MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Beate139
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MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Beate139 » 13.04.2019, 18:12

Hallo,

ich bin geschockt. Ich habe heute den Bescheid der Krankenkasse bezüglich Höherstufung des Pflegegrades bekommen.

Es bleibt bei Pflegegrad 1, obwohl ich zig Berichte/Befunde vorgelegt hatte. Und nun steht auf einer Seite eine Empfehlung, gemäß § 1631 b BGB eine Zwangsunterbringung des Kindes zu veranlassen. Mein Sohn befindet sich seit Monaten schon in Psychologischer Behandlung. Was soll sowas, er hat ganz andere Baustellen, die Psyche ist angekratzt durch seine vielen fortschreitenden Defizite. Wie soll man die Psyche durch Zwangsunterbringung begradigen, wenn man nicht die Ursachen herausfindet und behandelt.

Und in den Modulen hat die Frau vom MDK nichtmal seine Angstzustände und Depressionen erwähnt. Für all das gabs von ihr 0 Punkte. Zwangseinweisung, aber nicht relevant für die Pflegebegutachtung ? Wie geht denn sowas.....

Ich möchte meinen Sohn nicht Zwangseingewiesen wissen, weil ich weiß, das ich ihn dann erst wieder zurück bekomme, wenn er vollständig vom Rollstuhl abhängig ist. Zur Zeit braucht er ihn nur für weitere Gehstrecken und mir ist es momentan viel wichtiger, soviele Dinge wie möglich mit ihm zu erleben, bevor vieles einfach nicht mehr machbar ist.

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mariannna
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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon mariannna » 13.04.2019, 22:22

Hallo Beate,

so ohne deinen Sohn zu kennen ist es schwer, etwas dazu zu sagen.

Zeigt er denn selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten? Welche genau und wie oft?
Sind alle anderen Maßnahmen schon probiert worden, um das Verhalten zu ändern?
Eine Zwangseinweisung sollte nur dann erfolgen werden, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben.

LG,Marianna

Beate139
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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Beate139 » 13.04.2019, 22:55

Hallo marianna,

mein Sohn hat Psychotherapie. Natürlich hat er komplexe Psychosen, aber ich denke, wenns brennt, so sollte es doch die P-Therapeutin, die ihn schon länger kennt und zu der wir regelmässig gehen, auffallen.

Die Dame vom MDK war gerade mal eine Stunde da, in der Zeit hat mein Sohn nichtmal angedeutet, das er suizidale Gedanken gerade hat. Klar, er ist die meiste Zeit zuhause, aber das liegt auch daran, das er gehbehindert ist und nicht alleine vor die Tür die Treppen runtergehen kann.

Warum gerate eigentlich immer ich an solche MDK-Zicken : seine Psychosen zwar anscheinend sehen, aber nicht in den Modulen bewerten, seine Gehbehinderung sehen, feststellen, das er Schwierigkeiten hat, alleine die Treppen zu steigen, aber ankreuzen, er kann selbständig überall hingehen, mitbekommen, das er weder die Uhr lesen, noch die Tageszeit bestimmen kann aber eintragen, das er zeitlich Orientiert ist.
Und ich hab so viele Gutachten, die all seine Defizite bestätigen. Aber was bringen all diese Gutachten, wenn der MDK dann frei nach Schnauze die Kreuze setzt...

Also heisst es nun wieder : Widerspruch einlegen

Danach werde ich ganz sicher selbst reif für ne Psycho-Klinik sein.

Vielleicht sollte ich ne Mutter-Kind-Kur beantragen. Wenn mein Sohn schon laut Angaben des MDK Zwangseingewiesen werden muss in eine P-Klinik, könnten wir doch glatt beide eine gemeinsame Reha-Kur machen. Ich aufgrund von überlastung wegen der Pflege und Burn-Out (oder irgendwas ähnliches) und mein Sohn wegen seiner vielen Psychosen. Dafür müsste dann ja eigentlich schon das jetzige MDK Gutachten als Antrag ausreichen....

Beate139
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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Beate139 » 13.04.2019, 23:20

Hallo marianna,

zu deinen Fragen : Mein Sohn hat täglich Angstattacken. Er hat große Angst vor Fremden.
Das liegt nicht zuletzt daran, das er als Kind/Jugendlicher in den Schulen aufgrund seiner "Andersartigkeit" gemobbt wurde. Teilweise kam er täglich mit blauen Flecken, mehrfach mit einem blauen Auge, einmal mit einer gebrochenen Nase nach Hause. Ein paar Jungs in der Schule hatten es immer auf ihn abgesehen und ihn sehr gerne die Treppen runtergeschubst. Mein Sohn konnte sich nicht wehren, dazu war er körperlich nicht in der Lage. Ich habe meinen Sohn nach der gebrochenen Nase aus der Schule genommen und mit dem Jugendamt gesprochen und gesagt, er geht erst wieder in die Schule, wenn ich einen Schulbegleiter für ihn bekomme. Den haben wir dann auch zugesagt bekommen, die Angriffe ließen allerdings nicht nach, weil die Schulbegleitung der Meinung war, ihr Einsatz hört zu den Pausen auf. Also wurde mein Sohn in den Pausen weiter gemobbt und gestoßen.
Bis ich endlich die Genehmigung hatte, das er die Schule wechseln kann.
Diese Zeit hat Narben hinterlassen und jetzt, wo er krankheitsbedingt seine Gehfähigkeit mehr und mehr einbüsst, fühlt er sich draussen unter Fremden noch viel hilfloser. Seine Angst hat sich manifestiert

Die Suizid-Gedanken kommen immer dann bei ihm hoch, wenn er merkt, wie wenig er nur noch kann. Durch die inzwischen vorhandene Deformation seiner Finger kann er nicht mehr alles geziehlt anfassen. Er merkt, das er die Kontrolle über seinen Körper stück für stück verliert. Ich bin mir sicher, absolut jeder entwickelt Depressionen, sobald man merkt, das der Körper degeneriert und man absolut nichts dagegen machen kann. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, das deswegen gleich jeder zwangseingewiesen werden muss....

Ich denke, die Damen, die vom MDK herkommen, urteilen in der Regel über die Bedürftigkeit von alten Menschen. Dadurch haben sie vermutlich Probleme, bei einem 17 Jährigen eine Pflegebedürftigkeit fest zu stellen. Ein 17 Jähriger hat einfach nicht Pflegebedürftig zu sein

Sinale
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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Sinale » 14.04.2019, 02:17

Hallo Beate,

ich denke, du musst dich und deinen Sohn hier nicht erklären!

Es geht hier um die Fragestellung, welche rechtliche Gewichtung solch eine schriftliche Äußerung vom MDK in solch einem Gutachten hat.

Soweit mir bekannt ist, kann der MDK Empfehlungen festhalten. Es ist aufgrund von Empfehlungen Niemand gezwungen, sich danach zu richten. Aus meiner Sicht ist es vom MDK sehr unqualifiziert, etwas derartiges im Gutachten zu formulieren und letztendlich bin ich mir nicht sicher, ob ein Gutachter für ein Pflegegutachten so Etwas formulieren darf.
Viele Grüße
Sinale

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Lotte und Dennis
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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Lotte und Dennis » 14.04.2019, 08:08

Hi.

Das ist rechtlich nicht bindend was der Gutachter als Empfehlung schreibt. Ob er es überhaupt darf weiß ich nicht. Bei uns stand als Empfehlung wir sollen Erziehungshilfe in Anspruch nehmen, weil unser Sohn (Asperger) nicht auf uns hört.

Aber das du hast doch sehr gute Chancen dagegen anzugehen. Denn das Gutachten scheint mir auch sehr widersprüchlich. Keine Depression aber trotzdem Zwangseinweisung?

Viel Erfolg und starke Nerven!

LG
Lotte

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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon mikkajan » 14.04.2019, 08:51

Guten Morgen Beate ,

Bei Problemen mit dem MDK bist du nicht alleine , ich gerate auch immer an so Zicken , die sich selber widersprechen.

Ich kann dir nur den Tipp geben , rufe deine Pflegekasse an , und bitte um eine Pflegeberatung , die stehen einem bei. Auch ich bin aktuell im Widerspruch , hatte das zweite mal die Pflegeberatung hier , und nun gibt es Ärger , da die Pflegekasse nichts umgesetzt hat.

Zur Zwangseinweisung , ich arbeite seit vielen Jahren im Rettungsdienst , Schleswig-Holstein. Ich habe noch nie jemanden gefahren , der durch den MDK eingewiesen wurde. Eine richtige Zwangseinweisung wird bei akuter Selbst - oder Fremdgefährdung durch einen Amtsarzt veranlasst , und zur Not mit Hilfe der Polizei durchgesetzt. Das nennt sich dann Unterbringung nach Psych KG . Sprich doch mal mit euren Therapeuten über das Gutachten , und überlege dir , ob du Dir für den Widerspruch Hilfe durch einen Anwalt, Pflegestützpunkt oder eben die Pflegeberatung mit ins Boot holst.

Ich wünsche dir alles Gute und starke Nerven :D :icon_rambo: :icon_sunny:
Brandmeister und Psychologen hassen sich :twisted:
Irgendwas ist ja immer :wink:


Sohn 1: Kanner-Syndrom
Sohn 2: Mikroduplikation 15q13.2q13.3

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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Jörg75 » 14.04.2019, 11:52

Moin,

also ich halte das für eine massive Kompetenzüberschreitung des MDK! Die Frage von Zwangseinweisung ist NICHT Aufgabe des MDK - und auch nicht die Aufgabe von Krankenkassen. Entscheidend ist die Genehmigung des Familiengerichts.
Ich würde mir sogar überlegen, ob ich nicht - wenn sich das schriftlich im Gutachten findet - eine Beschwerde an die Krankenkasse/ den MDK loslasse.

Es ist ohnehin die Frage - welche berufliche Qualifikation hatte eigentlich die MDK-Gutachterin? Bei Unterbringungen nach § 1631b BGB ist ein Gutachten erforderlich. Der Gutachten muss nach §§ 151 Nr. 6, 167 Abs. 6 FamFG folgende berufliche Qualifikation aufweisen: entweder Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder in Fragen der Heimerziehung ausgewiesenen Psychotherapeuten, Psychologen, Pädagogen oder Sozialpädagogen. Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass Leute mit dieser beruflichen Qualifikation als Gutachter für den MDK in Fragen der Pflegebegutachtung eingesetzt werden.

Gruß
Jörg

PS:
Das nennt sich dann Unterbringung nach Psych KG

Ja, du hast grundsätzlich recht - aber neben der PsychKG-Einweisung durch den amtsärztlichen Dienst (übrigens eigentlich auch nur mit richterlicher Genehmigung) gibt es für Erwachsene noch die Unterbringungen nach § 1906 BGB und für Kinder und Jugendliche die Unterbringungen nach § 1631b BGB.
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Sinale » 14.04.2019, 12:07

Hallo Jörg,

danke für deinen Beitrag!
Viele Grüße

Sinale



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Beate139
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Re: MDK fordert Zwangseinweisung vom Sohn - wie dagegen wehren

Beitragvon Beate139 » 14.04.2019, 16:23

Hallo,

ja, ich bin auch der Auffassung, das sie damit Grenzen überschritten hat.

Und @Jörg, vielen dank, auch für die dazugehörenden §§. Ich habe gestern aus lauter Frust darüber bereits ein Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium verfasst und gefragt, warum nicht endlich mal etwas gegen diese derartige Willkür des MDK gemacht wird. Man fühlt sich denen komplett ausgeliefert und muss sich dann auch noch solchen schriftlichen Drohungen aussetzen. Dabei möchte man doch nur, das es dem zu pflegenden Kind gut geht und man selbst nicht dabei untergeht.

Die MDK Dame ist lediglich eine Pflegekraft gewesen. Zumindestens stand das auf dem Schreiben der Terminvergabe


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