Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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Nina13
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Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 27.03.2019, 20:17

Hallo zusammen!

Ich habe eine Spastik in den Beinen bei Z. n. Frühgeburt mit Hirnblutung. Bin 168 cm groß und wiege ca. 48 kg. Das Essverhalten ist normal. Eine Kollegin meinte heute, die zierliche Statur würde mit der Spastik zu tun haben, weil sich die Muskeln ja ständig an- und entspannen, obwohl ich nicht den aktiven Befehl dazu gebe.

Ihre Verwandtschaft hat Zwillinge, die auch zu früh geboren wurden, Spastiken haben und schmächtig sind.

Die Schilddrüse habe ich mir letztes Jahr erst überprüfen lassen. Da war zum Glück nichts auffällig.

Ist es der schnelle Stoffwechsel (der sich später oft ändert) oder hat es doch etwas mit der Spastik zu tun? Kennt jemand das Phänomen und kann mir weiterhelfen?

Danke für Eure Antworten!

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

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Jörg75
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Jörg75 » 27.03.2019, 20:24

Hallo Nina,

ein "spastischer" Muskel ist ja letztlich ständig "in action" und verbrennt daher Energie. Insofern kann ich mir schon vorstellen, dass die Spastik zu einem höheren Grundumsatz führt und daher bei gleicher Nahrungsaufnahme weniger "angesetzt" wird.

Allerdings sind nach meinen Erfahrungen viele Extremfrühchen - auch ohne Spastik - eher schmächtig. Ich kenne da einige Beispiele ...

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 27.03.2019, 21:45

Jörg75 hat geschrieben:Hallo Nina,

ein "spastischer" Muskel ist ja letztlich ständig "in action" und verbrennt daher Energie. Insofern kann ich mir schon vorstellen, dass die Spastik zu einem höheren Grundumsatz führt und daher bei gleicher Nahrungsaufnahme weniger "angesetzt" wird.

Allerdings sind nach meinen Erfahrungen viele Extremfrühchen - auch ohne Spastik - eher schmächtig. Ich kenne da einige Beispiele ...

Gruß
Jörg




Hallo Jörg!

Interessant wäre, ob z. B. durch Botox Typ A, eine Gewichtszunahme möglich ist, weil das Medikament die Ausschüttung der fehlerhalten Signale hemmt und die Spastik lindert.

Ich kenne auch ein Extremfrühchen (27. SSW.), das ein normales Gewicht hat und im Rollstuhl sitzt. Vielleicht hat es trotzdem mit Bewegung zu tun? Ich bin Arzthelferin und muss abwechselnd stehen und sitzen. Sport mache ich jedoch nicht.

Liebe Grüße

Nina
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Jörg75 » 27.03.2019, 22:24

Hallo Nina,

unser K. hat eine ganze Zeit Botox in die Adduktoren gespritzt bekommen. Ich konnte keinen Zusammenhang zwischen dem Botoxen und der Gewichtsentwicklung erkennen (aber das ist letztlich vor allem "Gefühl" und es waren auch "nur" die Adduktoren, die gespritzt wurden).

Gruß
Jörg
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 27.03.2019, 22:35

Jörg75 hat geschrieben:Hallo Nina,

unser K. hat eine ganze Zeit Botox in die Adduktoren gespritzt bekommen. Ich konnte keinen Zusammenhang zwischen dem Botoxen und der Gewichtsentwicklung erkennen (aber das ist letztlich vor allem "Gefühl" und es waren auch "nur" die Adduktoren, die gespritzt wurden).

Gruß
Jörg



Hallo Jörg!

Hat das Botox gut geholfen? Ich denke nämlich auch darüber nach, Oberschenkel und Waden damit behandeln zu lassen, damit die Schmerzen vielleicht endlich weniger werden ...

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Jörg75 » 27.03.2019, 22:35

Hallo Nina,

also ... wir haben das Botox in Lachgas-Rauschnarkose spritzen lassen. Das lindert die Schmerzen und lässt das Kind die Schmerzen hinterher "vergessen" (retrograde Amnesie) - ist aber trotzdem eine Plackerei für die Beteiligten (mind. 3 Personen - einer für die Atemmaske, einer zum Halten und einer zum Spritzen), sieht bei einem Erwachsenen vielleicht anders aus ;-)

Das Botox braucht so ne knappe Woche, bis es die Wirkung aufgebaut hat, nach zwei weiteren Monaten verliert es wieder seine Wirkung, bis nachgespritzt werden muss - bei K. wirklich jedes Quartal, um eine einigermaßen konstante Wirkung zu haben. Das sind unsere Erfahrungen ... bei längerem Gebrauch soll es dazu kommen, dass es nicht mehr (so gut) wirkt, das konnten wir nicht feststellen, aber wir haben auch letztlich "nur etwas über 2 Jahre" spritzen lassen. Nach den jetzigen Hüft-OP's wird es aktuell nicht (mehr) für nötig gehalten.

Gruß
Jörg
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon NinaP » 27.03.2019, 23:28

Hallo Nina,

genau so hat es uns einmal ein Neurologe erklärt. Er meinte, dass das Kind (damals 1,5 Jahre alt) einen erhöhten Kalorienverbrauch hat und ca. eineinmal so viel Kalorien bräuchte wie normal entwickelte Kinder, einfach, weil die Spastik so viel Energie "wegfrisst". Für mich klang das logisch.

Ich gehe mal davon aus, dass das auch bei Dir als Erwachsene grundsätzlich noch stimmt. Füttert man Deine Daten in einen gängigen Online-Kalorienrechner, so kommt ein täglicher Kalorienbedarf von um die 2000 Kalorien pro Tag heraus. Davon das 1,5-fache sind dann etwa 3000 Kalorien, das müsste etwa dem Bedarf eines entsprechenden Mannes entsprechen...

Viel Erfolg beim Zunehmen!

Viele Grüße
NinaP

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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Lydiah » 27.03.2019, 23:46

Hallo Nina,

ich habe viele Jahre als Trainerin gearbeitet und wir hatten immer mal wieder Kunden, die zunehmen wollten/mussten und bei denen das sehr schwierig war. Der ultimative Tipp unter Fitnesssportlern dazu sind Haferflocken. Mir konnte nie jemand so recht erklären, wieso das so ist, und ich kann dir auch nicht sagen, ob es stimmt. Aber vielleicht ist es einen Versuch wert? Sind ja auch recht gesund... Fakt ist aber auch, dass es von den untergewichtigen Kunden kaum jemand schaffte, relevant zuzunehmen. Es ging nur über Muskelmasse (sprich richtiges, knallhartes Krafttraining), und da auch sehr zäh und unter großem Einsatz. Zunehmen bei Untergewicht ist also deutlich schwieriger als Abnehmen bei Übergewicht.

Herzliche Grüße
Lydia
____
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Ullaskids
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Ullaskids » 28.03.2019, 05:31

Hallo,
unsere Tochter verbraucht viel Energie durch unwillkürliche Bewegungen (keine Spastik, aber auch eine Bewegungsstörung). Sie isst so schon deutlich mehr als ihre normalgewichtige, 10cm größere große Schwester.
Eine Gewichtszunahme, die das Wachstum mehr als ausgleicht, bekommen wir aber erst hin, seit wir ihr hochkalorische Nahrung (Nutrini Drinks) geben. Die gibt es, zumindest bei Kindern, auf Rezept und in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Trotzdem ist das Projekt „zunehmen“ auf Jahre ausgelegt ;)
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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Nina13
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 28.03.2019, 09:04

Jörg75 hat geschrieben:Hallo Nina,

also ... wir haben das Botox in Lachgas-Rauschnarkose spritzen lassen. Das lindert die Schmerzen und lässt das Kind die Schmerzen hinterher "vergessen" (retrograde Amnesie) - ist aber trotzdem eine Plackerei für die Beteiligten (mind. 3 Personen - einer für die Atemmaske, einer zum Halten und einer zum Spritzen), sieht bei einem Erwachsenen vielleicht anders aus ;-)

Das Botox braucht so ne knappe Woche, bis es die Wirkung aufgebaut hat, nach zwei weiteren Monaten verliert es wieder seine Wirkung, bis nachgespritzt werden muss - bei K. wirklich jedes Quartal, um eine einigermaßen konstante Wirkung zu haben. Das sind unsere Erfahrungen ... bei längerem Gebrauch soll es dazu kommen, dass es nicht mehr (so gut) wirkt, das konnten wir nicht feststellen, aber wir haben auch letztlich "nur etwas über 2 Jahre" spritzen lassen. Nach den jetzigen Hüft-OP's wird es aktuell nicht (mehr) für nötig gehalten.

Gruß
Jörg


Hallo Jörg!

Ich dachte mir schon, dass die Spritzen alles andere als "angenehm" sind, besonders für kleine Kinder. Erstmal werden es natürlich mehr Schmerzen sein (durch die Injektion und evtl. durch gerötete und empfindliche Einstichstellen). Wenn es danach besser ist mit der Spastik und das Laufen etwas runder aussieht, hat sich das Quälen für ein paar Monate gelohnt. :wink:

Klar, dass das Botox etwas Zeit braucht, um sich im Muskel zu verteilen und seine Wirkung zu entfalten. Wann wie oft nachgespritzt werden muss, hängt wahrscheinlich auch von der Schwere der Symptome ab und wie schnell der Körper das Medikament wieder abbaut ... Toll, dass K. kein Botox mehr braucht.

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html


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