Sohn 3, entwicklungsverzögert ohne Diagnose

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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MamaEmiljan
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Sohn 3, entwicklungsverzögert ohne Diagnose

Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 13:15

So nun habe ich bereits schon eine Weile mitgelesen und möchte uns vorstellen.
Wir sind Mama,Papa und Söhnchen und leben mit unseren 2 Hunden in der Nähe von Berlin.

Die Schwangerschaft war komplikationslos. Die Geburt endete mit einer Saugglocke nach Geburtsstillstand. APGAR 9 9 10. Stillen problemlos . 6 Monate voll und begleitend bis 24 Monate.

Auffällig wurde unser Sohn (für uns, für die Ärztin alles normal) zur U7 mit 2 Jahren. Meiner Meinung nach hatte unser Sohn zu diesem Zeitpunkt kein Sprachverständnis ohne visuelle Hilfe und Gestik unsererseits. Und damit auch keine aktive Sprache.Er war aber stets bemüht unsere Wünsche zu erfüllen.Er hat motorisch nicht imitiert und konnte zwar einen Turm bauen aber nur mit Anleitung. Grobmotorisch sehr unsicher. Klettern und Schaukeln nur mit Hilfe und absoluter Versicherung dass ich bei ihm bleibe.
Motorisch war er ein Spätzünder aber alles im Rahmen. Drehen mit 6 Monaten, robben mit 8 Monaten, krabbeln sitzen und hochziehen mit 11 Monaten. Laufen lernte er dann mit 17 Monaten. Er war ein ausgesprochenes liebes Baby, hat gerne gekuschelt, Blickkontakt, guter Esser und Schläfer. Spielen am liebsten mit Mama und Papa. Man konnte und kann ihn überall mit hinnehmen. Er liebt Ausflüge. Er liebt unsere Hunde. Fremden gegenüber ist er schüchtern. Taut aber schnell auf.

Mit 2, 3 Jahren kam er dann in den Kindergarten. Nach 8 Wochen wurde ich dann auf das fehlende Sprachverständnis angesprochen und auch das er nicht frei spielen kann. Er hatte keine eigenen Spielideen. Im kimdergarten ist er freundlich, aufgeschlossen und hat sich gut integriert. Er liebt seine erzieher, spielt mit ihnen, schläft und isst gut.

Beruflich habe ich gute Kontakte zu Ärzten und so begann der Untersuchungsmarathon. MRT, Langzeit eeg, blut, bera, augen alles in ordnung. Ich atmete auf und konfrontierte unsere kinderärztin mit den ergebnissen. Sie gab mir dann Verordnungen für die Ergo.

Stand nach 30 h Ergo und 4 Monate nach Beginn der Therapie:

Das Sprachverständnis ist explodiert. Er kann Aufforderungen verstehen und befolgen ( hol mir, bring mir,.zeig mir), er kann in Büchern zeigen, seine körperteile zeigen und versteht auch abstraktere Sachen. Wir sind wirklich baff. Die Sprachentwicklung hat eingesetzt. Er kann tiergeräusche zielsicher nachahmen und erste Wörter sprechen.. Er beantwortet wo und wie fragen mit sprache oder zeigen.Er imitiert morotisch nach nur wenigen Vormachen unserseits. Er schaukelt, klettert und rutsch. Er entwickelt eigene Spielideen, mit Mama spielen ist aber immernoch besser. Auch in der Kita fällt das alles auf.
Weiterhin ist auffällig, dass er sich schnell ablenken lässt. In lauten Umgebungen wirkt er manchmal orientierungslos und schwer ansprechbar und bleibt dann gerne in meiner Nähe. Manchmal habe ich das Gefühl, er muss seinen Fokus erst wieder auf mich richten. Dies tritt insbesondere in geschlossenen Räumen wie Indoorspielplätzen auf.

Nächste Woche sind wir beim Gesundheitsamt. Dann erfolgt die Untersuchung für den i platz in der Kita. Wir gehen noch zum reiten da er hypton ist und wenn er müde wird erschlafft gerne die mundmuskulatur und er sabbert.
Im Spz sind wir angemeldet. Aber das dauert.

Die Kinderärztin scheint überfordert. Die Ergotherapie tippt auf Wahrnehmungsstörungen und zeigte mir ihren entwicklungsbaum. Wir haben tolle therapeuten und erzieher die uns unterstützen. Jetzt brauchen wir noch einen Arzt der uns sagt was unser Herzchen hat.

Vielleicht habt ihr Ideen was es noch sein könnte.
Wir sind glücklich über die tollen Fortschritte und gehen jeden Weg mit unseren Junior.
Ich hoffe auf guten Erfahrungsaustausch.
Liebe Grüsse

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Andrea5
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Re: Sohn 3, entwicklungsverzögert ohne Diagnose

Beitragvon Andrea5 » 16.03.2019, 14:01

Hallo Mamaemiljan,,

erstmal herzlich willkommen hier im Form. Wünsche dir einen guten Austausch.

Welche Art Wahrnehmungsstörung meinen die Ergotherapeuten denn?

Meine beiden Kinder sind erwachsen bzw. im Teenageralter. Und die hatten bei ihrer motorischen Entwicklung her teilweise auch große Probleme. Jan sabberte auch sehr lange bis er knapp 3 Jahre war, hatte eine ganz schlechte Mundmotorik. Bei Ben erschlaffte auch schnell die Muskulatur. Er bekam damals von der Amtsärztin die Diagnose psychomotorische Entwicklungsverzögerung mit autistischen Zügen (seltsame Diagnose).

Und das Problem meiner Kinder kam es einige Jahre später. Jan war knapp 10 Jahre alt und Ben 4 Jahre. Beide bekamen gleichzeitig die Diagnose KISS-KIDD-Syndrom. Später kam bei Jan noch AVWS und Legasthenie dazu, bei Ben frühkindlicher Autismus. Wurde dein Sohn schon mal aufs KISS-Syndrom untersucht?


LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 14:05

Danke für die Willkommmensgrüsse :-)

Auf Kiss wurde er noch nicht untersucht, habe ich aber auf dem Schirm.

Unsere Ergotherapeutin vermutet eine Körperwarnehmungsstörung. Kinästethisch und vestibulär.
Eine gute sensorische Integration ist eine unabdingbare Lernvorraussetzung. Seit wir an dieser Arbeiten...krabbeln, schwere Sacheb tragen, massieren...also alles was sich besser spuren lässt, geht es enorm vora.

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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 14:10

In einer guten KJP waren wir auch :-) autismus habe/ hatte ich auf dem Schirm. Dort wurde eine spielbeobachtung gemacht und ich durfte fragebögen ausfüllen. Vorläufig wird autismus ausgeschlossen und zwar wegen:
-keine routinen, keine zwangshandlungen, keine stereotypen, nimmt gut Blickkontakt auf, imitiert jetzt motorisch und versteht rollenspiele, keine spezialinteressen, kein aufreihen von sachen, kein problem mit veränderungen,.keine aggressionen...er war und ist schon immer sehr freundlich ohne wutausbrüche...

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 16.03.2019, 14:41

Hallo,

keine routinen, keine zwangshandlungen, keine stereotypen, nimmt gut Blickkontakt auf, imitiert jetzt motorisch und versteht rollenspiele, keine spezialinteressen, kein aufreihen von sachen, kein problem mit veränderungen,.keine aggressionen...er war und ist schon immer sehr freundlich ohne wutausbrüche...
Das sind jetzt alles keine echten Ausschlussgründe für Autismus, und eine Autismusdiagnose ist auch keine Ausschlussdiagnose.
Aber wenn es bei Euch jetzt grade so zügig vorangeht, und ihr eine gute (!) Ergotherapeutin habt, die kompetent für Wahrnehmungsbesonderheiten ist, und wenn sonst kein Leidensdruck da ist, das Kind gut drauf ist, dann würde ich bei einem Kind mit grade drei Jahren noch gar nicht unbedingt eine medizinische Diagnostik anpeilen. Ich würde das zwar im Hinterkopf behalten (und im Zweifelsfall wegen der langen Wartezeiten rechtzeitig „auf Wiedervorlage“), aber erstmal auf die Ergo bauen.

Was für den Ausbau des Sprachverständnisses gut sein kann, und allgemein Kindern mit Wahrnehmungsbesonderheiten gut hilft, sind Techniken und Ansätze zur Strukturierung und Visualisierung. Die sind dann doch aus der Autismus-Ecke, helfen aber auch wahrnehmungsspeziellen nichtautistischen Kindern. Das wäre einmal der TEACCH-Ansatz (ich verlinke Dir nachher noch was), und dann der Ansatz aus der Unterstützten Kommunikation, dazu Buchtipp: Einander verstehen lernen. Ein Praxisbuch. Die Wahrnehmung ganzheitlich fördern kann man mit vielerlei Sacheb, aber das habt Ihr über die Ergo ja schon auf den Schirm. Wenn eine gute Logopädin zu finden ist, die auch aus dieser „Förderecke“ kommt, dann wäre das auch ganz gut.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 14:50

Hallo Engrid,
Danke für deine Nachricht. Habe schon viel von dir gelesen.
Leidensdruck haben wir tatsächlich nicht. Der kleine macht einfach Spass :-) was sind denn ausschlusskriterien für autismus? Den gängigen Klischees entpricht er jedenfalls nicht. Habe eben auch im autismusteil ausführlicher beschrieben...;-)

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Beitragvon Engrid » 16.03.2019, 15:03

Hallo Mama Emiljan,

Es GIBT keine einzelnen Ausschlusskriterien für Autismus. Autismus zeigt sich nach außen in Einschränkungen in der sozialen Interaktion und speziell der Kommunikation, und die Diagnostik verlangt normalerweise auch das Vorhandensein von repetitiven Vorlieben (sind zb oft Routinen, Stereotypien, oder monotone Beschäftigungen), oder Spezialinteressen. Wenn es gar keine kommunikative Einschränkung gibt, wird es kein Autismus sein können, aber alles andere ist so variabel in der individuellen Ausprägung, dass ich (und auch zb viele Autisten) einen Ausschluss deswegen nicht passend finde.

Hier noch den versprochenen Nachtrag zu TEACCH:
ein Youtube-Video, das das Konzept TEACCH auf kindlicher Ebene sehr gut erklärt, und auch gute Beispiele zeigt. https://m.youtube.com/watch?v=epwbddSPYKo
Das bekannteste und naheliegendste Beispiel sind Tages- und Wochenpläne, die für kleiner nichtlesende Kinder mit Bildsymbolen bestückt werden, und wahrnehmungsspeziellen Kindern die zeitliche Orientierung enorm erleichtern. Ein anderes Beispiel ist zb die Beschilderung von Schrankinhalten mit Bildsymbolen („Lego“, „Perlen“, „Spiele“, ...) oder die Markierung von Aufräumorten wie zb farbige Schuhabdrücke für die Stelle, wo die Schuhe hinzustellen sind. Das klingt erstmal alles banal, ist fürs Kind aber eine große Hilfe, Dinge selber tun zu können, und erleichtert den Umgang mit dem alltäglich einstürmenden Chaos fürs Kind sehr.

Leidensdruck haben wir tatsächlich nicht. Der kleine macht einfach Spass Smile
:icon_thumleft:
Dann seid Ihr doch auf einem guten Weg. Der Kleine ist richtig so, wie er ist. :wink:

Grüße
Engrid
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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 15:27

Ich habe zwar viel theoretisch gelesen aber frage jetzt mal dich als expertin. Das thema ist ja für mich noch neu :-). Was sind denn kommunikative und soziale beeinträchtigungen im autistischen spektrum.

Mein sohn trianguliert. Er zeigt und bringt mit dinge. Er zeigt mit dem Finger und möchte das ich auch schaue. Er lächelt wenn ich lächle. Und er hält sich an soziale regeln und versteht auch ein nein. Wenn er sich weh tut kommt er zu mir zum trösten usw.

Er antwortet mir soweit es sprachlich geht. Auch sinnbezogen...

Vielleicht hast du ja Beispiele oder eine genaue Definition?

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Beitragvon MamaEmiljan » 16.03.2019, 15:35

Ich kann ja mal einen Teil des Ados beschreiben.

Die Psychologin zeigte ihm einen frosch und fragte was das ist...er sagte qual und auf die frage wie der frosch macht, hüpfte er. Dann zeigte sie ihm ein Flugzeug...hier genau das gleich...was ist das. Er zeigte ihr unser imitierendes zeichen für Flugzeug ( sprachlich geht es nicht:-)). Dann sollte er so tun als ob er kerze auspustet. Hat er gemacht. Dann sollte er eine puppe füttern. Hat er gemacht. Und einen tisch decken. Hat er gemacht. Und so tun als ob er einen sandkuchen isst...

Ob das tatsächlich aussagekraftig ist oder der norm entspricht weiss ich nicht...so viele autismustests hatte ich noch nicht :-).
Der fragebogen war auch unauffällig und somit erreichte er nicht ansatzweise eine verdachtsdiagnose.
Aber im hinterkopf habe ich es natürlich...

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 16.03.2019, 16:33

Hallo,

Was sind denn kommunikative und soziale beeinträchtigungen im autistischen spektrum.
schau hier mal rein, unter „Was Autismus ist. In Kürze“: https://autismus-kultur.de
Das ist ganz gut erklärt, finde ich.

Wenn die Sprache jetzt so rasant kommt, und alles gut läuft, würde ich jetzt keine weitere Diagnostik anpeilen, nachdem was Du hier beschreibst. Dafür würde ich gucken, die Wahrnehmung und für die Sprachentwicklung die Kommunikation (insgesamt, nicht nur verbal) breit zu fördern.
Hypotonie scheint ja manchmal auch sehr viel Energie zu ziehen, vielleicht liegt da bei Euch der Hase im Pfeffer ... :wink:

Grüße
Engrid
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