Autismustherapie

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Sanne38
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Autismustherapie

Beitragvon Sanne38 » 29.08.2019, 13:18

Hallo,
mein Name ist Susanne. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal hier in der Gruppe und hab meinen Account nun wieder aufleben lassen, nachdem ich einen heißen Tipp von jemanden bekommen habe. Mein Sohn, 16 hat die Diagnose Frühkindlicher Autismus und ADHS. Heute hatten wir einen Termin beim Jugendamt wo es um die Ableistung von Sozialstunden ging. Mein Sohn hat das ganze letzte Jahr kaum die Schule besucht, war viel zu Hause bzw. auch draußen alleine unterwegs. In dem Zusammenhang hatte er Konflikte auf dem Spielplatz und Eltern haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Seit über einem Jahr streiten sich bei uns der Bezirk und das Jugendamt um die Zuständigkeit, Kostenübernahme für diverse Dinge wie Elternbeistand usw. Nun habe ich gehört, daß eine Autismustherapie in Bayern gar nicht über irgend welche Ämter sondern über die Krankenkasse läuft. Kann mir hier vielleicht jemand etwas dazu sagen? Ich bedanke mich im Voraus schon mal recht herzlich für Hilfe und/oder weitere Tipps. Gruß Susanne
Susanne (49)
Tochter (18)
Sohn, 16 Jahre, ADHS, frühkindlicher Autismus, Entwicklungsverzögerungen

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Alexandra2014
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Alexandra2014 » 29.08.2019, 13:37

Hallo Susanne,

wie es in Bayern ist, weiß ich leider nicht. Aber du könntest im Autismustherapiezentrum in eurer Nähe anrufen. Die dürften (sollten) das wissen, da sie auch behilflich sind beim Stellen des Antrags.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Engrid
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Engrid » 29.08.2019, 13:45

Hallo Susanne,

erstens: Bezirk und Jugendamt müssen sich binnen kurzer Frist (glaub, zwei oder drei Wochen) über die Zuständigkeit einigen. Dies darf NICHT auf dem Rücken der Eingliederungshilfe-Bedürftigen ausgetragen werden.
Zweitens: In Bayern gibt es kaum Autismus-Therapie-Zentren. Ich weiß nur von einem, in Nürnberg. Ob die über die Eingliederungshilfe abrechnen, weiß ich nicht, ich nehme an ja.
Das schwierige im Rest von Bayern ist ja, erstmal einen kompetenten Therapeuten zu finden. Wenn das jemand in einer niedergelassenen Psychotherapeuten-Praxis ist (wird meistens so sein): die können als „Einzelne“ schwer über die Eingliederungshilfe abrechnen, wurde mir damals jedenfalls von der Praxis erzählt. Deshalb wurde Juniors Therapie damals als Verhaltenstherapie bei der KK beantragt, formal gesehen nicht als reine Autismustherapie. Die KK weiß natürlich, dass Autismustherapie andernorts über Eingliederungshilfe finanziert wird, und ist da also nicht scharf drauf, in Bayern die Kosten zu tragen.

Ich würde also zuerst einen guten Therapeut*in suchen, und dann dort besprechen, wie der Weg der Beantragung ist.

Wir sind hier inzwischen einen dritten Weg gegangen (die Verhaltenstherapie war mäßig erfolgreich): wir haben eine exzellente Ergotherapeutin gefunden, die alles kann, was eine gute Autistherapie für meinen Sohn können muss. Damit können wir die Ergo nun sogar durchlaufen lassen (frühkindlicher Autismus steht auf der Diagnoseliste der Heilmittelverordnung, d.h. geht als Langzeitverordnung), eine VT muss ja nach 90 Einheiten (glaube ich?) erstmal beendet werden.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Michaela44 » 29.08.2019, 14:31

Huhu,

ich ergänze mal Engrids Antwort: das Amt, bei dem man den Antrag möglichst schriftlich einreicht, hat 2 Wochen Zeit für die Zuständigkeitsprüfung. Dann muss es den Antrag gegebenenfalls weiterleiten. Tut es das nicht, bleibt das Amt, bei dem man den Antrag eingereicht hat, zuständig und es kann sich ggfs. intern die Kosten wiederholen, falls es doch nicht zuständig ist.

Ein zuständiges Amt hat insgesamt 3 Wochen Zeit für die Antragsbearbeitung. Dies verlängert sich, falls ein Gutachten eingeholt werden muss.

Falls du noch keinen schriftlichen Antrag gestellt hast, würde ich es umgehend nachholen. Egal bei welchem Amt, suche dir eines aus. Du musst auch kein offizielles Antragsformular benutzen. Beschreibe einfach, welche Hilfe benötigt wird und warum.

Falls der schriftliche Antrag schon gestellt ist, würde ich mit einer Untätigkeitsklage drohen und eine Frist setzen. Und danach wenn nötig klagen. Dafür benötigst du keinen Anwalt und es ist kostenlos. Sobald du die Klage eingereicht hast, wirst du ganz schnell einen Bescheid bekommen.....


Eine Verhaltenstherapie geht grundsätzlich über max 60 Therapieeinheiten, in begründeten Fällen bis zu 80 Einheiten, in begründeten Fällen auch über 80....
Asperger Autistin
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Chaosmarie
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Chaosmarie » 29.08.2019, 19:52

Hallo Susanne,

ich denke, es geht um eine autismusspezifische Therapie, oder? Eigentlich müsste jedes ATZ darüber Auskunft geben können, wer als Kostenträger für die Therapien infrage kommt. Die Kinder- und jugendpsychiatrische Praxis, an die Ihr angebunden seid, müsste Euch ebenfalls Auskunft geben könne. Oder Autismus Deutschland. Ob die Krankenkasse dafür zuständig ist, lässt sich leicht heraus finden, indem Du den Antrag bei Eurer Krankenkasse stellst. Schließlich führt der Weg zu einer autismusspezifischen Therapie für Kinder und Jugendliche normalerweise erst über die Krankenkassen. Die lehnen meist ab, und dann wird der Antrag beim entsprechenden Amt gestellt. Eine autismuspezifische Therapie ist keine reine Verhaltenstherapie! Engrids Tipp ist auch gut. Manchmal findest Du einen Ergotherapeuten mit fundierter Autismuskompetenz und reichlich Erfahrung. Mit solchen Leuten lässt sich auch sehr gut arbeiten.

lg
Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Sandra F » 29.08.2019, 20:29

Chaosmarie hat geschrieben:Die lehnen meist ab, und dann wird der Antrag beim entsprechenden Amt gestellt.


Keinen neuen Antrag stellen, würde ich meinen - grübel-

Sie müssten es weiterleiten?

Aber zur Sicherheit denke ich auch besser Antrag stellen.

Bei uns lief es so, dass wir den Antrag Beim Jugendamt gestellt hatten und sie von uns eine Bestätigung der KK wollten, dass diese die Therapie nicht bezahlen.

Lg Sandra
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Re: Autismustherapie

Beitragvon BauerM » 29.08.2019, 22:14

Hallo,

darf ich kurz fragen was eine "Autismus-Therapie" ist? Vor 10 Jahren hieß es immer Autismus sei unheilbar (in DE/AT/CH) und man könne dies nicht heilen oder therapieren, nur den Umgang damit verbessern. ist das damit gemeint? Ich habe nur von einer einzigen Ärztin mal gelesen, die ein Buch schrieb, dass sie Autismus "heilen" konnte, das Buch habe ich selber nie gelesen. Die Forscherin ist aber eher bekannter in Amerika und manche (Diagnose Autismus) meinen es hat ihnen geholfen. Aber das ist doch meiner Meinung nach, nach wie vor total umstritten und würde gar nicht von den Kassen bezahlt werden?

Also geht es vermutlich doch nur rein um die Verhaltesprobleme die dadurch entstehen, oder? Ist nun für mich nicht so wichtig, aber es hätte mich interessiert, wenn da kurz wer was weiß. Da man mir nämlich immer gesagt hat, Autismus / Asperger = unheilbar.

LG
Selbst betroffen & beschäftige mich zwar seit 8, bald 30, intensivst mit Psychologie, Neurobiologie, seltenen Erkrankungen und Medizin allg., schreibe zwar viel mit Ärzten & führte Foren dazu, aber ich habe kein Studium! Meine Publikationen wurden privat publiziert! Meine Ideen bitte als Laie verstehen & mit Ärzten absprechen!

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Engrid » 29.08.2019, 23:23

Hallo BauerM,

Autismus ist unheilbar, ist keine Krankheit. Damit Autisten mit Leidensdruck und autismustypischen Problemen in ihrer NT-dominierten Umwelt besser zurechtkommen (social mismatching, beiderseits) gibt es Autismustherapie.
Literaturtipp: Ludger Tebartz van Elst: Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter
https://www.socialnet.de/rezensionen/20489.php

Grüße
Engrid
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Beitragvon Engrid » 29.08.2019, 23:35

Nicht unbedingt ein falscher Link, aber eigentlich meinte ich dieses Buch: https://www.beck-shop.de/tebartz-van-el ... t/10943556
Engrid
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Re: Autismustherapie

Beitragvon JennyK » 30.08.2019, 05:55

Ist das nicht ein Bundesgesetz? Wir haben den Antrag auf Kostenübernahme gleichzeitig beim JA und der KK gestellt, die KK hat uns dann eine Ablehnung geschickt und dazu geschrieben, dass sie den Antrag an die zuständige Sachbearbeiterin im JA weitergeleitet haben. Das wurde uns im ATZ aber auch so erklärt.
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt


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