Angst vor dem eigenen Kind

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Anjali
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Anjali » 12.06.2019, 07:37

Hallo,


Ist da so schwer nachzuvollziehen das ich wieder ruhig und entspannt mit ihm einschlafen möchte?



Grüße
Liebe Natascha,
ehrlich gesagt war für mich dieser Wunsch -angesichts der ganzen Lage- schon schwer nachzuvollziehen.

Weil es -für mich- ein „passiver“ Wunsch ist, der dich davon entbindet, selbst aktiv zu werden.
Wenn dein Kind völlig friedlich wäre, müsstest du nicht eingreifen.
Es ist aber völlig unrealistisch, dass dein Kind nie
mehr zu Ausrastern neigen und sich nie mehr an dir abreagieren wird.
Der Punkt ist ja nicht nur, dass dein Sohn dir gegenüber übergriffig wird, sondern, dass du sich nicht traust, dich zu schützen und ihm Einhalt zu gebieten.
Du brauchst schon ein Konzept, ihr als Familie braucht ein Konzept, einen umsetzbaren Handlungsplan für solche Notfälle.
Was nützen die besten Tipps von ASS-Experten, wenn ihr sie in der Familie nicht umsetzen könnt.

Neuerdings geht dein Sohn dich ja nicht nur nachts, sondern auch tagsüber an.
Du schreibst, dass wenn du ihm ausweichen würdest, er dir dann nachsetzten würde. Und dann? (Das brauchst du hier nicht zu beantworten.)

Für mich ist dein Sohn kein Monster (ich vermute, dass hier im Unterforum Autismus viele Eltern Erfahrung mit eigen- oder fremdaggressiven Kindern haben- ich zumindest auch), sondern ein Kind, das Hilfe und Halt braucht.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Melany*P
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Melany*P » 12.06.2019, 09:41

Hallo Natascha

Ich habe mal nach- und mitgelesen.(war selber lange inaktiv)

Leider habe ich keinen ultimativen TIP, finde es aber traurig, wie es dir geht und was alles bei dir daheim passiert ist.
Ich kann aber ein kl. wenig verstehen, warum du dennoch immer wieder sitzen bleibst etc.

Meine kleine hatte solch "Anfälle", das sie laut schrie und mich kneifen, beissen musste.
Ich habe oft dagegen gehalten, doch ihr Verhalten wurde immer schlimmer.
Dann habe ich mich dem Schicksal einfach ergeben.
Sie hat mich an den Armen blutig gekniffen/gepitscht.
Dachte immer, das sie es in dem Moment einfach braucht und ich ihr den bzw. ihren Halt geben muss.
Sicherlich ist es nichts im Vergleich zu deiner schwierigen Situation.

Kannst Du nicht Hilfe von der Lebenshilfe bekommen ???
Vielleicht hockt ihr einfach zu viel aufeinander.
Ich weiss nicht ob sowas schonmal vorgeschlagen wurde etc. aber das fiel mir gerade so ein.

Wünsche dir viel Kraft.
Melany
Melany (79) mit
Melina (2002) gesund :)
Michelle (2006)Autismus, SBA 70% mit G,B,H - PG4
Madelaine (2008) Frühchen mit ECMO, 3° Hirnblutung beidseits, Hemiparese re., Cerebralparese, VSD, Hypoton, + 9.25 dtp beidseits, psychomotorische Retardierung, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, leichte Demenz, Auto Aggression, SBA 100% mit G,B,H, AG - PG4

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 12.06.2019, 09:46

Hallo Natascha,
Neuerdings geht dein Sohn dich ja nicht nur nachts, sondern auch tagsüber an.
Du schreibst, dass wenn du ihm ausweichen würdest, er dir dann nachsetzten würde. Und dann? (Das brauchst du hier nicht zu beantworten.)
Das wäre bei meinem Sohn auch so, so lange ich keine Lösung gefunden hätte. Das herausfordernde Verhalten fordert eine LÖSUNG ein, solange die nicht kommt, bleibt das herausfordernde Verhalten. Lösung, das heißt bei uns: ICH finde einen Umgang mit seinem Verhalten, der für ihn akzeptabel ist und gleichzeitig ihn sicher (!) an seinem destruktiven Verhalten hindert. Also im Beispiel: eine Einschlafbegleitung (scheint er zu brauchen), aber so, dass er der Person nicht weh tun KANN. Zb einpucken in feste Decke, oder körperlichen Abstand halten und Schummerlicht (damit kontrollierbar ist, dass er liegenbleibt). Und vor allem, Ruhe und Sicherheit wiederfinden. Und das geht eben nur, wenn sicher ist, dass er friedlich bleibt.

Es gibt hier erfreulich viele konstruktive Posts.
Bitte lass Dich hier nicht von Unverständnis einer Einzelnen runterziehen. Dein Kind sucht Halt und Hilfe, mit leider krassen Wegen, und Du nimmst das nicht hin, sondern suchst Lösungen. Die gibt es.
@Bianca: Ich habe in vielen Forumsjahren selten einen Post gelesen, den ich so unterirdisch fand, wie Deinen „Killer-Post“. Manchmal ist einfach gut, man nimmt sich ein bisschen zurück. Und projiziert seine eigenen Horrorbilder nicht auf andere, die grade eh mit heftigen Lasten ringen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Bika
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Bika » 12.06.2019, 10:14

Hallo Natascha,

Erstmal schicke ich dir ganz viel Kraft.
Du schreibst von einer traumatisierenden Vergangenheit und dass du seit drei Jahren in psychotherapeutischer Behandlung bist.
Das bedeutet eine psychische Labilität, die sich vermutlich auf dein wahrnehmungsgestörtes Kind überträgt.

Es liest sich so, als ob ihr in einer unglücklichen Dynamik verfangen wäret, du (und dein verletztes Inneres) braucht das unbedingte Gefühl der unmittelbaren Nähe zum Kind. Zum einen weil DU das brauchst, zum anderen, weil du deinem Kind all die Geborgenheit, all den Schutz geben möchtest, den du in dieser Form (so vermute ich) nicht hattest.
Dein Sohn ist vielleicht überfordert mit den Signalen, die eine traumatisierte Mutter aussendet und seinem unbewussten Impuls, dir das zu geben, was du brauchst.
Das Suchen nach Nähe, Abwehr durch Gewalt.....starke Ambivalenz.

Das ist jetzt wahrscheinlich ein laienhaft dämlicher Rat, aber könntest du dir vorstellen, ein klitzekleines Bißchen loszulassen und dich auch weniger unter Druck zu setzen?
Du bist auch eine gute Mutter, wenn es mit dem Einschlafen nicht so gut läuft und du musst Geborgenheit nicht zwingend erschaffen, darfst aus der Situation rausgehen und das daraus resultierende Ausrasten mit deinem Mann zusammen aushalten, OHNE DIR dafür die Schuld zu geben.
Du liebst dein Kind, du tust alles für ihn, schaff dir eine innere Haltung, die sagt, dass das manchmal reichen muss.

Euer Weg geht gaaanz langsam aufwärts, schreibst du, denke dabei auch an dich, vielleicht Stück für Stück ein wenig mehr.

Fühlst du dich mit deiner Therapeutin wohl, gut aufgehoben?

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Regina Regenbogen
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Regina Regenbogen » 12.06.2019, 10:21

trotzdem- war das wirklich Nähe die unsere Kinder brauchen?
Ich habe diese Unstimmigkeit bei meinem Jüngsten damit ausgeglichen, indem ich ihn als Säugling gepuckt habe, etwas später dann einen Schlafsack und als er laufen konnte einen großen Betthimmel von Ikea gegeben habe. Ich hatte recht früh gemerkt, dass für ihn zwar die räumliche Begrenzung wichtig war, diese räumliche Begrenzung aber nicht von menschlicher Nähe verursacht werden durfte - unser Schäferhund durfte das übrigens.

Es war trotzdem hart für mich und meinen Mann, dass ausgerechnet unser Jüngster ein Baby war, dass wir Eltern nicht anfassen konnten. Wickeln war eine Katastrophe, Stillen unmöglich, die Flasche dann nur danebensitzend, kein Schmusen, kein Kuscheln ..... dann brennt jedes Elternherz und irgendwie versucht man es doch immer wieder. Mit zunehmendem Alter waren seine Abwehrversuche dann eben auch drastischer bis es auch der letzte verstanden hat.

Nun ist er fast 17 Jahre alt und kann mich seit einigen Jahren durchaus mal von selbst in den Arm nehmen. :wink:
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Biancamit2
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Biancamit2 » 12.06.2019, 10:46

@toto
Nochmal, wieso beharrst du so dermaßen darauf, dass ich die Situation nicht kenne und keine Ahnung habe?

@Engrid
Na klar ist der Killer Post extrem überspitzt. Aber wenn dem 3 jährigen keinerlei (Ein)halt geboten wird, wenn er der Mutter Zähne ausschlägt, was macht der denn dann in 5 Jahren? Mit der körperlichen Kraft steigert sich auch die Möglichkeit zur Gewalt. Mit der körperlichen und seelischen Entwicklung steigern sich die Overloads meist. Wenn man den 3 jährigen einfach machen lässt, welches Signal empfängt er dann? „Ok, dann hör ich halt auf?“ Sicher nicht. Er wird weiter machen und eine Reaktion, Grenzen, Halt, wie auch immer du es nennen magst, von der Mutter einfordern. Wenn sie diesen Halt, Grenze, what ever einfach nicht gibt, meinst er gibt den Versuch Halt zu finden dann auf? Sicher nicht. Er wird so lange weiter machen, und sich steigern in dem was er tut, bis er eine für ihn gute Reaktion darauf hat.
Und das habe ich damit gemeint. Wo soll es Enden, wenn man bei nem 3jährigen schon nicht weiter weiß.
Tut mir leid dass ich das dann mit „Killer“ sehr krass ausgedrückt habe, aber das ist dann nunmal die krasseste Steigerung zum Schluß. Und das passiert tatsächlich in der großen weiten Welt....Und das weiß ich tatsächlich weil ichs beinahe erlebt habe (das Messer war schon auf die Mutter gerichtet). Und weil ich den langen Weg gesehen habe den es gebraucht hat, da wieder raus zu kommen. Wieviele Jahre es gedauert hat bis ein einigermaßen vorsichtiger Umgang zwischen Mutter und Kind stattfinden konnte. Weil ich weiß wie die Mutter vorher resigniert hat, auch weil Therapeuten sie nicht ernst nahmen. Und weil ich erfahren habe wie es gewesen wäre, wenn es kompetente Fachleute gewesen wären.
Ich könnt da jetzt noch viel dazu schreiben, aber da ihr ja alle denkt ich hab von nix eine Ahnung, lass ichs.

Bianca
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen

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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon RikemitSohn » 12.06.2019, 11:02

Hallo,
ich möchte dir gerne eine Idee vorschlagen um die Situation erst einmal zu entzerren. Für mich klingt das Abendritual bei euch mittlerweile festgefahren. Kann es sein, dass dein Sohn die Gewaltausbrüche vielleicht schon ritualisiert hat? Er ist noch klein und wird ohne eine klare Regelung deinerseits noch nicht wirklich verstehen, dass dies der falsche Weg ist um Druck abzubauen. Wäre es möglich das Schlafen gehen im Ablauf zu ändern und neue Möglichkeiten anzubieten?
Ich hatte das damals beim Baden mit meinem Sohn. Er fand das Baden doof und irgendwann hat er ritualisiert sofort geschrien, wenn er wusste was kam. Mein Stresspegel stieg natürlich auch immer mehr. Ich habe dann einen Cutt gemacht und er hat erst einmal nur bei meinen Eltern mit der Oma gebadet, nach einiger Zeit mit Oma bei uns und irgendwann habe ich schleichend wieder übernommen. Das erfordert natürlich Unterstützung von Personen, die zuverlässig dabei sind und denen dein Sohn vertraut. Vielleicht reicht auch ein anderer Raum oder das Zimmer umzustellen. Wichtig wäre aus meiner Sicht aber, dass ihr euch als Erwachsene eine Alternative zur Gewalt ausdenkt, die ihr ihm anbieten könnt. Und bei Gewalt ganz klar eine Grenze setzt.
Ich weiß nicht, ob dir das hilft. Zum Schluß noch: mein Sohn war früher in unsicheren Situationen auch oft aggressiv, besonders gegen mich, und er ist ein ganz lieber Mensch, der bei Verstehen der Lage ganz liebevoll für andere da ist.
LG Rike
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Regina Regenbogen
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Regina Regenbogen » 12.06.2019, 11:36

Nochmal, wieso beharrst du so dermaßen darauf, dass ich die Situation nicht kenne und keine Ahnung habe?
Wahrscheinlich, weil das nicht deine erste völlig daneben geratene Einmischung in diesem Unterforum ist. Bislang hast du hier noch keinen wirklich konstruktiven Beitrag geleistet, sondern nur das getan, was viele vermeintliche "Experten" mit ihrem angelesenem Wissen tun: Die hilfesuchenden Eltern noch mehr verunsichern.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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LunaBluna
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon LunaBluna » 12.06.2019, 11:42

Hallo,
wäre evtl. das hier in euerer Nähe:

Ambulatorium Sonnenschein
Eichendorffstraße 48
3100 St. Pölten

Telefon: 02742 75 305
Telefonisch erreichen Sie uns täglich zwischen
07:30 - 12:00 Uhr und 13:00 - 17:00 Uhr

Dann würde ich mich einmal dort hin wenden.
Auch würde ich schnellstmöglichst einen örtlichen Kinderpsychologen einschalten, der euch für den Alltag Tipps geben kann.
Denn so einer Wut-Aggressionsspirale ist sonst schwierig zu entkommen.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Kraft.

Biancamit2
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Re: Angst vor dem eigenen Kind

Beitragvon Biancamit2 » 12.06.2019, 11:47

Nochmal, wieso beharrst du so dermaßen darauf, dass ich die Situation nicht kenne und keine Ahnung habe?
Wahrscheinlich, weil das nicht deine erste völlig daneben geratene Einmischung in diesem Unterforum ist. Bislang hast du hier noch keinen wirklich konstruktiven Beitrag geleistet, sondern nur das getan, was viele vermeintliche "Experten" mit ihrem angelesenem Wissen tun: Die hilfesuchenden Eltern noch mehr verunsichern.
Na klar....
Schon interessant, dass manche meinen sie hätten die Weisheit mit Löffeln intus, und sie wären die einzigen die von etwas eine Ahnung haben. Soviel Arroganz begegnet einem echt selten, aber hier häuft sie sich sehr...
Nu denn, bleibt in eurem Glauben.
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen


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