ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

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karya
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ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon karya » 20.06.2019, 16:55

Hallo zusammen!

Wir waren vor einer Woche zum Erstgespräch im ATZ. Dort angemeldet haben wir unseren Sohn schon vor über 4 Jahren kurz nach Diagnosestellung duch eine Autismusambulanz der Uniklinik. Damals habe ich schon etwas dazu geschrieben und nun quälen mich wieder diese Gedanken. ftopic113755.html. Es hat so lange gedauert, weil wir zwischendurch vom ATZ eine VT in einer Ausbildungseinrichtung der Uni angeboten bekommen haben, die wir auch angenommen haben (bereits abgeschlossen). Anfang des Jahres habe ich dann völlig verzweifelt im ATZ angerufen und uns wieder auf die Warteliste zurück geholt.

Das Gespräch verlief gut. Es war kein ADI-R sondern eine Anamnese, was unsere Erwartungen/Wünsche an das ATZ sind usw.. Wichtige Befunde wurden kopiert. Parallel wurde der ADOS beim Kind durchgeführt. Soweit so gut. Darüber hinaus wird nun noch die Schule befragt. Ob nur telefonisch oder schriftlich weiß ich nicht. Ich sollte noch eine Schweigepflichtsentbindung nachreichen, was ich auch getan habe. Anfang Juli haben wir dann das Auswertungsgespräch, wo sie uns mitteilen, ob und was sie uns anbieten können.

Gab es hier schon mal Fälle, wo man vom ATZ beim Auswertungsgespräch "abgelehnt" wurde? Wir setzen gerade so sehr auf das ATZ und ich wüsste nicht, wie ich damit umgehe, wenn sie uns aus welchen Gründen auch immer, eine Unterstützung nicht anbieten können.

VG
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Alexandra2014
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon Alexandra2014 » 20.06.2019, 20:25

Hallo karya,

Dein Kind ist doch schon diagnostiziert, hat schon seit 4 Jahren die Asperger Diagnose, die ja durch einen Facharzt gestellt wurde, oder?
Zweifelt das ATZ die Diagnose an oder warum wurde erneut getestet. Ging es vielleicht nur darum, nochmal die aktuellen Probleme des Kindes zu sehen, um Therapeut und Therapie darauf abzustimmen?

Wir haben unsere Diagnose seit letztem Jahr Oktober und hatten im April das Erstgespräch im ATZ. Ich wurde zwar auch nochmal ganz viel gefragt - von der Schwangerschaft über Geburt bis Heute - aber „getestet“ wurde mein Kind dort nicht erneut.

Bei dem Termin ging es auch nicht darum, ob eine Therapie dort stattfindet, sondern wie und was...
Das Erstgespräch war quasi der Einstieg in die Therapie und kein Ausschlusskriterium.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

karya
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon karya » 21.06.2019, 08:30

Hallo Alex!

Das ist das übliche Vorgehen hier - steht auch auf deren Homepage so.

Vor vier Jahren sagte man mir am Telefon, dass man die Diagnose überprüfte. Manchmal käme man auf eine andere. Wobei ich persönlich nicht an der Diagnose zweifle. Wir hatten einen "geraden" Weg bis dahin - ohne zunächst andere Diagnosen oder gar keine bekommen zu haben, ohne eine Zweitmeinung einholen zu müssen o.ä.. Und das Verhalten und Erleben der Welt meines Kindes passt unseres Erachtens. Und doch bin ich nervös. Mir geht es rein um die Unterstützung die wir bitter nötig haben. Um die ich nun bange.

LG
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon steffimoppel » 23.06.2019, 12:20

Hallo Karya,
was wünscht Du Dir denn vom ATZ? Was können sie DIr dort für spezielle Terapien anbieten?
Was hast Du denn bisher für Dein Kind bekommen und worüber lief das? Hast Du einen Pflegegrad? Einen Schwerbehindertenausweis? Eine Föderbedarf?
Ich habe Dein Ausgangsposting leider nicht ganz verstanden? Du hast bereits eine Diagnose und auch Therapien, suchst aber das ATZ auf, weil Du Dir darüber weitere oder besser passende Therapien erhoffst. Dann klingt es doch ganz logisch, dass Sie Euch im Auswertegepräch mitteilen, ob sie Euch etwas zusätzliches anbieten können und wenn ja was.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie Euch ablehnen können, aber ich kann mir vorstellen, dass sie Euch nichts anbieten können, was über Eure bisherige Förderung hinausgeht. Oft bekommt man ja erst einmal eine Sozialberatung und Ergotherapie.
Da Ihr bereits 4 Jahre mit der Diagnose lebt und Dein Kind in der Schule gut angepasst ist, dürften die Angebote an Therapie leider und ungerechter Weise erst mal nicht so hoch sein. Meine Erfahrung ist, dass immer erst dann etwas passiert, wenn es in der Schule knallt.
Ich wünsche Dir, dass Sie dort eine passende Therapie für Dein Kind haben
Gruß Steffi

karya
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon karya » 23.06.2019, 17:42

Hallo Steffi,

vielen Dank für deine Antwort und damit auch Denkanstöße.

Unser Kind erhält derzeit keine Therpaien. DIe Verhaltenstherapie, die über die Krankenkasse gelaufen ist und uns das ATZ vermittelt hat (ohne vorherigem Erst- und Auswertungsgespräch), ist bereits abgeschlossen. Er besucht eine Regelschule mit Schulbegleitung und ohne Förderbedarf. Die Schule ist aufgeschlossen aber ohne wirkliche Erfahrung.

Vom ATZ erhoffen wir uns Unterstützung für den Alltag und die schulischen Belange. Schulisch geht es gerade steil bergab, das Kompensieren in der Schule kostet ihn immer mehr Kraft, was sich neben den schriftlichen Noten auch auf den Alltag zu Hause ganz stark auswirkt (zieht sich komplett zurück, ist müde und erschöpft, antriebslos bzw. kann zu nichts mehr motiviert werden, Hausaufgaben und Lernen sind Reizthemen - Geschwister leiden stark darunter). Wir Eltern stehen gerade vor der Frage, ob die aktuelle Schulform die richtige ist oder ob ein Umschulen nicht besser für ihn wäre. Auf der anderen Seite hat das ATZ ggf aufgrund seines großen Erfahrungsschatzes Ideen, wie man ihn auf der aktuellen Schule (zu Hause) unterstützen kann, damit der schulische Alltag für ihn leichter wird. Kognitiv betrachtet ist er nämlich an der richtigen Schule, aber das drumherum scheint ihm zu viel zu werden. Manchmal sind es eben die kleine Stellschrauben mit großer Wirkung, die wir nicht erkennen (können).

Er kommt nun in die Pubertät und die Dinge, die wir uns in den Jahren erarbeitet haben, helfen halt nicht mehr. Kurz gesagt: wir fühlen uns in der Sackgasse und brauchen jemanden, der uns da wieder heraus bgeleitet.

Nun heißt es abwarten.

VG
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon steffimoppel » 24.06.2019, 14:16

Hallo Karya,

was Du beschreibst, haben gerade alle Eltern von pubertierenden Autisten bei mir in der Elterngruppe beschrieben. Mein Kind ist noch 1 Jahr jünger als Deins, das steht uns noch bevor.

Die Leiterin unserer Elterngruppe hat uns das so beschrieben, dass alle Kinder in der Pubertät herausfinden, wer sie eigentlich sind und mehr oder minder Probleme damit haben. Die austistischen Kinder stellen aber fest, dass sie anders sind. Gerade in der Pubertät müssen sie sich mit dem wie sie sind, wie sie fühlen und denken ganz neu definieren und stellen eben oft fest, dass sie manche Dinge nicht so können, wie andere.
Hier sind wir Eltern gefordert, die Kinder schon vor aber auch in der Pubertät darin zu unterstützen, sich selbst so anzunehmen wie sie sind. Mein Sohn kann mit seinen 11 Jahren gar nicht annehmen, dass er anders ist. Er möchte genau so sein, wie alle anderen und wahrt daher seine Grenzen nicht. Das ist schwierig für uns. Es würde ihm besser gehen, wenn er nicht am Musikunterricht in der Schule teilnehmen würde, aber er möchte mit allen hingehen. Die Instrumentalstunden, wenn 28 Kinder gleichzeitig auf irgendwelchen Instrumenten spielen, kosten ihn aber so viel Kraft, dass für den restlichen Schultag nichts mehr übrigbleibt.
Wir haben keine Schulbegeleitung aber den Förderbedarf Autismus, der aber erst ab nächstem Schuljahr wirksam wird.
In Berlin gibt es die Förderlehrerinnen vom SIBUZ, die gehen in die Schulen und gucken sich dort die Kinder und den Unterricht an und beraten die Schulen, was sie machen können, damit es den austistischen Kindern besser geht.
Vielleicht kann Eure Schulbegleitung auch mit Euch und der Lehrkraft die schwierigen Stellen am Schultag raussuchen und Ihr könnt überlegen, wo die größten "Kraftfresser" sind. Manchmal lassen sich mit vermeintlichen Kleinigkeiten große Erleichterungen für die Kinder schaffen.

Ich wünsche Euch weiter viel Erfolg, Teenager sind einfach anstrengend, Du hast mein Mitgefühl.

Gruß Steffi

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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon Saabina » 25.06.2019, 07:43

Hallo Karya,

Ich selber habe im Bereich Autismus keine Erfahrungen, bin da mein Sohn nicht mehr spricht auf der Suche nach der Ursache in allen Bereichen und so auch im autistischen.

Hierbei bin ich auf eine Seite eines Vereines gestoßen, der von Autisten für Autisten und Eltern gemacht wurde.

Ich lasse Dir mal den Link da, vielleicht hilft es Dir zu verstehen, was Dein Sohn gerade hat/braucht:

www.white-unicorn.org (unter dem Reiter "Autismus" gibt es links die Unterkategorien "Barrieren", "Stimming" etc....vielleicht findest Du Eure momentane Situation dort wieder)

Liebe Grüsse Sabina
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon karya » 25.06.2019, 19:15

Die Leiterin unserer Elterngruppe hat uns das so beschrieben, dass alle Kinder in der Pubertät herausfinden, wer sie eigentlich sind und mehr oder minder Probleme damit haben. Die austistischen Kinder stellen aber fest, dass sie anders sind. Gerade in der Pubertät müssen sie sich mit dem wie sie sind, wie sie fühlen und denken ganz neu definieren und stellen eben oft fest, dass sie manche Dinge nicht so können, wie andere.
Hallo Steffi!

Danke für deine Nachricht. Ja, dass hat mir die letzte Therapeutin am Ende auch noch mit auf den Weg gegeben. Uns haben zwei Therapeuten unabhängig voneinander gesagt, dass die Pubertät schwieriger wird als bei anderen Kindern. Die letzte hat es mir eben genauso erklärt, wie eure Leiterin der Elterngruppe. Klar sind wir Eltern jetzt gefragt. Und ich denke, dass wir es auch weitestgehend richtig machen. Aber es gibt nun mal Dinge im Alltag, die müssen einfach sein. Auch wenn er das anders haben möchte. Stichwort Hygiene zum Beispiel!
Na ja, wir warten jetzt mal ab. Nächste Woche sind wir dann schlauer bezüglch des ATZs. Ich bin auch nicht mehr so nervös. Ich habe durch deine Antworten viel nachgedacht und meine Gedanken sortiert :lol:

Ich wünsche euch auch ganz viel Glück und Erfolg im nächsten Schuljahr, dass euer Kind die Unterstüztun erhält, die es braucht.

LG
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon karya » 25.06.2019, 19:17

Hallo Saabina,

vielen Dank auch für deine Antwort. Ich gucke mir die Seite gerne an! Diese kannte ich noch nicht :)

LG
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Re: ATZ Erst- und Auswertungsgespräch

Beitragvon Saabina » 26.06.2019, 08:18

Hallo Karya,

Ich habe Dir hier noch einen Link, der es noch besser erklärt als der obige:

autismus.enthinderung.de/kollision/#nav

LG Sabina
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