Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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YvonneW.
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon YvonneW. » 02.05.2019, 16:32

Hallo Beate,

Das ist ja genau das Erschreckende diesmal: es gab keinen wirklich ersichtlichen Auslöser!
Sein Handy hat er schon öfters mal auf den Boden geworfen und jedesmal hab ich es bis zum nächsten Tag eingesteckt ( er braucht es tagsüber, da er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fährt) natürlich war er da nie begeistert, aber so eine Situation entstand noch nie dadurch.
An dem Tag hatten wir zwar Besuch, aber er machte nie einen gestressten oder überforderten Eindruck. Auch mein mehrmaliges Nachfragen, ob er sich zurück ziehen möchte ( was er bejaht, wenn es ihm zu viel wird) verneinte er und wollte von sich aus noch mit uns spazieren gehen. Also keinerlei Vorzeichen, die es sonst gab. Und nach 14 Jahren Aggressivität dachte ich immer, ich kann ihn einschätzen...


Ich möchte das Verhalten deines Sohnes weder verharmlosen, noch entschuldigen, noch dein Vorgehen kritisieren, mich wundert nur, dass du dir anscheinend außer „einer kurzen
Unterhaltung, die nicht nach seinem Kopf lief“ , keinen Auslöser für die Überreaktion deines Sohnes vorstellen kannst.

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Anjali
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Anjali » 02.05.2019, 16:39

Nichts gegen Konsequenzen. Diese können aber nur
fruchten, wenn ein Mensch überhaupt über alternative Verhaltens- bzw. Handlungsstrategien verfügt. Letztere können evtl. in einer Therapie erarbeitet werden.
Erhält dein Sohn -außer Medikamenten- noch irgendwelche weitere Unterstützung z.B. in Form einer Verhaltenstherapie?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

HeikeLeo
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon HeikeLeo » 02.05.2019, 17:18

Liebe Yvonne,

eine Freundin von mir hat auch einen großen Sohn, der sie gelegentlich grün und blau geprügelt hat. Sie sagte damals: "So wie ich aussah, hätte ich in jedem Frauanhaus Aufnahme gefunden..."
Sie hat einmal den Notdienst in einer akuten bedrohlichen Situation gerufen: Die Sanitäter/Polizei/Psychiater sagten dann einhellig: "Er ist so aufgebracht - wir können jetzt nichts tun. ...Das schaffen Sie schon selbst..." Und weg waren sie. - Damit will ich sagen, die Vetröstung auf eine akute Akutsituation ist nur eine Vertröstung.

Mein Sohn ist nicht ganz so sehr aggressiv. Und wenn, dann nur in Situationen, wo sich schon lange etwas hochgespielt hat. Seit er nicht mehr zur Schule geht, ist er aber sehr friedlich. Bei uns war IMMER die Schule der Grund für eine gewisse Basisüberreizung.
Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht mit Agnucaston. Das ist Mönchspfeffer. Ein pflanzliches Mittel, das die Testosteronproduktion möglichrweise reduziert. Ich habe das selbst nach dem Abstillen genommen, damit die Brust nicht mehr so weh tut. - Und ansonsten haben wir unseren Sohn dann frühzeitig aus der Schule genommen. Aber bei uns war die Sachlage doch noch etwas anders.

Liebe Grüße
Heike

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Engrid
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Engrid » 02.05.2019, 17:37

Hallo Yvonne,

habt Ihr denn nicht einen Psychiater und einen Therapeuten, der Euch fachlich begleitet und eine Einschätzung hat? Du schreibst, er nimmt Medikamente, vielleicht muss man an der Medikamentierung etwas ändern, mit 14 gibt es ja Hormonumstellungen, Wachstum, Gehirn“Umbau“. Depressionen äußern sich auch manchmal in Aggression.
Vielleicht möchte er auch selber Hilfe? Ich würde da auch zb an eine Tagesklinik und/oder stationären Aufenthalt denken, es geht um Fremdgefährung, da kann er schon eingewiesen werden.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

BettinaDA
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon BettinaDA » 03.05.2019, 00:39

Anjali hat geschrieben:Ich möchte das Verhalten deines Sohnes weder verharmlosen, noch entschuldigen, noch dein Vorgehen kritisieren, mich wundert nur, dass du dir anscheinend außer „einer kurzen
Unterhaltung, die nicht nach seinem Kopf lief“ , keinen Auslöser für die Überreaktion deines Sohnes vorstellen kannst.


Es ist immer schwierig, eine solche Situation mit Worten wirklich treffend zu beschreiben. Früher konnte ich bei meinem Sohn regelmäßig die Auslöser für seine Überreaktionen erkennen entsprechend danach handeln, auch war mein Sohn in der Lage zu reflektieren. Es kostete zwar eine Menge Übung und er machte nur kleine Fortschritte, aber er machte sie und nur darauf kam es an.

Aber in der letzten Zeit änderte sie das, in der letzten Zeit war mein Sohn keineswegs überlastet, denn zum Schluß ging er noch nicht einmal mehr in die Tagesstätte sondern lag den ganzen Tag zu hause auf dem Sofa. Wie gesagt, es ist schwierig zu beschreiben, und selbstverständlich habe ich alles versucht, um ihn zu motivieren, aber kaum hatte ich einen einzigen kleinen Erfolg, schoß er an anderer Stelle doppelt so heftig quer. Eine Ärztin bezeichnet es sinngemäß als 'viele negative Lernerfolge' und damit hat sie meiner Meinung nach exakt ins schwarze getroffen.

Bei meinem Sohn geht es meiner Meinung nach um TOTALE Kontrolle, beispielsweise ein Stuhl, auf dem jemand anders sitzt und den ER nun unbedingt haben will und wenn er in nicht bekommt, setzte er die Faust ein. Logische Konsequenzen versagen mittlerweile völlig, und hat man es tatsächlich einmal geschafft, daß er darauf eingeht, dann fällt ihm innerhalb der nächsten 15 Minuten etwas neues ein. Und das tut er dan ganzen Tag lang........... :(

Yvonne, Du ahnst jetzt vielleicht, warum mich bei Deinem Eingangsbeitrag ein heftiges Deja-Vu überkam. Wenn Du magst, können wir uns gern per PN austauschen.

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.

FranziF
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon FranziF » 03.05.2019, 03:01

Hallo,
sei mir nicht böse, ich will dein Kind keinesfalls als Monster darstellen, aber das klingt wirklich nach einer tickenden Zeitbombe. Er ist seine Schwester schon angegangen und er hat sich in so einer Situation schon eine Waffe besorgt, was, wenn er das nächstes Mal kombiniert?
Ich würde in die Notaufnahme der Kinder und Jugendpsychiatrie gehen und dort sagen, dass ich das meinem zweiten Kind gegenüber absolut nicht mehr verantworten kann und ihn daher jetzt her lassen werde, sie sollen sich kümmern, sobald das unter Kontrolle ist, nimmst du ihn sehr gerne wieder auf, aber du hast nicht nur um dich Angst, sondern auch um deine Tochter. wenn die das nicht verstehen?!
Du hast das jetzt so lange geduldet, immer dein bestes gegeben, jetzt sind Spezialisten gefragt, bevor irgendwas passiert. Viel Erfolg! Und ruhig mit Nachdruck handeln, ein "können Sie mir vielleicht helfen, weil irgendwie..." zieht bei Ärzten eher selten ;)

Liebe Grüße und vor allem Alles Gute!
Ich (1996)
Ehlers Danlos Syndrom, Myasthenia Gravis (IIb), Allergien & UV, versch. Augenerkrankungen, Hashimoto, AVWS
siehe meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic120256.html

Anjali
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Anjali » 03.05.2019, 08:16

BettinaDA hat geschrieben:
Anjali hat geschrieben:Ich möchte das Verhalten deines Sohnes weder verharmlosen, noch entschuldigen, noch dein Vorgehen kritisieren, mich wundert nur, dass du dir anscheinend außer „einer kurzen
Unterhaltung, die nicht nach seinem Kopf lief“ , keinen Auslöser für die Überreaktion deines Sohnes vorstellen kannst.


Es ist immer schwierig, eine solche Situation mit Worten wirklich treffend zu beschreiben. Früher konnte ich bei meinem Sohn regelmäßig die Auslöser für seine Überreaktionen erkennen entsprechend danach handeln, auch war mein Sohn in der Lage zu reflektieren. Es kostete zwar eine Menge Übung und er machte nur kleine Fortschritte, aber er machte sie und nur darauf kam es an.

Aber in der letzten Zeit änderte sie das, in der letzten Zeit war mein Sohn keineswegs überlastet, denn zum Schluß ging er noch nicht einmal mehr in die Tagesstätte sondern lag den ganzen Tag zu hause auf dem Sofa. Wie gesagt, es ist schwierig zu beschreiben, und selbstverständlich habe ich alles versucht, um ihn zu motivieren, aber kaum hatte ich einen einzigen kleinen Erfolg, schoß er an anderer Stelle doppelt so heftig quer. Eine Ärztin bezeichnet es sinngemäß als 'viele negative Lernerfolge' und damit hat sie meiner Meinung nach exakt ins schwarze getroffen.

Bei meinem Sohn geht es meiner Meinung nach um TOTALE Kontrolle, beispielsweise ein Stuhl, auf dem jemand anders sitzt und den ER nun unbedingt haben will und wenn er in nicht bekommt, setzte er die Faust ein. Logische Konsequenzen versagen mittlerweile völlig, und hat man es tatsächlich einmal geschafft, daß er darauf eingeht, dann fällt ihm innerhalb der nächsten 15 Minuten etwas neues ein. Und das tut er dan ganzen Tag lang........... :(

Yvonne, Du ahnst jetzt vielleicht, warum mich bei Deinem Eingangsbeitrag ein heftiges Deja-Vu überkam. Wenn Du magst, können wir uns gern per PN austauschen.

Viele Grüße
Bettina


Liebe Bettina,
vielen Dank für deinen offenen Bericht. Ihr steckt in einer sehr verfahrenen Situation. Du hast mein vollstes Verständnis und Mitgefühl.

Yvonnes Sohn hat in einer Situation überreagiert, in der wohl auch andere Pubertierende aufmüpfig geworden wären. Mit dem Unterschied, dass die meisten wohl nicht zu solch rabiaten Mittel greifen würden, um sich gegen ihre Eltern durchzusetzen um ihr vermeintliches Recht zu bekommen und/oder ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie würden vielleicht auf andere, subtilere, Art rebellieren. Ich sehe das Verhalten von Yvonnes Sohn als zweckgebunden an. Zweck/Ziel war das Wiedererlangen des Handys.

Gewaltanwendung und Erpressung dürfen natürlich nicht belohnt werden. Das würde einen negativen Lerneffekt provozieren. Ich sehe es auch so, dass sich die Familie schützen muss.
Aber ich würde nicht die Hoffnung aufgeben, dass sich die Situation langfristig durch entsprechende therapeutische und medikamentöse Maßnahmen und ggf. durch eine Schulung des Umfelds entschärfen lässt.
Viele Grüße
Anja

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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Engrid » 03.05.2019, 08:32

Hallo,

mein Sohn hat auch schon sehr danebengegriffen, mit seinen Mitteln. Jedes Kind ist anders, bei meinem spielt auch eine ganz große Rolle, dass er quasi spürt (in der Situation), was man ihm alles Schlechtes (und Gutes) zutraut. Während er es kognitiv nicht versteht. Und emotional völlig überfordert ist. Das dürfte bei vielen Autisten eine Rolle spielen bei emotionalem Verhalten und man sollte es unbedingt auch mitdenken. Und entsprechend zwar natürlich nach Lösungen für das Problem suchen, aber unbedingt auch anderes, Positives in den Fokus nehmen, Erfolgserlebnisse, schöne Erlebnisse, Einklang. Mein Sohn zb sieht sonst im wahrsten Sinn des Wortes rot, hat also nur noch das Negativverhalten vor dem inneren Auge.
Das soll jetzt nur zusätzlich zu all dem schon Geschriebenen sein.

Grüße
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Regina Regenbogen » 03.05.2019, 08:47

YvonneW. hat geschrieben:Und nach 14 Jahren Aggressivität dachte ich immer, ich kann ihn einschätzen...


Hier kommt wohl auch noch die pubertäre Ablösephase hinzu. Mein ADSler war im Alter von 14-16 auch (wieder) latent aggressiv, er fühlte sich (besonders von mir) beobachtet und "gestalked" - so seine Worte. Im Nachhinein denke ich, es war ihm zuviel, dass ich ihn lesen kann, auch seine Reaktionen in bestimmten Situationen vorausahne. Auf dem Höhepunkt seiner pubertären Aggressionen hat er sich fast mit seinem Vater geprügelt, weil mein Sohn meinte, mir mit seinem Gebaren (er ist mittlerweile 30 cm größer als ich und breit wie ein Schrank) drohen zu müssen. Da ist mein Mann blitzschnell dazwischen gegangen. Komischerweise war ab da Ruhe. Ich habe aber auch dazu gelernt und frage nicht mehr so viel - ich muss zugeben, dass dieses besorgte Verhalten einem Pubertier ganz schön zusetzen kann, weil der Eindruck entsteht, man traue ihm nichts zu.

Unser Autist hat auch aus dieser Zeit gelernt, er sagt mir frank und frei ins Gesicht "Das geht dich nichts an", wenn ich mal wieder zu viel frage bzw. mich zu sehr (laut) sorge.
Zuletzt geändert von Regina Regenbogen am 03.05.2019, 08:51, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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BettinaDA
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Re: Sehr aggressiv! Ich weiß nicht mehr weiter

Beitragvon BettinaDA » 03.05.2019, 08:51

FranziF hat geschrieben:Ich würde in die Notaufnahme der Kinder und Jugendpsychiatrie gehen und dort sagen, dass ich das meinem zweiten Kind gegenüber absolut nicht mehr verantworten kann und ihn daher jetzt her lassen werde, sie sollen sich kümmern, sobald das unter Kontrolle ist, nimmst du ihn sehr gerne wieder auf


So funktioniet das aber nicht, vor allem nicht die 'Rückführung', denn die ist einzig und alleine von der Einschätzung der jeweiligen Ärzte abhängig. Man darf mir glauben, daß ich aus Erfahrung spreche - und zwar aus MEHRFACHER Erfahrung.

Wenn jemand gewalttätig wird, dann ist die einzig mögliche Vorgehensweise umgehend die Polizei zu verständigen. Wenn sich dieser Mensch dann dann jedoch wieder ruhig zeigt und vielleicht sogar versichert, nun mit seinen Gewalttätigkeiten aufzuhören, dann wird die Polizei wieder unverrichteter Dinge gehen. Vorher wird man noch befragt, ob jemand verletzt wurde - drohen, mit dem Messer auf jemand zeigen zählt genau so wenig, wie es jemanden an den Hals zu halten. Es zählt nur, ob jemand verletzt wurde. Fast verletzt oder gedroht zu verletzen ist definitiv kein Straftatbestand.

Erst wenn solch ein Mensch eine Gefahr für sich oder andere ist, dann kann und darf die Polizei tätig werden und denjenigen in eine Psychiatrie einweisen. Aber hier ist es genau so, wer dort am nächsten morgen aufwacht und sich 'absprachefähig' zeigt, wird wieder entlassen.

Yvonne, meiner Erfahrung nach hast Du nur die Wahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten:

1. Du hörst Dich nach Kinder- und Jugendpssychiatrien um und bittest Deinen Arzt, ihn dort hin einzuweisen in der Hoffnung, daß man Deinem Sohn medikamentös helfen kann. Das kann sich aber über Wochen hinziehen, denn diese Aufnahmetermine sind oftmals für lange Zeit vergeben.

2. Wenn Dein Sohn das nächste Mal wieder mit dem Messer vor Euch steht, dann ruft Du SOFORT die Polizei und hoffst darauf, daß die Sachlage ausreicht, daß sie ihn mitnehmen. Dann wird Dein Sohn in die für Euren Wohnbereich zuständige Psychiatrie eingewiesen. Dort gehst Du dann am nächsten Tag hin und hoffst darauf, auf einen Arzt zu treffen der ihn weiterbehandelt.

Noch ein paar abschließende Worte zu der bereits erwähnten Schulung des Umfeldes...... wenn ein Mensch das erste Mal gemerkt hat, daß er mit körperlicher Gewalt seinen Willen durchsetzen konnte und so 'Macht' gewonnen hat, dann kann es bei manchen Menschen passieren, daß genau dieses Gefühl einen absolut fatalen Grundstein gelegt hat: Ich wollte 'etwas' und durch Gewalt habe ich es bekommen. Die Konsequenzen, die man mir danach auferlegt hat, nehme ich in Kauf.

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.


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