Autismustherapie

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mamavonsarah
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Re: Autismustherapie

Beitragvon mamavonsarah » 10.07.2019, 07:42

Hallo,
unsere Tochter 16 hatte den zweiten Termin im ATZ. Schon nach der ersten Sitzung, fragte sie ob sie nochmal hin müsste. Nach weiteren Fragen erklärte sie, das ihr das Thema Schule wichtig ist und habe sich nicht getraut oder geschafft es bei der Sitzung zu klären und bat um meine Unterstützung.
Zu Beginn bat ich dann um ein kurzes Gemeinsames Gespräch, was der Therapeutin nicht so Recht war, da es die Zeit meiner Tochter wäre und ob meine Tochter mich darum gebeten habe und würde jetzt nicht verstehen worum es ging und es wäre ja gerade erst der Anfang. Das hat uns dann sehr verunsichert und nun möchte unsere Tochter gar nicht mehr zu ihr. Das ist jetzt grob erklärt. Unserer Tochter war das Thema jetzt wichtig, egal ob es erst der Anfang der Therapie ist. Hätte ich mich raushalten müssen und nicht der verlängerte Arm wie es die Therapeutin nannte sein sollen???.....bin total verunsichert und habe gerade das Gefühl die Therapie ruiniert zu haben.
Bitte um Unterstützung.
Vg
Moin,

Autismus eines Familienmitgliedes betrift IMMER auch die gesamte Familie als System.

• Wie viele gemeinsame Termine gab es zwischen euch als Familie und der Therapeutin?
• Wurde eine konkrete Zielstellung besprochen? Welche sind das? Mit welchen Mitteln sollen sie erreicht werden? (Gespräche / praktische Übungen etc.)
• Welche Rolle darfst / sollst du als Mutter aus Therapeutensicht spielen? Gibt es Elterngespräche oder bist du nur Hol- und Bringdienst für dein Kind? Bist du schon auf den Sündenbock abonniert, der entweder nicht loslassen kann oder sich nicht richtig rechtzeitig gekümmert hat?
• Welche Qualifikation hat die Dame? (ich frage da, weil uns einmal einen Musiktherapeutin angeboten wurde, die mit meiner Tochter trommeln wollte als Autismustheraphie)
• Über welche Ressourcen und Kompetenzen verfügt deine Tochter, wirksam an einer Therapie mitzuwirken? Auch wenn sie biologisch 16 Jahre alt ist, heißt es ja eben nicht, dass sie auch intellektuell 16 ist

Generell denke ich, dass die Chemie stimmig ist oder eben nicht.
Ich glaube, dass man gerade bei Therapeuten das Recht hat, ganz genau auf den Zahn zu fühlen, was womit erreicht werden soll und welchen zeitlichen Rahmen man dafür vorsieht.
Es gibt Gute und leider aber eben auch zu viele Schlechte - oder besser gesagt - Unpassende.

Die verlorene Zeit und das in den Sand gesetzte Vertrauen kann man nicht wieder holen.
Deshalb nachfragen, auf Antworten bestehen.

Ein professioneller Therapeut, der im Leben steht wird weder dein, noch das Misstrauen deiner Tochter lächerlich machen. Er kann erklären warum er etwas wie tut.
Kann er das nicht, würde ich mich weiter umschauen.

LG Sandy

AnnalenaO
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Re: Autismustherapie

Beitragvon AnnalenaO » 10.07.2019, 10:59

Hallo Barney!

Was du bedenken solltest: die Therapeutin kennt deine Tochter noch überhaupt nicht. Um bei einem komplexen Thema in die Tiefe gehen zu können solltest du der Therapeutin Zeit geben deine Tochter erstmal kennenzulernen. Es geht eben nicht um den linken Backenzahn der weh tut. Wäre es so einfach dann hätte deine Tochter nicht diese lange Leidensgeschichte.
Um der Therapie wirklich eine Chance geben zu können solltet ihr Bedenken dass ein Problem welches über Jahre geht nicht innerhalb von 5 Sitzungen behoben werden kann.
Es ist sehr gut dass die Therapeutin nicht sofort mit einem Tiefschlag beginnt. Denn ohne deine Tochter zu kennen könnte sie da auch schwerwiegende Fehler begehen.
Es ist für einen Therapeuten unerlässlich dass die Patienten ein gewisses Vertrauen in seine Professionalität mitbringen. Er/sie ist der Therapeut. Es ist nicht gut ihm/ihr die Themen der einzelnen Sitzungen vorzugeben. Dass die Schule ein großes Problem ist sollte dem Therapeut ja bekannt sein.
Sprich mit deiner Tochter darüber dass sie der Therapie Zeit geben muss. So gerne sie es verständlicherweise hätte, das Problem wird sich nicht auf die Schnelle lösen lassen.

Alles gute für deine Tochter und liebe Grüße
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

Bika
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Bika » 11.07.2019, 14:58

Hallo,

So wie du die Situation beschreibst, kommt bei mir sofort das Bild eines sehr unerfahrenen Therapeuten auf, der noch zu unsicher ist, um sein Therapiekonzept flexibel und spontan an die Bedürfnisse seiner Patienten anzupassen.

Das muß ja nicht so sein, würde ich aber beobachten.

Ich finde dein Eingreifen absolut nachvollziehbar und kann mir auch vorstellen, dass dein Kind ohne deine Einmischung und dem damit verbundenen Gefühl, dass du sich für sie stark machst, noch größeren Widerstand entwickeln würde.

LG

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Regina Regenbogen
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Regina Regenbogen » 11.07.2019, 15:17

So wie du die Situation beschreibst, kommt bei mir sofort das Bild eines sehr unerfahrenen Therapeuten auf, der noch zu unsicher ist, um sein Therapiekonzept flexibel und spontan an die Bedürfnisse seiner Patienten anzupassen.
Du hast aber auch gelesen, dass es sich um die allererste Therapiesitzung der 16-Jährigen handelte? Meinst du nicht, dass man ein Therapiekonzept am Patienten ausrichten sollte? Den sollte man als Therapeut aber erst mal kennenlernen dürfen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Bika
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Re: Autismustherapie

Beitragvon Bika » 11.07.2019, 15:32

So wie du die Situation beschreibst, kommt bei mir sofort das Bild eines sehr unerfahrenen Therapeuten auf, der noch zu unsicher ist, um sein Therapiekonzept flexibel und spontan an die Bedürfnisse seiner Patienten anzupassen.
Du hast aber auch gelesen, dass es sich um die allererste Therapiesitzung der 16-Jährigen handelte? Meinst du nicht, dass man ein Therapiekonzept am Patienten ausrichten sollte? Den sollte man als Therapeut aber erst mal kennenlernen dürfen.
Ich war ja nicht dabei, kann also nur aus den Beschreibungen einen Eindruck erlangen.
Nach zwei Sitzungen sollte der Patient das Gefühl erhalten,
dass er mit seinem Problem absolut wahrgenommen wird.
Das wäre für meinen autistischen Sohn zwingend notwendig.

Moment.......erstmal lern ich dich kennen und dann arbeiten wir uns sukzessive zu deinem Problem vor, wir erarbeiten es uns zusammen, ich entscheide aber wie, ob, wann und was (und folge meinem Theapieschema)
so kam das jetzt bei mir rüber.

Der Einstieg war ja nunmal suboptimal, das Kind fühlt sich nicht wohl -und ernstgenommen.
Das darf einem erfahrenen Therapeuten aber eigentlich nicht passieren.
Oder die Chemie stimmt nicht, wäre auch schlecht.

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 16:28

Natürlich kann man auch an den „falschen“ Therapeuten geraten.

Mir will es nur nicht ganz in den Sinn, warum ich mein Kind in dem subjektiven Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, unbedingt bestärken muss.
Bei einer zweifelhaften Ausgangslage (in dubio pro reo) könnte man sich auch auf die andere, positive und hoffnungsvolle Seite schlagen.
Es könnte sich um Anfangsschwierigkeiten und Missverständnisse handeln, die überwunden werden können und nach denen in ein paar Wochen kein Hahn mehr krähen wird.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 17:35



Der Einstieg war ja nunmal suboptimal, das Kind fühlt sich nicht wohl -und ernstgenommen.
Das darf einem erfahrenen Therapeuten aber eigentlich nicht passieren.
.


Ein Therapeut ist aber auch kein Hellseher.
Das Mädchen fühlt sich nicht ernst genommen, weil das Thema Schule nicht im erwünschten/erhofften Maß geklärt wurde.
Es hätte sich aber auch gerade anders herum verhalten können:
dass das Mädchen auf keinen Fall schon in der ersten Stunde das Schulthema, (weil Angstthema, Triggergefahr) geklärt wissen wollte.

Vielleicht wollte sich die Therapeutin behutsam an das Thema herantasten?
So etwas ließe sich vielleicht in einem Elterngespräch herausfinden.


Was bedeutet in diesem Fall überhaupt „klären“?
Welche vielleicht unrealistischen Erwartungen hatte die Patientin an die Möglichkeiten einer (einzigen) Therapiestunde?
Das könnte man auch einmal in Erfahrung bringen, bevor man der Therapeutin Unerfahrenheit oder Unprofessionalität unterstellt.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Autismustherapie

Beitragvon HeikeLeo » 11.07.2019, 18:56

So etwas ließe sich vielleicht in einem Elterngespräch herausfinden.
eben dieses "Elterngespräch" wurde ja direkt von der Therapeutin geblockt. Schon die Anfrage nach einem "Elterngespräch" wurde von der Therapeutin abgewimmelt und als Zumutung empfunden.

Gerade bei der Vorgeschichte KANN man sich nicht treuherzig-naiv auf eine Therapeutin einlassen. Gerade bei der Vorgeschichte gibt es überhaupt keinen Grund sich treu-doof der Autorität einer professionellen Therapeutin auszuliefern. Da ist gesundes Misstrauen überlebensnotwendig. Es geht schon sehr weit, wenn man das einer 16jährigen abspricht. Und wenn man der Mutter dann auch noch Vorwürfe macht.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Autismustherapie

Beitragvon Anjali » 11.07.2019, 19:24

Hallo Heike,

mir schwebte ein „richtiges“ Elterngespräch mit Termin vor.
Nicht ein “überfallartiges“ Gespräch zwischen Tür und Angel im Beisein der Tochter.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Autismustherapie

Beitragvon HeikeLeo » 11.07.2019, 19:54

Liebe Anjali,

das ist schon klar, aber diese Idee wurde nicht aufgegriffen. Übrig geblieben ist nur das Blocken. Den Termin muss man ja wohl zwischen Tür-und-Angel ausmachen, oder? Angefragt wurde ja ein "richtiges" Elterngespräch zu einem anderen Termin. Wenn es dann heißt, diese Zeit fehlt für die Tochter,, deshalb kein Elterngespräch?

Liebe Grüße
Heike


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