Am Abend nervös und dünnhäutig

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Lisaneu
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Am Abend nervös und dünnhäutig

Beitragvon Lisaneu » 10.03.2019, 12:45

Hallo,

ich möchte mal was mit euch teilen, was mir schon einige Zeit am Herzen liegt. Tagsüber kommen wir mit unseren besondern Jungs meistens gut aus. Doch je später der Abend wird, desto nervöser und dünnhäutiger werde ICH im Umgang mit den Jungs. Leider benötigen beide nur sehr wenig Schlaf, was die Sache nicht gerade einfacher macht.

Wenn dann trotz 10maliger Aufforderung, Eintrag auf unserem Whiteboard, ausgiebigen vorangegangenen kuscheln und spielen meine Jungs nicht mal daran DENKEN, zum Zähen putzen zu gehen, zucke ich immer wieder mal aus :oops: ! Dann schimpfe ich, brülle rum, putze Kleinsohn gegen seinen Willen die Zähne (mit entsprechendem Kampf dabei) und habe gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil es wieder mal nicht friedlich geklappt hat.

Ich habe schon viel darüber nachgedacht, warum ich so reagiere, wo ich doch den ganzen Tag über meistens schaffe, gelassen und in meiner Mitte zu bleiben. Vermutlich ist abends einfach schon die ganze Energie raus und nach einem Tag, der um 6:00 morgens beginnt, bin ich einfach nur noch müde und grantig.

Kennt ihr das auch? Wie geht ihr damit um?
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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MamaMonika0912
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Beitragvon MamaMonika0912 » 10.03.2019, 12:54

Und wie ich das kenne. Das geht mir so oft genauso. Das einzige das bei mir an solchen Tagen hilft ist ab 19.30 Uhr an Papa übergeben und 30 Minuten nicht ansprechbar sein. Schwierig wird es vor allem dann, wenn mein Mann unangekündigt deutlich später nach Hause kommt. Dann habe ich mein Pulver verschossen und muss an nicht vorhandene Reserven gehen. Das endet leider häufiger unschön.

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 10.03.2019, 12:58

Hallo Lisa,
ja, genau das kenne ich auch :idea:
Es ist dann die eigene Überreizung ...
Ich versuche, von vorneherein mich in meinen Angeboten an die Kinder zu beschränken und viiiiel mehr Zeit für die Abendroutinen einzuplanen, also die Abendroutinen früher starten zu lassen.
Denn auch unsere reizoffenen Kids sind abend schon total überreizt und demenstprechend langsam und ablenkbar und gerade dieses Sich-indie Längeziehen" macht uns Mütter und Väter, die ihr letztes Minibisschen an Erholungszeit schwinden sehen, verständlicherweis grantig ...
Es ist ja nicht so, dass wir tagsüber wahnsinnig viel (oder übehaupt auch nur kleine?) Zeitinseln für uns hätten :evil: Wobei, auch die versuche ich mir mittlerweile zu nehmen, wo immer es geht ... Und wenn ich nur einen Artikel in einer Zeitung lese oder für zehn Minuten im Netz verschwinde. Aber immer unter Anspannung sein - von früh bis spät - das geht einfach nicht ... Auch wenn am Ende des Tage noch so viel Arbeit übrig ist und man gerne alles erledigt hätte ...
Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Kaati
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....

Beitragvon Kaati » 10.03.2019, 13:33

Oh ja ich bin auch bei euch :roll:

Leider ist auch meine Energie Abends oft sehr gering.
Vorallen dann wenn mein Sohn einen schwierigen Tag hatte und ich alles geben musste das wir den Tag unbeschadet überstehen...

Ich habe mit meinem Mann eine feste Abmachung. Am jedem Dienstag komme ich nach der Arbeit nicht nach Hause. Sondern da habe ich was vor.
Mein Rentnerpferd besuchen. Eine Freundin besuchen. Oder im Sommer spazieren gehen.

Das hilft mir sehr an anderen Abenden besser aufgestellt zu sein. Denn mein , , immer funktionieren fürs Kind , Rütmus ist unterbrochen.

Vlg Katrin
L. 2.4.13 Autismus Spektrum
Frühkindlicher Autist
________________________
Nicht alle Kinder lernen das Gleiche zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise
(Kath Walter)

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 10.03.2019, 13:37

Hallo Lisaneu,

ich kann mich auch mal wieder dazu setzen. :wink:
Abends ist der Ofen aus. Weil ich auch meist, wenn mein Mittags-Tief kommt, keine Pause habe.
Und rund 12 Stunden ununterbrochenes "zuständig sein" einfach zu viel sind.

Wir helfen uns, indem wir gerade das Zähneputzen völlig unpädagogisch vor dem Video im Bett mit elektrischer Zahnbürste machen.
Mir reicht gerade morgens und abends ein Minimum an Kooperation. Den Rest übernehme ich einfach.

Bezüglich Schlaf hat uns alle Melatonin zumindest phasenweise einigermaßen entstresst
Es gibt ein neues Medikament mit Zulassung speziell für autistische Kinder ab 2 Jahren.
Dann dauert zumindest das Einschlafen keine 2 Stunden mehr.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 10.03.2019, 15:09

Hallo,

ich bin abends tatsächlich viel entspannter, seitdem ich meine Auffassung von Feierabend umgedeutet habe. Reframing quasi. Ich fokussiere jetzt nicht mehr so auf „Kinder verräumt“, sondern jeder macht sein Ding, das „Draußen“ hat Pause, ... Junior hat seine Routinen, aber die sind alle entschleunigt (das geht, weil er selber jeweils auch auf die nachfolgenden Programmpunkte Wert legt, und die gehen halt nur, wenn man die davor nicht zu sehr ausdehnt. :mrgreen: Für dieses Prinzip brauchte es allerdings von meiner Seite bei Bedarf beinhartes Durchziehen von „Punkt xy fällt aus wegen keine Zeit mehr“, unbeeindruckt von drohenden Wutanfällen. Und genug angenehme Programmpunkte natürlich.  8)
Außerdem haben mein Mann und ich routinemäßig eingeführt, dass regelmäßig jeder von uns abends mal weg ist, das braucht es auch öfters. :wink:

Ich bewundere Euch alle sehr, die Ihr das nach einem langen (Erwerbs-)Arbeitstag noch schafft - ich trete ja schon länger arbeitstechnisch kürzer, sonst hätte ich die Nerven auch nicht :oops:

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon RikemitSohn » 10.03.2019, 16:16

Hallo,

ich kenne das auch. Da ich mit meinem Sohn von Anfang an alleine war und er sich so gut wie nicht alleine beschäftigen konnte, war ich Abends durch.
Mein Sohn brauchte und brauch auch sehr wenig Schlaf. Ich habe von Kleinkind an feste Zimmerzeiten gehabt, aber er musste nicht schlafen. Als er noch im Gitterbett lag, bekam er Spielsachen mit rein und durfte spielen bis er müde war. Später gab es ein Gitter an der Tür und irgendwann blieb er so im Zimmer. Mein Sohn braucht diese Zeit für sich auch um runterzufahren. Das hat die Situation immer gut entzerrt am Abend. Denn ihn zu bespaßen bis er wirklich schläft, hätte ich nicht geschafft. Als Mutter ist Frau keine Maschine.
Vielleicht wäre das für euch eine Idee.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

mel1220
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Beitragvon mel1220 » 10.03.2019, 16:59

Ohhh ja :wink:
Ich denke irgendwann ist einfach jeder Akku leer.
Uns hat es geholfen einen extrem getakteten Ablauf zu haben.
Ansonsten hat uns noch mehr geholfen nach 18.00 Uhr nicht nehr erziehen zu wollen. Da kommt nix mehr bei Junior an und es ging jedes mal in eine total falsche Richtung.
Diskussionen kosten mich mehr Kraft als Mann, Mann, Mann zu denken :lol:
Nach dem Abendessen und fertig machen im Bad bekommt Junior noch Spielezeit in seinem Zimmer. Dazu hört er ein Hörbuch mit seiner Alexa. Er stellt sich den vorgegebenen Timer. Danach handelt er immer nochmal 5 Minuten aus :wink:
Jeden Abend..
Es folgt flach liegen im Bett, nichmal Timer für die Geschichte. Abschließend wird noch 1 Lied ausgehandelt... Jeden Abend.
Wichtig ist uns dabei, dass er ja nicht gleich schlafen muss, vernünftiges ist aber um die Uhrzeit nicht mehr möglich und es gab immer nur Stress. So sitzt er (im übrigen tagsüber so undenkbar) in seinem Zimmer und spielt. Wir haben dann „Feierabend“, das weiss er auch. Bevor er ins Bett liegt gehen wir noch rein und sagen gute Nacht.
Zu 95% funktioniert es so super, ausser der Ablauf ist mal gestört.
Aber, lange Rede kurzer Sinn.... Abends kann und möchte ich dann irgendwann auch nicht mehr....

Liebe Grüße
Mel

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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 10.03.2019, 17:11

Hallo Lisaneu,,

da kann ich ein Lied von singen. Bei mir ist abends der Akku komplett alle. Ich stehe morgens zwischen 5 und 5:30 Uhr auf, sich fertigmachen, Ben wecken und fertigmachen. Anschließend Frühstück. Mein Mann steht auch auf, geht mit Ben Zähneputzen. Ich fahr anschließend zur Arbeit. Und von meinen Mann wird Ben dann in den Bus gesetzt. Bin dann frühen Nachmittag zu Hause. Dann wird gegessen. Und dann fängt die anstrengende Zeit an. Ständiger Lärm und Gepoltere von Ben. Der geht dann zwar längere Zeit in den Garten und schreit dann durch den Wald. Dann ist dann auch mal Pause. Aber abends sind mein Mann und ich komplett fertig mit Jack und Büx. Zum Glück ist das Schlafverhalten von Ben seit langer Zeit stabil. 8 bis 10 Stunden schläft er in einem Stück. Das bringt doch viel.


Wir nehmen uns unsere Auszeiten. Ich gehe einmal die Woche zum Sport, mein Mann 1x die Woche ins Fitnesstudio. Im April geht Ben 14 Tage auf Kurzzeitpflege, so können wir dann in Ruhe auch mal ein paar Tage wegfahren.


LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD) blockadefrei, Legasthenie mit kormobide AVWS
Ben 01/04 KISS(KIDD) blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis und
Sternenmama *1931 bis 09/2019

"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

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Annemaries Mama
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Beitragvon Annemaries Mama » 10.03.2019, 17:13

Hallo Lisa,

das kenne ich auch. Abgesehen davon, dass ich das dann auch deutlich kommuniziere, dass ich müde bin, erwarte ich von mir auch nicht, immer ruhig und gelassen zu sein. Wenn auf normale Lautstärke keine Reaktion kommt, wird es eben auch mal lauter. Komischerweise funktioniert es dann. So schlimm finde ich es nicht, mal einen Brüller loszulassen. Wir sind schließlich auch Menschen, die mal irgendwann genug haben.
LG Kerstin

mit Annemarie *2011 (ADS) und Konrad *2015


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