Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 12.06.2019, 20:29

Hallo Rita,

du, du musst verstehen, ich bin doch komplett uninformiert über Behindertenhilfe. :( Deshalb die Fragen hier. Die Sozialleistungen für gesunde Menschen kenne ich, im Bereich Menschen mit psychischen Erkrankungen kenne ich mich ein wenig aus, aber wie jemand mit Pflegebedarf das machen soll, habe ich keine Ahnung.

Als ich angefangen habe, habe ich mir das echt nicht so kompliziert vorgestellt. Ich dachte eben, er braucht irgendwie die schlichteste aller Schlichtwohnungen und 2-4 h die Woche ambulante Betreuung, für das Einkaufen und den gelegentlichen Behördengang. Das wäre ja unbeschreiblich viel billiger, als das, wo er jetzt ist und vermutlich immer noch deutlich billiger als so ein vollversorgter WG-Platz vom Jugendamt. Mir war nicht klar, dass das aus Prinzip nicht geht.

Es ist ja auch nicht so, dass er faul wäre, mit seinen Einschränkungen ist ja auch eingeschränkte Erwerbsfähigkeit eher ein longshot, aber er will es trotzdem versuchen. Vom Bereich mit psychischen Erkrankungen kenne ich es, dass Leute mit wirklich einem Zehntel seiner Einschränkungen sofort EM-Grundsicherung beantragen und bekommen. :? Außerdem kenne ich das aus diesem Bereich schon so, dass man mit 18 vom Jugendamt zu einem anderen Kostenträger, wie dem LWV wechseln kann.

LG, Maike

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Michaela44
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Michaela44 » 12.06.2019, 20:46

Hallo Rita,

du, du musst verstehen, ich bin doch komplett uninformiert über Behindertenhilfe. :( Deshalb die Fragen hier. Die Sozialleistungen für gesunde Menschen kenne ich, im Bereich Menschen mit psychischen Erkrankungen kenne ich mich ein wenig aus, aber wie jemand mit Pflegebedarf das machen soll, habe ich keine Ahnung.

Als ich angefangen habe, habe ich mir das echt nicht so kompliziert vorgestellt. Ich dachte eben, er braucht irgendwie die schlichteste aller Schlichtwohnungen und 2-4 h die Woche ambulante Betreuung, für das Einkaufen und den gelegentlichen Behördengang. Das wäre ja unbeschreiblich viel billiger, als das, wo er jetzt ist und vermutlich immer noch deutlich billiger als so ein vollversorgter WG-Platz vom Jugendamt. Mir war nicht klar, dass das aus Prinzip nicht geht.

Es ist ja auch nicht so, dass er faul wäre, mit seinen Einschränkungen ist ja auch eingeschränkte Erwerbsfähigkeit eher ein longshot, aber er will es trotzdem versuchen. Vom Bereich mit psychischen Erkrankungen kenne ich es, dass Leute mit wirklich einem Zehntel seiner Einschränkungen sofort EM-Grundsicherung beantragen und bekommen. :? Außerdem kenne ich das aus diesem Bereich schon so, dass man mit 18 vom Jugendamt zu einem anderen Kostenträger, wie dem LWV wechseln kann.

LG, Maike
Das, was du im zweiten Absatz schreibst, ist durchaus möglich. Für die Finanzierung der Wohnung gibt es zwei realistische Möglichkeiten: 1. seine Eltern zahlen ihm Unterhalt und bürgen im Mietvertrag oder unterschreiben ihn für ihren Sohn. 2. Er wohnt in einer Wohnung eines Jugendhilfeträgers, der ihn auch ambulant unterstützt (meist 2er WGs). Dann zahlt das JA die Unterbringung und die Eltern weiterhin den einkommensabhängigen Kostenbeitrag.

Zu 1.: Der Bedarf kaut Düsseldorfer Tabelle beträgt zur Zeit 735 € inklusive Kindergeld. Das heißt seine Eltern müssen ihm das Kindergeld auszahlen (im Moment geht es ans JA) und rund 540 € Unterhalt. Dafür zahlen sie nichts mehr ans JA.

Mit Grundsicherung kenne ich mich nicht aus.

Vielleicht wäre auch ein Berufsbildungswerk eine Alternative? War er schon mal bei der Rehaberatung der Arbeitsagentur? Dort müsste er nach einem Vorgespräch einen psychologischen Test machen. Wenn sie eine Ausbildung im BBW für erfolgversprechend halten, wohnt er dort in einem Einzelzimmer, Unterstützung erfolgt nach Bedarf, einige BBW kennen sich mit Autismus aus, es kostet nichts und hat nichts mit dem JA zu tun und er ist dort frei. Ich weiß allerdings nicht, ob ein BBW eine Informatikausbildung anbietet, aber das lässt sich ja herausfinden.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

RikemitSohn
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon RikemitSohn » 12.06.2019, 21:21

Hallo,
wie wäre es, wenn du dein Ziel änderst. Und zwar ist das Ziel nicht mehr, dass du für ihn all diese Dinge löst, sondern dass du ihm die richtigen Menschen an die Hand gibst. So wie das klingt, bist du auch überfordert und wenn ich es richtig in Erinnerung habe nicht einmal vor Ort.
Für psychisch Kranke gibt es spezielle ambulante Pflegedienste, die in der Regel über das Sozialamt mit Beitrag der Eltern finanziert werden. Die sind genau für all diese Dinge zuständig und kümmern sich nach den Wünschen des Klienten. So könnte er Ordnung ins Chaos bringen und würde von einer neutralen Person auch hören, wenn Dinge nicht gehen. Wobei diese Betreuung wahrscheinlich erst möglich ist, wenn er nicht mehr im Heim wohnt. Wahrscheinlich nicht möglich, aber ich frage trotzdem: Ginge es, dass er übergangsweise bei Verwandten unterkommt und von da aus mit Betreuung neu startet?
Ausserdem würde ich es hintenan stellen die Einrichtung zu verklagen. Wütend zu sein ist verständlich und gewisse Rachegefühle auch, aber es geht jetzt erst einmal darum sein Leben zu orden. Danach ist Zeit für diese Baustelle.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Rita2
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Rita2 » 12.06.2019, 21:31

Hallo Maike,

für was steht EM-Grundsicherung?
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ( https://www.bmas.de/DE/Themen/Soziale-S ... erung.html ) wird bezahlt ab 18 wenn jemand auf Dauer wegen einer Behinderung nicht selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann.
Da dein Bekannter eine Ausbildung als Fernziel machen möchte, ist er nicht dauerhaft erwerbsgemindert. Daher keine Grundsicherung.

Für unseren Sohn wird sobald er bei uns auszieht nicht das JA für die Betreuung aufkommen, sondern das Sozialamt in Form von Eingliederungshilfe. Ob diese Finanzierungart auch für ihn in Frage kommt, kann ich nicht beantworten.

Das Problem ist, dass die Ämter (egal ob JA oder Sozialamt) nicht einfach so eine Maßnahme (auch 2 bis 4 Stunden Betreuung pro Woche ist für die eine Maßnahme) bezahlen. Das muß man gut begründen und Anträge schreiben, Widerspruch einlegen, mit denen in Hilfeplangesprächen verhandeln. Da muß jemand vor Ort deinen Bekannten wirklich engagiert unterstützen.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 12.06.2019, 22:43

Hi euch allen,

und vielen Dank! :D

Rita, das mit der Grundsicherung meinte ich doch. Dass es etwas dumm ist, dass er praktisch schlechter gestellt wird, weil er sich durch eine Ausbildung kämpfen will.

Michaela, wie gesagt, die Eltern haben einen (juristisch hanebüchenen) Einwilligungsvorbehalt dür die Aufenthaltsbestimm beantragt (eher das Gegenteil also), Ausgang hat er keinen, für all das braucht er erstmal irgendwelche Unterstützung...
So wie das klingt, bist du auch überfordert und wenn ich es richtig in Erinnerung habe nicht einmal vor Ort.
Wäre ich vor Ort, ließe sich das allermeiste sehr schnell mit einer befristeten Vorsorgevollmacht regeln, ja. Das ist das Dumme.
Für psychisch Kranke gibt es spezielle ambulante Pflegedienste, die in der Regel über das Sozialamt mit Beitrag der Eltern finanziert werden.
Ja, die Caritas hat sich heute wohl auch bei ihm gemeldet. Sie haben seinen Fall an den örtlichen Autismus-Verband weitergeleitet. Schaun wir mal :)
Ausserdem würde ich es hintenan stellen die Einrichtung zu verklagen. Wütend zu sein ist verständlich und gewisse Rachegefühle auch, aber es geht jetzt erst einmal darum sein Leben zu orden. Danach ist Zeit für diese Baustelle.
Hm, schwierig. Was er ja vor allem anderen absolut vermeiden will, ist, weiter in dieser Einrichtung zu bleiben. Wenn er erfolgreich eine Strafanzeige stellt (die Freiheitsberaubung kann er mittlerweile auch beweisen), könnte ich mir schon vorstellen, dass sie wesentlich weniger scharf darauf wären, ihn zu behalten. Unter 18 könnte das aber tatsächlich zu Repressalien gegen ihn führen, also ist das eher mittelfristig.
(Gut, und später finde ich das schon wichtig, einfach auch um der Kinder, die da noch drin bleiben, willen.)

Dario
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Dario » 13.06.2019, 00:08

Hallo Maike,

wirklich eine sehr komplizierte Situation, für die ich leider auch keinen Lösungsvorschlag habe. Nur eine Frage: Käme für den jungen Mann denn eventuell auch ein betreutes Einzelwohnen in Frage, wo er stundenweis ein einer eigenen Wohnung betreut wird? Oder ist er noch nicht so weit, dass er das bewältigen kann?

So wie du den Jungen beschriebst, glaube ich nämlich nicht, dass er in stationären Einrichtung jemals glücklich werden wird. Ich kann das auch gut verstehen, denn Autisten sind individualisten und brauchen viel Freiraum. Sie brauchen zwar klare Regeln und Strukturen; aber keinesfalls welche, sie die gängeln und einengen.

Ich habe bis Mitte 20 auch einen Großteil meines Lebens in stationären Einrichtungen verbracht. Wiklich glücklich wurde ich aber erst, als ich mit davon gelöst habe und in meine eigenen Wohnung gezogen bin. Ich würde im Rücklick auch jeden empfehlen, mit diesem Schritt so früh wie möglich anzufangen, sofer es irgendwie geht.

Ich finde es jedefalls toll, dass du deinem Freund zur Seite stehst und versucht, ihm zu helden und ihn ernst zu nehmen.

PS: Die Ausgangsregleung in der Wohngruppe finde ich total absurd, für mich scheint das reine Schikane ohne Sinn und Verstand zu sein. Selbst ich hatte damls in der KJP schon nach drei Wochen "freien Ausgang" - und das, obwohl ich immerhin wegen schwerer Brandtstiftung dort untergebracht war. Dein Freund (soweit ich das mitbekommen habe) hat hingegen nichts getan, was irgendwie kriminell oder fremdgefährdend wäre. Also gibt es erst Recht keinen ersichtlichen Grund, in derart in seiner Freiheit zu beschränken. Ich wünsche ihm, dass er sich so bald wie möglich aus diesem System der Fremdbetreuung befreien kann!
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 13.06.2019, 12:15

Hi Dario,

nein, das was du beschreibst, war ja sein eigentliches Ziel. Es ging darum, wie man das gegen den Widerstand der Eltern und ohne die Unterstützung des Jugendamts durchsetzen könnte. Daher waren er und ich ja im Ausgangpost mit der Idee PB+Pflegegeld angekommen, bevor Michalea erklärt hatte, dass da grundsätzliche bürokratische Hürden sind.
Ich denke er käme damit klar. Selber einkaufen kann er (noch) nicht, aber er kann kochen und die Wohnung sauber halten (sehr, sehr, sehr, sehr sauber, so wie ich ihn kenne :roll:).
Dein Freund (soweit ich das mitbekommen habe) hat hingegen nichts getan, was irgendwie kriminell oder fremdgefährdend wäre.
Hm, das habe ich nicht geschrieben, aber doch: Er war vor ein paar Jahren schonmal durch das Jugendamt gegen seinem Willen in einem normalen Internat, kam da in eine Situation mit zu vielen Menschen und hat daraufhin (er weiß nicht mehr, ob absichtlich), einen nicht ganz unbedeutenden Sachschaden angerichtet. Seitdem ist das JA nicht mehr gut auf ihn zu sprechen. Aber ihn deswegen immer mit mehr, und mehr Leuten zusammenstecken finde ich auch nicht ganz übezeugend...
Die Ausgangsregleung in der Wohngruppe finde ich total absurd, für mich scheint das reine Schikane ohne Sinn und Verstand zu sein.
Ich habe auch wirklich nicht einmal ein Zwanzigstel ezählt, von dem was da vor sich geht. :cry: Es ist eben ein "intensivpädagogisches" Heim, das ist ein ganzes Konzept, von denen gibt's eine Menge für alle Krankheiten oder Gesunde, die sind alle etwa so. Ab und zu gibt's bei denen eben einen Skandal und eins davon wird geschlossen, der Rest macht so weiter...

Dario
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Dario » 13.06.2019, 20:44

Er war vor ein paar Jahren schonmal durch das Jugendamt gegen seinem Willen in einem normalen Internat, kam da in eine Situation mit zu vielen Menschen und hat daraufhin (er weiß nicht mehr, ob absichtlich), einen nicht ganz unbedeutenden Sachschaden angerichtet. Seitdem ist das JA nicht mehr gut auf ihn zu sprechen. Aber ihn deswegen immer mit mehr, und mehr Leuten zusammenstecken finde ich auch nicht ganz übezeugend...
Sachbeschädigungen sind natürlich nicht Ordnung. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch fragen, inwieweit der Junge in einer für Autisten anscheinend völlig ungeeigneten Einrichtung nicht derart in die Enge getrieben wurde, dass er sich aus Verzweiflung nicht mehr anders zu helfen wusste. Ich kenne dieses Muster (Täter und Opfer zugleich) von mir selbst nur allzu gut. Es wäre ihm wirklich sehr zu wünschen, dass er so bald wie möglich da raus kommt aus diesem unsäglichen System, dass ihm mit Sicherheit keine wirkliche Hilfe ist.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon mariannna » 13.06.2019, 22:53

Hallo Maike,

schwierig, ich denke, wenn er wirklich irgendwann selbstbestimmt leben möchte, kommt er nicht umhin, an seinen Probleme bzw Defiziten zu arbeiten. Einkaufen gehen, zum Arzt oder zu Behörden gehen, eine Ausbildung machen, Klausuren schreiben, Hausflur reinigen.... da kommt man einfach mit anderen Menschen in Kontakt! Da wird es mit 2-4 Assistenz-Stunden pro Woche nicht getan sein! Macht dein Freund denn zur Zeit eine Therapie, um an seiner Sozialphobie zu arbeiten? Möchte er überhaupt an seinen Defiziten arbeiten oder möchte er die Assistenzleistungen für immer in Anspruch nehmen?
Ich glaube, es wird keiner für ihn
a) seine Wohnung+NK
b) seinen Lebensunterhalt
c) seine Ausbildung und
d) seine Assistenten
bezahlen, ohne in irgendeiner Weise "mitreden" und mitgestalten zu wollen! Egal, ob es nun seine Eltern sind, oder ein Amt.
Auch ein Harzt4 -Empfänger bekommt sein Geld ja nicht "einfach so", sondern muss bestimmte Vorgaben erfüllen (Bewerbungen schreiben,regelmäßig. zu Vermittlungsgesprächen erscheinen, 1€ Job annehmen etc...).

Ich lese hier eine ziemliche Anspruchshaltung deines Freundes heraus. Er möchte anscheinend, dass ihm alles bezahlt wird (Miete, NK, Lebensunterhalt, Ausbildung,Assistenzstunden), anderseits möchte er tun und lassen können, was er will und keine Verpflichtungen haben.... so läuft es leider nicht im Leben.

(Bye the way, bist du sicher, dass dein Freund dir in allem 100% die Wahrheit sagt? Denn manches kommt einem beim Lesen, hmmm, einseitig verharmlost bzw andersrum wieder übertrieben vor. Z.B. Kann ich mir nicht vorstellen, dass seine Eltern es dulden würden, wenn er in dem Heim wirklich misshandelt und körperlich verletzt wird. Aber diese Frage musst du dir selbst stellen).

LG,
Marianna

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Maike_aus_S
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Re: Asperger-Autist wird volljährig und möchte ausziehen

Beitragvon Maike_aus_S » 13.06.2019, 23:42

Hallo Marianna,

hm, nennt man es auch bei Autismus "Sozialphobie"? Mit der Krankheit kenne ich mich nicht aus.
Und nach Anspruchshaltung sollte es echt nicht rauskommen, vielleicht habe ich es nicht gut genug dargestellt.
Wie sollte er denn eine Therapie machen? Er lebt in einem intensivpädagogischen Stufenplanheim. Raus darf er nicht und die Therapie da drin besteht aus Sanktionierung. Zum heiminternen Arzt darf er grundsätzlich nicht allein und eine Mitsprache was seine Behandlung angeht hat er auch nicht. Sie informieren ihn nicht mal, wenn sie seine Medikation geändert haben. Dass das nicht gerade Therapiemotivation fördert, kann ich mir vorstellen.

Ich will auch nicht den Sozialstaat diskutieren, aber bei jemanden mit beispielsweise dauerhafter EM-Grundsicherung und Pflegebedarf wird ja das meiste, was du aufzählst, tatsächlich im Normalfall bezahlt. Und das wäre für ihn mit seinen Einschränkungen durchaus ein gangbarer Weg, ich finde es eigentlich nicht verantwortungslos, dass er stattdessen eine Ausbildung beenden und arbeiten möchte.

Wie gesagt, ich kenne mich mit Behindertenhilfe nicht aus, aber von meinem Gerechtigkeitsgefühl her finde ich den Wunsch nach denselben Pflichten und Rechten wie gesunde junge Volljährige ohne Pflegebedarf eigentlich nicht absurd.
(Bye the way, bist du sicher, dass dein Freund dir in allem 100% die Wahrheit sagt?
Ich kenne ihn lange genug, dass ich davon ausgehe, dass alles was er sagt hoffnungslos übetrieben ist aber auch, dass er sich nichts einfach so ausdenken würde.
Ich war also sehr erstaunt, als ich die Unterlagen bekommen hatte, die klar zeigen, dass er in Bezug auf das Heim Dinge eher zu harmlos dargestellt hat. Was ich vermutlich nicht hätte sein sollen, wenn man daran denkt, wieviele intensivpädagogischen Stufenplanheime mit einem vergleichbaren Konzept (Friesenhof, Haasenburg ua) in den letzten Jahren im Skandal schließen mussten.
Z.B. Kann ich mir nicht vorstellen, dass seine Eltern es dulden würden, wenn er in dem Heim wirklich misshandelt und körperlich verletzt wird.
Als jemand, wo, wie erwähnt, auch einige eigene Erfahrungen mit der Jugendhilfe gemacht hat, kann ich nicht sagen, wie sehr mich dieser Satz den Kopf gegen die Wand hauen wollen lässt. Der könnte genauso von der Heimaufsicht kommen.

Eine richtige Therapie sollte und wird er natürlich machen, sobald er alleine zum Arzt darf und seine Behandlung selber entscheiden.

LG, Maike


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