Kann man Autismus so ausschließen?

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Leasanne
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Leasanne » 13.08.2019, 15:25

Vielleicht ein atypischer Autismus?

Gewöhnlich sind Autisten nicht besonders kontaktfreudig aber! es gibt weitaus mehr Kriterien die ein Mensch als Autist charakterisieren.
Hallo,

Autismus ist eine Kontakt- und Kommunikationsstörung. Die kann sich sowohl als auch äußern. Von ASS Betroffene können mit Emotionen, Reizen aus ihrer Umwelt, Gestik, Mimik.... nichts anfangen. Wie der einzelne Auti damit umgeht, ist individuell verschieden. Das kann sich sowohl in der Vermeidung von Kontakt in der Form, wie es für uns Neurotypische "normal" ist, äußern aber auch in genau dem Gegenteil. Dann sind die Autis oft sehr distanzlos, extrovertiert, schamlos, gehen auf Fremde zu, als würden sie die schon Jahre kennen und beste Freunde sein. Die Kommunikationsstörungen sind ja "nur" eine Auswirkung des Autismus, nicht die Beeinträchtigung an und für sich. Ein Allergiker kann ja auch durchaus mit Hautausschlag reagieren, während ein anderer mit Asthma auf das gleiche Allergen reagiert. Wichtig ist immer: wie gestaltet sich der Kontakt? Ist er wechselseitig? Reagiert der Auti angemessen auf sein Gegenüber? Oder ist er eher der Alleinunterhalter? -Kann der Kontakt gehalten werden? Bei jemanden, der nicht redet, auf den ersten Blick überhaupt nicht reagiert und keinen Kontakt aufnimmt, da ist das einfach. Bei den "kontaktfreudigen" Autis ist das schon schwieriger.

Mein Sohn ist übrigens auch so ein extrovertierter Autist.
Liebe Grüße
Leasanne
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Eva (*’76), Burn-out, alleinerziehend
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Julia-82
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Julia-82 » 14.08.2019, 15:17

Also mein 9jähriger Sohn ist durchaus sehr Kontaktfreudig,kommt aber wegen seiner Art schlecht mit anderen Kindern zurecht.Von ihm aus möchte er gerne Kontakt haben und sucht diesen auch.
Mein 5jähriger ist noch in der Diagnostik und hat auch keine Probleme damit,ist eher sehr distanzlos und kennt keine Grenzen,bzw. erkennt auch nicht,wenn andere Kinder etwas nicht möchten.In dem Fall dann zb den Kontakt aufnehmen.Bei ihm ist es noch unsicher,daher hat die KJP uns weiter geschickt,um nochmal eine ausführliche Diagnostik zu machen.
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Michaela44
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Michaela44 » 14.08.2019, 17:56

Vielleicht ein atypischer Autismus?

Gewöhnlich sind Autisten nicht besonders kontaktfreudig aber! es gibt weitaus mehr Kriterien die ein Mensch als Autist charakterisieren.
Hallo,

Autismus ist eine Kontakt- und Kommunikationsstörung. Die kann sich sowohl als auch äußern. Von ASS Betroffene können mit Emotionen, Reizen aus ihrer Umwelt, Gestik, Mimik.... nichts anfangen. Wie der einzelne Auti damit umgeht, ist individuell verschieden. Das kann sich sowohl in der Vermeidung von Kontakt in der Form, wie es für uns Neurotypische "normal" ist, äußern aber auch in genau dem Gegenteil. Dann sind die Autis oft sehr distanzlos, extrovertiert, schamlos, gehen auf Fremde zu, als würden sie die schon Jahre kennen und beste Freunde sein. Die Kommunikationsstörungen sind ja "nur" eine Auswirkung des Autismus, nicht die Beeinträchtigung an und für sich. Ein Allergiker kann ja auch durchaus mit Hautausschlag reagieren, während ein anderer mit Asthma auf das gleiche Allergen reagiert. Wichtig ist immer: wie gestaltet sich der Kontakt? Ist er wechselseitig? Reagiert der Auti angemessen auf sein Gegenüber? Oder ist er eher der Alleinunterhalter? -Kann der Kontakt gehalten werden? Bei jemanden, der nicht redet, auf den ersten Blick überhaupt nicht reagiert und keinen Kontakt aufnimmt, da ist das einfach. Bei den "kontaktfreudigen" Autis ist das schon schwieriger.

Mein Sohn ist übrigens auch so ein extrovertierter Autist.
In gewisser Weise stimmt das, aber es ist zu vereinfacht/pauschalisiert. Die Wirklichkeit ist viel komplizierter.

Hier einige Beispiele, wie sich Kommunikationsprobleme bei mir (Asperger Autistin, hochbegabt, erwachsen, lebenserfahren) gestalten:

- Ich bin weder intro- noch extrovertiert sondern in der Mitte.
- Ich kann - äußerlich (!) problemlos - mit anderen kommunizieren.
- Ich kann Smalltalk. Für mich persönlich ist er nutzlos und überflüssig. Ich mache ihn zur Anpassung und sage dann Dinge, die ich, wenn ich ich wäre, niemals sagen würde. Ich höre dann zu, obwohl ich mit dem Gesagten nichts anfangen kann. Das ganze ist sehr anstrengend für mich. Zudem ist die Wortmenge, die ich pro Tag aufnehmen kann begrenzt. Ich habe somit mit jedem Smalltalk weniger Kapazitäten für Gespräche, die auch ich interessant finde.
- Ich verstehe auffällige Ironie, nicht jedoch diese unterschwelligen spitzen Bemerkungen. Die nehme ich nicht wahr sondern wörtlich.
- Ich bemerke es nicht, wenn jemand nicht genau das meint, was er in Worten sagt. Das ist leider häufig der Fall bei NTs, wobei sie es oft selbst gar nicht so wahrnehmen.
- Wenn ich Worte verarbeite, kann ich auf anderen Kanälen (z. Bsp. visuell) nicht gleichzeitig etwas aufnehmen. Ich kann mich deshalb nicht unterhalten, wenn ich Auto fahre, denn dann verfahre ich mich. Ebenso ist das ein Grund dafür, dass ich Gestik und Mimik im Gespräch nicht wahrnehme. Wenn ich ein Gespräch von außen beobachte, kann ich Gestik und Mimik besser erkennen. Allerdings kommt das selten vor, so dass mir die Übung fehlt und ich das Gesehene nicht gut interpretieren kann.
- Wenn ich mit jemanden spreche, dann hat das einen Nutzen: Informationsaustausch, aber auch gemeinsam über etwas Lachen. Was bei mir gar nicht geht: reden, um mit jemanden "mitzuschwingen". Wenn es also gar nicht um den Inhalt der Worte geht. Das kann ich nicht und da spüre ich auch nichts.

Die meisten Autisten hätten wohl gerne Kontakt - nur auf eine andere Art als es NTs haben und mit Menschen, die zu ihnen passen. Und genau das ist ein Knackpunkt: es passt oft nicht. Ich finde das Zusammensein mit NTs sehr anstrengend, weil sie ständig reden. Sie sitzen einfach nur da und reden, stundenlang, obwohl man das gesagte in deutlich weniger Worten ausdrücken könnte. :shock:
Asperger Autistin
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Re: Kann man Autismus so ausschließen?

Beitragvon Leasanne » 14.08.2019, 21:38

Nun, mein Ziel war nicht, hier eine wissenschaftliche Abhandlung über Kommunikation und Autismus abzuhalten. Ich habe ganz bewusst mit einfachen Worten versucht, zu erklären, wie es sich mit Kommunikation bei Autisten verhält.
Zudem schreibst du nichts, was meinen Aussagen widerspricht, du erläuterst nur andere (nicht unwichtige) Aspekte im Zusammenhang mit Kommunikation und Autismus.
Es gibt halt nicht nur schwarz und weiß, sondern auch eine ganze Menge Grautöne dazwischen und Gott sei Dank auch ganz viel Farbe.
Liebe Grüße
Leasanne
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