Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Anjali
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Anjali » 15.04.2019, 18:55

Es stand im Ausgangspost ja die Überlegung im Raum, sich vom Partner zu trennen. Dies würde aber (zumindest unter der Woche) in Punkto pflegerischer Belastung keine Verbesserung bringen, oder?
Wärst du -Larissa- alleinerziehend, müsstest du wohl auch (zumindest unter der Woche) jede Nacht „ran“.

Dein Partner möchte sich nicht auf deinen Lösungsvorschlag einlassen. Ob zu Recht oder zu Unrecht, können wir als Außenstehende nicht beurteilen. Belastungsgrenzen sind individuell.
Natürlich hast du als nicht-erwerbstätige Mama ebenso viele Erholungsphasen verdient, wie der erwerbstätige Vater.
Die Frage ist aber, ob die Erholungsmöglichkeiten unbedingt voneinander
„erkämpft“ werden müssten oder ob sich nicht doch noch Alternativen eröffnen würden (einige Vorschläge wurden ja schon unterbreitet.)
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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GretchenM
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon GretchenM » 15.04.2019, 19:18

Hallo Anja,

ob es eher Erleichterung oder Belastung wäre, sich zu trennen, kann wirklich nur sie selbst entscheiden (zumal da tatsächlich ja zu prüfen wäre, welche Hilfen ihr zustehen)

Eine sehr schlechte Partnerschaft kann einen noch zusätzlich belasten, so sehr, dass einem die Kraft für alles andere irgendwann ausgeht. Kraft, die eventuell noch da wäre, wenn sie alleinerziehend wäre. (Rein spekulativ natürlich. Aber ich glaube nicht, dass es mit Partner immer leichter ist)

Schönen Gruß,

GretchenM

melly210
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon melly210 » 15.04.2019, 22:25

Hallo,

mich erstaunt ehrlich, wie viele offenbar glauben, dass ein Arbeitstag außerhalb so viel anstrengender ist als das alltägliche ständige Kümmern um ein aufmerksamkeitintensives Kind...

Ich erlebe das mit meinem Kind echt anders. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich, wäre ich gesund gewesen, doch besser früher meine Arbeit außerhalb haben hätte sollen -meinen Nerven geht es seit ich arbeiten gehen kann besser, selbst und gerade wenn mein Junior mal wieder mehr Aufmerksamkeit braucht. Übermüdet zuhause alles hinzubekommen und nicht depressiv zu werden ist in meinen Augen eine Kunst - außerhalb arbeiten ist übermüdet auch nicht toll, aber immerhin hat man dann einen festen Feierabend und kommt schlichtweg mal raus aus der ewig gleichen Umgebung im Hamsterrad.

Dem generellen: es ist nicht zumutbar nach einem Arbeitstag noch nachts aufzustehen kann ich nichts abgewinnen. Arbeit außerhalb muss keineswegs anstrengender als Arbeit zuhause, das stimmt so einfach nicht.

Außerdem ist für mich Arbeit um Geld zu verdienen nicht mehr wert als das Kümmern um ein Kind. Beides ist gleichermaßen notwendig, keiner darf dabei wegbrechen weil er zusammenbricht.

Es ist nicht nur ihr Kind. Es ist auch seines, und doch, ich finde es zumutbar trotz Arbeit zumindest häufiger mal auch unter der Woche nachts aufzustehen. Das muss sie ja auch, und tagsüber trotzdem genauso funktionieren wie er. Nur dass sie von Seiten des Vaters offenbar keine Anerkennung dafür bekommt sondern eher Verachtung (weil sie kein Geld verdient?)

Schönen Gruß,

GretchenM
Es geht nicht um anstrengender, es geht darum daß man wenn man im Job nicht seine volle Leistung bringt den Job auch oft ganz schnell los ist. Auch geht es nicht um mal aufstehen wenn sie besonders müde ist. Das sollte klar drin sein, genau wie am Wochenende. Aber unter der Woche regelmäßig in der NAcht mehrmals geweckt werden, da kann man in den meisten Fällen die geforderte Leistung im Job nicht bringen, und wenn dann die Familie von der Sozialhilfe leben muß ist auch niemandem geholfen...

RikemitSohn
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon RikemitSohn » 15.04.2019, 22:46

Hallo Melly,

ich denke weiterhin, dass hier bei vielen mit zweierlei Mass gemessen wird. Eine chronisch müde Mutter kann auch unangenehme Konsequenzen haben. Wenn sie mit ihren Kindern total unkonzentriert durch den Stadtverkehr fährt, kann das sogar gefährlich sein. Es ist also nicht relevanter oder logischer, dass nur der Vater ein Recht auf Erhohlung hat. Beim Vater geht im schlimmsten Fall der Job verloren, bei der Mutter eventuell ein Kind. Beides ist sehr dramatisch dargestellt und tritt wahrscheinlich nicht ein.
Im Wechselmodell, wie von Larissa vorgeschlagen, kämen beide wahrscheinlich nicht in diese Lage, weil sie beide mal schlafen können. Ein Vater hat in diesem Jahrhundert Pflichten, die über die Geldanschaffung hinaus gehen und ich kenne viele, die das sehr gerne machen.
Mein Vater ist damals meistens nachts aufgestanden, weil er nur arbeiten musste und meine Mutter über Tag mehrere kleine Kinder versorgen musste. Ich stimme hier Gretchen auch zu, dass ein aufwändiges Kind oft deutlich anstrengender ist als ein Job. Kenne ich auch so.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

melly210
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon melly210 » 15.04.2019, 23:04

Hallo Melly,

ich denke weiterhin, dass hier bei vielen mit zweierlei Mass gemessen wird. Eine chronisch müde Mutter kann auch unangenehme Konsequenzen haben. Wenn sie mit ihren Kindern total unkonzentriert durch den Stadtverkehr fährt, kann das sogar gefährlich sein. Es ist also nicht relevanter oder logischer, dass nur der Vater ein Recht auf Erhohlung hat. Beim Vater geht im schlimmsten Fall der Job verloren, bei der Mutter eventuell ein Kind. Beides ist sehr dramatisch dargestellt und tritt wahrscheinlich nicht ein.
Im Wechselmodell, wie von Larissa vorgeschlagen, kämen beide wahrscheinlich nicht in diese Lage, weil sie beide mal schlafen können. Ein Vater hat in diesem Jahrhundert Pflichten, die über die Geldanschaffung hinaus gehen und ich kenne viele, die das sehr gerne machen.
Mein Vater ist damals meistens nachts aufgestanden, weil er nur arbeiten musste und meine Mutter über Tag mehrere kleine Kinder versorgen musste. Ich stimme hier Gretchen auch zu, dass ein aufwändiges Kind oft deutlich anstrengender ist als ein Job. Kenne ich auch so.

LG Rike
Klar kann eine müde Mutter auch Konsequenzen haben. Aber die Existenz verliert man dadurch nicht. Daß das Kind umkommt weil die Mutter müde ist halte ich für, sorry, extrem weit hergeholt, abgesehen vom Straßenverkehr. Da das Kind aber eh in keinen Kiga geht, muß sie es ja auch nirgends hinbringen. Den Job verliert man aber je nach Job durchaus leicht. Ich persönlich könnte meine Leistung unter solchen Voraussetzungen ganz sicher nicht bringen, und würde das auch von niemandem anderen erwarten. Das ist einfach eine Überforderung. Sowas geht kurzfristig, aber nicht längerfristig.
Ich würde meinen, wenn es ihr wie es ist zu anstrengend ist muß sie eben mehr Hilfe von außen annehmen. Kindergarten und Co, und in der Zeit eben nachschlafen. Es klingt für mich einfach so, als würden sie es schwer schaffen das Kind abzugeben, bzw irgendjemandem so weit zu vertrauen daß das Kind auch mal mehr als 2 Stunden versorgt wird. Da wurde ja dann gleich kritisch angemerkt, daß sie es nicht gut findet, wenn Kinder pflegbarer gemacht werden. Also macht sie es lieber alleine, und ist damit aber überfordert. Ich könnte mir auch vorstellen, daß ihr Mann so argumentiert. Und da hat er ja dann auch recht.
Aber ja, ich denke es wird sich jetzt mit der Schule wohl entspannen. In die Schule muß er ja, und er wird dort auch von Anderen essen und trinken annehmen müssen, sowie mehrere Stunden betreut werden.

Anjali
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Anjali » 16.04.2019, 07:48

Hallo Anja,

ob es eher Erleichterung oder Belastung wäre, sich zu trennen, kann wirklich nur sie selbst entscheiden (zumal da tatsächlich ja zu prüfen wäre, welche Hilfen ihr zustehen)

Eine sehr schlechte Partnerschaft kann einen noch zusätzlich belasten, so sehr, dass einem die Kraft für alles andere irgendwann ausgeht. Kraft, die eventuell noch da wäre, wenn sie alleinerziehend wäre. (Rein spekulativ natürlich. Aber ich glaube nicht, dass es mit Partner immer leichter ist)

Schönen Gruß,

GretchenM
Natürlich kann nur sie das entscheiden.
Sie hat nach unserer Meinung gefragt. Ich habe meine geäußert und dabei von (m)einem eher pragmatischen Standpunkt aus argumentiert.
Viele Grüße
Anja

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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon LasseUndJohannes » 16.04.2019, 19:50

Hi Larissa,
ich kenne deinen Mann natürlich nicht. Eventuell hat es bei ihm etwas mit "Besitzstand wahren" zu tun? Ich musste von Anfang an ran, auch nachts. Das hat mir meine Frau klargemacht. Wenn sie weniger stark gewesen wäre, dann hätte ich es wohl abgeblockt. Ich vermute, es ist ihm nicht klar, was du leistest. Er sieht es alles in deiner Verantwortung. Und wenn die Betreuung mal ausfällt, dann sieht er es halt auch in deiner Verantwortung. Wenn ich vergleiche, 8h Job oder 24h Kind, dann sage ich, dass 24h Kind eindeutig härter ist. Auch wenn es oft "läuft" und soweit ok ist. Dies deinem Mann zu vermitteln wird sicherlich schwer. Vielleicht versuchst du es langsam? Er hat sich mit der Situation eingerichtet und nun soll er "plötzlich" mehr übernehmen. Für ihn unerwartet. Für dich, weil du langsam erschöpft bist, dringend erforderlich. Ich hoffe ihr schafft das. Überlege dir, wie du ihm begreiflich machst, dass du sehr viel leistest und dass du nicht ewig so weitermachen kannst. Vielleicht auch, und das hat bei mir viel bewirkt, indem er selber die Erfahrung macht, wie sehr einen die Betreuung eines behinderten Kindes an seine Grenzen bringt.
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Regina Regenbogen » 17.04.2019, 09:48

Ich weiß wirklich nicht, wo in dem ET steht, dass der Mann so gar nichts macht.
Ich habe mir vor einigen Jahren erkämpfen müssen, dass mein Mann nach seiner Arbeit auch ein Paar Stunden alleine mit Kind verbringt und am WE und während seinem Urlaub nicht nur er Freizeit hat, sondern auch ich.....
.............
Seit ein Paar Jahren hilft er mir schon mehr mit Kind und macht ein wenig was im Haushalt
Ich bin immer noch der Meinung, dass die TE aufgrund akuter Erschöpfung einfach überreagiert. Wobei mir schleierhaft ist, warum gerade jetzt oder erst jetzt so ein Zeitdruck für Veränderungen auf ihr lastet, wenn das Kind in wenigen Monaten eingeschult wird.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

susi_muc
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon susi_muc » 17.04.2019, 10:58

Ein paar Monate können brutal lang sein, wenn man so erschöpft ist. Und für den Mann wäre es genau deshalb ja auch eine absehbare Zeit...
Susi mit großem Sohn (ASS+HB), großer Tochter (ASS, ADHS+HB), kleiner Tochter (auch irgendwie anders) und den Zwillingen (ganz normaler Zwillingswahnsinn - hoffe ich)

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GretchenM
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon GretchenM » 17.04.2019, 11:32

@ susi

Genausso sehe ich es auch. Es bringt genau gar keinem etwas, wenn sie jetzt völlig zusammenbricht, im Gegenteil. Wenn das passiert muss er nicht alle zwei Nächte raus, sondern jede Nacht. Ob er darüber schpn mal nachgedacht hat? Klingt nicht so.


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