Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

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Sophie-11
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Re: Geschwisterkind im KiGa unglücklich - Sofortmaßnahme?

Beitragvon Sophie-11 » 19.08.2019, 17:37

Das sind sicherlich interessante Gedanken, Michaela. Die Schwierigkeit sehe ich darin abzuwägen, was wirklich unzumutbar ist und was einfach nur ein "Gehen des (scheinbar) bequemsten Weges". Und wäre es dann für sie nicht unzumutbar schwieriger, mit anderen Kindern zusammenzukommen, wenn sie nächstes Jahr in die Schule muss, wenn sie nicht schon vorher einige soziale Strategien lernen konnte? Letztlich wird sie nicht viel Wahl haben, was für ein Leben sie führen will, sie wird es hier und in dieser Gesellschaft führen müssen, vor allem solange sie schulpflichtig ist. Mein Mann hat z.B. die Erfahrung gemacht, dass er keinen Zugang mehr zu den festen Cliquen gefunden hat, als er später als die anderen in den Kindergarten kam.

Ich kann nicht in ihren Kopf oder in ihr "Herz" schauen und sagen, wie groß der Leidensdruck ist, ich kann nur ihr Verhalten beobachten und es mit meinen eigenen Erfahrungen abgleichen und davon ausgehend interpretieren - und das kann falsch sein. Und von meinen Erfahrungen ausgehend denke ich, dass es mir wohl nicht gut getan hat, die letzten Jahre so extrem zurückgezogen gelebt zu haben (obwohl ich nicht mal das sicher sagen kann :roll: ). Das ist aber alles ziemlich vage Spekulation, zumal keiner von uns beiden eine Autismus-Diagnose hat!

Ich denke nicht, dass eine Tagesmutter eine Alternative wäre, die haben hier in der Regel nur U2. Das wäre eine klare Unterforderung, denn sehr intelligent ist sie, das bekomme ich momentan von allen Seiten zu hören. Dass Hochbegabung ursächliches Problem sein könnte, bezweifelt die Therapeutin allerdings. Auf Dauer wäre sie aber wohl auch hier zu Hause unterfordert, gerade wenn dann mit ca. 6 Jahren der nächste Entwicklungssprung kommt. Das erste Jahr ist sie ja auch sehr gerne gegangen.

Du siehst, viele Rechtfertigungsversuche pro Kindergarten. Danke trotzdem für einen Anstoß in eine ganz andere Richtung. Ich werde es noch weiter wälzen.
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 19.08.2019, 18:02

Hallo,
sie wird es hier und in dieser Gesellschaft führen müssen, vor allem solange sie schulpflichtig ist.
Ich denke, der Kindergarten, wenn er nicht völlig verhasst ist, sie nicht NUR negatives drin sieht, sondern auch positive Aspekte, ist eine gute Gelegenheit (wie viele andere auch), dem Kind zu helfen die richtigen Strategien zu entwickeln. Und zwar NICHT Strategien, so zu sein wie andere, sondern Strategien, sie selber zu sein. Also Rückzug einzufordern, Bedürfnisse zu kommunizieren (und sich selber erstmal drüber klar zu werden), Stress zu vermeiden, sich die Art Sozialkontakt zu suchen, die einem gut tut, aus der „Schusslinie“ zu bleiben, all sowas ...

Diese Strategien entwickeln helfen, das geht oft sehr gut AUSSERHALB der Situation, weniger gut innerhalb. Rollenspiel, Modelling, Bücher, drüber reden, ...

Meine Tochter ist nicht autistisch, aber tat sich im Kiga auch schwer, Freundschaften zu knüpfen. Ich habe gezielt Kinder, mit denen eine beidseitige Sympathie bestand, eingeladen. Privat hat es dann sehr gut geklappt. Meine Tochter konnte gut Kontakt knüpfen und in Beziehung gehen, aber nicht in einer Gruppe von Kindern, sondern 1:1.
Das kennen ja viele Erwachsene auch aus Studium oder Arbeit: Man mag sich, aber man freundet sich oft erst an, wenn man mal zu zweit Kaffee trinken geht oder so ... Erst dann werden Beziehungen verbindlich. Und erst dann können sich zb hochsensible, schüchterne, oder reizoffene Kinder wirklich anfreunden, wirklich Vertrauen aufbauen. Und sich dementsprechend entspannen.


Wenn es REIZMÄSSIG zuviel für sie ist, würde ich sie einfach öfter daheim lassen oder früher holen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


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