Am Abend nervös und dünnhäutig

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Lisa85
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Re: Am Abend nervös und dünnhäutig

Beitragvon Lisa85 » 23.03.2019, 22:13

Kenne ich auch nur zu gut. Uns hilft genug Zeit für die Abendroutine einzuplanen (2h). Ich nehme mir mindestens 1x, oft auch 2-3x abends Auszeit und gehe mit Freuden essen.
Lisa mit 2 Söhnen: E. (6/2015, gesund) und A. (11/2017, tuberöse Sklerose, Zystenniere --> "The TSC2/PKD1 contiguous gene Syndrome".

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Lisaneu
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Re: Am Abend nervös und dünnhäutig

Beitragvon Lisaneu » 24.03.2019, 09:02

Hallo Lisaneu,
einfach so als Gedanke, weil das bei uns - allerdings bei nicht-autistischen Kindern - abends wirklich Stress rausgenommen hat: Es gibt hier ein festes Abendritual mit evtl. Baden/Duschen, Zähne putzen etc. und Gute-Nacht-Geschichte. Danach ist Ruhe und wir Eltern haben "frei"! Das heißt nicht, dass unsere Kinder nach dem Abendritual unbedingt schlafen müssen, sondern sie dürfen noch ruhig in ihrem Zimmer spielen, wenn sie noch nicht müde sind (kommt inzwischen selten vor) oder meinen noch nicht müde zu sein. Es kommt ab und zu vor, dass ich bevor ich selbst ins Bett gehe, insbesondere bei der Tochter noch das Buch weglege und Licht ausmache. Diese Linie fahren wir schon seit Kleinkindalter (seit sie so ca. 2 Jahre alt war) und fahren damit sehr gut….
Dir gute Nerven!
Annika
Hallo Annika,

bei meinem älteren Sohn würde das (wäre er ein Einzelkind) vermutlich gut funktionieren. Und ein Abend-Ritual haben wir ja auch. Nur Gute-Nacht-Geschichte gibt es schon lange keine mehr. Alexander hält nicht genug Blickkontakt, dass ich ihm eine Geschichte gebärden könnte und der Bruder liest seine Comics zur guten Nacht längst selbst und will auch, seit er selbst lesen kann nicht mehr, dass ich ihm vorlese.

Leider ist unsere Wohn-Situation nicht so, dass meine Kinder in "ihrem" Zimmer noch viel spielen können. Das Kinderzimmer ist ziemlich klein und der obere Teil vom Hochbett wird nicht genutzt (weil niemand oben schlafen mag). Daher liegt unten noch eine Matratze am Boden, wo meistens ich schlafe und somit ist das kleine Zimmer "voll".

Aber abgesehen davon ist bei Alexander "nach dem Abendritual ist Ruhe, da haben die Eltern frei" absolut unmöglich. Er kann nicht alleine in einem Zimmer sein und muss beim einschlafen zumindest eine Hand (nicht die, seines Bruders) halten. Damit er allein in einem Zimmer bleibt, müsste man ihn dort einsperren, was für uns nicht in Frage kommt. Alexander schläft im Schlafzimmer beim Papa, ich auf der Matratze am Boden im Kinderzimmer beim Bruder. Eine bessere Lösung haben wir nicht. Wobei ich problemlos nebenbei einschlafen kann, wenn mein älterer Sohn Comics liest. Nur, dass er dann, wenn ich um 1h morgens aufs Klos muss, manchmal immer noch liest... :roll: .

Wegen Müdigkeit: meine Kinder haben beide sehr wenig Schlafbedürfnis. Beide kommen mit 8 bis 9 Stunden locker aus. Heute war Alexander z.B. um 6h45 von selbst wach, nachdem er gestern um 21h45 eingeschlafen ist. Sein Bruder ist gestern um 23h eingeschlafen und war um 7h wach. Ich selbst würde eigentlich auch 8 Stunden Schlaf brauchen, bekomme aber unter der Woche meistens nur 7 Stunden (wenn Alexander nicht gerade eine "aktive" Nacht hat und würde eigentlich gerne am Wochendende länger schlafen - zumindest bis 8h oder 8h30 - aber das ist leider nicht möglich. Wenn Alexander mal wach ist holt er mich aus dem Bett und fertig! Neben seinem lautieren wäre weiter schlafen ohnehin unmöglich.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Engrid
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Re: Am Abend nervös und dünnhäutig

Beitragvon Engrid » 24.03.2019, 09:26

Hallo,
Danach ist Ruhe und wir Eltern haben "frei"!
Solche „Ansagen“ würden beim Junior auch nicht funktionieren. Allgemein bei autistischen Kindern nicht als Lösung, wenn abends keine Ruhe aufkommt. Ist eigentlich auch klar: das Problem ist ja grade, dass sie sich unangenehm unstrukturiert und überreizt vom Tag fühlen. Da sich als Eltern rauszunehmen funktioniert nur, wenn das Kind andere Alternativen entwickeln kann. Die aufzubauen, bis das Kind erwachsen ist und ohne „Abendbegleitung“ (die enger oder lockerer ist, je nach Kind und Alter) klar kommt - ist der Job der Eltern, und der geht am Ende des Tages manchmal ganz schön an die Substanz ...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Am Abend nervös und dünnhäutig

Beitragvon Alexandra2014 » 24.03.2019, 11:56

Hallo!

Ich habe aufgegeben für den Abend Pläne zu machen oder irgendetwas zu erwarten. Es enttäuscht dann einfach auch zu sehr, wenn es nicht klappt, diese Unruhe spürt das Kind wieder und schon ist der Ofen ganz aus.
Bei uns endet der „aufregende“ Tag im Prinzip um 18 Uhr. Da sind wir Zuhause und es gibt Abendbrot. Bis 19 Uhr darf dann TV geschaut werden. Ab 19 Uhr ist Ruhe. Da kann sie noch etwas spielen oder wir spielen zusammen ein Spiel - alles in Ruhe.
Ab 19:30 Uhr geht es Waschen und Zähne putzen, Schlafi an und ab ins Bett - alles schon bei reduziertem Licht. Dort lese ich noch eine Geschichte und nach der Geschichte kraule ich sie quasi in den Schlaf. Dauert meist keine 5 Minuten (mit Melatonin :wink: ). Wenn ich aufstehe, dreht sie sich nochmal um und schläft dann weiter.
In 90% der Fälle steht sie exakt eine Stunde später wieder auf, kommt zu uns in Wohnzimmer, kuschelt sich auf‘s Sofa und schläft dort weiter, bis wir auch ins Bett gehen.
Anfangs haben wir viel ausprobiert, damit sie im eigenen Bett weiterschläft. Es gab aber nichts, das funktioniert hätte. Es war einfach am entspanntesten für alle, wenn wir sie einfach auf’s Sofa ließen. Man merkt, dass sie die Nähe als Rückversicherung braucht. Ich schlafe auch im Kinderzimmer, allerdings im eigenen Bett. Der Versuch, wieder ins Schlafzimmer zu ziehen, endete mit einem panischen Kind.

Seit dem ich mich mit den Gegebenheiten abgefunden habe, bin ich abends auch nicht mehr dünnhäutig. Kind schläft inzwischen von 20 Uhr bis 7 Uhr, am WE ab und zu auch mal bis 7:30 oder 8 Uhr, meist eben mit ein bis zwei kurzen Unterbrechungen.

Da wir auch ganz andere Nächte kennen, mit stundelangen Wachphasen und um 5 Uhr ausgeschlafen sein, abends nicht einschlafen können, außer mit stundenlangem Händchen halten und beim leisesten Knacks wieder wach werden, bin ich aktuell schon sehr zufrieden. Ich denke wir sind auf einem guten Weg. Zumindest sind wir zumeist alle ausgeschlafen... :)

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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