Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Jonas'Mama
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Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Jonas'Mama » 16.08.2019, 12:50

Hallo,

ich habe in den letzten Wochen hier im Forum sehr viel gelesen und gelernt.
Dennoch frage ich mich immer wieder und wieder: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren??

In all den Beiträgen, die ich hier im Forum gelesen habe, war zunächst von den Eltern ein Ausgangsverdacht, der dann letztendlich bestätigt wurde.
In den Beiträgen wurden die Kinder genau beschrieben und ganz ehrlich, da habe ich auch immer sofort an Autismus gedacht. Ich als Laie sehe, weil ich nun aufmerksamer bin, so viele auffällige Kinder draußen. Klar, kann ich diese nicht gleich als autistisch bezeichnen, aber wenn hier im Forum sich die Kinder mit ähnlichen/gleichen Besonderheiten als Autisten entpuppt haben, dann frage ich mich, warum gibt es so viele Kinder mit autistischen Zügen?
Wieso ist Autismus nicht so offensichtlich, obwohl es doch so offentsichtlich ist?

Mit dem Thema Autismus habe ich mich beschäftigt, weil mein Sohn ebenfalls solche sogenannten autistischen Züge hat.

- Er (29Monate) kann immer noch nicht reden
- Er ist entwicklungsverzögert 6-10 Monate, wobei die Sprache natürlich auf dem Stand von 10 Monaten ist...
- Er zieht uns oft zu den Dingen, die er will.
- Er hat spät angefangen zu zeigen
- Er reagiert oft nicht auf Ansprache
- Er reagiert zwar auf Anweisungen, aber es dauert immer ein paar Sekunden, bis es 'oben ankommt'
- Er reagiert nicht gerne auf Anweisungen, motzt rum, aber wenn ich dränge, dann macht er sie (Kann aber nun am Trotz liegen)
- Er langweilt sich oft, geht in der Wohnung umher, und sucht sich aus Langeweile dann Alltagsgegenstände zum Spielen aus (macht die Tür zu, beobachtet den Müllschub, geht zu den leeren Glasflaschen, DVD-Player, Vorhang) Wenn ich ihn aber 'zum Spielen schicke' dann geht er auf seinen Spielteppich und sucht sich ein Spielzeug aus.
- Er ist nicht auf Autos fixiert, aber wenn er mal ein Auto sieht, dann wird das Auto untersucht (die Räder) und dann lieblos hin und her geschoben (Macht er aber sehr selten, das Auto ist liegt hauptsächlich verstaubt in der Ecke rum)
- Er liebt seinen Kinderwagen. Früher hat er den Wagen hin und her geschoben und die Reifen betrachtet, jetzt schiebt er ihn gerne normal, wenn wir spazieren gehen.
- Er hat spät mit dem triangulären Blickkontakt angefangen, macht ihn jetzt aber (wenn auch nciht so oft, wie ich es gerne hätte als Mama. Ich freue mich jedes Mal, wenn er das macht, weil ich dann 'in seine Welt' eintauchen kann und erfahre, was ihn eben amüsiert, erfreut, mit was er sich beschäftigt usw.) Ich muss sagen, dass das der schlimmste Punkt für mich ist :(
- Er hat wenig Blickkontakt, kann aber sehr wohl welchen herstellen und auch halten. Auch wenn ich richtig böse schimpfen muss, kann er den Blick lange halten.
- Er reagiert auf Schimpfe oder auf Lob

Das waren wohl die wichtigsten Punkte, die ich an meinem Sohn bemerke und eben dadurch oft auf Autismus stoße.
Ist das nun eindeutig oder nicht? Und wenn nein, wieso nicht?

Ich muss noch erwähnen, dass mein Sohn lange Probleme mit den Ohren hatte bzw. sie immer noch durch wiederkehrende Paukenergüsse hat.
Aber all die Probleme auf die Ohren zu schieben? Das scheint mir dann doch zu einfach.
Oder kann man das alles mit seiner Entwicklungsverzögerung/Störung erklären?

Und noch eine Frage:
Ich habe oft gelesen, dass es eigentlich 'autistische Züge' nicht gibt und dass das dann am Ende eben Autismus ist. Wenn mir also der Arzt sagt, mein Sohn hätte autistische Züge, dann hat er doch Autismus, oder etwa nicht?


Bin gesapnnt auf die Antworten :) und danke!
Liebe Grüße,
Anna

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Regina Regenbogen
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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Regina Regenbogen » 16.08.2019, 13:32

Ich muss noch erwähnen, dass mein Sohn lange Probleme mit den Ohren hatte bzw. sie immer noch durch wiederkehrende Paukenergüsse hat.
Aber all die Probleme auf die Ohren zu schieben? Das scheint mir dann doch zu einfach.
Oder kann man das alles mit seiner Entwicklungsverzögerung/Störung erklären?
Ja, im Alter von nur knapp 2,5 Jahren kann es auch "nur" die Entwicklungsverzögerung sein, zusammen mit seinen Ohrenproblemen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

melly210
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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon melly210 » 16.08.2019, 22:32

Autismus ist so schwierig zu diagnostizieren, weil es auf keiner Ebene (gegentisch, verhaltenstechnisch, medizinisch) möglich ist Autisten sauber von Nicht-Autisten (neurotypischen Menschen) zu trennen. Egal welche Tests man macht, es gibt keine Ja/Nein Antwort. Die Übergänge von Nicht-autist zu Autist sind auf allen Ebenen fließend. Autistische Züge haben entweder Menschen die eigentlich andere Baustellen haben und die im Verhalten zwar manchmal autistisch aussehen, deren Verhalten aber einen anderen Grund hat. Das kann auf ein Kleinkind mit sehr schelchtem Hörvermögen durchaus zutreffen. Andererseits betrifft das Menschen die eben irgendwo in der Grauzone zwischen Autisten und Nicht-Autisten liegen und zwar schon Auffälligkeiten zeigen, aber eben nicht genug um sie als Autisten zu diagnostizieren. Eine offizielle Diagnose bekommt man nämlich erst, wenn das Gesamtbild zu deutlichen Behinderungen in der Kommunikation mit der Umwelt führt. Das ist ja dann auch eine Diagnose die als permanente Behinderung gilt, für die man dann auch SBA und Co bekommt.

Sophie-11
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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Sophie-11 » 16.08.2019, 22:34

Hallo Anna,

eine kurze Antwort lautet: weil es keine Messkriterien gibt. Man kann Autismus nicht messen wie eine bakterielle Infektion oder das Auftreten von Tumorzellen. Deshalb kann man ja auch keine Angabe zur "Schwere" machen. Die Diagnostik erfolgt rein indirekt, durch Beobachtung der auftretenden Verhaltensauffälligkeiten, aber die letztliche Ursache kann man nur vermuten.

eine weitere Antwort: weil man im Grunde gar nicht weiß, was Autismus genau ist. Die Zusammenfassung der früher als verschieden aufgefassten und klarer abgegrenzten Störungsbilder frühkindlicher Autismus, Asperger und atypischer Autismus in ein gemeinsames Spektrum, das ein sehr buntes Feld umfasst, ist mE ein deutlicher Hinweis darauf.

Durchaus möglich, dass man in einigen Jahren oder Jahrzehnten ganz andere Kategorien hat und das, was heute unter Autismus fällt, dann in mehrere genauer umrissene Störungsbilder aufgeteilt ist, die völlig unterschiedliche Ursachen haben. Oder man stellt fest, dass Autismus und z.B. AD(H)S eigentlich nur unterschiedliche Ausprägungen derselben Ursache sind. Oder, oder...
In all den Beiträgen, die ich hier im Forum gelesen habe, war zunächst von den Eltern ein Ausgangsverdacht, der dann letztendlich bestätigt wurde.
Ich habe oft gelesen, dass es eigentlich 'autistische Züge' nicht gibt und dass das dann am Ende eben Autismus ist. Wenn mir also der Arzt sagt, mein Sohn hätte autistische Züge, dann hat er doch Autismus, oder etwa nicht?
Ich denke mal, dass viele Eltern mit ihrem Anfangsverdacht einfach den richtigen Riecher hatten. Da sie ihr Kind am Besten kennen, können sie auch am Besten beurteilen, ob dieses Bild einfach passt, auch wenn man es nicht in medizinische Fachbegriffe fassen kann. Und dann geben sie sich nicht mit dem Begriff "autistische Züge" zufrieden, denn das ist nunmal keine medizinische Diagnose, und man kann sich dafür "nichts kaufen". Möglicherweise sind einige dieser Diagnosen falsch, aber kann man das letztlich sagen, wenn "Autismus" nicht wirklich klar definiert ist?

Letztlich würde ich als Kriterium sehen, ob ein Kind Hilfe braucht und es mit der Diagnose "Autismus" eine passende Hilfe erhält.

War das hilfreich?

LG!
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

Jonas'Mama
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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Jonas'Mama » 20.08.2019, 12:42

Vielen Dank für eure Antworten. Es tut mir Leid, dass ich erst jetzt antworte, habe viel zu tun und komme selten an den PC.


Liebe Regina, natürlich kann es bei meinem Sohn 'nur' die Entwicklungsverzögerung sein, die ihn so dermaßen auffällig machen lässt. Aber ich weiß nicht, ob ich mich damit zufrieden geben kann. Mein Sohn benimmt sich wirklich oft sonderbar. Ich kann nicht begreifen, dass seine auffällige Wahrnehmung wirklich 'nur' auf die Ohren zurückzuführen ist. Ich denke, da macht es sich der KiA etwas zu einfach.

Neben den oben genannten Punkten, kommen noch solche Punkte hinzu, wie:
- Er bleibt bei jedem Aufzug, elektr. Tür, Ampeln usw. lange gefesselt stehen und beobachtet sie.
- Er beobachtet seine Spielzeuge aus ungewöhnlichen Blickwinkeln.
- Er bekommt nicht richtig mit, was im Moment der Mittelpunkt des Geschehens ist.
- Er wirkt oft abwesend und unerreichbar, hat den Anschein nach einen Tunnelblick.
- Er 'sieht' Dinge vor seinen Augen nicht. (Beispiel, er soll Sache X direkt neben ihm aufheben, schaut einfach nur gerade aus und macht keine Anstalten sich umzusehen, wo Sache X liegt)


Liebe Sophie,
ich verstehe ja, dass man Autismus nicht anhand irgendwelchen Messkriterien diagnostizieren kann, wie beispielsweise Krebs oder andere Krankheiten. Auch verstehe ich, dass es eine Grauzone gibt. Aber wenn ich mein Kind anschaue, dann fällt es mir so schwer, zu hoffen, dass es wirklich 'nur' an der Ohrproblematik liegt, dass er so ist, wie er ist.

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht ernst genommen werde mit meinen Gefühlen. Der 'sogenannte richtige Riecher'...hmm... Den Kinderarzt musste ich lange Romane vortragen, bis er verstanden hat, was ich meine und er mir die Rezepte verschrieb... Meine Familie und Freunde lachen mich jedesmal aus, sobald ich von seinen Auffälligkeiten erzähle. Einerseits sehen sie die Auffälligkeiten, aber andererseits kommen dann solche Sprüche, wie

- Er geht doch auf andere zu (nur um sie als 'Werkzeug' zu bedienen)
- Er hält doch Blickkontakt (nur flüchtig)
- Er kann sich doch alleine beschäftigen (aber nicht mit Spielzeug, sondern Schränke, Türen, Badezimmer)

Wenn ich dann aufzähle, dass er eben sich nicht normal verhält, dass er keine Probleme hätte von jetzt auf gleich bei einer fremden Familie zu bleiben, dass ihm nicht bewusst ist, dass man mit anderen Menschen und seiner Umwelt interagieren muss, dann kommen solche Sprüche, wie dass ich mit Absicht meinen gesunden Sohn krank machen möchte :(

Dabei will ich einfach nur meine Sorgen loswerden und auf Verständnis stoßen, keiner sieht ihn so, wie ich ihn zuhause erlebe.


Liebe melly,
heißt das also, wenn mein Sohn 'nur' autistische Züge hat, dass er sich quasi im Moment in der Grauzone zwischen Autisten und Nicht-Autisten befindet.
Kann dann das Gehirn wohl noch so sehr nachreifen oder was auch immer, sodass die autistischen Züge weggehen und sich dann herausstellt, dass er kein Autist ist?
Ich dachte, sobald man autistische Züge fesgestellt hätte, so kann man davon ausgehen, dass das Kind Autist ist, aber natürlich nicht wie 'stark' betroffen man ist. Kann sein, dass er dann vielleicht nur 'leicht' betroffen ist, aber Autist ist er dann doch trotzdem, oder etwa nicht?


Liebe Grüße,
Anna

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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Regina Regenbogen » 20.08.2019, 13:58

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht ernst genommen werde mit meinen Gefühlen.
Geht dein Kind schon in die Kita? Dann hättest du ggf. "Zeugen" für das Verhalten deines Kindes.

Er ist einfach noch zu jung mit nicht ganz 2,5 Jahren für den Diagnosemarathon, das macht kein Diagnostiker mit, wenn die sonderbare Art nur dir auffällt. Mein Jüngster war richtig stark autistisch, schon von Geburt an und trotzdem hat man uns Eltern erst ernst genommen als die Erzieherinnen im Kiga (er ist einen Tag nach seinem 3. Geburtstag ausser der Reihe aufgenommen worden) die von uns wahrgenommenen Auffälligkeiten bestätigt haben. Dann gab es einen Termin beim Gesundheitsamt, er wurde damit I-Kind und die Diagnostik hat begonnen. Kurz vor seinem 5. Geburtstag hatten wir den Bericht in den Händen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Silvia & Iris » 20.08.2019, 14:09

Hallo Anna,

ich hatte ja auch so ein Paket... es kamen auch alle möglichen Vorwürfe, ich hätte zu wenig Zeit neben dem anderen Kind usw... - es gab auch bereits mit 10 Monaten Hinweise auf Besonderheiten... - in der Wahrnehmung... auch ich kam dann einmal von einer Untersuchung nach Hause in der ich den Begriff "Wahrnehmungsstörung" das erste Mal las... - habe dann mal gesucht und bin auf "Autismus" gestoßen, allerdings war es damals so, dass man mir versicherte, dass es verschiedene Wahrnehmungsstörungen gibt und man nicht von Autismus bei uns ausgeht...

Ich kann dir nur berichten, dass ich erst im Alter von 5 Jahren die Diagnose in der Hand hatte - bis dahin - ab 4 war es die Verdachtsdiagnose... - Logopädie, Ergotherapie... und dann Vorstellung bei Pädaudiologin, diese konnte dann die Diagnose stellen...

Aber kannst du dein Kind nicht in einem SPZ vorstellen? Dort gibt es ja Untersuchungen und Fördermöglichkeiten, wobei man hier schon genau wählen muss...
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon melly210 » 20.08.2019, 15:11

Vielen Dank für eure Antworten. Es tut mir Leid, dass ich erst jetzt antworte, habe viel zu tun und komme selten an den PC.


Liebe melly,
heißt das also, wenn mein Sohn 'nur' autistische Züge hat, dass er sich quasi im Moment in der Grauzone zwischen Autisten und Nicht-Autisten befindet.
Kann dann das Gehirn wohl noch so sehr nachreifen oder was auch immer, sodass die autistischen Züge weggehen und sich dann herausstellt, dass er kein Autist ist?
Ich dachte, sobald man autistische Züge fesgestellt hätte, so kann man davon ausgehen, dass das Kind Autist ist, aber natürlich nicht wie 'stark' betroffen man ist. Kann sein, dass er dann vielleicht nur 'leicht' betroffen ist, aber Autist ist er dann doch trotzdem, oder etwa nicht?


Liebe Grüße,
Anna
Falls er autistische Züge hätte, hätten die Verhaltensauffälligkeiten die bei ihm auftreten entweder einen anderen Grund als Autismus, oder er befände sich in der Grauzone. Und ja, das Gehirn von so kleinen Kindern ist noch sehr plastisch. Da kann noch viel passieren. Daher werden auch bei solch kleinen Kindern außer bei ganz eindeutigen Fällen maximal Verdachtsdiagnosen gestellt. Fixe Diagnosen normalerweise frühestens im Vorschulalter oder beginnendem Schulalter. Man kann bei ihm schlicht noch nicht sagen wo es hingeht. Ich weiß, die Ungewissheit ist sehr schwer, das geht hier Vielen so, auch uns. Mehr als ihn lieben, ihn gut fördern, die Ohrgeschichte im Auge behalten und abwarten könnt ihr momentan nicht tun.
Macht ihr Ergotherapie und Logopädie ? Wenn nicht würde ich euch beides empfehlen. Bei der Logo darauf achten, daß es jemand ist der sich auf die Arbeit mit so kleinen Kindern spezialisiert hat und der eventuell auch was mit dem Begriff VED (verbale Enticklungsdyspraxie) anfangen kann, falls es bei euch in die Richtung gehen sollte. Das muß dann nämlich anders therapiert werden als man klassischerweise in der Kinder-Logopädie arbeitet.
Bei der Ergo bedenken, daß es sehr große Qualitätsunterschiede bei Ergotherapeuten gibt. Empfehlenswert ist jemand, der sich auf SI-Störungen bei Kindern spezialisiert hat (Sensorische Integrationsstörung = Wahrnehmungsstörung). Zu einem guten Ergotherapeuten gehen die Kinder gern hin, weil der den Punkt findet an dem eine Übung gerade noch lustig, aber auch schon eine kleine Herausforderung ist und da balanciert.

MamaEmiljan
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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon MamaEmiljan » 21.08.2019, 18:02

Hallo Anna,

Ob es sich um eine Entwicklungsverzögerung, einer warnehmungsstörung oder autismus handelt wird dir jetzt keiner sagen können. Beobachte ihn, fördere ihn und suche dir gute therapeuten. Mein Sohn bekommt seit 10 Monaten ergo,logo und hat eine i kraft in der kita. Nebenbei gehen wir noch zum heilpädagogischen reiten und bei uns hat sich eine menge getan.
Mein Sohn war/ist hinsichtlich warnehmung auch auffällig. An ASS glaube ich nicht mehr wirklich, er hat eine wahnsinnige Entwicklung hingelegt.
Beim spielen war meiner ähnlich wie deiner. Er konnte sich null alleine beschäftigen und suchte sich Alltagsdinge. Mittlerweile gehört, dass der Vergangenheit an. Er spielt rollenspiele mit seinen puppen. Füttert sie, gibt ihnen zu trinken, legt sie schlafen und setzt seine puppe auf den topf. Auch bildet er mehrere Handlungsketten. Er spielt sehr abwechslungsreicch. Liebt es Dinge mit mir zusammen zu machen. Ob er doch leicht im Spektrum ist, wird sich zeigen. Momentan zeigt er keine Auffälligkeiten und macht sich gut. Ich habe es aber auf dem Schirm.
Er hat mittlerweile ein super gutes Sprachverständnis. An der aktiven Sprache arbeiten wir. Er durchläuft aber eine normale Sprachentwicklung. Tiergeräusche, einzelne Worte und jetzt 2 bis 3 wort sätze. Er sagt zielsicher ja und nein. Antwortet sinngemäß und drückt seine wünsche aus. Er kommunziert also normal.
Er hat keine wutausbrüche. Noch nie gehabt. Auch sonst keine stereotypen oder Rituale. Er schläft gut und isst gut.
Laut Ergo hatten/haben wir probleme mit der handlungsplanung. Dyspraxie passt natürlich zu Ass. Kann aber auch durch eine warnehmungsstörung hervorgerufen werden. Mein Sohn hatte auch Probleme bei der Nachahmung. Auch das kann er jetzt alles.
Ich bin zufrieden mit der Entwicklung. Da wird noch viel passieren. Das wünsche ich euch auch.

Übrigens hatten wir Anfang des Jahres einen ADOS durchlaufen. Dieser war negativ.

Ich wünsche euch alles Gute!

Jonas'Mama
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Re: Wieso ist Autismus so schwer zu diagnostizieren?

Beitragvon Jonas'Mama » 22.08.2019, 09:57

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht ernst genommen werde mit meinen Gefühlen.
Geht dein Kind schon in die Kita? Dann hättest du ggf. "Zeugen" für das Verhalten deines Kindes.

Er ist einfach noch zu jung mit nicht ganz 2,5 Jahren für den Diagnosemarathon, das macht kein Diagnostiker mit, wenn die sonderbare Art nur dir auffällt. Mein Jüngster war richtig stark autistisch, schon von Geburt an und trotzdem hat man uns Eltern erst ernst genommen als die Erzieherinnen im Kiga (er ist einen Tag nach seinem 3. Geburtstag ausser der Reihe aufgenommen worden) die von uns wahrgenommenen Auffälligkeiten bestätigt haben. Dann gab es einen Termin beim Gesundheitsamt, er wurde damit I-Kind und die Diagnostik hat begonnen. Kurz vor seinem 5. Geburtstag hatten wir den Bericht in den Händen.

Leider geht er nicht in die Kita, er ist bei einer Tagesmutter zurzeit. Es ist ja nicht so, dass nur mir die Auffälligkeiten auffallen. Den anderen fällt es auch auf, aber entweder wollen sie mich nur beruhigen oder sie schließen Autismus aus, weil er 'ja ab und zu (flüchtigen) Blickkontakt halten kann' oder 'weil er ja auf andere Menschen zugeht und sie umarmt' usw.
Aber dass er nie auf Ansprache reagiert, dass ihm die Oma minutenlange Märchen erzählt ohne, dass er zu ihr aufsieht bzw. sich irgendwie mitteilt, dass er da ist und zuhört... dass es bei ihm immer so wirkt, dass er abwesend ist, nicht richtig im Geschehen...
Das alles wollen sie dann auf die Ohren schieben.. (wobei er laut Bera sehr gut hören kann und zurzeit keine Ergüsse im Ohr sind!)

Hallo Anna,
- es gab auch bereits mit 10 Monaten Hinweise auf Besonderheiten... - in der Wahrnehmung... auch ich kam dann einmal von einer Untersuchung nach Hause in der ich den Begriff "Wahrnehmungsstörung" das erste Mal las... - habe dann mal gesucht und bin auf "Autismus" gestoßen
Auch ich bin durch Google auf Autismus gestoßen. Der Grund war, dass mein Sohn mit 10 Wochen immer noch kein bewusstest Lächeln zeigte. Das Lächeln, das die Kinder den Eltern zum ersten mal schenken, das Lächeln, wenn plötzlich die Sonne aufgeht und man überströmt wird mit Glücksgefühlen.
Damals stand im Netz auch Autismus und ich weiß noch, wie ich meiner Hemamme vorgeheult hätte, dass ich denke, dass J. Autist ist... Eine Woche später kam dann das Lächeln. Relativ spät mit 11 Wochen, aber es kam. Und ich war zunächst beruhigt. Und dennoch kommen jetzt immer mehr Auffälligkeiten hinzu, die mir solche Sorgen bereiten, dass ich kaum schlafen kann.

Hat sich dann bei euch die Wahrnehmungsstörung als Autismus herausgestellt?
Beim Spz sind wir bereits und hoffe sehr, dass sie uns dort ernst nehmen.
Macht ihr Ergotherapie und Logopädie ? Wenn nicht würde ich euch beides empfehlen. Bei der Logo darauf achten, daß es jemand ist der sich auf die Arbeit mit so kleinen Kindern spezialisiert hat und der eventuell auch was mit dem Begriff VED (verbale Enticklungsdyspraxie) anfangen kann, falls es bei euch in die Richtung gehen sollte. Das muß dann nämlich anders therapiert werden als man klassischerweise in der Kinder-Logopädie arbeitet.
Bei der Ergo bedenken, daß es sehr große Qualitätsunterschiede bei Ergotherapeuten gibt. Empfehlenswert ist jemand, der sich auf SI-Störungen bei Kindern spezialisiert hat (Sensorische Integrationsstörung = Wahrnehmungsstörung). Zu einem guten Ergotherapeuten gehen die Kinder gern hin, weil der den Punkt findet an dem eine Übung gerade noch lustig, aber auch schon eine kleine Herausforderung ist und da balanciert.
Wir bekommen Logo in einer sehr kompetenten Praxis. Die Logo hat am Anfang an eine Apraxie (?) gedacht, weil es bei unserem Sohn den Anschein hat, dass er versuchen will zu sprechen, aber die Worte nicht raus wollen. Diese Therorie hat die Logo aber wieder verworfen, weil sie meinte, dass er sonst die Vokale nicht aussprechen könnte, was er aber kann. Sie unterstützt ihn trotzdem mit Taktkin.

Ergo bekommen wir auch, wobei das leider nciht so gut ist. Die Ergo behandelt hauptsächlich ältere Kinder und ich habe das Gefühl, dass sie leider keinen Plan hat, was sie mit meinem Sohn machen kann/soll/muss Er geht im Raum umher, macht nie, was die Ergo von ihm will. Dann wuselt sie um ihn herum und versucht ihn 30 Minuten lang zu einer Sache zu bewegen und dann ist die Stunde schon um :? Aber ich habe mit der Frühförderung geredet und deise haben ihn jetzt auf die Warteliste für Ergo gesetzt. Dauert aber mind. 6 Monate bis was frei wird.
Hallo Anna,

Ob es sich um eine Entwicklungsverzögerung, einer warnehmungsstörung oder autismus handelt wird dir jetzt keiner sagen können. Beobachte ihn, fördere ihn und suche dir gute therapeuten. Mein Sohn bekommt seit 10 Monaten ergo,logo und hat eine i kraft in der kita. Nebenbei gehen wir noch zum heilpädagogischen reiten und bei uns hat sich eine menge getan.
Mein Sohn war/ist hinsichtlich warnehmung auch auffällig. An ASS glaube ich nicht mehr wirklich, er hat eine wahnsinnige Entwicklung hingelegt.
Beim spielen war meiner ähnlich wie deiner. Er konnte sich null alleine beschäftigen und suchte sich Alltagsdinge. Mittlerweile gehört, dass der Vergangenheit an. Er spielt rollenspiele mit seinen puppen. Füttert sie, gibt ihnen zu trinken, legt sie schlafen und setzt seine puppe auf den topf. Auch bildet er mehrere Handlungsketten. Er spielt sehr abwechslungsreicch. Liebt es Dinge mit mir zusammen zu machen. Ob er doch leicht im Spektrum ist, wird sich zeigen. Momentan zeigt er keine Auffälligkeiten und macht sich gut. Ich habe es aber auf dem Schirm.
Er hat mittlerweile ein super gutes Sprachverständnis. An der aktiven Sprache arbeiten wir. Er durchläuft aber eine normale Sprachentwicklung. Tiergeräusche, einzelne Worte und jetzt 2 bis 3 wort sätze. Er sagt zielsicher ja und nein. Antwortet sinngemäß und drückt seine wünsche aus. Er kommunziert also normal.
Er hat keine wutausbrüche. Noch nie gehabt. Auch sonst keine stereotypen oder Rituale. Er schläft gut und isst gut.
Laut Ergo hatten/haben wir probleme mit der handlungsplanung. Dyspraxie passt natürlich zu Ass. Kann aber auch durch eine warnehmungsstörung hervorgerufen werden. Mein Sohn hatte auch Probleme bei der Nachahmung. Auch das kann er jetzt alles.
Ich bin zufrieden mit der Entwicklung. Da wird noch viel passieren. Das wünsche ich euch auch.

Übrigens hatten wir Anfang des Jahres einen ADOS durchlaufen. Dieser war negativ.

Ich wünsche euch alles Gute!
In wie fern ist/war dein Sohn hinsichtlich der Wahrnehmung auffällig?
Das klingt sehr toll , was er alles bereits gelernt hat. Auch das hoffe ich sehr für meinen Sohn :)


Liebe Grüße,
Anna
LG


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