Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

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SteffiausB
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Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon SteffiausB » 27.08.2019, 13:24

Hi ihr Lieben,

wir mussten letztens eine zweite Autismusdiagnostik über uns ergehen lassen, weil die gestellte Asperger Diagnose von 2017 infrage gestellt wurde. Raus kamen folgende Werte:

Domäne A (reziproke Interaktion: Cut Off: 10) Unser Wert 18
Domäne B (Auffälligkeiten Kommunikation: Cut: Off 8) Unser Wert 15
Domäne C (Repetitiv; Stereotyp etc: Cut Off: 3) Unser Wert 8
Domäne D (Auffälligkeiten der ersten 36 Monate: Cut Off: 1) Unser Wert 3

Es wurde dazu der ADOS 2 Modul 3 gemacht, im sozialen Affekt (SA) gabs den Wert 13, Restriktiv und repetitiv Wert 0. Insgesamt also 13 (Cut Off lag bei 8) und sie gehen von einem hohen autistischem Symptomlevel aus.

So aber was ich nicht verstehe ist das Gesamtergebnis: sie kommen zu dem Ergebnis das Söhnchen (jetzt 8 Jahre alt) nur knapp im autistischem Spektrum ist. Und das nach therapeutischer Intervention auch eine andere Diagnose möglich ist!

Mal abgesehen davon, dass er an dem Tag sehr gut überkompensiert hat (und trotzdem dieser hohe Wert erreicht wurde) und mal abgesehen davon das der Vater die Diagnose nicht haben möchte (und auch bei ihm das Kind immer über den Cut Offs ist), wie seht ihr die Einschätzung der Werte?

Liebe Grüße, Steffi

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melly210
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon melly210 » 27.08.2019, 15:39

Haben sie das auch begründet ? Den Werten nach liegt er ja sehr deutlich über allen Cutoffs ? Was steht denn im Befund ?

SteffiausB
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon SteffiausB » 27.08.2019, 15:48

Oh, die Begründung ist: es ergaben sich Verhaltensweisen die untypisch für autistische Kinder sind: Kind umarmte die Untersucherin (er ist entweder sehr abweisend - zu den meisten, oder sehr distanzlos - hier geschehen), außerdem zeigte er einen modulierten Blickkontakt (...) Interesse an der Interaktion mit Erwachsenen und kein ausgeprägtes Ritualbedürfnis (bei denen).

Michaela44
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon Michaela44 » 27.08.2019, 16:34

Da hat die Untersucherin über die Anwendung des ADOS hinaus keine ausreichenden Erfahrungen im Umgang mit Autisten, denn das was sie dort beschreibt ist typisch für Autisten ;-)

Abgesehen davon lässt sich Autismus nicht wegtherapieren.
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SteffiausB
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon SteffiausB » 27.08.2019, 16:39

Da sagst du was... das dumme ist nur, dass aufgrund ihrer - öhm - nicht gerade kompetenten Aussage Schulbegleiterstunden gecancelt werden sollen bzw das Jugendamt überlegt ob eine Autismustherapie überhaupt nötig ist....

Mir ist es vollkommen egal wie tief mein Sohn im Spektrum ist, aber wie kann ich den Verantwortlichen klar machen, dass er eben nicht "leicht" betroffen ist (bzw es in 2 Jahren weg ist).

Habt ihr Ideen?

Michaela44
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon Michaela44 » 27.08.2019, 16:49

Schriftlich Stellung nehmen, sowohl zum Gutachten als auch zu den Vorhaben des JA. Auf die deutlichen Werte hinweisen, ebenso auf die falschen Rückschlüsse der Untersucherin, ggfs mit Zitaten oder Artikeln von Autismusfachleuten, und natürlich auf den Hilfebedarf deines Sohnes, der sich ja nicht allein aus der Diagnose ergibt sondern auch aus seinen aktuell vorliegenden Teilhabebeeinträchtigungen sowie die Folgen aufzeigen, wenn die Hilfen gesenkt werden
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon Michaela44 » 27.08.2019, 16:53

Und vielleicht auch noch schriftlich an die Untersucherin bzw. deren Vorgesetzte wenden. Es kann durchaus sein, dass der Vater Druck gemacht hat, und die Untersucherin allein deswegen trotz eindeutiger Werte zu dem zweifelhaften Ergebnis kommt, damit sie sich nicht mit dem Vater auseinander setzen muss! Solches Verhalten habe ich bei Ärzten selbst schon erlebt. :evil:
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SteffiausB
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Re: Autismus Diagnose und Aussagekraft der Werte

Beitragvon SteffiausB » 27.08.2019, 16:56

@michaela44: Danke dir! Stellung nehme ich dazu aufjedenfall. Die Werte sprechen so dermaßen für sich und sein Verhalten ebenso... die Psychologin wundert sich weshalb er so seltsam spricht/ bzw es v.a. in meiner Gegenwart tut und ansonsten eben verstummt.

Hast du zufällig Artikel auf die ich verweisen kann?


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