Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 27.07.2019, 15:58

Liebe Heike,

danke dir. Ist uns auch klar, aber weder er noch ich haben irgendeine Ahnung, was es da gibt. Er hat jetzt eine Berufsbetreuerin für Wohnungsangelegenheiten, wir dachten, das wäre ja schon auch ihre Aufgabe. Langfristig soll es ja eh nicht sein, da hat er jetzt mittlerweile was von der EUTB vermittelt in Aussicht, betreutes Wohnen.

Formal ist der Antrag korrekt? Es ging jetzt mehr darum, alles was bisher gegen seinen Willen beantragt wurde, rückgängig zu machen.

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HeikeLeo
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon HeikeLeo » 27.07.2019, 17:42

Liebe Maike,
was von der EUTB vermittelt in Aussicht, betreutes Wohnen
dann würde ich das konkret in den Antrag reinschreiben, auch wenn es nur unverbindlich ist.

Ansonsten finde ich den Antrag geeignet. Schön kurz. Dann müssen die Sachbearbeitenden sich nicht totlesen.
Ich würde aber zuerst mit dem anfangen, was ich will und erst hinterher nachschieben, was ich nicht will. Das wirkt konstruktiver.
Berufsbetreuer kümmern sich meines Wissens nicht um so etwas. Aber vielleicht täusche ich mich auch.
ich, XYZ, geboren am XX.7.2001, derzeit wohnhaft im [Heim]. beantrage die Gewährung der [das unverbindlich in Aussicht gestellte betreute Wohnen] nach §41 SGB VIII.
Ich widerrufe hiermit den Antrag meiner Eltern vom XX.6. auf Weiterfinanzierung des [Heim] nach §41 SGB VIII über meinen 18. Geburtstag hinaus.
Stattdessen mache ich von meinem Wunsch- und Wahlrecht nach §5 SGB VIII gebrauch und .
Zitierung der Pragraphen finde ich gut.

Liebe Grüße
Heike

Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 27.07.2019, 18:13

Danke dir nochmal, das ist sehr gut.

Das betreute Wohnen, das sie ihm angeboten haben, können wir aber leider nicht reinschreiben, das hat noch gar nicht auf, das ist brandneu (daher mittelfristig).

Und wenn eine Betreuerin mit "Wohnungsangelegenheiten" nicht dafür zuständig ist, bei der Suche nach einer Unterkunft zu helfen, wozu gibt es die dann?

monika61
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon monika61 » 28.07.2019, 10:06

Und wenn eine Betreuerin mit "Wohnungsangelegenheiten" nicht dafür zuständig ist, bei der Suche nach einer Unterkunft zu helfen, wozu gibt es die dann?
Hallo Maike,

zu dem Thema findest Du hier Infos:
https://www.bundesanzeiger-verlag.de/be ... egenheiten

https://www.bundesanzeiger-verlag.de/be ... egenheiten


LG
Monika

Michaela44
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Michaela44 » 01.08.2019, 21:59

Ich finde den ersten Text sehr gut, der zweite klingt ein wenig holprig. Ihr könntet zum Abschluss noch etwas schreiben wie: Bitte nennen Sie mir Träger anderer Wohngruppen / von Verselbständigungswohnungen, bei denen ich mich vorstellen und die ich mir ansehen kann.

Ihr könnt es auch räumlich einschränken, zum Beispiel auf ein Bundesland.

Und eine Frist würde ich auch setzen.
Asperger Autistin
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 03.08.2019, 17:50

Danke dir nochmal Michaela :wink:
Das reichen wir so noch nach.

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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 04.08.2019, 12:28

Ok, großartig :?

Er hat jetzt zum ersten Mal mit dem Betreuer geredet, und der sagt, er wird nicht helfen dort raus zu kommen und dass das Jugendamt die Flex-Schule vom Verbleib in genau dem Heim abhängig macht.
Eine Idee, wie jetzt weiter? :? Ich hätte gedacht, trotzdem auf anderer Wohnform bestehen und eben gegebenenfalls Widerspruch gegen die Ablehnung der Schule einlegen. Wenn ich das richtig verstehe, müsste das Jugendamt ja zeigen, dass das die einzige Einrichtung in Deutschland ist, in der er den Abschluss schaffen kann, um das zu rechtfertigen.
Die Anwältin ist leider gerade im Urlaub.

Michaela44
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Michaela44 » 05.08.2019, 21:55

In dieser Situation würde ich nichts mündlich regeln sondern alles schriftlich. Hat er das Schreiben an das JA gesandt? Wenn nein: nachholen, wenn ja: abwarten und keine mündliche Ablehnung akzeptieren sondern auf einen schriftlichen Bescheid / eine schriftliche Antwort bestehen. Erst mit damit kann er in einen Widerspruch gehen.

Das JA benötigt eine stichhaltige Begründung, wenn es die Flexschule in einem anderen Heim ablehnt. Ich wüsste keine. Auch hier: nur eine schriftliche Ablehnung akzeptieren. Und eine schriftliche Begründung einfordern.

Das JA antwortet nicht schriftlich? Nach Fristablauf eine Nachfrist von zwei Wochen setzen. Wenn dann immer noch nichts passiert, kann er Klage einreichen. Dann bekommt er ganz schnell einen Bescheid. Die Klage ist kostenlos und er kann es selbst ohne Anwalt tun (hab ich auch schon gemacht).

Er kann sich auch selbst einen anderen Heimplatz suchen, wenn er das schafft.

Mit Betreuer meinst du bestimmt den gesetzlichen Betreuer. Damit kenne ich mich nicht aus. Soweit ich weiß, muss ein Betreuer die Interessen des Betreuten berücksichtigen. Inwieweit er verpflichtet ist, ihm bei dieser Sache zu helfen, weiß ich nicht.
Asperger Autistin
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mariannna
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon mariannna » 05.08.2019, 23:08

Hallo Maike,

ich glaube, ihr habt euch da beide in etwas verrannt.

Wenn er schon eine rechtliche Betreuung für den Bereich "Wohnen" hat , heißt das,dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht mehr bei ihm liegt,sondern bei der Betreuerin. Und wenn sowohl sie,als auch seine Eltern und das Jugendamt dieses Heim für geeignet bzw für notwendig ansehen, wird er da wohl nichts machen können! Es sei denn,er überzeugt sie, dass es ein anderes Heim gibt,welches genausogut oder besser geeignet ist (und einen Platz frei hat).

Übrigens bleibt mein Rat bestehen,wenn er tatsächlich misshandelt worden ist, Anzeige zu erstatten!

Mir kommt es jedoch eher so vor, als wenn er einfach genervt von den vielen Vorschriften/Regeln in dem Heim ist und sich (verständlicherweise) mehr Freiheiten wünscht.
Diese wird er jedoch nur bekommen,wenn er jetzt zeigt, daß er verantwortungsbewusster als früher ist und mit der Freiheit umgehen kann!

Mfg, Marianna

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Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 05.08.2019, 23:56

Liebe Michaela,

tausend Dank dir. Wir denken recht ähnlich. Genau das war auch meine instinktive Reaktion und genau das haben wir soweit gemacht. :D

Liebe Marianna,

man muss nicht zeigen, dass man mit Freiheit umgehen kann; Freiheit ist ein Menschenrecht.

Außerdem:
Wenn er schon eine rechtliche Betreuung für den Bereich "Wohnen" hat , heißt das,dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht mehr bei ihm liegt,sondern bei der Betreuerin.
Nein, Aufgabenkreis "Wohnungsangelegenheiten" und Aufgabenkreis "Aufenthaltsbestimmung" sind komplett unterschiedlich
wird er da wohl nichts machen können!
Wenn man, mit gutachterlich bestätigter Geschäftsfähigkeit, auf eigenen Antrag, innerhalb der Beschwerdefrist eine gesetzliche Betreuung hat, gibt es buchstäblich nichts, was man nicht machen kann. Einschließlich verbindlich einen anderen Betreuer zu fordern oder durch einfachen Antrag die Betreuung komplett aufheben zu lassen. Wir haben ersteres getan, weil das zweite einige Probleme langfristig hätte.
,dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht
Selbst wenn irgendjemand komplett geschäftsunfähig wäre, eine Betreuung in allen Angelegenheiten und einen Einwilligungsvorbehalt hätte: Das juristische Konstrukt des Aufenthaltsbestimmungsrechts ist bei einer Betreuung ein komplett anderes, als bei Minderjährigen. Selbst in dem Fall könnte ein Betreuer absolut gar nichts legal tun, wenn der Betroffene einfach das Heim verlassen und nicht zurück kommen würde, um beispielsweise auf meiner Couch zu leben, bis das JA die Finanzierung besagten Heims eingestellt hätte.
Das Aufenthaltsbestimmungsrecht eines Betreuers kann nur bei einem Unterbringungsbeschluss bei erheblicher Gefahr ausgeübt werden. Ansonsten hat die Polizei keine anderen Eingriffsmöglichkeiten, als bei einem nicht-behinderten Volljährigen, der sich entscheidet, woanders hinzugehen.

LG


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