Kleines Tief

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Michaela.Sandro
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Kleines Tief

Beitragvon Michaela.Sandro » 02.04.2019, 20:04

Hallo zusammen, ich habe gerade ein Tief und hoffe, dass es mir besser geht, wenn ich es mal loswerde. Ich hadere zurzeit damit, dass Sandro kaum Fortschritte macht und mir auch dadurch die großen Defizite bewusst werden. Ich habe das Gefühl, es geht nicht mehr viel weiter und dazu kommt, dass mir die Energie/Kraft fehlt, ständig zu fördern/fordern. Ich fühle mich etwas ausgeschlossen aus dem „normalen“ Leben, weil ich mein ganzes Leben nach Sandro richten muss. Ich stecke seit Jahren immer wieder zurück und versuche damit klarzukommen, was mir im Moment schwer fällt. Mein „Babysitter“ hat Momentan kaum noch Zeit, der Vater lässt sich in der letzten Zeit nur noch alle 6 bis 8 Wochen blicken und auch sonst habe ich wenig Entlastung. Ich weiß, dass solche Tiefs normal sind und wieder vergehen, aber das Aktuelle begleitet mich leider schon länger. Vielleicht könnt ihr mich ein wenig aufmuntern oder habt Ideen zur Überwindung von Tiefs. Lieben Gruß Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Dorit79
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Re: Kleines Tief

Beitragvon Dorit79 » 02.04.2019, 22:47

Liebe Michaela,

manchmal sind es die kleinen Dinge, die wir in unserem Alltag übersehen. Vielleicht erwarten wir Zuviel, denn nach Laufen lernen, sprechen lernen und eine gewisse Selbstständigkeit, fallen die kleinen Fortschritte nicht so sehr ins Gewicht. Und selbst wenn es vielleicht jetzt keine Fortschrittsphase ist, dann vielleicht später. Und wenn nicht, dann bleibt er doch trotzdem dein Schatz.

Hast du mal überlegt, eine Mutter-Kind-Kur zu machen? Sandro wäre betreut und du hast auch mal Zeit für dich. Oder hast du Familie, die dich unterstützen kann (Geschwister, Eltern)? Kannst du Sandros Vater mehr in die Verantwortung nehmen? Welche Art von mehr „Normalität“ wünscht du dir? Ich glaube, es ist wichtig, dass du deinem Wunsch nach etwas mehr „eigenem“ Leben Beachtung schenkst!

Ich wünsche dir ganz viel Kraft in dieser für dich sehr schwierigen Phase!

Liebe Grüße
Dorit

Anne-muc
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Re: Kleines Tief

Beitragvon Anne-muc » 03.04.2019, 08:29

Liebe Michaela,

ach ja ich bin derzeit ebenfalls in einem kleinen Tief (alle Therapeuten haben gerade auf einmal gekündigt und ich finde keine neuen, zudem fällt eine angestrebte Therapie im Mai weg).

Ich glaube der einzige Weg da „raus“ ist da „durch“ - „warum bin ich so genervt, von was genau und was kann ich ändern“. Kalenderspruchweisheiten eigentlich, aber so blöd diese Tiefs sind, so nützlich sind sie. Weil einem im Trott manchmal gar nicht auffällt, dass man Dinge auch anders machen könnte.

Wie wäre es, wenn du als erstes eine Babysitteralternative suchst? Über FED, Aushänge, Internetsuche nach Vermittlern... ich drück dir die Daumen. Wenn du erstmal weißt was du ändern willst und dann aktiv wirst, wird es langfristig hoffentlich wieder besser. Wenn du entlastet bist, kannst du „deine Themen“ vielleicht wieder besser bearbeiten (Enttäuschung, Erwartungen, etc). Wenn ich müde und kraftlos bin, scheint mir alles dunkler als wenn ich mal Zeit für mich hatte.

Alles Gute!

Viele Grüße Anne
Anne mit Tochter (*09/2013, Vorzeitige Plazentalösung, dadurch Asphyxie, ICP, Epilepsie)

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Re: Kleines Tief

Beitragvon Frida-Martha » 03.04.2019, 13:10

Ein Kurzzeitpflege-Wochenende vielleicht? Ich kann 100% nachfühlen, wie es Dir geht. Man vereinsamt durch die ständige aufopferungsvolle Pflege auch. Vielleicht wäre das was: Mal ein Kurzzeitpflege-Wochenende organisieren, in der Nähe ein Hotelzimmer nehmen und einfach nur im Bett liegen, chillen, lesen, baden oder auch Essen gehen, Kino, wandern, was auch immer....einfach mal was für sich selbst tun...
Hast Du Entlastung durch einen Pflegedienst oder stundenweise Verhinderungspflege? Mitfühlende Grüße!
Ich wünsche uns allen einen schönen Tag :)

MaxMama
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Re: Kleines Tief

Beitragvon MaxMama » 04.04.2019, 07:33

Guten Morgen!

Ich finde, Du hast richtig gute Vorschläge bekommen.

Du sagst, Du fühlst dich von der Normalität ausgeschlossen, was für mich 2 Aspekte beinhaltet. Zum Einen, dich, als Frau.

Der Aspekt "sorge gut für dich" ist elementar. Ob Wochenende, Kur, neuer Babysitter- hauptsache Du tust was Schönes für Dich! Du solltest nicht als Frau vom Leben ausgeschlossen sein!

Ich lese aber noch einen zweiten Aspekt heraus, nämlich das Bedauern, dass Du ausgeschlossen bist aus der "Familien-Normalität ".
Ich glaube Du meinst damit -neben dem Aspekt, dass Du als Frau vom Leben ausgeschlossen bist- auch das "normale" Familienleben mit gesunden Kindern, Einschulung, Übernachtungspartys, dem ersten Fußballturnier...?? Oder?
Ich glaube, damit hadert jeder hier mal.

Mein besonderes Kind ist anders betroffen, nichts desto trotz weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man gewisse Dinge einfach nicht machen kann. Und für jede andere Mutter ist das total normal.
Krabbelgruppe, Kinderturnen, Schwimmen, nicht mal Spielplatz ging.
Die Geschichte von der Reise nach Holland hat mich immer sehr getröstet und der Kontakt zu anderen Eltern mit besonderem Kind.
Das Leben ist fraglos ein anderes, aber kein Schlechteres.

Gibt es bei Euch Angebote für Familien mit besonderen Kindern? Austausch mit anderen Eltern? Gemeinsame Freizeitaktivitäten?

Vielleicht vereint die Idee mit der Kur auch beide Aspekte? Zumindest als Initialzündung... andere, auch betroffene Eltern, Zeit für Dich..

Ganz liebe Grüße!

Michaela.Sandro
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Re: Kleines Tief

Beitragvon Michaela.Sandro » 04.04.2019, 11:26

Hallo zusammen, ich schätze, mein Tief ist eine Mischung aus all dem, was ihr aufgeführt habt und aus welchem Grund auch immer, kommen die trüben Gedanken jetzt alle zeitgleich. Ich versuche immer, auch die positiven Dinge/Situationen zu sehen - ja, die gibt es - und mir klar zu machen, was alles ok/gut ist in meinem Leben, aber manchmal reicht das nicht. Ich weiß, dass ich aktiv werden muss und z.B. mit meinem "Babysitter". Ich werde das Gespräch mit ihm suchen, die Perspektiven in nächster Zeit abfragen und muss im Zweifelsfall wirklich neu suchen, obwohl mir das schwer fällt, weil Sandro sehr an ihm hängt, er echt nett ist und auch einen guten Job macht. Ich habe noch einen guten Freund und Sandros Tante, die mir Sandro schon mal abnehmen, werde sie ansprechen und erklären, dass ich zurzeit etwas Hilfe brauchen könnte. Mein Gefühl des ausgeschlossen sein bezieht sich weniger auf "normales Familienleben" als mehr darauf, dass ich keine Chance habe, etwas spontan/kurzfristig zu machen und alles ewig planen/organisieren muss, was auch meine Freunde/Bekannte belastet, weil sie nie wissen, ob sie mich überhaupt fragen sollen oder das nur zu Frust führt. Es nervt mich halt auch, dass Sandro so wenig eigenständig kann, ich ständig helfen muss und er auch kaum mitdenken kann und ich so seit Jahren beinahe gleichbleibend ein Kleinkind betreue, obwohl er schon 12 Jahre alt ist. Mutter-Kind-Kur ist nicht angedacht, aber ich habe die Genehmigung einer Reha für Sandro, mal sehen, wann die stattfindet und ob mir dort auch ein wenig geholfen wird. Ich denke, das Tief wird auch irgendwie wieder vorbei gehen und manchmal hat man wirklich nur die Chance, das Ende des Tiefs abzuwarten und sich daran zu erinnern, dass es nicht das erste Mal ist. Vielen lieben Dank für Eure Aufmunterungen/Anregungen und dafür, dass ihr es gelesen habt! Lieben Gruß Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!


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