Hilfe! HILFE!

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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YvonneW.
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Hilfe! HILFE!

Beitragvon YvonneW. » 21.06.2019, 09:39

Hallo zusammen!

Vor ein paar Wochen hab ich hier schon mal gepostet (sehr aggressiv, ich weiß nicht mehr weiter).
Leider ging das ganze nochmal verstärkt weiter.
Vor 2,5 Wochen kam mein Sohn von seinem leiblichen Vater nach Hause. Er rastetet wieder komplett aus und ich rief das KJP und die Polizei. Mein Sohn wurde in das nächst gelegene KJP gebracht. Am nächsten Tag wollte die KJP meinen Sohn entlassen. Ich weigerte mich ihn mitzunehmen, da er noch drohte uns umzubringen oder sich selbst ( die Ärztin meinte, der droht ja nur)....
Am nächsten Morgen rief das Jugendamt bei mir an, dass sie meinen Sohn nirgends unterbringen können, da es zu gefährlich sei. Aber sobald er nach Hause kommt, würden Sie meine 7 jährige Tochter in eine Pflegefamilie bringen, damit sie nicht gefährdet wird.... ich setzte alle Hebel in Bewegung, da ich das unter keinen Umständen zulassen konnte (die kleine ist eh schon traumatisiert von den ganzen Vorfällen).
Eine andere KJP, bei der wir immer wieder ambulant sind, erklärte sich sofort bereit meinen Sohn stationär aufzunehmen.
Dort war er erst sehr erregt, drohte massiv und wurde in den Auszeitraum (kleiner Raum, Matratze und Kamera überwacht). Als ich mich von ihm verabschieden wollte, brach er zusammen. Er will nicht mehr leben, er ist so böse, er will das nicht tun!
Mein Sohn war fast eine Woche dort eingesperrt. Dann kam es zu einem massiven Vorfall:
Er hat beim Mittagessen mit dem Messer an sich rum geritzt. Der Betreuer habe ihn darauf hin in sein Zimmer bringen wollen. Auf dem Weg dorthin habe mein Sohn den Betreuer getreten (in den Magen).
Mein Sohn bekam starke Medikamente und wurde dennoch in den Auszeitraum gesperrt. Ich durfte ihn erst am Dienstag besuchen. Dort sah ich meinen Sohn: er war so unter Medikamente, dass er nicht mal gerade aus laufen konnte. Er war weiter in diesem Raum eingesperrt ohne sein Kuscheltier oder irgend einer anderen Ablenkung!
Im Gespräch erzählte er mir, dass er getreten wurde und es hier nicht mehr aushalte.
Danach kam die leitende Ärztin zu mir und sagte mir: sie seien mit Ihm komplett überfordert. Die Mitarbeiter haben sich alle krank schreiben lassen, da sie Angst vor ihm haben und ich solle ihn doch mitnehmen.
Natürlich hab ich meinen Sohn am nächsten Tag sofort geholt. Er stand immernoch unter starken Medikamente.
Zuhause wollte er nur im Garten sein, er wollte, dass ich die ganze Zeit bei ihm bin und schlafen tut er nur bei Licht. Gestern haben wir dann nochmals über alles geredet. Er erzählte mir, dass er zwar mit dem Messer rum gespielt habe, aber der Pfleger ihn dann vom Stuhl geschuckt hat. Natürlich war mein Sohn da erregt! Darauf hin habe der Pfleger ihn in den Oberschenkel getreten. Mein Sohn hat ihn darauf hin weg geschuckt.
Ich bat ihn mir zu zeigen, wo er hin getreten wurde und siehe da, man kann am Oberschenkel einen verblassten, länglichen blauen Fleck finden.
Mein Sohn sagte mir auch, er habe es jedem gesagt, dass er getreten wurde, aber keiner habe ihm geglaubt!

Ich bin so am Ende! Was soll ich tun? Anzeige erstatten? Es auf sich beruhen lassen? Die KJP nochmals drauf ansprechen?

Ich dachte, ich bekomme endlich mal Hilfe und jetzt hat mein Sohn zu seinen ganzen Problemen noch eine Depression...

Sorry, dass es so lang wurde und Danke fürs lesen.

Liebe Grüße Yvonne

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Sabinä1984
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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon Sabinä1984 » 21.06.2019, 10:08

Hallo Yvonne,

ich kann Nerv sehr gut vorstellen das es in dieser KJP so abgegangen ist wie dein Sohn geschildert hat. Ich würde Anzeige erstatten! Würde allerdings die Leiterin des KJPs darüber informieren.

Kennst du das Team Wallraff? Die haben erst vor kurzem ein undercover gedreht wie es in solchen Einrichtungen läuft. Das muss aufhören!

Leider kann ich dir sonst keinen weiteren Rat geben wie du weiter mit deinem Sohn umgehen kannst oder welche Therapie das richtige wäre.

Ich wünsche dir alles gute.

Glg Sabine

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon Anjali » 21.06.2019, 10:12

Hallo Yvonne,

deine eigentlichen Frage, ob du Anzeige erstatten sollst oder nicht usw. kann ich leider nicht beantworten.

Allerdings treibt mich die Frage um, wie es denn überhaupt weitergehen soll?
Woher bekommt ihr Hilfe?

Wäre es eine Option, deinen Sohn vorübergehend bei seinem Vater wohnen zu lassen? (Die Aggressionen scheinen sich ja hauptsächlich bei dir zu Hause zu entladen?)

Wird dein Sohn zur Zeit beschult oder ist er weiterhin „beurlaubt?“

Habt ihr/hast du vor Ort bereits irgendwelche Ansprechpartner, die sich auf Autismusspektrumstörungen spezialisiert haben?
Autismuserfahrene Fachärzte oder vielleicht ein ATZ?
Falls nein, wäre es für dich eine Option, einen solchen Kontakt herzustellen und dich als Mutter beraten zu lassen?

Wäre es alternativ eine Option, sich bezüglich Beratung und ambulanter Weiterbehandlung an die Ärztin der 1. KJP zu wenden?
In der 1. KJP kam es ja anscheinend nicht zu solchen Eskalationen.

Ich drücke dich virtuell mal ganz fest!
Liebe Grüße
Anja
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon Anjali » 21.06.2019, 10:58

...noch eine Frage:

Warum verlangt das Jugendamt eine Unterbringung deiner Tochter in einer Pflegefamilie? Das Kind hat doch auch noch einen Vater, oder?!
Stichwort Vater: was sagt er zu der ganzen Sache? Er hat doch regelmäßigen Kontakt zu eurem Sohn?
Kommt von ihm kein Lösungsvorschlag?
Das sind Fragen, die mich/uns nichts angehen, die sich mir aber zwecks besserem Verständnis der Situation stellen. Du brauchst sie natürlich nicht zu beantworten.

Was könnte man -alternativ zu der Vorgabe des Jugendamtes- unternehmen, um die familiäre Situation zu entspannen? Vielleicht wäre es auch eine Option, sich hierbei von Pro familia oder der Lebenshilfe beraten zu lassen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon YvonneW. » 21.06.2019, 12:14

Der Vater von André ist gerade mit unserer Tochter im Urlaub. Eigentlich wollte er ja mit beiden Kids gehen, aber da André in der KJP war, ging das ja nicht. Ich bestand aber darauf, dass er mit der Kleinen geht, da die dringend eine Auszeit brauchte.
Er ist der gleichen Meinung, wie ich. Wir haben ja auch schon einen Antrag auf betreutes Wohnen gestellt, aber auf die Schnelle gibt es eben keinen Platz.
Mein Ex schaut, ob er André zu sich holen kann. Er hat auch schon nach einer anderen Wohnung geschaut, da er im Moment eben nur eine kleine Wohnung hat und André in seinem Büro schläft. Das geht alle 14 Tage am Wochenende, aber eben nicht dauerhaft.

Zum Thema meine Tochter bei Ihm unterbringen: er wohnt in einem anderen Landkreis. Somit ist das Thema Schule für sie eben auch schwierig. Sie ist in der ersten Klasse, hat Freunde und ich will sie da nicht raus reißen!

Am Sonntag kommen sie wieder und da müssen wir schauen, was wir machen. Ein weiters Problem ist eben auch, dass mein Ex häufiger beruflich ein paar Tage weg muss. Und dann ist eben die Frage, wie kann man eine Betreuung in der Zeit, wo er weg ist, finden.
Am Montag haben wir alle einen Termin mit Schulamt, Integration, Jugendamt usw.

Von der Schule ist mein Sohn ausgeschlossen, da er da auch schon einige Ausraster hatte....

Heute Mittag gehen wir zum Arzt und lassen seine blauen Flecken dokumentieren. Dann werde ich mich nochmals mit der KJP in Verbindung setzen, wie wir den Vorfall angehen!

Die erste KJP ist überhaupt keine Option! Die haben es so dargestellt, als wenn wir Eltern (mein Ex, mein Mann und ich) keinen Bock auf einen zickigen Teenager haben!

Viele Grüße
Yvonne

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon Anjali » 21.06.2019, 14:31


Zum Thema meine Tochter bei Ihm unterbringen: er wohnt in einem anderen Landkreis. Somit ist das Thema Schule für sie eben auch schwierig. Sie ist in der ersten Klasse, hat Freunde und ich will sie da nicht raus reißen!

Das verstehe ich.
Ich hatte dich so verstanden, als wäre es dir nicht recht, wenn deine Tochter in eine Pflegefamilie käme. Deshalb die obige Nachfrage, ob es, falls das Jugendamt hier Ernst machen sollte, auch alternative Unterbringungsmöglichkeiten gäbe.

Am Montag haben wir alle einen Termin mit Schulamt, Integration, Jugendamt usw.


Ich drücke euch die Daumen, dass sich hierbei noch neue, befriedigende Lösungsvorschläge ergeben.

Liebe Grüße
Anja
Viele Grüße
Anja

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon LunaBluna » 25.06.2019, 19:33

Hallo,
hat sich denn noch ein guter Lösungsvorschlag ergeben?
LG

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon YvonneW. » 16.07.2019, 12:34

Hallo ihr Lieben!

Kurzes Update: mein Sohn ist zu meinem Exmann gezogen. An den Wochenenden ist er bei mir.
Im Moment ist das wohl das einzige, was machbar ist. Zwar ist mein Sohn immer sehr angespannt, wenn er zu mir kommt, aber eine andere Möglichkeit haben wir gerade nicht .

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Re: Hilfe! HILFE!

Beitragvon IlonaN » 16.07.2019, 13:07

Hallo, schön das es erst einmal eine deeskalierende Lösung gibt. So hast du auch etwas Luft zum Sortieren der Fakten und Gefühle, das tut sicher euch allen gut. Dein Ex-mann hat ihn jetzt mehr im Alltag und kann vielleicht auch nach einer Weile Stellung dazu beziehen und sieht ihn nicht nur als WE-Papa, darüber könnte sich dann auch ein Lösungsansatz finden.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.


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