Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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Alexandra2014
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Alexandra2014 » 28.03.2019, 09:36

Hallo Nina,

ich war als (gesundes) Kind, Jugendliche und Erwachsene immer sehr dünn. Auf die Größe bezogen, hatte ich noch weniger als du (48kg auf 1,73m). Ich konnte essen was ich wollte (gerne auch Schokolade) und wurde oft für magersüchtig gehalten, was mich sehr belastet hat.

Bei mir lag es tatsächlich nur am Stoffwechsel - ich habe immer gesagt, ich habe ein Fallrohr... :lol:
Nach der Schwangerschaft hat sich das bei mir erst geändert. Jetzt bin ich immer noch sehr schlank mit 58 kg, aber immerhin sind es 10 kg mehr.

Ich kenne auch einen Teenie, der eine ausgeprägte spastische Hemiparese hat. Er war und ist leicht übergewichtig, war noch nie wirklich schlank.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Nina13
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 28.03.2019, 09:52

NinaP hat geschrieben:Hallo Nina,

genau so hat es uns einmal ein Neurologe erklärt. Er meinte, dass das Kind (damals 1,5 Jahre alt) einen erhöhten Kalorienverbrauch hat und ca. eineinmal so viel Kalorien bräuchte wie normal entwickelte Kinder, einfach, weil die Spastik so viel Energie "wegfrisst". Für mich klang das logisch.

Ich gehe mal davon aus, dass das auch bei Dir als Erwachsene grundsätzlich noch stimmt. Füttert man Deine Daten in einen gängigen Online-Kalorienrechner, so kommt ein täglicher Kalorienbedarf von um die 2000 Kalorien pro Tag heraus. Davon das 1,5-fache sind dann etwa 3000 Kalorien, das müsste etwa dem Bedarf eines entsprechenden Mannes entsprechen...

Viel Erfolg beim Zunehmen!

Viele Grüße
NinaP


Hallo Nina!

Für mich ist das auch logisch. Wahnsinn, dass ich aufgrund der Spastik ca. das 1,5-Fache an Kalorien reinhauen müsste, um zuzunehmen. Demnächst werde ich die Frage nochmal dem Arzt stellen, der mich in einer Klinik für Gangstörungen seit Ende 2017 behandelt. Ich bin gespannt, wie er darüber urteilt.

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

Meine Vorstellung: https://www.REHAkids.de/ftopic134719.html

Nina13
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 28.03.2019, 10:02

Lydiah hat geschrieben:Hallo Nina,

ich habe viele Jahre als Trainerin gearbeitet und wir hatten immer mal wieder Kunden, die zunehmen wollten/mussten und bei denen das sehr schwierig war. Der ultimative Tipp unter Fitnesssportlern dazu sind Haferflocken. Mir konnte nie jemand so recht erklären, wieso das so ist, und ich kann dir auch nicht sagen, ob es stimmt. Aber vielleicht ist es einen Versuch wert? Sind ja auch recht gesund... Fakt ist aber auch, dass es von den untergewichtigen Kunden kaum jemand schaffte, relevant zuzunehmen. Es ging nur über Muskelmasse (sprich richtiges, knallhartes Krafttraining), und da auch sehr zäh und unter großem Einsatz. Zunehmen bei Untergewicht ist also deutlich schwieriger als Abnehmen bei Übergewicht.

Herzliche Grüße
Lydia


Hallo Lydia!

Die Kunden, die Du beschreibst, waren (außer dem Untergewicht) sicherlich gesund, bzw. hatten keine Spastik, die ja ständig Kalorien verbraucht. Das macht es so schwierig, zuzunehmen. Fitnesssport mache ich auch nicht, mir geht es eher darum, die Muskulatur erstmal weich zu bekommen, damit ich sie dehnen kann. Das ist oft nicht einfach, wenn der Wiederstand so hoch ist, weil die Muskeln nicht locker lassen können. Knallhartes Krafttraining ist daher bestimmt nicht optimal ...

Liebe Grüße

Nina
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Nina94
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina94 » 28.03.2019, 10:48

Hallo Nina,

aus meinen Erfahrungen bis jetzt kann ich sagen, du hast recht in der Annahme, dass die Spastik "Schuld" an der geringen Gewichtszunahme sein kann. Wie schon angemerkt ist der Verbrauch an Kalorien im direkten Vergleich höher. Es ist dabei aus eigener Erfahrung jedoch kalorientechnisch ein gewaltiger Unterschied, ob der Tag laufend oder im Rollstuhl verbracht wird. Die Schwere der Betroffenheit spielt natürlich ebenfalls eine Rolle.
Zum Thema Botox wollte ich dir meine Erfahrungen und die Erklärung meines Arztes mal an die Hand geben. Ich selber bekomme jetzt seit einem Jahr Botox in die Oberschenkel gespritzt. Die Spastik verringert sich, bei mir nach 2-3 Tagen, merklich.
Erklärung vom Arzt, durch die Injektion werden die betroffenen Nerven geschädigt, sodass die Signale an diese Nerven kaum bis gar nicht mehr transportiert werden können. Das Botox ist nach circa einer Woche wieder abgebaut, aber die Nerven benötigen länger um sich vollständig zu regenerieren.

Karin2308
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Karin2308 » 28.03.2019, 13:33

Das frage ich mich auch schon länger...
Mein 6-jähriges Kind (Frühchen 24 SSW, Spastik etc.) ist auch sehr schmächtig und klein. Uns wurde seitens der Ärzte auch schon erklärt, dass er mehr Kalorien braucht als andere Kinder. Er isst meistens eine normale Menge, mal mehr- mal weniger. Gerne Fett und Kohlenhydrate. Allerdings wächst er trotzdem nicht richtig. Viele 4 jährige Kinder haben ihn schon überholt.
Ich bin gerade in der Überlegungsphase, ob wir mal ärztlichen Rat wegen hochkalorischer Nahrung oder Wachstumshormonen etc. aufnehmen sollen. Aber irgendwie vertraue ich noch darauf, dass der Körper sich schon selber um die nötige Nahrung kümmert.
Ich bin gespannt auf eure Erfahrung.

Schöne Grüße

Sinale
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Sinale » 28.03.2019, 13:36

Hallo Nina,

ich war Frühchen, in der Kindheit und Jugend immer zu dünn. die Menschen in meiner Umgebung sorgten sich deshalb und forderten mich immer wieder auf, mehr zu essen. Ich hingegen habe mich wohl gefüllt, auch keinen Mangel gelitten. Seit ich in den Dreisigern war, nahm ich zu und habe leider auch aktuell Übergewicht, wenngleich ich, wie die Menschen in meiner Umgebung mir mitteilen, wenig esse.

Mein Rat aus eigener Erfahrung demnach: Solange es dir mit deinem Gewicht gut geht, sorge dich nicht und ändere auch Nichts an deinem Essverhalten. Solange der Körper dünn/normalgewichtig ist, fallen Bewegungen mit Spastik viel leichter, als mit Übergewicht.
Viele Grüße
Sinale

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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Sinale » 28.03.2019, 13:47

Hallo Karin,

bitte mache dir keine Sorgen und gebe ihm keinesfalls hochkalorische Nahrung. Kleinere Kinder haben, solange dies von Außen nicht bewertet wird ein sehr gutes Gefühl, dessen, was und welche Menge sie essen. Du beschreibst dies von ihm auch sehr gut. Er wird sicher auch noch ohne zutun zunehmen und es ist auch möglich dass er noch einen richtig starken Wachstumsschub bekommt.
Viele Grüße

Sinale



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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 28.03.2019, 19:29

Ullaskids hat geschrieben:Hallo,
unsere Tochter verbraucht viel Energie durch unwillkürliche Bewegungen (keine Spastik, aber auch eine Bewegungsstörung). Sie isst so schon deutlich mehr als ihre normalgewichtige, 10cm größere große Schwester.
Eine Gewichtszunahme, die das Wachstum mehr als ausgleicht, bekommen wir aber erst hin, seit wir ihr hochkalorische Nahrung (Nutrini Drinks) geben. Die gibt es, zumindest bei Kindern, auf Rezept und in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Trotzdem ist das Projekt „zunehmen“ auf Jahre ausgelegt ;)


Hallo Ulla!

Ich würde auch von den Drinks abraten. Mir wird immer gesagt, dass sich der Stoffwechsel mit den Jahren verändert. Das kann ich irgendwie nicht so richtig glauben, denn die Spastik wird ja nicht besser, sondern eher schlechter.

Ich wünsche Deiner Tochter Alles Gute!

Liebe Grüße

Nina
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 28.03.2019, 19:45

Alexandra2014 hat geschrieben:Hallo Nina,

ich war als (gesundes) Kind, Jugendliche und Erwachsene immer sehr dünn. Auf die Größe bezogen, hatte ich noch weniger als du (48kg auf 1,73m). Ich konnte essen was ich wollte (gerne auch Schokolade) und wurde oft für magersüchtig gehalten, was mich sehr belastet hat.

Bei mir lag es tatsächlich nur am Stoffwechsel - ich habe immer gesagt, ich habe ein Fallrohr... :lol:
Nach der Schwangerschaft hat sich das bei mir erst geändert. Jetzt bin ich immer noch sehr schlank mit 58 kg, aber immerhin sind es 10 kg mehr.

Ich kenne auch einen Teenie, der eine ausgeprägte spastische Hemiparese hat. Er war und ist leicht übergewichtig, war noch nie wirklich schlank.

Gruß
Alex


Hallo Alex!

Essen kann ich auch alles (Gummibärchen, Schokolade, ect.) und halte mein Gewicht seit Jahren. In der Ausbildung war ich in einer Praxis, in der wir von den Patienten immer sehr viel Süßes als "Dankeschön" bekamen. Meine Kollegin meinte: "Wenn Du nach drei Jahren hier ´rausgehst, hast Du zehn Kilo mehr auf den Rippen!" Da lag sie jedoch falsch.

Ich weiß nicht, ob es bei mir tatsächlich an der Spastik liegt, oder ob ein rasender Stoffwechsel die Ursache ist. Vielleicht spielt auch beides zusammen?

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

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Nina13
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Re: Kann eine Spastik schuld an einer geringen Gewichtszunahme sein?

Beitragvon Nina13 » 28.03.2019, 20:11

Nina94 hat geschrieben:Hallo Nina,

aus meinen Erfahrungen bis jetzt kann ich sagen, du hast recht in der Annahme, dass die Spastik "Schuld" an der geringen Gewichtszunahme sein kann. Wie schon angemerkt ist der Verbrauch an Kalorien im direkten Vergleich höher. Es ist dabei aus eigener Erfahrung jedoch kalorientechnisch ein gewaltiger Unterschied, ob der Tag laufend oder im Rollstuhl verbracht wird. Die Schwere der Betroffenheit spielt natürlich ebenfalls eine Rolle.
Zum Thema Botox wollte ich dir meine Erfahrungen und die Erklärung meines Arztes mal an die Hand geben. Ich selber bekomme jetzt seit einem Jahr Botox in die Oberschenkel gespritzt. Die Spastik verringert sich, bei mir nach 2-3 Tagen, merklich.
Erklärung vom Arzt, durch die Injektion werden die betroffenen Nerven geschädigt, sodass die Signale an diese Nerven kaum bis gar nicht mehr transportiert werden können. Das Botox ist nach circa einer Woche wieder abgebaut, aber die Nerven benötigen länger um sich vollständig zu regenerieren.


Hallo Nina!

Ja, die Spastik hat leider (neben Schmerzen, Muskelsteifheit und einem unrunden, fast roborterähnlichem Gangbild) noch andere "Schattenseiten", wie z. B. die mangelnde Gewichtszunahme. Wenn die Muskulatur durch Fehlsignale aus dem Gehirn in einen dauerhaften Spannungszustand versetzt wird, braucht das natürlich viel Energie. Die holt sich der Körper gleich aus der Nahrung, die ich zu mir nehme. Das hört sich ziemlich schlüssig an. Ich kann Gott sei Dank laufen und würde sagen, dass ich eher leicht betroffen bin.

Schön, dass Deine Spastik durch Botox weniger wird. Ich dachte, durch das Spritzen wird nur die Reizweiterleitung gehemmt. Dass es Nerven schädigt, wusste ich nicht. :shock: In ca. vier Wochen habe ich einen Termin in einem neuroorthopädischen Zentrum. Da werde ich den Arzt mal ausfragen und hoffentlich endlich die richtige Lösung für mich finden. Eine Frage fällt mir noch ein: Wird die Botoxbehandlung bei Dir von der Kasse übernommen? Ich habe mich im Internet versucht, schlau zu machen und herausgefunden, dass es nur bei ganz bestimmten Einzelfällen bzw. Krankheiten von der KK gezahlt wird - zumal sollen die regelmäßigen Therapien mehrere hundert Euro kosten ... :(

Liebe Grüße

Nina
Ich: Geboren im Februar 1999, ehemaliges Extremfrühchen (26. SSW, 800 g.), Z. n. Hirnblutung und Intubation, spastische diplegische Zerebralparese, Gangstörung (Kauergang), Gleichgewichtsprobleme, pathologischer Nystagmus, Kurzsichtigkeit, schielen, Redeflussstörung (stottern).

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