1 Klasse und Hausaufgaben

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Regina Regenbogen
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon Regina Regenbogen » 07.09.2019, 16:09

Danke, Rena, ich habe da nicht so viele klare Worte für mein Empfinden zu dieser Problematik gefunden.

Ist es denn heute nicht mehr üblich, dass den Eltern von Seiten der Schule Informationen mitgegeben werden, wie und wie lange die Hausaufgaben von den Erstklässlern ausgeführt werden sollen? Ich bin mir ganz sicher, dass wir bereits vor über 10 Jahren als Anhaltspunkt für Regelschüler einen Zeitumfang von max. 20 Minuten pro Tag (in einem ruhigen Umfeld ohne Druck und zu festen Zeiten) genannt bekommen haben.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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rena99
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon rena99 » 07.09.2019, 17:26

Ich bin ziemlich sicher, dass die Frage der Länge der Hausaufgaben auf den ersten Elternabend besprochen wird. Aber auch der findet meist erst in der 2. oder 3. Woche statt.

Ich kann mich noch ziemlich gut erinnern, wie hoch ich selber damals gedreht habe. Und bin heute noch dankbar, dass man mir damals in einem anderen Forum den Kopf gewaschen hat. Eine Einschätzung fällt mit mehr Erfahrung einfach leichter.

Besonders schlecht konnte ich es ertragen, dass man mir nicht auf Augenhöhe begegnete. Aber das ist Lehrern irgendwie nicht so gegeben.

Irgendwann schreibe ich vielleicht mal ein Buch: "Unter Lehrern" :wink:

Trotzdem: Eltern müssen sich auch erst mal in die neue Situation finden. Das eigene Kind loslassen, insbesondere, wenn es ein Sorgenkind ist, ist nicht so einfach.

Lieben Gruß
Rena
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon ninona » 07.09.2019, 20:29

Hallo,

mein Kind wird nicht zieldifferenziert unterrichtet, aber schon differenziert beschult.
Nach den Grundschulerfahrungen, die lediglich kurze Zeit zurück liegen und nach den Erfahrungen der letzten Jahre würde ich einiges von Anfang an anders machen.

Deshalb berichte ich auch ausschließlich über unsere Erfahrungen. Jedes Kind, Schule ist anders.
Ich kann die Meinung „nicht gleich den Schongang einlegen“ für einen Teil der Kinder gut stehen lassen.

In Bezug u. a. auf Schule würde ich jedoch ganz klar jede langandauernde Überforderungssituation (so sie denn da ist) vermeiden.
Wohlgemerkt Überforderung nicht Anforderung!

Schon die Schule an sich ist für viele Spektrums Kinder ein Kraftakt ( mal mehr mal weniger). Wenn ein Kind somatisch (Schwindel) reagiert ist das ein Indikator für Überforderung.

Nach meinen Erfahrungen brechen sich Überforderungen in anderen Wegen Bahn (wäre ein interessantes Thema für einen neuen Thread).
Beispielsweise Verweigerung, Aggression, Ängste, Zwänge etc.

Das Thema Hausaufgaben ist für mich so unwichtig wie irgendwie was (man beachte dazu die von mir vorher gemachten Einschränkungen).

Schule funktioniert aber häufig als starres Konstrukt, (Rahmenbedingungen) deshalb braucht die Schule etwas in die Hand.
Vielleicht ja auch nur für eine kurze Zeit.



Viele Grüße
Ninona

rena99
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon rena99 » 07.09.2019, 21:51

Hallo Ninona,

ich unterschreibe deinen Beitrag gerne inhaltlich. Nach meiner Erfahrung ist es aber eher kontraproduktiv schon in Woche 1 auf Konfrontationskurs mit der Lehrerin zu gehen.

Sicherlich gilt es, das Stressiveau, das ein Autist in der Schule eh schon hat, so zu steuern, dass ein Aufenthalt dort vernünftig möglich ist. Dazu braucht man die Kooperation der Schule. Die bekommt man nicht, wenn man da als übermotivierte anstrengende Mutter in den Akten steht.

Von daher meine beiden Posts oben.

Die Zwangserkrankung meiner Tochter ist übrigens (weiter befeuert von genetischer Disposition) aus der dauerden sozialen Überforderung außerhalb des Hauses entstanden. Dabei hat sie eine wunderbare Schule besucht, die sie so angenommen hat, wie sie ist und ihr auch genug Rückzugsmöglichkeiten gelassen hat. Sie hat das aber lange selbst nicht wahr haben wollen und sich aus sich selbst heraus ständig überfordert. Trotz all unserer Bemühungen, genau das zu verhindern. Sie musste das erst für und mit sich selbst klären, leider auf eine ganz harte Art und Weise.

Ich fände es schade, wenn Jo jetzt den Eindruck bekäme, dass sie ihrem Kind schadet, wenn sie da in den nächsten 6 Wochen (da wäre für mich dann auch die Grenze erreicht) nicht hart in der Sache verhandelt. Manchmal kann man selbst bei besten Voraussetzunge nicht verhindern, dass sich z.B. Zwänge entwickeln. Man kann dann nur passend darauf reagieren. Ein vernünftiges Stressmanagement gehört da auf jeden Fall dazu. Von daher würde ich auch den Druck bei den Hausaufgaben herausnehmen. Aber das Gespräch mit der Lehrerin zum passenden Zeitpunkt und passend vorbereitet ist besser, als hektisches Agieren jetzt.

Gruß
Rena
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon ninona » 07.09.2019, 22:28

Hallo rena99,

vielleicht habe ich mich zu kurz ausgedrückt.

Mit „in die Hand“ meinte ich einen kurzen Zweizeiler vom ArztIn/ TherapeutIn über die Hausaufgabenbefreiung- bis das Kind in der Schule angekommen ist.

Da Schule sich häufig mit dem Thema nicht wirklich auskennt, man selber als Elternpart vielleicht sonst auch der falschen Ecke ( überfürsorglich, Autorität der Lehrerin in Frage stellend) zugeordnet wird und vor allen Dingen kooperierend mit der Schule zusammenarbeiten sollte, ist das meines Erachtens der beste Weg um unnötigen Kräfteverschleiß zu vermeiden.

Ein (!) Weg. Ich schreibe das immer wieder. Letztlich lesen wir doch hier alle, weil wir interessiert sind, wie andere Probleme lösen.
Was mir auch noch sehr wichtig ist, ich bin keinesfalls (never) der Meinung, dass die Eltern Schuld sind, wenn bei ihren Kindern Zwänge, Ängste oder andere klassische Komorbiditäten auftreten. Die Bemerkung schreibe ich rein vorsorglich.

Mit dem Wissen von heute sehe ich nur, dass es viele Stellschrauben gibt an denen man drehen kann und man sollte sie nutzen, wenn das Kind Entlastung benötigt.

Viele Grüße
ninona

rena99
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Re: 1 Klasse und Hausaufgaben

Beitragvon rena99 » 07.09.2019, 23:01

Dann verstehen wir uns ja :-)
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