Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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JohannaG
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Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon JohannaG » 22.03.2019, 23:07

Hallo liebe Leute,

ich weiß gar nicht, in welchen Bereich meine Frage gehört - darum mal in "allgemein".

Es geht um meine 14jährige Adoptivtochter. Bei ihr ist sicher diagnostiziert FAS, Bindungsstörung und Rheuma. Mehrmals in ihrer Karriere ist sie komplett neurologisch durchgecheckt worden, dabei gab es auch mehrere "auffällige EEGs", aber immer mit der Versicherung, ich solle mir keine Sorgen machen, das sei keine Epilepsie und sie werde auch keine entwickeln.

Schon von klein auf hat sie aber immer wieder Zustände, in denen sie einfach "weg" ist. Da regiert sie nicht mehr auf Ansprache. Als kleine zog sie sich einfach nur innerlich zurück und bekam einen ganz leeren Blick, sehr oft lutschte sie dabei auch an ihren Fingern. Das wurde damals als "Dissoziationen" bezeichnet - auch durchaus naheliegend, sie hat ein hartes erstes Lebensjahr erlebt. Das Verhalten trat fast immer dann auf, wenn irgend etwas sie vorher sehr gestreßt hatte (andere Kinder, zu viele Veranstaltungen, laute Musik,..... konnte alles möglichs sein, aber auf jeden Fall war klar: Streß). In den letzten Jahren hat sich dieses Verhalten sehr reduziert, und ich dachte: ok, es ist eine psychische Geschichte, aber sie ist auf einem guten Weg

Nun mehren sich aber seit ca 1 Jahr wieder ihre "Aussetzer", allerdings anders als früher. Jetzt ist es so, daß sie von jetzt auf gleich "geistig nicht mehr anwesend" ist. Sie bekommt einen leeren Blick, fängt an, Brummgeräusche zu machen und flattert mit den Händen, manchmal fängt sie auch an, Sachen zu werfen. Nicht zielgerichtet, sondern einfach nur aus dem Handgelenk raus werfen (leichte Sachen, Stifte oder so was). Ist sie in so einem Zustand, kann man sie nur sehr schwer rausholen. Das kann wenige Minuten dauern, kann aber auch bis zu 1 Std anhalten. Dann, wiederum ohne äußerlich ersichtlichen Grund, hört es wieder auf und sie ist wieder so normal wie es eine 14jährige mit FAS eben sein kann. Versucht man mit Nachdruck, sie aus diesem Zustand rauszuholen, wird sie aggressiv.
Ich habe versucht, dafür Trigger zu finden. Oft passiert es, wenn es in ihrer Umgebung zu unruhig ist (Kinder, die schreien; belebte Plätze, oder, ganz böse: Jahrmarkt). Nach längerem Film-Schauen oder Nutzung elektronischer Medien kann das aber auch passieren. Sehr oft aber auch einfach so, ohne daß es dafür einen ersichtlichen Grund gibt.

Kann sich irgend jemand vorstellen, was da dahinter steckt? Pubertät halt? FAS-typische Überforderung, die sie auf diesem Weg abreagiert? Oder doch ein Zusammenhang mit den "auffälligen EEGs"? Gibt es überhaupt epileptische Formen, die sich so äußern? (Hoffentlich nicht....)

Herzliche Grüße,

Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
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Alexandra2014
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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon Alexandra2014 » 23.03.2019, 08:37

Hallo!

Dieses Wegtreten mit leerem Blick tritt bei Absencen auf. Allerdings passt das Brummen, aggressiv werden und Händeflattern nicht dazu. Vielleicht sind es unterschwellige Anfälle - Auren - gegen die sie versucht anzukämpfen.

Beim Autismus gibt es sowas, nennt sich Stimming. In stressigen Situationen (Überreizung) versuchen die Kinder so, wieder runterzufahren. Dazu passen auch die Aggressionen, wenn du es beenden willst. Mit FAS kenne ich mich leider so gut wie gar nicht aus, deswegen weiß ich nicht, ob es dort begründet sein kann.

Diese Aussage „ja das EEG ist auffällig, aber eine Epilepsie wird sie nie entwickeln“ finde ich allerdings sehr fragwürdig. Selbst bei völlig unauffälligem EEG ist solch eine Aussage unseriös.
Ich würde das Ganze wohl in einer anderen Klinik nochmals abklären lassen.

Gruß
Alex
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JohannaG
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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon JohannaG » 23.03.2019, 20:00

Hallo Alexandra,

danke dir für deine Rückmeldung. Tja, mit FAS ist das so eine Sache, die Kinder haben oft schon Verhaltensweisen drauf, die an autistische Kinder erinnern. Wenn dieses seltsame Verhalten immer aus Streß und Überforderung heraus entstehen würde - dann wäre es für mich auch mit "Stimming" oder so was ähnlichem halt auch erklärbar. Aber es passiert eben auch aus heiterem Himmel.
Aber zu Absencen paßt dann doch wieder die Dauer nicht, denke ich. es dauert ja mehrere Minuten bis zu einer Stunde. Sind Absencen nicht immer von sehr kurzer Dauer?

LG Johanna
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Alexandra2014
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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon Alexandra2014 » 23.03.2019, 20:11

Hallo Johanna,

ich schrieb ja, dass es zu Absencen nicht wirklich passt. Aber Auren und einfach fokale Anfälle können schon so lange dauern.

Gruß
Alex
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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon JohannaG » 23.03.2019, 21:02

Hallo Alex,

äh....ja. Hast du geschrieben, stimmt. Wer lesen kann ist klar im Vorteil...
Ich werde dem nachgehen. Bei zwei Kindern, wie es scheint. Seufz.

LG Johanna
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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon Bika » 24.03.2019, 01:31

Hallo,

Könnte das in die Richtung eines katatonischen Zustandes gehen?
Hat deine Tochter ein frühkindliches Trauma erlebt?

https://medlexi.de/Katatonie

LG

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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon sandra8374 » 24.03.2019, 08:26

Ich würde das Kind bei Frau Dr. Landgraf in München vorstellen.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon JohannaG » 24.03.2019, 22:04

Hallo Sandra, da waren wir schon. Frau Dr Landgraf hat die Diagnose gestellt. Meinst du, die kann zu dem Thema noch weiter hilfreiches sagen? LG Johanna
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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon sandra8374 » 25.03.2019, 02:21

Ich denke ja. Sie baut ja grade ein Kompetenzzentrum neu auf dort. Und wenn sie selber nicht, kennt sie bestimmt einen Experten.
LG Sandra



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Re: Merkwürdige "Anfälle" bei FAS-Kind

Beitragvon JohannaG » 25.03.2019, 22:27

Hallo Bika,
hab gerade gesehen, daß du auch was geschrieben hast. Ja, meine Tochter hat ein frühindliches Trauma erlitten. Aber nach katatonischem Zustand hört sich das dennoch nicht an, so extrem ist es nicht. Es wurde früher öfter als "dissoziativer Zustand" bezeichnet, was für mich auch nachvollziehbar ist, wenn es Resultat von Streß ist. Mich irritiert nur, daß es jetzt immer öfter auch einfach so passiert. Aber wer weiß, vielleicht ist das dann auch eine verspätete Reaktion auf Streß?
LG Johanna
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