Motorische Entwicklung bei Sehbehinderung

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Lauri144
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Re: Motorische Entwicklung bei Sehbehinderung

Beitragvon Lauri144 » 08.07.2019, 09:27

Hallo Sheila,

Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Es ist schön zu hören , dass sich dein Sohn so wie du es beschrieben hast für mich völlig normal entwickelt hat bis auf ein paar kleine Besonderheiten. Ich hoffe das Merles kleine Eigenarten auf das Schlechte sehen zurückzuführen sind. Ich weiß auch dass man bei einem Kind mit 10 Monaten noch nicht so viel sagen kann. Wie hat sich denn dein Sohn in diesem Alter entwickelt wenn du sagst, er hat auch schon so früh eine Brille bekommen. Ich bin im Moment einfach super ängstlich und auch fleißig am googeln was man natürlich nicht machen soll ich weiß. Ich muss mich jetzt einfach ein bisschen zusammenreißen und bei der U6 die Überweisung ins SPZ ansprechen . nur es ist alles leichter gesagt als getan. ich habe große Streitigkeiten mit meinem partner deswegen .er sieht es alles nicht so dramatisch aber er hat auch überhaupt keinen Vergleich mit anderen Babys. Er versucht mich zu beruhigen und sagt auch immer wenn es so ist dann ist es so und dann hat mir alle die besten Eltern der Welt.
Ich hoffe , dass die Op deines Sohnes sein Leben erleichtert. Bin gespannt wo unsere Reise hingeht.

Liebe Grüße Laura

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Sheila0505
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Re: Motorische Entwicklung bei Sehbehinderung

Beitragvon Sheila0505 » 08.07.2019, 11:54

Hi Laura, vorerst würde ich gerne etwas über die Ansichtsweise von Dir/deinem Partner schreiben: tatsächlich geht es unsagbar vielen Eltern so, dass da die Ballance zwischen Gelassenheit und sich Sorgen zu machen unter den Partnern nicht stimmt.

Bei meinem Mann und mir ist es absolut das Gleiche. Ich sage mir oft, dass er mit seiner „überzogenen“ Gelassenheit/Zuversicht meine „überzogene“ Sorge wohl ausgleicht. Also um das, worüber ich mir zu viele Sorgen mache, füllt er mit „Gottvertrauen und Gelassenheit“ wieder aus.

Das Doofe ist, dass hierbei oft eine Dynamik entsteht: der Eine hängt sich rein, der Andere lehnt sich zurück. Verantwortlich bleibt nur der Eine und der Andere gibt alles ab und muss sich schließlich nicht damit beschäftigen. Total doof, ich hoffe bei Euch wird das nicht so sein/werden.

Wichtig finde ich, wenn dein Partner in erster Linie versteht, was ein SPZ überhaupt ist und wofür es gut ist. Es geht ja nicht darum, dein Kind krank zu reden, Schwächen auf ein Podest zu stellen den Txxxxx an die Wand zu malen.
Vielmehr geht es um Absicherung und um Prophylaxe - lieber mal auf Nummer sicher gehen und die Auffälligkeiten fachlich ggf interdisziplinär (was im SPZ in der Regel der Fall ist) anschauen zu lassen, als sich im Nachinein womöglich sagen zu müssen: ach hätte ich bloß.. und Förderung schadet nicht, bestenfalls macht sie dem Kind sogar Spaß. Unser Sohn liebte Physio, heute liebt er Ergo. Gut zugegeben: Logo geht er zwar hin, aber geliebt hatte er es nicht. Aber zumindest war es auch nicht schlimm für ihn. Demnächst starten wir wieder, mal sehen wie es jetzt nach halbjährlicher Pause wird.

Sprich den Kinderarzt darauf an, schildere ihm deine Sorgen: entweder du bekommst dann die Überweisung oder eben nicht. Aber wenn nicht, dann hast du zumindest einen Versuch gestartet. Falls euer Kinderarzt hier tatsächlich eine Überweisung verweigert, dann entweder woanders versuchen (ist ja nicht immer möglich, aber ich persönlich wäre sehr verärgert und enttäuscht von unserem KIA) oder zumindest aber dennoch Unterstützung und Abklärung einfordern z.B. so beim Kinderneurologen, Verordnungen für Physio ggf über Frühförderung allgemein oder spezifisch sprechen. Anlaufstellen sollte er Dir zumindest nennen können.

Unser Sohn: unser Sohn macht sich wirklich toll, aber man muss es halt in Relation sehen. Er ist nicht wie Gleichaltrige, sondern er hat eine Reihe an Entwicklungsstörungen. Er hatte einen sehr schweren Start ins Leben, darunter schwere Hirnblutungen. Er entwickelt sich aber weiter, nach seinem Tempo zwar, aber dennoch supertoll. Er tut sich mit dem Sprechen schwer, so Sachen welche andere Kinder in seinem Alter (4) machen, wie Brettspiele spielen, Malen, Legobauen, Ball spielen kann er nicht.

Für viele Gleichaltrige ist er eher das „Baby“, aber zum Glück gibt es in der Kita eine Menge an kleineren Kindern, bei welchen er durchaus Anschluss findet. Und der ein oder andere Gleichaltrige spielt dann doch auch mit ihm gelegentlich.

Die Augen sind aktuell unsere größte Sorge, aber er kompensiert wirklich gut und vllt verschafft uns ja die beidäugige OP noch die ein oder andere Verbesserung :)

Bei euch ist jetzt sicherlich erst mal wichtig, dass ihr abklebt und die Brille viel trägt. Ich hoffe, dass sich das bei Euch einfacher gestalten wird als es das bei uns der Fall war damals. Vllt schreibst du ja mal ein Update nach der U, würde mich freuen zu lesen, wie es bei Euch weiterging.

LG Sheila

nina-st
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Re: Motorische Entwicklung bei Sehbehinderung

Beitragvon nina-st » 11.09.2019, 12:10

Frühförderung wäre für Euch wichtig. Da kommt jemand einmal die Woche nach hause und zeigt Dir wie Du sie im Alltag fördern kannst. Ganz nebenbei und spielerisch.
Das verordnet das SPZ, das wäre die richtige Anslaufstelle.

Außerdem wäre es gut mal mit dem nächsten Landeszentrum für Blinde und Sehbehnderte Kontakt aufzunehmen. Da gibt es auch eine Frühförderstelle - das ist aber noch mal was anders als die "normale" Frühförderung. Die sind spezialisiert darauf den Sehrrest so gut wie möglich zu fördern. Das ist auch nicht jede Woche weil die meistens nicht um die Ecke sind.


Unser Sohn ist blind und war motorisch sehr, sehr hinterher. So ab 3 Jahre wurde der Abstand zu gleichaltrigen weniger, mit Einschulung war keine Entwicklungsverzögerung mehr zu merken.
Jetzt ist er 12, schwimmt leistungsmäßig, macht erfolgreich Springreiten und ist trotz Blindenstock total mobil, fit und mutig.
Das war ein langer Weg mit vielen Ängsten. Aber wir haben (dank Seh-Frühförderung) gelernt daß wir ihn keinesfalls in Watte packen dürfen sondern ihm so viel Bewegungserfahrung wie möglich zutrauen und ermöglichen müssen.
Das hat ne Menge baluer Flecken, geklemmter Finger, Beulen und Schrammen gegeben - und gibt es noch - aber für ihn ist das ganz wichtig gewesen.....
Pflegesohn ,traumatisiert, blind, 6. Klasse Blindenschule


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