Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

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Sophie-11
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Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Sophie-11 » 18.06.2019, 17:07

Hallo in die Runde,

bei der jüngeren Schwester (5J) meines Autisten habe ich das Gefühl, dass ihre Vorstellung von der Welt und wie sie ihrer Meinung nach zu sein hat und die Realität immer weiter auseinanderklaffen, was zu Frustration und Niedergeschlagenheit führt. Sie scheint sich v.a. zunehmend unwohl im Kindergarten zu fühlen, wobei ich das nicht der Einrichtung anlasten möchte. Klar geht mein Verdacht in Richtung Autismus. Ich habe nun schon einen Termin beim Kinderarzt gemacht (2.7.) und vorher haben wir hoffentlich noch ein Elterngespräch im KiGa, aber was kann ich darüber hinaus tun?

Soll ich sie lieber zu Hause lassen? Theoretisch wäre das möglich, da ich nicht berufstätig bin, würde mir aber die dringend benötigte Erholungszeit nehmen.

Soll ich schon mal bei der Einrichtung anrufen, bei der ihr Bruder diagnostiziert wurde, gibt es da einen "Geschwisterbonus" oder muss ich abwarten, ob ich vom KA eine Überweisung bekomme?

Und natürlich immer wieder der Zweifel - reagiere ich über? :roll:
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Anjali » 18.06.2019, 18:35

Hallo,

Woran liegt es denn genau, dass sich deine Tochter im Kindergarten unwohl zu fühlen scheint?
Könnte man nicht vielleicht auch dort, vor Ort etwas ändern?

Du schreibst, es läge nicht an der Einrichtung.
Also liegt es an deiner Tochter?
Und falls ja, inwiefern brächte da eine Herausnahme überhaupt eine dauerhafte Verbesserung? Ein Zuhasuelassen ist ja keine „konstruktive“ Lösung.
Oder ist die Herausnahme nur übergangsweise angedacht, und ihr seid schon auf der Suche nach einer anderen Einrichtung?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Anjali » 18.06.2019, 21:10

...kurz und knapp: ich würde in Punkto Herausnahme nichts überstürzen und erst einmal das
Elterngespräch im Kindergarten abwarten.
Viele Grüße
Anja

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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Nicole_ » 19.06.2019, 05:49

Hallo,

wir sind in etwa in der gleichen Situation. Mein Kleiner geht nicht gern in die Kita. Vor allem, seit der Große in der Schule ist, ist es viel schwieriger geworden. Für den Großen war die Kita perfekt: Optimale Förderung, optimale Zusammenarbeit von Erziehern mit Eltern, aber der Kleine ist in einer anderen Gruppe.
Mit 3,5 Jahren wurde mir gesagt, man könne ihn nicht mehr fördern. Ich solle ihn testen lassen und früher einschulen. Ich war fassungslos, dass man nicht in der Lage war, Spielanlässe mit anderen Kindern zu schaffen, obwohl er gerne mit anderen spielt. Defizite wie Stifthaltung werden bis heute nicht in Angriff genommen.
Er wird nun die Gruppe wechseln, in der Hoffnung, dass es ihm dort besser geht.

Es vergeht nicht ein Tag, ohne dass ich mich frage: Hat er es auch oder ist er wirklich nur aufgrund des IQs anders als die anderen?

Seit ca. 3 Wochen spricht er sehr merkwürdig. So wie der Große, aber in Zeitlupe. Er sagt, er habe sich angewöhnt so zu sprechen wie der Große.

Das ATZ empfahl mir, ihn negativ testen zu lassen, um inneren Frieden zu haben, aber ich habe Angst, dass er falsch positiv getestet wird, weil er sich die Besonderheiten des Großen abguckt und nachmacht. (Der Große hat von Anfang an seltsam intoniert, viel gesprochen ohne Rücksicht auf Verluste, usw. Der Kleine hat sich das alles angewöhnt. Er kommt ja auch nur so zu Wort....)

Meine Lösung bzgl. der Kita ist: So spät wie möglich bringen und so früh wie möglich holen. Beim Holen spielt er immer schön und hat auch Freude.

LG

Nicole
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Alexandra2014 » 19.06.2019, 09:42

Hallo!

Für einen Termin bei einem KJP benötigst du keine Überweisung, dort kannst du einfach einen Termin machen.
Solltest du im SPZ testen lassen wollen, wäre eine Überweisung nötig.

Ich würde vielleicht auch schauen, nur erstmal Stunden zu reduzieren. Geht sie ganztags? Dann vielleicht mittags abholen...

Gruß
Alex
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Engrid » 19.06.2019, 10:08

Hallo,


ich würde erstmal das Elterngespräch abwarten. "Frustration und Niedergeschlagenheit" als Grundstimmung (?) sind im Kindergartenalter keine Kleinigkeit. Ich würde aber den Gründen im Kiga genau im Einzelnen nachgehen wollen. Autistische oder hochsensible Kinder sind ja nicht grundsätzlich "ungeeignet" für Gruppen, sondern brauchen halt oft nur besondere Unterstützung. Ideal ist ja, sie macht positive Gruppenerfahrungen, hat positive Sozialkontakte. Das Herausnehmen wäre nur die Notlösung, wenn es anders gar nicht gut tut.
Falls Überreizung das Problem ist, kann man allerlei Maßnahme ergreifen, Gehörschutz, Rückzugszeiten, ...

Grüße
Engrid
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Sophie-11 » 19.06.2019, 15:34

Hallo und vielen Dank für die vielen Antworten!

Zunächst, ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht an der Einrichtung liegt, sie sind dort wirklich sehr bemüht. Ich wüsste auch wirklich nicht, wo sie hier in der Umgebung besser aufgehoben wäre.

Die Gründe - das ist schwierig, man bekommt sehr schlecht etwas dazu aus ihr heraus. Im Kindergarten sagte sie mal, es sei ihr zu laut; zu mir, die anderen Kinder würden sie ärgern (laut Leiter nicht der Fall) und ihr würden die Spiele nicht gefallen. Meine Einschätzungen dazu, das mit der Lautstärke ist sicher richtig, sie ist manchmal sehr lärmempfindlich (außer sie macht den Lärm selber :lol: ). Außerdem habe ich auch den Eindruck, dass sie mit wuseligen, lauten Situationen (=viele Menschen) schnell überfordert ist.

Das Ärgern ist natürlich schwer zu beurteilen, zumal ich ja nicht dabei bin. Möglicherweise weicht da ihr persönliches Empfinden von dem der anderen ab - es ist gar nicht als ärgern gemeint und wird auch von anderen nicht so gesehen, nur bei ihr kommt es so an? Allerdings bin ich mir auch nicht sicher, ob sie in der Lage wäre, zu den Erziehern zu gehen, wenn sie sich schlecht behandelt fühlt; wieviel diese tatsächlich davon mitbekommen würden. Ich hoffe, das können wir im Elterngespräch noch ein bisschen mehr klären.

Dass sie die Spiele nicht mag (zumindest einige) glaube ich sofort. Wie im Eingangspost schon gesagt, hat sie sehr genaue und starre Vorstellungen davon, wie alles so zu laufen hat. Das kann ich auch beim Spielen mit dem älteren Bruder hier feststellen, manchmal spielen sie jeder ihre eigene Geschichte nebeneinander her :lol: . Wenn sie aber ihre Vorstellungen nicht durchsetzen kann, verweigert sie sich gerne mal total. Was sie nicht interessiert, wird boykottiert. Ich könnte mir schon vorstellen, dass das im Kindergarten durchaus zu einigen Konflikten führt. Auf der anderen Seite ist sie konfliktscheu, kann sehr anpassungsbereit sein und reagiert extrem empfindlich auf Kritik. Deshalb will ich ihre Verweigerung auch nicht schnell als "null Bock" abschreiben, falls doch eine echte Überbelastung dahintersteckt.

Sie einfach zu Hause zu lassen war ein noch nicht besonders ausgegorener Plan :oops: . Es fühlt sich nur falsch an, sein Kind dort abzugeben, wo es (teilweise so deutlich) unglücklich ist. Wobei es gestern gut gelaufen ist und sie heute mal wieder sehr fröhlich hingegangen ist. Sie wollte sogar lange bleiben, das ist schon lange nicht mehr passiert :D (ich lasse sie meistens mitentscheiden, ob ich sie zur früheren oder späteren Abholzeit am Nachmittag abholen soll). Möglich wäre noch eine Abholung gleich nach dem Mittagessen, aber das ist eine für mich total ungünstige Zeit, weil entweder der Mittlere genau in dem Zeitrahmen aus der Schule kommt oder ich beim Essenkochen bin. Spät bringen ist keine Option, es ist um so leichter für sie, je weniger Kinder schon da sind. Eigentlich sollte ich sie immer ganz früh bringen, aber das kollidiert damit, dass sie ein Eulentyp ist - spät ins Bett und spät raus.

@Nicole_: Ich würde ihn testen lassen. Ein guter Tester sollte sich doch von reinem Nachahmen nicht täuschen lassen. Und Du kommst aus der Denkspirale raus. Wieso erwartet das ATZ so fest ein negatives Ergebnis?

Und viel Glück mit der neuen Gruppe!
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Sophie-11 » 19.08.2019, 11:36

Hallo,

ich wollte mal ein kleines Update geben. Die letzten Wochen waren was sie angeht eher entspannt, denn es waren Ferien, aber am Mittwoch geht der Kiga wieder los, und das macht mir schon ein bisschen Sorge :? . Vor allem da ich befürchte, das auch dem Kind unbewusst zu vermitteln und wir uns dann gegenseitig verstärken werden. Da werde ich sehr aufpassen müssen, ihr klar zu vermitteln, dass sie in den Kiga gehen wird.

Es ist halt nur schwierig zu sehen, wie zufrieden sie ist, wenn sie alleine für sich spielt, und wie ungern sie inzwischen mit anderen Kindern zusammen ist. Das gilt sogar teils auch für ihre Brüder. Natürlich weiß ich vom Kopf her, dass es gut für sie ist, mit anderen Kindern zusammenzukommen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Nur das Gefühl sagt was anderes.

Vielleicht mache ich mir aber wieder nur grundlos Sorgen, immerhin ist sie jetzt ja Vorschulkind und hat damit auch mehr Rechte und Möglichkeiten. Zum Beispiel auch den Zugang zur Lernwerkstatt, in die sie sich dann hoffentlich auch wird verkriechen können, wenn es mal zu viel wird. Da sie nur wenige Vorschulkinder sind, wird es dort vermutlich meist sehr ruhig sein. Und vor allem die ersten Wochen werden auch eher ruhig sein, da die Neuen Kinder erst nach und nach kommen, dann kann sie hoffentlich auch in Ruhe ankommen. Dass die Schulferien noch eine Woche länger dauern, wird auch für mehr Ruhe sorgen, aber auch die Schwierigkeit verursachen, dass die Brüder noch zu Hause bleiben dürfen...

Inzwischen war ich mit ihr schon dreimal beim SPZ zu einer Art spieltherapeutischen Sitzung (wobei ein Termin hauptsächlich für die Besprechung der Probleme mit dem JA bzgl. Schulbegleitung des Mittleren draufging), nächste Woche ist dort noch ein Termin vorgesehen, bin gespannt, welchen Eindruck sie dort von ihr haben. Als ich einmal den Mittleren dabei hatte (konnte ihn nirgends sonst lassen), konnte die Psychotherapeutin auch gut beobachten, wie die beiden nebeneinander herspielen. Mit den Erziehern will sie auch noch reden, wenn die Ferien vorbei sind.

Danke fürs reinlesen und Grüße!
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon HeikeLeo » 19.08.2019, 11:56

Liebe Sophie,

dann ist sie jetzt als Vorschulkind auch in einem anderen Status. Das gibt gleich ein viel höheres Selbstbewusstsein. Nimm das als Wind in den Segeln mit.

Liebe Grüße
Heike

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Michaela44
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Michaela44 » 19.08.2019, 12:23

Sophie-11 hat geschrieben: Es ist halt nur schwierig zu sehen, wie zufrieden sie ist, wenn sie alleine für sich spielt, und wie ungern sie inzwischen mit anderen Kindern zusammen ist. Das gilt sogar teils auch für ihre Brüder. Natürlich weiß ich vom Kopf her, dass es gut für sie ist, mit anderen Kindern zusammenzukommen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Nur das Gefühl sagt was anderes.


Warum ist es für sie besser, mit anderen Kindern zusammen zu sein, wenn sie sich dabei nicht gut fühlt und lieber alleine ist? Warum glauben NTs eigentlich so häufig zu wissen, dass es Autisten besser geht, wenn sie ein Leben á la NTs führen? Sicherlich brauchen und wollen auch Autisten Kontakt, aber in einer für sie passenden und nicht belastenden Form. Wenn ihr aus Zeitgründen eine Betreuung benötigt, wäre dann eine Tagesmutter eine Alternative zum KiGa? Dort sind auch andere Kinder, aber nur wenige, und es ist viel ruhiger und übersichtlicher.
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Asperger Autistin
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