Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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LovisAnnaLarsMama
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Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 08.08.2019, 10:29

Hallo ihr lieben Mitleser,
mich haben in den letzten Tagen einige Dinge auf ein Thema aufmerksam gemacht und ich denke, das sollte hier auch diskutiert werden:
Weil mein Kind nur ziemlich kurze Strecken läuft (er hat mir in den letzten Tagen mehrfach gezeigt, dass seine Beine wehtun), habe ich mich nochmals mit dem Thema Rehabuggy auseinandergesetzt. Der Rehatechniker den ich dazu befragt habe meinte, dass man sich dann fragen sollte, ob nicht auch ein Rollstuhl in Frage käme. Im ersten Moment habe ich gedanklich abgeblockt (weil ich Angst habe meinem behinderten Kind den Stempel " behindert" offensichtlich aufzudrücken). Nun frage ich mich allerdings ob das nicht zu verbaut von mir ist?
Wir waren letztens im Ausland in einem Museum und dort waren Eltern mit einem Mädchen im Rollstuhl unterwegs die uns ziemlich verwundert angeschaut haben, weil wir das Kind fast nur getragen haben... Unseren Kinderwagen hatten wir nicht dabei, weil er kaputt war, was ich ziemlich bereit habe... Das Kind stand jedenfalls irgendwann auf und ging alleine durch das Museum.
Die Familie hat uns wahrscheinlich für ziemlich hinterwäldlerisch gehalten...
Wie seht ihr die Sachlage?
Eigentlich ziemlich dumm von mir, dass ich in Bezug auf ein alternatives Fortbewegungsmittel solch einen Respekt habe... Ich habe nicht mal mit meinem Mann darüber gesprochen.
Nachdenklich, LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

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Ullaskids
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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon Ullaskids » 08.08.2019, 10:51

Hallo,
wäre dein Kind denn im Rollstuhl mobil? Also könnte er sich alleine im Kreis drehen, ein wenig fortbewegen...? Dann wäre das eine Freiheit, die im Rehabuggy (die Eltern schieben zu 100%) nicht da wäre.

Überleg mal, wie sich dein Kind in der einen oder der anderen Situation fühlt...

Wir hatten den Rolli erst ab Schulbeginn mit fast 7, allerdings hat unsere Tochter bis heute (sie ist fast 15) keine sinnvoll einsetzbare Handmotorik, sodass sie ihren Rolli nicht ansatzweise alleine fortbewegen kann.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

LovisAnnaLarsMama
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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 08.08.2019, 11:10

Hallo Ulla,
Ich glaube der Kleine würde ohne Probleme mit einem Rollstuhl fahren. Ich denke auch, dass er damit aus seiner Sicht überhaupt kein Problem damit hätte- warscheinlich denkt er noch gar nicht darüber nach, was bei ihm anders ist. Er ist zwar kognitiv fit und versteht vieles, aber vom Verhalten und der Entwicklung her eher bei knapp zwei Jahren
einzuordnen und nicht bei fast vier Jahren...
Auf der sozial/ emotionalen Ebene kann ich ihn nicht wirklich einordnen- was teilweise an der Kommunikation liegt, teilweise aber auch daran, dass er etwas anders tickt als seine Geschwister.
Ich hoffe ja noch auf die Orthesen. Durch die Medikation der Epi ist die gesamte Körperspannung schon viel besser geworden- nur der erhoffte Durchbruch beim Laufen kam nicht wirklich, obwohl er nicht mehr so oft torkelt und fällt.
Die Frage ist, wird eine solche Versorgung bei einem Kind mit Level 2 nach GMFCS überhaupt gemacht?
LG
Lg
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KrisM
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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon KrisM » 08.08.2019, 11:42

Hallo,

warum sollte die Krankenkasse keinen Rollstuhl übernehmen? Wenn er die üblichen / notwendigen Strecken im Alltag nicht schafft, sollte es, evt. mit entsprechender Begründung vom Arzt, möglich sein. Ich würde auch zu einem Rollstuhl tendieren, vor allem wenn er selber fahren könnte, selbst wenn es z.B. nur in Gebäuden ist, weil das Gefahrenbewusstsein fehlt. Ich kenne mehrere, die nur für längere Strecken einen Rollstuhl brauchen und diese auch von der Krankenkasse übernommen wurden. Ihr könnt es ja selber steuern, z.B. das der Rollstuhl nur außer Haus genutzt wird und er im Haus laufen soll.
Mit Orthesen ist die Haltung zwar besser, aber die Kraft fehlt trotzdem, bzw. muß erst aufgebaut werden.
Mit einem Rollstuhl ist ein eindeutig, daß er eine Behinderung hat, was nicht unbedingt schlecht sein muß. Klar, mit Rollstuhl fällt man auf, aber fällt man mit einem großen Kind im Buggy weniger auf?
Gerade wenn er Überlastung anzeigt, macht ein derartiges Hilfsmittel Sinn. Wenn er laufen nur als anstrengend und schmerzhaft erfährt, wird er nicht unbedingt Motivation haben, daran zu üben. So kann er bei Bedarf sich ausruhen und trotzdem voran kommen und das Laufen, was er schafft.

Viele Grüße Kristin
Rollstuhlfahrerin

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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon Petra404 » 08.08.2019, 12:05

Hallo,

Im Frühjahr standen wir vor der gleichen Frage.
Wir haben uns für den Reha- Buggy entschieden, da unsere Tochter einen Rollstuhl (noch) nicht alleine nutzen kann. Sie kann alleine laufen, auch längere Strecken, hat allerdings kein Gefahrenbewusstsein. Die KK hat uns den Buggy sofort bewilligt.

Viele Grüße
Tochter: 11/14
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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon Jörg75 » 08.08.2019, 15:06

Moin,

wir haben die Frage des Rollis auch lange aufgeschoben ... haben aber, nachdem wir die Möglichkeiten hatten, K. einmal einen Rolli testen zu lassen, sofort einen beschafft.

Er kann mit dem Rolli durchaus kurze Strecken alleine fahren, auch geradeaus, obwohl er nur die rechte Hand benutzt (Doppelgreifring rechts erlaubt das Steuern beider Räder). Er hat dadurch eine gewisse eigene Beweglichkeit und Autonomie.
Auch ist der Rolli einfach eine altersgerechtere Fortbewegung als ein Buggy für einen kognitiv weitgehend fitten 6Jährigen.

Insofern bereue ich den Rolli gar nicht, wir hätten ihn schon ein Jahr früher besorgen sollen.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon MarionB76 » 08.08.2019, 15:13

Hallo,

vor ca. drei Jahren stand ich vor der selben Frage und habe mich für den Rolli entschieden, einen Buggy haben wir aber auch (darin kann man einfach besser schlafen).
Unser Sohn ist sehr groß für sein alter und man sieht ihm seine Behinderung auf den ersten Blick nicht an.

Vielleicht hilft Dir folgende Schilderung eines Erlebnisses das wir hatten bei der Entscheidungsfindung: "Wir waren den ganzen Tag unterwegs zwecks einer Ganganlyse und kamen ziemlich erschöpft mit dem Zug in unserem Heimatort an. Unser Sohn saß im Rehabuggy mit Unterschenkelorthesen und war auch ziemlich fertig. Da dreht sich plötzlich eine Frau zu meinem Sohn um und herrscht ihn an - Für Dich wäre es auch besser Du würdest gefälligst laufen.

Die selbe Situation einige Zeit später, nur saß Sohneman da in seinem Rollstuhl mit Orthesen die gleiche Frau oh Du armes Kind, kannst Du nicht laufen."

Du siehst wie schnell aus "Du bist zu Faul zum laufen!" ein akzeptieren der Situation wird. Unser Sohn nutzt den Rolli auch nur zur Entlastung in Schmerzsituationen, aber der Rollstuhl hat im Vergleich zum Buggy einen höhere Akzeptanz in unserer Gesellschaft. Und unser Sohn genießt die Unabhängigkeit - den mit Rollstuhl kann er trotzdem bestimmen wo er lang fahren möchte. Sitzt er im Buggy bin ich der Chef. Und ich, ich bereue die Entscheidung für den Rollstuhl nicht, den auch ich genieße nicht immer der Antrieb für den Buggy zu sein sondern nur ab und zu den Rolli mitzuschieben, wenn Sohnemann nicht mehr selbstfahren möchte.

Viel Glück bei der Entscheidungsfindung. ich habe mir damals hier auch Denkanstösse geholt und mich lestendlich auf mein Bauchgefühl verlassen und es war Goldrichtig für uns.
Viele Grüße

Marion

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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon Katrin2001 » 08.08.2019, 17:19

Hallo,......ich würde auch zu einem Rollstuhl tendieren.
Meine Tochter kann auch laufen,ist aber hypoton und zu manchen Zeiten vielen ihr längere Strecken schwer.
Wir haben sie auch in den Rolli reingesetzt,wenn wir irgendwo waren,wo es etwas stressiger (für sie)ist oder man länger bleiben wollte.
zB im Zoo.........im Rolli hat sie es gut ausgehalten und wenn sie durchlaufen müßte,wäre sie überfordert gewesen.
Wir wurden auch gefragt,ganz früher,warum unsere Tochter im Buggy sitzt.Aber immer resektvoll.
Beim Rolli erübrigt sich Fragerei und auch die ""Glotzerei""LG Katrin
Katrin mit Sophie geb.Juli 01 entwicklungsverzögert, wahrnehmungsst. ,Hirnschädigung,motor.Probleme.,Autistische Züge,verhaltensauffällig. Genetische Auffälligkeiten ,Sprachprobleme ,aber ne total süße Maus

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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon Senem » 08.08.2019, 19:07

Hallo,

auch ich rate euch zu einem Rollstuhl wenn klar ist, das euer Kind in absehbarer Zeit auf eins angewiesen sein wird.

Ein Rehabuggy ist ja nur für eine bestimmte Zeit.

Ich werde auch wieder einen Rollstuhl beantragen und hoffe, das ich den durchbekommen.
Gruß

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Makbuled
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Re: Rehabuggy oder Rollstuhl (Grundsatzdiskussion)

Beitragvon Makbuled » 08.08.2019, 21:07

Guten Abend auch ich habe ein ICP GMFCS Level 4 lass dich beraten von einem Sanitätshaus wo sich mit Kinderversorgung auskennt ich empfehle nur Stahrrahmen Rollstuhl zumbeispiel es von Firma Sorg Mio Pro Active Buddy es wichtig zu Testen LG Makbule
Geboren am 22.06.1995 Tetraspastik,Epilepsie,Muskelhypotonie Rumpfbetont,Shuntversorgter Hydrocephalus Asthma Balkenfehlbildung, Neurologische Schluckstörung Speiseröhre Funktionstörung , Rollstuhlfahrerin seit 2008 Shunt-Op 05/2018 V.a Unklare Gendefekt


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