Carmen mit zwei Mädels (AVWS, VED)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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CDR
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Carmen mit zwei Mädels (AVWS, VED)

Beitragvon CDR » 16.08.2019, 17:09

Hallo zusammen und danke für die Aufnahme.

Wir haben zwei Töchter, geboren August 2010 und Juni 2012, beide mit einer expressiven Sprachentwicklungsstörung.

Bei der Großen ist wohl nachweislich eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) ursächlich und seitdem wir diese Information auf einer Sprachreha in Werscherberg im Frühjahr 2017 bekommen haben, ist zumindest ihre Aussprache und somit ihre Verständlichkeit Dritten gegenüber deutlich besser geworden. Dennoch ist unser Alltag vom Umgang mit dieser Störung und vor allem auch den AD(H)S ähnlichen Begleitsymptomen geprägt. Sie bekam ab etwa 3,5 Jahren Logopädie über eine Frühförderstelle, was bei uns in Bayern zwingend auch immer die Teilnahme an einer heilpädagogischen Therapie beinhaltet. Später kam auf Grund graphomotorischer Probleme noch Ergotherapie hinzu. Seit der Einschulung hat sie weiterhin Logopädie und Ergotherapie im Wechsel. Seit Januar 2018 hat sie den PG 2 und aktuell sind wir dabei auch einen GdB feststellen zu lassen. Im ersten Bescheid haben wir 30 bekommen, was wir aber Grund der notwendigen Lenkung selbst bei Alltagshandlungen (Anziehen, Körperhygiene, Hausaufgaben) und v.a. auch wegen ihrer Probleme im Straßenverkehr (sie nimmt Fahrzeuge von hinten oder der Seite erst wahr, wenn sie in ihr Gesichtsfeld kommen und reagiert im Schreck dann häufig falsch, auch kann sie sich wegen der stark eingeschränkten auditiven Merkfähigkeit keine Wegbeschreibungen merken und ist daher außerhalb des gewohnten Wohnumfelds schnell orientierungslos.) als zu gering erachten. Sie hat jetzt die zweite Klasse der Regelschule abgeschlossen, wobei wir eine super Lehrerin hatten, die sich mit AVWS auskennt, ihr einen festen Sitzplatz in der ersten Reihe eingeräumt und immer darauf geachtet hat, dass sie Mundbild und Mimik zur Hilfe nehmen kann.

Bei der Jüngeren streiten sich bis heute die Experten, ob bei ihr "nur" eine ausgeprägte phonetisch-phonologische Störung oder nicht doch sogar eine verbale Entwicklungsdyspraxie vorliegt. Im Oktober werden wir nun auch zusätzlich noch auf AVWS testen, da diese wohl familiär gehäuft bei uns vorkommt und sie u.a. auch schon eine deutlich reduzierte auditive Hörmerkspanne aufweist. Wir waren mit ihr mittlerweile auch das zweite Mal auf 4wöchiger Sprachreha und auch schon auf einer Intensivmaßnahme von 2 Wochen Dauer im kbo Kinderzentrum in München. Jeweils mit mäßigen Erfolgen in der Weiterentwicklung auf Laut- und Wortebene. Auf Satzebene oder gar bei der Übertragung in die Spontansprache sind wir bei ihr noch lange von einem für Dritte verständlich sprechenden Kind entfernt. Auch wir selber verstehen maximal 80-90% ihrer Äußerungen. Zusätzlich hat sie eine leichte Skoliose und ist im oberen Rückenbereich muskelhypoton. Dies wirkt sich bei ihr v.a. auf die Ausdauer im graphomotorischen Bereich aus, aber zeigt sich z.B. auch bei täglichen Problemen beim Zähneputzen, wofür ihr insbesondere abends einfach schlicht die Kraft fehlt. Besonders erschwerend kommt bei ihr ihr ausgeprägtes Störungsbewusstsein dazu. Sie ist sich ihrer Sprachprobleme so stark bewusst, dass sie ein dem selektiven Mutismus ähnelndes Verhalten aufweist. Sie verweigert gegenüber Dritten allein aus Angst unter Umständen nicht verstanden zu werden schon vorbeugend jeglichen Versuch der Kontaktaufnahme und leidet massiv unter Trennungsängsten, da sie Angst hat, sich ohne ihre familiären Dolmetscher in der Rückhand nicht mal verständlich sagen zu können, wer sie ist oder wo sie wohnt. Diese manifestieren sich auch regelmäßig in Einschlafproblematiken und Alpträumen, nach denen sie mehrmals in der Woche wieder über längere Zeiten in den Schlaf begleitet werden muss. Auch sie erhielt seit sie etwa 3,5 ist Frühförderung. Seit dem ersten Rehaaufenthalt 2017 ist dabei die Frequenz der Logopädie auf zweimal die Woche hoch gesetzt. Hinzu kommt die wöchentliche Doppelstunde Heilpädagogik und einmal die Woche Ergotherapie oder Physiotherapie zum Muskelaufbau im Schulterbereich. Mit der Einschulung im September fällt das weg. Sie wird aber weiterhin Logo bekommen und so wie es sich momentan darstellt, werden wir auch mit Hilf eines Kinderpsychologen weiterhin an ihren Ängsten arbeiten müssen. Seit Mai dieses Jahrs hat sie auf Grund dieser Problematiken rückwirkend ab Geburt einen SBA von 70 mit den Merkzeichen GBH bis zum 10ten Geburtstag bewilligt bekommen. Beim PG beschreiten wir gerade den Klageweg, da sowohl das Erst- wie auch das Zweitgutachten die Ansicht vertreten hat, sie könne sich selbständig mit Dritten verständigen.

Sie wird jetzt im September bei uns im Ort auf der Regelschule eingeschult. Zum einen, weil sie kognitiv in der DFK komplett unterfordert wäre, zum anderen um ihr ihr gewohntes Umfeld zu lassen, da sie hier mindesten 2/3 ihrer Klasse bzw. der gesamten Schule schon vom KiGa her kennt. Jede zusätzliche Veränderung streßt und verunsichert sie nur unnötig. Sollte es dennoch Problme geben, werden wir ggf einen I-Helfer begantragen

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Christa1215
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Re: Carmen mit zwei Mädels (AVWS & VED)

Beitragvon Christa1215 » 16.08.2019, 17:47

Hallo Carmen,

herzlich Willkommen!

Mein Kleiner (fast 4) hat ganz ähnliche Probleme wie deine Kleine. Bei ihm wird auch gerade überlegt, ob ausgeprägte phonetisch-phonologische Störung oder VED. Eine Reha in Werscherberg wollen wir jetzt beantragen.
Das ausgeprägte Störungsbewusstsein haben wir hier ebenfalls. Dank Logo erzählt er im Moment gern und viel. Ihm wird aber immer deutlicher, dass alle anderen deutlicher sprechen und sich leichter tun mit Sprache. Das ist nur schwer auszuhalten für ihn. Aber wir bleiben dran. :)

Ich wünsche dir einen guten Austausch!

LG Christa

melly210
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Re: Carmen mit zwei Mädels (AVWS, VED)

Beitragvon melly210 » 16.08.2019, 22:15

Hallo :-) Wie ist es denn bei euren Kindern, sprechen die nur undeutlich und ersetzen Laute, oder sind sie generell sprachlich deutlich verzögert ? Mein Sohn ist 4,5 und hat Muskelhypotonie (auch stark ausgeprägt beim Mund) und Wahrnehmungsstörungen. Er spricht ziemlich undeutlich und ersetzt Laute, aber nicht immer die gleichen, dh die Fehler variieren. Wir verstehen so 80-90 % von dem was er sagt, Aussenstehende schätze ich 60 %-70 %, wobei er sich da aber sehr bemüht deutlich zu sprechen. Ansich spricht er aber recht altersgemäß, erzählt frei, bildet Schachtelsätze etc. Nur Grammatikfehler macht er noch öfter, sollte in dem Alter ja eigentlich schon eher selten sein.
Er hat auch schon ein Störungsbewusstsein, erst letztens hat er ganz traurig gefragt warum ein Kind daß ein halbes Jahr jünger ist als er schon besser/deutlicher sprechen kann als er...

Christa1215
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Re: Carmen mit zwei Mädels (AVWS, VED)

Beitragvon Christa1215 » 16.08.2019, 23:32

Hallo Melly,

Bei meinem Kleinen ist es ist ähnlich wie bei deinem Sohn.
Probleme mit der Körperwahrnehmung/ mit taktile Reizen hatte meiner lange, das ist durch Ergo viel besser geworden. Die Logo sieht bei ihm leichte Hypotonie, die Ergo nicht.
Mein Kleiner spricht sehr undeutlich und ersetzt Laute. Aber die Fehler lassen sich nicht eindeutig benennen bzw. variieren. In manchen Wörtern kann er z. B. bestimmte Laute aussprechen, in anderen Wörtern klappt dieser Laut aber nicht.
Mama und Papa verstehen das allermeiste, Außenstehende vielleicht die Hälfte, enge Vertraute auch etwas mehr. Mein kleiner großer Dickkopf ist allerdings auch sehr beharrlich darin, seine Bedürfnisse mit allen Mitteln deutlich zu machen. Je länger seine Sätze sind/je mehr er erzählen will, umso undeutlicher wird er. Manches hat er sich auch falsch eingeprägt.
Sprachlich verzögert ist er sicherlich auch, er konnte mit 2 Jahren mit viel Phantasie 10 Wörter. Im Wortschatz hat er ordentlich aufgeholt, seit die Logo ihm wieder Spaß an Kommunikation vermitteln konnte. Neulich hat er mich mit dem Wort "Kissenschlacht" überrascht (nicht so deutlich, aber es war klar, was er meinte) :D Grammatik ist auch viel besser, die Sätze länger, aber noch lange nicht fehlerfrei. Alles in allem ein Riesenunterschied zu seinem Sprachstand mit 2 Jahren, aber noch lange nicht da, wo ein fast 4 jähriger sein müsste.
Unser größter Knackpunkt ist das Störungsbewusstsein, das ist echt eine harte Nuss für ihn und für mich. Es tut schon weh, wenn man sieht, wie frustriert er ist, wenn er merkt, dass ein Wort bei ihm wieder mal anders klang als bei den anderen, dass er so einiges mehrmals sagen muss, bis man es kapiert... Da suchen wir noch einen guten Weg, ihm da durch zu helfen.
LG Christa

melly210
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Re: Carmen mit zwei Mädels (AVWS, VED)

Beitragvon melly210 » 17.08.2019, 15:18

Ja, daß es undeutlicher wird wenn er länger frei erzählt ist bei uns auch so. Aber auch normal entwickelte Vierjährige verhaspeln sind bei komplexeren Erzählungen durchaus noch. Mir fallen abgesehen von undeutlich halt vorallem noch die eher häufigen Grammatikfehler auf. Sprachverzögert ist er glaube ich nicht wirklich, abgesehen von der Grammatik. Hat die Logo so gesagt, und ich denke auch, daß das stimmt. Mit 2 hat er vielleicht 300 oder 400 Worte und Zweiwortsätze gesprochen. Wir haben auch erst vor zwei Monaten so wirklich mit Logo angefangen, davor hatten wir nur Abklärung und Kontrollen alle halben Jahre. Bei der Überprüfung mit 4 hat sie eben gemeint er solle doch besser Logo-Stunden kriegen und nicht nur Mundmotorik-Übungen für zuhause, weil er noch recht regelmäßig Grammatik-Fehler macht und dise inkonstanten Fehler bei der Lautbildung immer noch da sind. Ergo bekommt er seit über einem Jahr durchgängig, weil er sehr deutliche Wahrnehmungsstörungen hatte. Das hat sich jetzt schon massiv gebessert, auch das Spielverhalten ist ganz anders als noch vor einem Jahr, aber so daß wir mit der Ergo aufhören würden ist es sicher eine zeitlang noch nicht.

TinaEm
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Re: Carmen mit zwei Mädels (AVWS, VED)

Beitragvon TinaEm » 11.09.2019, 22:11

meine Tochter wurde auch eine avws diagnostiziert, sie ist mittlerweile 13 Jahre alt. Sie hat spät gesprochen. Aussprache ist heute noch manchesmal schwierig
Sohn *04
Tochter *06 Sprachentwicklungsverzögerung, kombinierte Entwicklungsverzögerung inkl. AVWS


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