennung vom Elternhaus nicht aus. Die Lehrer und wir hofften auf „Gewöhnung“ mit der Zeit, wenn alles nicht mehr so neu ist. Brachte aber gar nichts, es wurde nur schlimmer.
Kind spielte nicht mal mehr vor der Schule.

Nach zwei Monaten haben wir die Reißleine gezogen. Ich holte Kind jeden Mittag gegen 13 Uhr ab und alles war wieder gut.
Da ich nicht den Rest der Schulzeit jeden Mittag 2,5 Stunden durch die Gegend fahren kann und bei dann nur 4,5 Stunden Schule immer noch 3 Stunden Fahrt mit dem Schulbus hinzukämen, haben wir uns für einen erneuten Schulwechsel nach den Sommerferien letztes Jahr entschieden. Die neue Schule ist nur 10 Minuten von uns entfernt.

Wir starteten langsam, über Monate nur bis 13 Uhr, dann 14 Uhr. Nach den Weihnachtsferien kamen dann 2 lange Tage hinzu, also bis 15:30 Uhr.
Da merkte man schon, dass sie nach dem ersten langen Tag unruhig wurde und sie befürchtete, es könne der nächste auch ein langer Tag sein.
Es klappte aber so halbwegs und sie kam auch immer fröhlich aus der Schule zurück. Allerdings auch gleich mit der Frage, ob ich sie am nächsten Tag mittags abhole. :wink:

Nun waren Ende August die Sommerferien vorbei und ich habe sie in der ersten Woche wieder mittags abgeholt, damit es nicht zu viel auf einmal wird. Sie ist in der gleichen Klasse wie letztes Jahr, mit den gleichen Lehrern. Allerdings hat sich auch einiges geändert (zwei neue Mitschüler, zwei andere sind weg, eine neuer zusätzlicher Lehrer in der Klasse, eine AG mit anderen Mitschülern etc.)
Die langen Tage waren nun von Anfang an wieder problematischer und nachdem sie nun gestern und vorgestern lange in der Schule war, kamen heute morgen fast wieder Tränen. Auch dass ich sie heute mittag abhole, hat sie nicht wirklich aufgemuntert.

Sie kann in der Schule natürlich nicht so ihren Ritualen nachkommen, um runterzufahren. Es ist immer Geräuschkulisse, immer andere Kinder um sie herum.
Sie sagt, sie vermisst uns so sehr. Sie will nicht in die AG in die „andere“ Klasse und sie will auch nicht in den Mathekurs (unterschiedliche Kurse nach den Stärken der Kinder, bunt gemischt, anderer Lehrer). Sie möchte in ihrer Klasse bleiben.
Dazu kommt, dass sie nun auch die Logo in der Schule macht. Auch da will sie nicht hin.

Ich bin mit meinem Latein am Ende. In der Autismustherapie wurde uns geraten, falls es sich in der Schule wieder verschlechtert, sofort zeitlich zurückzurudern, damit wir nicht irgendwann eine Schulverweigerin haben.

Ich schätze, das wäre dann jetzt soweit. :?

Vielleicht war auch der Start wieder zu schnell, zu viel auf einmal.
Aber nach den Sommerferien muss man sich ja auch festlegen, damit man in die Wunsch-AG kommt (die nachmittags stattfindet), einen Platz bei der Logo bekommt etc.

Ich hatte überlegt, sie nun an drei Tagen um 14 Uhr abzuholen. So hat sie zumindest nach dem Mittagessen in der gestalteten Freizeit noch Gelegenheit, etwas zu spielen.
An einem Tag hole ich sie um 13 Uhr, da die Klasse dann Schwimmen geht und sie wegen der Epi da aktuell nicht mit kann und Freitags ist sowieso mittags Schluss. Die Schule ist da extrem kooperativ, weil sie eben auch selber merken, dass Kind nachmittags einfach durch ist.

Unser nächster KJP Termin ist Mitte Oktober. Da werde ich das auch noch mal ansprechen.

Habt ihr vielleicht noch Ideen?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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LovisAnnaLarsMama
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 19.09.2019, 09:55

Hallo Alex,
zum runterkommen:
Die Klasse müsste doch einen Nebenraum oder ähnliches haben? Kann sie dort nicht zwischendurch Pausen bekommen? Zur Geräuschkulisse: habt ihr Kopfhörer/ Ohrenschützer- wenn Einzellarbeit gefordert wird?
Früher abholen ist auch eine gute Strategie. Muss das Mittagessen in der Schule sein? Da ist es meistens laut, chaotisch...
Lg
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

Michaela44
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Michaela44 » 19.09.2019, 10:22

Ist die AG am Nachmittag? Dann würde ich sie davon befreien lassen. Es ist kein Schulstoff und sie verpasst nichts. Außer: sie möchte dort unbedingt hin.

Über das Mittagessen denke ich genau wie LovisAnnaLarsMama und gehe sogar noch weiter: du schreibst, dass sie dann noch in der gestalteten Freizeit spielen kann und stellst das als etwas positives dar. Sieht deine Tochter das auch so? Vielleicht wäre sie lieber alleine zu Hause. Erzwungene Sozialkontakte in Gruppen tun Autisten selten gut.
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Michaela44
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Michaela44 » 19.09.2019, 10:24

Und zum Mathekurs: vielleicht kann "ihr" Kurs in "ihrem" Klassenraum unterrichtet werden und sie kann auf "ihrem" Platz sitzen bleiben, möglichst ohne "fremden" Sitznachbarn.

Die Logo würde ich privat organisieren mit einem zeitlichen Abstand zur Schule als Ruhepause.
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon steffimoppel » 19.09.2019, 11:15

Hallo,

wir habe seit diesem Jahr endlich eine Schulhelferin, die zwar nur selten da ist, aber wenigstens manchmal. Diese geht in Situationen der Überforderung mit dem Kind vor die Tür. Das ist sehr hilfreich. Außerdem darf das Kind im Instrumentalunterricht die Klasse verlassen. Das war eine große Erleichterung, weil der die Geräusche im Instrumentalunterricht nicht aushält.
Mittagessen in der Schule halte ich für sehr ungünstig. Das ist laut und wuselig. Die Kinder stellen sie an, in der Schlange wird gedrängelt und geschubst. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, würde ich das Kind davon befreien. Mein Kind freut sich, dass er in der Zeit des Mittagessens auf dem Hof spielen darf (tun auch noch viele andere), er braucht die Bewegung. Er bekommt Brot für die Pause mit und kommt oft ausgehungert nach Hause, trotzdem ist es besser, als in der Schule zu essen.
Ich würde das Kind so lange um 13.00 abholen, bis alles mindestens 4 Wochen stabil läuft. Und dann schauen, wieviel sie kann. Du kannst Deine Tochter doch nicht dauernd an die Grenze dessen bringen, was sie gerade noch so aushalten kann. Und sobald sie etwas geschafft hat, gleich noch eine Belastung hinzufügen.
Die Autismustherapeutin kennt Dein Kind und sie kennt sich mit Autismus aus. Ich würde ihr vertrauen und mich an Ihre Ratschläge halten. Lieber jeden Tag ein paar Stunden weniger Schule, als irgendwann einen Totalverweigerer.

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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Alexandra2014 » 19.09.2019, 11:38

Hallo Alex,
zum runterkommen:
Die Klasse müsste doch einen Nebenraum oder ähnliches haben? Kann sie dort nicht zwischendurch Pausen bekommen? Zur Geräuschkulisse: habt ihr Kopfhörer/ Ohrenschützer- wenn Einzellarbeit gefordert wird?
Früher abholen ist auch eine gute Strategie. Muss das Mittagessen in der Schule sein? Da ist es meistens laut, chaotisch...
Lg
Es ist leider eine der wenigen Klassen, die keinen Nebenraum hat. Ohrenschützer hat sie, nutzt sie auch gerne für eine gewisse Zeit.
Das Mittagessen ist schon um kurz nach 12 und findet in der Klasse und sehr ruhig statt. Sie isst auch ganz gerne dort, weil das Essen auch richtig gut schmeckt (wird von einem Restaurant geliefert :mrgreen: ). Sie erzählt immer ganz stolz, was es alles gab und wie lecker es war. Die Klassenlehrerin erzählt oft, dass sie 1-2 Mal Nachschlag nimmt. Also da scheint sie sich wohl zu fühlen. :D
LG
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Regina Regenbogen » 19.09.2019, 11:42

Vielleicht war auch der Start wieder zu schnell, zu viel auf einmal.
Aber nach den Sommerferien muss man sich ja auch festlegen, damit man in die Wunsch-AG kommt (die nachmittags stattfindet), einen Platz bei der Logo bekommt etc.
Vermutlich war es zu schnell und zu viel. Ist der Nachmittagsunterricht denn verpflichtend? Wir haben unseren Jüngsten absichtlich auf einer weiterführenden Schule ohne verpflichtenden Nachmittagsunterricht angemeldet, damit er sich langsam daran gewöhnen konnte und er den Streß des normalen Unterrichtsgewusels inkl. Kursaufteilung, Raumwechsel etc. besser packt - dass er dafür fast eine Stunde Busfahrt hat anstatt nur 10 Minuten zur örtlichen IGS, hat er gerne in Kauf genommen. Trotzdem war er jeden Tag 7,5 Stunden ausser Haus. Jedes Halbjahr haben wir besprochen ob und wenn ja, an welcher AG er teilnehmen möchte. Er wollte nie. Jetzt, im 10. Schuljahr (!) nimmt er freiwillig zweimal wöchentlich an den AG`s zur Prüfungsvorbereitung teil (somit Abwesenheit von zu hause immerhin 9 Stunden). Die Gewöhnung an einen ganzen Schultag hat also gut 4 Jahre gebraucht.
Am Mittagessen nimmt er trotzdem nicht teil, er nimmt sich lieber was von zu Hause mit, weil er lieber in der Mittagspause ausserhalb des Schulgeländes rumläuft (die 10. Klässler dürfen das mit Erlaubnis der Eltern) anstatt sich den Streß in der Mensa anzutun.

Wenn es machbar ist, hole sie immer um 13 Uhr ab (warum macht sie den Schulweg nicht alleine?). Das gibt ihr hoffentlich bald wieder genug Kraft, um mit den anderen "Unwägbarkeiten" umgehen zu können.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Alexandra2014 » 19.09.2019, 11:47

Ist die AG am Nachmittag? Dann würde ich sie davon befreien lassen. Es ist kein Schulstoff und sie verpasst nichts. Außer: sie möchte dort unbedingt hin.

Über das Mittagessen denke ich genau wie LovisAnnaLarsMama und gehe sogar noch weiter: du schreibst, dass sie dann noch in der gestalteten Freizeit spielen kann und stellst das als etwas positives dar. Sieht deine Tochter das auch so? Vielleicht wäre sie lieber alleine zu Hause. Erzwungene Sozialkontakte in Gruppen tun Autisten selten gut.
Ja klar, das weiß ich doch. Sie spielt schon gerne, zwar nicht immer mit den anderen, aber nebenher und hinterher. Sie ist extrem gern draußen und da hat die Schule viel zu bieten. Das nimmt sie dann schon gerne in Anspruch. Auch Gesellschaftsspiele spielt sie ganz gerne mit anderen Kindern, sofern ein Erwachsener mitspielt.

Die AG findet in der Pflichtschulzeit statt. Und sie wollte da gerne hin. Wäre die AG innerhalb ihrer Klasse und vormittags, fänd sie es vermutlich super. :wink:

Gruß
Alex
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon Alexandra2014 » 19.09.2019, 11:57

Und zum Mathekurs: vielleicht kann "ihr" Kurs in "ihrem" Klassenraum unterrichtet werden und sie kann auf "ihrem" Platz sitzen bleiben, möglichst ohne "fremden" Sitznachbarn.

Die Logo würde ich privat organisieren mit einem zeitlichen Abstand zur Schule als Ruhepause.
Ich kann ja der Schule schlecht vorschreiben, wie sie wo welche Unterrichtsinhalte abhält und wer neben meinem Kind sitzt.
Ich werde das natürlich ansprechen, dass sie da Probleme mit hat und das auch so äußert (was ja schon mal viel wert ist).

Die Logo kann ich nicht mehr privat organisieren. Wir wohnen hier sehr ländlich und die einzige Logo, die sich mit verbaler Dyspraxie und Autismus auskennt, ist 47 km einfache Strecke weit weg.
Dazu haben wir noch 1x pro Woche Autismustherapie 50 km in die andere Richtung und Ergo in immerhin nur 20 km Entfernung.
Für die Autismustherapie gehen da pro Woche 3,5 Stunden drauf (allein 2 Stunden für die Fahrten). Für die Logo wären das dann nochmal 2,5 Stunden pro Woche und für die Ergo gute 1,5 Stunden. Das sind 7,5 Stunden jede Woche. Das kann ich nicht und das kann Kind nicht leisten.
Wir haben das komplette letzte Jahr mit Therapien pausiert, damit sie in der Schule erstmal ankommen kann. Es wird also auch Zeit, denn nötig ist es leider noch.

Gruß
Alex
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Re: Emotionale Rückschritte bzgl. Schule

Beitragvon HeikeLeo » 19.09.2019, 12:06

Liebe Alexandra,
In der Autismustherapie wurde uns geraten, falls es sich in der Schule wieder verschlechtert, sofort zeitlich zurückzurudern, damit wir nicht irgendwann eine Schulverweigerin haben.
das würde ich ernst nehmen. Und sofort heißt auch sofort.

Mit meinem großen Sohn haben wir im Jahrestakt an einer Waldorfschule halbe Tage dazugenommen. Gestartet waren wir nach einem Totalzusammenbruch und 1,5 Jahren komplett zu Hause mit einem Vormittag pro Woche. Wir haben dort die Grenze auch verschnarcht - die war wahrscheinlich bei maximal drei Vormittagen nach drei Jahren. Es hat dann eben wieder geknallt. Wir sind dann eben ein zweites Mal in die Totalverweigerung reingelaufen - auch weil von Seiten der Schule doch freundlich Druck gemacht worden ist. Totalverweigerung war zuerst einmal Schulverweigerung, aber dann noch ein Rattenschwanz an weiteren Blockaden. Sohn wäre beinahe verhungert! Das hat SEHR viel Mühe gekostet, da wieder raus zu kommen.

Deine Tochter hat auch noch die Epilepsie. Jetzt sagt sie noch, dass sie nicht will. Wenn das nicht als "nicht kann" interpretiert wird, dann wird sie früher oder später richtig körperlich reagieren.

Liebe Grüße
Heike


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