Rollstuhl für Läuferkind (10) - welches Modell?

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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Gesa
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Re: Rollstuhl für Läuferkind (10) - welches Modell?

Beitragvon Gesa » 17.09.2019, 17:19

Moin,

such Dir am besten ein Sanitätshaus mit Kindererfahrung, dann ist es schonmal nicht völlig verkehrt.

Wenn der Oberkörper kurz ist, muss er möglichst hoch sitzen, damit die Räder nicht zu hoch zum Greifen sind. Ein Anhalt ist, dass man mit den Fingern an die Nabe kommt, und die Ellbogen kurz über dem Rad sind, wenn es höher ist, dann geht es sehr auf die Schultern beim Fahren. Genauso wenn das Rad zu niedrig ist im Verhältnis zum Körper, dann hat man nicht viel "Fläche" zum Antreiben, und das macht es komplizierter zu fahren.

Ich habe relativ kurze Arme und fahre deshalb einen Sonderbau, weil es das bei den "normalen" Rollis nicht gibt, was ich brauche. Ansonsten würde ich versuchen, möglichst drauf zu achten, dass alles einigermaßen hinhaut. Er sollte nicht breiter und nicht kürzer sein als über mir angegeben, auch wenn der Junge vielleicht noch wächst. Dann muss der Rolli angepasst werden, oder ein neuer her. Punkt. Es ist wie bei Schuhen, die müssen jetzt passen und nicht erst in einem Jahr.

Wenn das Sanitätshaus etwas gebrauchtes findet, könnt Ihr das ansehen, solltet Ihr auch!, und schauen, ob es passt bzw. passend gemacht werden kann. Dabei würde ich neben den offensichtlichen Dingen auch sehr darauf achten, dass der Junge über das Fußbrett einsteigen kann, ohne dass der Rolli nach vorne kippt (wenn die Vorderräder zu weit hinten sind), dass der Rolli insgesamt lang genug ist, dass er guten Halt bietet auch bei wilderem Fahren.

Auf dem Rezept würde ich das möglichst alles mit aufführen lassen, was gebraucht wird. Ich mache damit gute Erfahrungen, das selber vorher mit aufzuschreiben, meine Ärztin ist darüber dann immer sehr glücklich und übernimmt das.

Wenn er eine Spastik hat, so ist es sicher auch sehr wichtig, zum einen auf die Sitzposition, aber auch auf die Greifringe zu achten. Oft ist es so, wenn eine Spastik eigentlich nur einzelne Körperbereiche betrifft, dass gerade bei Anstrengung oder ungünstiger Sitzpositon auch Muskeln in anderen Körperbereichen verkrampfen. Sollte er eine Streckspastik in den Beinen haben, so hilft ein 90 Grad Winkel in Hüfte und Knie, dafür könnte es sein, dass der Rolli evtl ein wenig kürzer sein muss, damit der Junge inkl einem Kissen gut sitzen kann. All das sollte mit dem Rolli zu bewerkstelligen sein. Da er ja auch laufen kann, würde ich beim Rolli strikt auf gute Fahrbarkeit achten, nicht allzusehr auf gemütliches Sitzen, das ist dann ja eher etwas nebensächlich, dafür kann man sich dann ja auch auf eine andere Sitzgelegenheit fläzen ;)

Wenn etwas passendes aufzutreiben ist, müsst ihr das nehmen, und wenn es passt, ist es ja auch ok. Ansonsten gut begründen, warum das nicht geht, und dann muss weiter gesucht werden. Und wenn ein Arzt das nicht aufschreibt, kann man im Zweifel auch einen anderen fragen, aber wenn es gut durchdacht und begründet ist, gibt es bei guten Ärzten eigentlich seltener Probleme.

Wenn Ihr unsicher seid, ist es oft gut, wenn Ihr hier Fotos veröffentlicht, mit Kind im Rollstuhl bis zum Hals, ohne Kopf, dann kann damit niemand Schindluder treiben. Ein Foto von vorne, eins von der Seite und eins von hinten, gern auch einmal mit ausgestreckten und einmal mit angewinkelten Armen. Und auch konkret fragen, was bei dem Rolli noch wohin verstellt werden kann, also ob man das noch verändern kann, was vielleicht nicht passend erscheint.

Und oft ist es so, wenn man einen neuen Rolli hat, dass da noch mehrfach was geändert werden muss, bevor es wirklich passt, das ist normal, und sind meist auch nur cm, oder gar mm. Aber das kann sehr viel ausmachen, also nicht dran verzweifeln!

Liebe Grüße

Gesa
Rollstuhlfahrerin mit unklarer Diagnose, vor vielen Jahren Unfall mit Kopf- und Beinverletzungen, über die Jahre Verschlechterung, seit mittlerweile 15 Jahren Rollifahrerin; Erfahrungen in Rollisport, Rollstuhlversorgung sowie behindertengerechtem Autoumbau

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Re: Rollstuhl für Läuferkind (10) - welches Modell?

Beitragvon Silvia & Iris » 17.09.2019, 21:56

Hallo Elke,

auch bei uns steht eine neuer Versorgung an... im November... und ich bin drauf und dran den Techniker zu wechseln... er will uns wieder ein sehr instabiles Gestell verkaufen mit dem wir wahrscheinlich keine Freude haben werden... - wir brauchen etwas stabiles, nichts zu reaktionsfreudiges... ich habe mich heute auch telefonisch beraten lassen - es gibt sehr viel am Markt... Aber auch der Techniker hat mir gesagt, er rät bei Kinderrollstühlen von Sopur ab, die sind dann bei Erwachsenen-Aktivrollstühlen besser aufgestellt, als im Kinderbereich...



Bei uns geht es aber nicht mehr um einen Rollstuhl... wir brauchen nun ein Sitzschalenuntergestell... - aber das sprengt jetzt den Rahmen, wobei da die Grenzen wohl gar nicht so weit auseinanderliegen?
Einen großen Unterschied sehe ich nun: die Sitzschalenuntergestelle sind wohl kantelbar, Rollstühle nicht... (aber ich bin da noch immer nicht durchgestiegen, ob das tatsächlich ein Unterschied zwischen den beiden ist, oder doch nicht?)

Wenn du in ein Sanitätshaus gehst, kannst du ja auch fragen... - aber das kommt sicher nicht für euch in Frage! Wobei es da auch Varianten gibt für Selbstfahrer... - bis hin zu welchen für Elektrorollstühle...

Ich wünsche dir eine gute Beratung! - Das ist gar nicht so einfach!

So wenig Unterstützung wie es nur geht, aber so viel wie notwendig!
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Re: Rollstuhl für Läuferkind (10) - welches Modell?

Beitragvon elke.theaterfisch » 18.09.2019, 08:34

Liebe Heidi, liebe LALMama, danke für die präzisen hilfreichen Antworten! Mit den Informationen weiß ich jetzt, wie es weitergeht bei uns. Viele Grüße Elke
Elke + Mann mit Sohn früh geboren im Mai 2009, 29. Woche, 1200 g. Motorisch entwicklungsverzögert. Muskulär hypoton, schwache Bänder, Knick-Senk-Füße. Erste Schritte mit dreieinhalb Jahren. Trug jahrelang Unterschenkel-Orthesen und Ringorthesen. Seit zwei Jahren ohne Orthesen.

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Re: Rollstuhl für Läuferkind (10) - welches Modell?

Beitragvon Gesa » 18.09.2019, 17:28

Moin,

ein Sitzschalenuntergestell ist komplett anders aufgebaut, weil die Sitzschale sehr aufträgt in Höhe etc, und ich kenne keine, die für Selbstfahrer wirklich gut geeignet sind.

Es gibt spezielle Sitzschalen für die Aktivrollstühle, das kann oft Sinn machen, wenn man stabil sitzt, kann man auch besser fahren. Ich selber fahre einen festen Rücken, und ein anatomisch geformtes Kissen, das passt für mich gut.

Bei Sitzschalen, mit denen man selber fahren will, sollte man immer zu wirklich spezialisierten Sanitätshäusern gehen, denn die müssen dann quasi in den RAhmen eingepasst werden und nicht oben drauf, sonst kann man den Rolli nicht mehr vernünftig selber fahren, weil man nicht an die Räder kommt, und der Schwerpunkt zu weit vorne ist. Und das ist dann auch fast nie so zu ändern, dass man da einigermaßen in vernünftige Maße kommt.

Die Untergestelle sind eigentlich immer kantelbar. Sorg hat glaube ich ein Modell, was man wohl auch selber fahren kann, aber da würde ich immer sehr genau überlegen, ob das wirklich richtig ist, denn es ist beide Richtungen (aktiv und bequem) immer ein Kompromiss.

Lg Gesa
Rollstuhlfahrerin mit unklarer Diagnose, vor vielen Jahren Unfall mit Kopf- und Beinverletzungen, über die Jahre Verschlechterung, seit mittlerweile 15 Jahren Rollifahrerin; Erfahrungen in Rollisport, Rollstuhlversorgung sowie behindertengerechtem Autoumbau

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Re: Rollstuhl für Läuferkind (10) - welches Modell?

Beitragvon elke.theaterfisch » 20.09.2019, 09:20

Oh Gesa, ich sehe Dein jüngstes Posting jetzt erst! Das sind tolle Tipps! Danke, das werde ich berücksichtigen und bei Unsicherheit Fotos einstellen. Dein Post macht Mut, wenn nötig auf wiederholte Änderungen zu bestehen, damit der Rolli passt.
Viele Grüße Elke
Elke + Mann mit Sohn früh geboren im Mai 2009, 29. Woche, 1200 g. Motorisch entwicklungsverzögert. Muskulär hypoton, schwache Bänder, Knick-Senk-Füße. Erste Schritte mit dreieinhalb Jahren. Trug jahrelang Unterschenkel-Orthesen und Ringorthesen. Seit zwei Jahren ohne Orthesen.


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