Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

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Sia
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon Sia » 09.09.2019, 18:43

Hallo Zusammen

Wir haben diese Fragebögen von den Lehrpersonen auch ausfüllen lassen. Aufgrund der Schweigepflicht werden bei uns Lehrer nicht über die Diagnose informiert.

Selbst der Schulpsychologe wurde nicht informiert, weil ich das nicht wollte! Wir wollten selber entscheiden was bzw. wem wir die Diagnose kommunizieren!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
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steffimoppel
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon steffimoppel » 09.09.2019, 19:17

Hallo,

bei uns haben hat die Lehrerin auch einen Fragebogen bekommen und die Psychologin war sogar in der Schule, um sich das Kind im Unterricht anzugucken. Sie hat dann bestätigt, was die Schule schon immer gesagt hat, ich aber nie für möglich gehalten habe, das Kind benimmt sich in der Schule total anders, als es sich zu Hause benimmt und als es sich in der Diagnositk benommen hat. Das war für alle sehr interessant.

Die Frage, die sich mir stellt, ist: Warum wollt Ihr einen Autismustestung machen? Unser alter Kinderarzt hat uns geraten, erst eine Testung zu machen, wenn wir die Ergebnisse für etwas benötigen. Und jetzt benötigen wir sie für die Schule. Einerseits für den Nachteilsausgleich, andererseits für den Übergang auf die weiterführende Schule. In Berlin gibt es den Förderschwerpunkt Autismus und jeder, der einen Sonderpädagogischen Förderschwerpunkt hat, wird vor den anderen Kindern behandelt, wenn die Kinder auf die weiterführenden Schulen verteilt werden. In jede Klasse müssen bis zu 3 oder 4 Kinder mit Förderbedarf aufgenommen werden, erst danachwerden die anderen Kinder anhand ihrer Noten verteilt. So ist es natürlich schwerer auf Schulen mit gut funktierender Integration angenommen zu werden, möchte man aber ein normales Gymnasium, ist das kein Problem, weil die Gymnasien nicht viele Bewerber mit Förderschwerpunkt haben.
Außderdem sehe ich es wie meine Vorschreiber. Wenn die Schule mein Kind mit Diagnose nicht möchte, hätte sie es ohne Diagnose vermutlich auch nicht gewollt. Da spiele ich lieber mit offenen Karten

Petra62
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon Petra62 » 09.09.2019, 20:02

Aus Erfahrung kann ich nur sagen, kooperiert mit der Schule. Unser Sohn wurde immer falsch eingeschätzt. Als die Lehrer von der Diagnose erfuhren, waren sie froh, endlich reagieren zu können. Mein Sohn hat ständig falsche Noten bekommen, weil es hieß, er kann das oder dies ja nicht. Leider bekamen wir die Diagnose erst, als er fast fertig war mit der Schule. Aber danach konnten alle reagieren und die beste Maßnahme für ihn finden. Auch für die spätere Anragstellung für den SBA war der Bericht der Schule sehr wichtig. Bei uns ging hervor, das er die Schule nicht schafft. Zum Thema weiterführende Schule. Wir hben die Inklusion. Also ich hätte der Schulleitung was anderes erzählt, wenn sie mein Kind nicht hätten haben wollen........Das dürfen die gar nicht. Nur wenn es so extrem ist und vorauszusehen, das er die Regelschule nicht schafft. Aber wer weiß das schon vorher ?
Viele Grüße
Petra
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ist es ein guter Tag.
Petra ( 1962 )
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ninona
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon ninona » 09.09.2019, 20:33

Hallo,

je nach Situation gibt es Punkte die dafür und dagegen sprechen.
Ich nähre mich mal pragmatisch.

- Ist das Kind schon „gelabelt“, aber vielleicht anders?
- Lebt ihr in einem Bundesland wo der Elternwille für die weiterführende Schule zählt?
- benötigt ihr (andere) Nachteilsausgleiche?
- Ist das Kind in der Schule auffällig?
- Kommt der Abklärungswunsch von der Schule?
- Benötigt euer Kind eine Schulbegleitung ?

Alles Fragen über die es sich lohnt nachzudenken.

Hat euer Kind eine Schulbegleitung, kann es sein, dass diese mit der Diagnose wechseln muss (Qualifikation).

Benötigt ihr Nachteilsausgleiche, z.B. Graphomotorik, ggf. PC, kann eine Diagnose Offenlegung schon sehr sinnvoll sein.
Sind die Lehrer offen und kompetent?

Die Fragebögen kann man grundsätzlich immer ausfüllen lassen.
Wenn ich aber ein Kind im Einser/ Zweierbereich habe, was locker im schulischen Bereich mit läuft und sonst nicht auffällig ist und ich keinen guten Draht zu den Lehrern ( wieso auch immer) hätte, würde ich nach meinen bisherigen Erfahrungen die Pferde nicht scheu machen.

Ich würde dann aber eine weiterführende Schule suchen die mein Kind mit Label (an-) nimmt, so wie es ist.
Im Zweifel würde ich die Angelegenheit noch mal mit dem KJP klären, für mich war das immer hilfreich auch dort meine Bedenken zu klären.

Was für mich nicht deutlich wird, wieso jetzt diagnostiziert wird, wo die Probleme sind ( aber im Zweifel muss ich das auch nicht wissen).

Viele Grüße
ninona

MamaMonika0912
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon MamaMonika0912 » 10.09.2019, 11:24

Bei unserem Sohn hat sich die Frage nicht gestellt, die ganze Testung wurde von den Lehrern erbeten damit Hilfen installiert werden können. Wir haben die ganze Zeit eng mit der Schule zusammengearbeitet. Die Diagnose haben sie von uns dann gleich erfahren. Auch in der neuen Schule haben wir mit offenen Karten gespielt. Bisher wurde das positiv aufgenommen, ob es so bleibt werden wir noch sehen.
Meine Tochter habe ich aufgrund kleiner Auffälligkeiten vor Kurzem auch testen lassen. Sie ist jedoch in der Schule nicht auffällig und auch recht zufrieden. Hier war es mir wichtig, dass die Lehrer nicht involviert werden weil ich ihr davon keine Vorteile versprochen hätte. Bei ihr war es uns nur wichtig selbst zu wissen woran wir sind, ihr wenn notwendig außerschullisch Hilfen zu geben und richtig mit ihr umzugehen. Dafür war es nicht notwendig die Schule zu involvieren was von der diagnostizierenden Stelle auch akzeptiert wurde.
Ich halte es daher für sinnvoll den jeweiligen Fall zu beachten und dementsprechend zu reagieren.

PaulaW
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon PaulaW » 10.09.2019, 19:30

Ihr Lieben !
Herzlichen Dank für Eure hilfreichen Tipps und Infos.
Wir haben jetzt für die Lehrer den TRF/6-18R erhalten, den wir auch brav in der Schule abgeben werden. Macht ja auch Sinn.
Insbesondere weil ich weiss, dass wir die Diagnose nicht kommunizieren müssen ist es natürlich auch kein Problem.
Und selbstverständlich werden wir mit offenen Karten spielen, wenn wir ihn an einer weiterführenden Schule
anmelden. Ist ja ein bisschen wie Pfuschen wenn man es nicht sagt und der Schuss geht mit Sicherheit nach hinten
los.
Ich war nur verunsichert, weil mir jemand sagte dass Autisten an manchen Schulen nicht gern gesehen werden,
u.a. wegen Weglauftendenzen o.ä.
Aber es stimmt natürlich. Wer uns so nimmt wie wir sind bei dem sind wir auch gut aufgehoben.

Liebste Grüsse und
danke an Euch

Paula

ps: Unserer heisst CBCL/6-18R
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PaulaW
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon PaulaW » 10.09.2019, 20:03

ps.
Wir möchten Klarheit, deshalb die Testung. Es ist einfach die Zeit gekommen, das zu machen.
Rein bauchtechnisch betrachtet.
Und es geht auch Richtung weiterführende Schule und dafür denken wir wäre es hilfreich zu
wissen ob er autistisch ist. Auch um die Lehrer zu informieren.
Für die aktuelle (Förder) Schule ist es vielleicht gar nicht nötig, die arbeiten eh mit TEACHH etc.
Auch erhoffen wir uns andere Therapien als bisher möglich. Und manche Verhaltensweisen zu
verstehen.
Er verhält sich in der Schule mit Sicherheit komplett anders. Funktioniert dort und stellt sein
Licht unter den Scheffel. Lässt sich bei Sachen helfen die er schon lange kann.
Er reisst sich auch kräftemässig zusammen und nachmittags fällt er dann manchmal in sich
zusammen wie ein Kartenhaus
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon PaulaW » 21.09.2019, 17:04

Ihr Lieben,
danke für Eure ganzen Feedbacks und Infos.
Also, es ist jetzt so.
Als hätte ich es gewusst. Die Lehrerin hat die Bögen ausgefüllt und sein Verhalten geht
laut ihrer Einschätzung eher entgegen Autismus. Habe ich jetzt mal so interpretiert, da
ich die Antworten gesehen habe.
Auch bei uns ist es offenbar so, dass er sich in der Schule anders verhält.
Da war nicht die Rede davon dass er Probleme hat mit anderen Kindern etc. Kann ich kaum
glauben aber muss ich jetzt mal so hinnehmen.

Nach allem was ich weiss spricht für mich (als Laie) doch schon einiges für Autismus.

Meine Frage: Wie stark wird der Lehrerfragebogen gewichtet ? Weiss das jemand ?

Danke und
liebe Grüsse

Paula
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon steffimoppel » 21.09.2019, 17:38

Hallo, bei uns war es folgendermaßen:
beim CAST hatte unser Sohn bei der Mutter 24, beim Vater 19, bei der Lehrerin 12, bei einem Cut-off von 15, der Wert der Lehrerin lag also drunter. Auch beim TRF/6-18R war unsere Sohn bei der Lehrerin unauffällig. Da er beim ADOS absolut auffällig war, hat er eine Autismus Diagnose erhalten, unabhängig davon, wie die Lehrerin die Bögen ausgefüllt hat.
Die Psychologin war bei uns sogar in der Schule und hat ihn da beobachtet und konnte sehen, wie gut er kompensiert. Das ist bei uns wirklich ideal gelaufen, trotz vermeintlich unauffälligem Verhalten in der Schule hat er die Diagnose bekommen.
Danach war noch die Förderlehrerin Autismus in der Schule und hat sehr viele Auffälligkeiten erkannt. Sie hat sofort gesehen, dass er Hilfe benötigt. Damit haben wir jetzt ein Anrecht auf Schulhelferstunden und Förderstunden. Es ist also möglich, die Diagnose trotz Lehrerfragebogen unter dem Cut-off zu erhalten.
Eine genaue Gewichtung kenne ich allerdings nicht.

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NicoleWW
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Re: Lehrer Fragebögen bei Autismustestung ?

Beitragvon NicoleWW » 25.09.2019, 10:37

Mir hat auch jemand von einer Inklusionsberatung gesagt, mit einer Autismusdiagnose sei es
schwieriger, an einer weiterführenden Schule genommen zu werden. Ob es stimmt weiss ich
natürlich nicht. Aber Ihr versteht schon.
Hallo Paula,

es ist sehr fraglich ob eine Schule die ein autistisches Kind nicht nehmen würde wenn sie die Diagnose weiß, die geeignete Schule für ein autistisches Kind ist, diese Schulen wollen in der Regel keine besondern Kinder, da nützt es auch nichts wenn diese Schule einen so tollen Ruf bei den Eltern mit NT-Kindern hat. Unser Gymnasium hat beide Autisten ohne Probleme genommen, sie laufen als Regelkinder nicht als Inklusionskinder trotz Schulbegleitung.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

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