Akzeptanz durch Großeltern

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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Silke H-S
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Akzeptanz durch Großeltern

Beitragvon Silke H-S » 10.03.2019, 10:42

Hallo zusammen,
ich schreibe zu einem Thema, was uns traurig und auch hilflos macht. Wir haben 3 Kinder, der jüngste durch eine extreme Frühgeburt sozusagen "tiefbegabt" Für meine Schwiegereltern ist vor allem wichtig, mit ihren Enkelkindern "angeben" zu können, wichtig ist vor allem, das sie Abitur vorweisen können. Mein Mann war mit unserem Jüngsten nach Weihnachten paar Tage bei Ihnen und wurde gebeten, zeitiger nach Hause zu fahren. Wir wissen nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollen, sind verletzt, aber den Kontakt abzubrechen kann auch keine Lösung sein. Nun zur Frage, geht es noch jemand so, wie geht Ihr damit um?
P.S. Hilfe von Ihnen haben wir keine bekommen, auch als er Jüngste nach der Geburt 6 Monate im Krankenhaus lag und wir uns in dieser extremen Zeit ja auch noch um die anderen 2 kümmern mussten?
viele Grüße und allen einen schönen Sonntag
Silke

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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 10.03.2019, 12:24

Liebe Silke,

das was deine Schwiegereltern da gemacht haben finde ich echt traurig. Die sollten sich echt schämen. Ich habe zwar so etwas ähnliches erlebt allerdings mit einer anderen Familienangehörigen.
Da hatte ich auch immer gedacht, dass sie die Behinderung unseres jüngsten Kindes akzeptiert. Pustekuchen, die erwartete plötzlich von mir, dass ich mich noch mehr um unsere Ma kümmern sollte als bis da. 1x die Woche besuchen war zu wenig. Und wie ich das neben meiner Arbeit, Therapien- und Arztbesuche auf die Reihe bekomme wäre mein eigenes Problem. Ich machte es natürlich nicht, weil eh schon zu wenig Zeit für die eigene Familie da war und über meine eigene Zeit brauche ich nicht zu reden. Die Angehörige wußte das ich eh viel um die Ohren hatte mit unserem Kind. Das war ihr egal. Es endete mit einen Riesenkrach und seitdem ist auch kein Kontakt mehr.


Sei mal ganz lieb gedrückt. Du kannst höchstens versuchen mit deinem Mann zusammen mit den Schwiegereltern nochmals zu reden. Wenn das nicht fruchtet, dann muss man eben abwägen den Kontakt noch weiter einzuschränken oder ganz abzubrechen. Von meiner Seite her brauche ich solche Angehörigen nicht. Bei mir ist es aber auch eher so, dass das für mich eine übergriffiges Einmischung in mein Familienleben ist.

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 10.03.2019, 12:36

Ihr solltet euch klar sein, dass ihr von den Großeltern keinerlei Hilfe (in welcher Form auch immer) erwarten könnt. Wenn ihr das akzeptiert habt, könnt ihr in der Form weiter Kontakt haben (oder auch nicht) wie es für euch passt.

Wichtig ist, die eigene Erwartungshaltung (Was SOLLTEN eurer Ansicht nach die Großeltern für euch und ihre Enkel tun?) zu überdenken. Die Hintergründe für so ein ablehnendes Verhalten weiß man nicht - wenn es "nur" das Abitur wäre, was "zum angeben" für die Großeltern wichtig ist, dann hättet ihr JETZT vermutlich ja auch nicht mehr Hilfe.

Von meiner Schwiegermutter kam auch nie Hilfe, nur ungefragte Erziehungstipps betreffend unseren älteren Sohn und "Mitleid" und beklagen der Behinderung des jüngeren Sohnes. Einmal meinte sie, dass sie ja sooo darunter leidet, wie beeinträchtigt ihr Enkel ist. Das mag sogar stimmen, nur WIR haben (zumindest an ihrem Verhalten) nie was davon bemerkt. Vor drei Jahren wurde der Kontakt dann von IHR aus fadenscheinigen Gründen abgebrochen. Davor bestand er aus sehr kurzfristig angekündigten Kurzbesuchen (max. 30min) so alle 3-6 Monate, wo die Kinder NICHT zu Hause waren, und wo sie ein bisschen Naschsachen oder Spielzeug vorbeigebracht hat. Kurz gesagt, in der Praxis merken wir (was Hilfe bei bzw. mit den Kindern betrifft) keinen Unterschied zwischen vor und nach dem Kontaktabbruch.

Zum Schwiegervater (von der Schwiegermutter schon sehr lange geschieden) haben wir gar keinen Kontakt - der hat nicht mal abgesagt, als er trotz Einladung nicht zu unserer Hochzeit gekommen ist. Das einzige, was der in den 15 Jahren, wo wir zusammen sind, von meinem Mann wollte, war ein Erbschaftsverzicht (den mein Mann gutmütig unterschrieben hat).

Wir konzentrieren uns daher auf die Menschen, die uns ALLE so annehmen, wie wir sind, und denen wir wichtig sind (und umgekehrt). Zu meinen Eltern haben wir guten Kontakt, und wenn sie gesundheitlich in der Lage sind, springen sie - so weit das bei 140km Entfernung möglich ist - auch ein, wenn mal Not am Mann ist. Den Kleinen länger als 2 oder 3 Stunden zu betreuen oder über Nacht zu haben trauen sie sich nicht zu - aber das akzeptieren wir (wir wissen selbst, dass er alles andere als einfach ist).

Dann haben wir noch eine uralte Freundin von mir, die meinen Kindern eine liebevolle "Urli" ist, eine nettes Nachbarmädel, das gerne auch mal kurzfristig babysittet, und eine total liebe Betreuerin vom Diakoniewerk, die sich sehr liebevoll um unseren jüngeren Sohn kümmert. Klar bekommen Nachbarmädel und Betreuerin was bezahlt, aber dadurch ist ja noch lange nicht selbstverständlich, dass es mit der Hilfe auch wirklich klappt und vor allem für die Kinder "passt". Aber das ist bei uns der Fall. Daher richtet sich unser Fokus auf diese positiven Möglichkeiten und nicht auf die Familienmitglieder, wo wir genau wissen, dass weder Akzeptanz noch Interesse für die Enkelkinder da sind.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

PaulaW
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Beitragvon PaulaW » 10.03.2019, 12:39

Hallo Silke,

das ist wirklich traurig was Euch passiert ist. Ich fürchte hier können einige ein Lied davon singen, dass die Kinder "nicht gut genug" sind. In welcher Form auch immer.

Wir kennen das auch, allerdings leider in meiner Familie. Die meines Mannes nimmt ihn so wie er ist und das ist klasse.

Im allgemeinen halten wir es so: Wer uns guttut und uns nimmt wie wir sind bleibt, die anderen werden aussortiert oder haben sich sowieso nicht mehr gemeldet als klar war, dass wir manchmal etwas "schwierig" sind.

Bei Family ist das allerdings schwierig, wir haben den Kontakt (zu meiner Family) drastisch reduziert. Ich gehe auch manchmal alleine hin.

Herzliche Grüsse,
alles Gute

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Beitragvon Wendlas Zwillinge » 10.03.2019, 12:46

Wisst ihr denn, warum dein Mann mit Sohn eher abreisen sollte? Vielleicht sind sie ängstlich oder unsicher, was den Umgang mit dem Jüngsten betrifft? Nicht, dass das etwas entschuldigen würde, aber vielleicht könnten das eine Erklärung und ein Ansatzpunkt für eine mögliche Lösung sein?!
G. und K., Zwillingsjungs, geboren 2016 bei 28+1
G.: Z. n. Hirnblutung 1.-2. Grades, untergewichtig, motorisch entwicklungsverzögert, chronische obstruktive Bronchitis
K.: extrem infektanfällig, deswegen aktuell kein Kitabesuch möglich


Hier ist unsere Vorstellung: https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic132685.html

grace
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Beitragvon grace » 10.03.2019, 19:55

Gruselige Familienverhältnisse haben viele hier im Forum, oh Mann, ich kann das nur schwer nachvollziehen.

Den Kontakt abbrechen würde ich aber nicht, es sind und bleiben die Großeltern deiner Kinder auch wenn sie offensichtlich limitiert sind, versuche deswegen großzügig zu sein, Streit und Konflikte bringen niemanden etwa.

LG

Grace

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Beitragvon EvaHH » 11.03.2019, 09:38

Liebe Silke und alle anderen,

ja, die nette Familien immer wieder. Ich habe zum Glück nicht das Problem mit meinen Eltern (die Eltern von meinem Mann leben nicht mehr) aber mit meinem Bruder bzw. meiner Schwägerin.
Seitdem die verheiratet sind und Kinder haben, muss ich leider versuchen immer wieder, um unsere Nerven zu schonen, die zu meiden. Es fällt auch nicht schwer, da unsere Familie meine Schwägerin sowieso gar nicht interessiert, nur wenn die Betreuung für die Kinder brauchen.
Mein Bruder ist eigentlich ganz lieber, hat aber leider wohl nichts zu sagen.
Wir werden nicht zu den Kindergeburtstagen eingeladen. Auch nicht später wo die Familie zusammenkommt.
Ich denke man muss für sich entscheiden, wie man damit umgehen möchte. Ich habe für mich entschieden, dass man den Kontakt auf das Minimum begrenzen sollte. Das ist für uns das beste.
Auf ganz wird es wohl nie gehen, da wir uns zumindest bei den Geburtstagen meiner Eltern immer wieder sehen werden. Aber zweimal pro Jahr überlebt man:-)
Ich habe mich damit abgefunden. Es gibt halt solche und solche Menschen und man muss durch.
Es schmerzt bestimmt, weil es die Großeltern sind. aber vor allem ältere Menschen sind schwer zu ändern oder sogar gar nicht.
Vielleicht merken die etwas, wenn ihr den Kontakt begrenzt und fragen was los ist. Bei uns hat es leider gar nicht funktioniert. aber ist auch egal...
Sollen die in ihrer heilen Welt leben und glücklich werden. Meine Zeit und meine Nerven sind zu schade für solche Menschen...

Ich wünsche Euch alles Gute. Dass ihr hier auch einen guten Weg findet damit umzugehen.
Noch mehr würde ich euch wünschen, dass die Großeltern ihre Haltung ändern würden...
ich drücke Euch die Daumen

LG
Eva
Eva mit Sohn 2012 (MRD7 bei Mutation im DYRK1A-Gen, ASD II, Veränderung der weißen Substanz mit Hypomyelinisierung, ASS, expressive Sprachstörung,frühkindlicher Autismus...)

Chantal-Marie
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Beitragvon Chantal-Marie » 11.03.2019, 10:23

Meine Mutter hat unser Mädel nie akzeptiert. Sie machte mich sogar zur Schnecke als ich gewagt habe zu sagen dass wir Pflegegeld kriegen. Daran denke ich nur ungern zurück. Mein Mädel hat auch nie Oma zu ihr gesagt das war die Oma-Tante. Keine Ahnung wie sie darauf kam. Meine Schwiegermutter hatte auch so ihre Probleme aber sie hat es sich nie anmerken lassen. Das Mädel wurde von Anfang an gleich behandelt nur Babysitter hat sie am Anfang nicht gemacht. Je älter das Kind wurde desto lieber mochte meine Schwiegermutter unser Kind.

Nach zig Jahren habe ich den Kontakt zu meiner Mutter ( mein Vater starb wenige Jahre nach der Geburt unseres Kindes ) rigoros abgebrochen denn ich musste mich entscheiden. Entweder diese Frau aus meinem Leben zu verbannen oder kaputt zu gehen. Ich habe mich für ersteres entschieden und nie bereut denn das Leben war entschieden einfacher.

Was mich zutiefst verletzt hat war die Tatsache dass wir nach bekannt werden dass wir ein behindertes Kind bekommen haben sehr viele nahe Verwandte den Kontakt auf Eis gelegt haben. Wo wir vorher zu Geburtstagen und diversen Festen eingeladen wurden...........blieben die Einladungen aus aber niemand hatte es für nötig gehalten uns zu sagen warum. Ganz blöd bin ich ja nicht, mir war bald klar warum. Es hat seine Zeit gedauert um das zu verkraften aber dann habe ich mein Leben anders ausgerichtet und die Kontakte gepflegt die uns nicht als Aussätzige behandelt haben. Diese Menschen haben bis heute in meinem Leben keine Bedeutung mehr. Auf solche kann ich getrost verzichten. Unsere Kinder sind ja alle erwachsen und ich bin Oma, das zweite Enkelkind ist unterwegs. Das ist mir wichtig und sonst nichts mehr. Egal ob das meine Geschwister oder Schwager und Schwägerinnen sind. Bei eher zufälligen Treffen kommt ein kurzes Hallo und das wars.

Manchmal muss man einen harten Schnitt machen um nicht verrückt zu werden. Wichtig ist nur die eigene Familie, das außen rum..........wer nicht will der hat schon. In diesem Sinne, mach das was du für richtig hälst.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 11.03.2019, 10:53

ja nicht um sonnst gibt es ein Sprichwort das ungefähr so geht:"Familie hat mann, Freunde darf man sich aussuchen"
da steckt leider viel Wahrheit drinnen. Mich hat das auch sehr getroffen und so gaaaaanz tief im innersten trifft mich es auch heut noch, das Schwiegereltern unsere behinderten Pflegekinder und auch damals unser Adoptivkind mit Behinderung nie akzeptiert haben.
Ganz abgebrochen haben wir den Kontakt zwar nicht, aber ich lasse mich da nicht mehr sehen. Mein Mann und und mine leiblichen Kinder (erwachsen) lassen sich der Form halber zu bestimmten Anlässen kurz sehen und das wars,
traurig aber wahr.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Bika
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Beitragvon Bika » 11.03.2019, 11:33

Hallo liebe Silke,

Das muss unendlich schmerzhaft sein.
Habt ihr mit deinen Schwiegereltern offen darüber gesprochen, wie sehr euch deren ablehnende Haltung verletzt?

Nicht alle Menschen sind großerherzig, offen, unvoreingenommen und frei von dem Bedürfnis, sich nach außen hin zu profilieren.
Manchmal kann mehr Nähe entsehen, wenn man versucht zu ergründen, warum diese Menschen sich so verhalten.
Das kostet aber viel Energie und Geduld und ist, so finde ich, von belasteten Eltern wie ihr es seid, nicht zu erwarten.

Du hättest daher jedes Recht zu sagen,
„uns tut dieser Kontakt nicht gut, wir werden ihn aktiv nicht mehr pflegen“.

Es ist auch für dein Kind kein Verlust, wenn der Kontakt zu Großeltern, die mit unterschwelliger Aversion reagieren, wegbricht.
Je nach Ausprägung des großelterlichen Verhaltens, kann es sogar für das Kindeswohl besser sein.

Ich kann nur aus meiner Warte berichten, dass ich schon Kontakte abgebrochen habe, bzw. nicht aktiv pflege, nur weil ich spüre, dass mein ASS-Sohn nicht vollständig akzeptiert wird.
Darauf reagiere ich sehr empfindlich und es tut uns als Familie nicht gut.

Bedingungslose Liebe scheint für viele Menschen nicht selbstvertändlich möglich zu sein.
Wenn ihre Unfähigkeit andere verletzt, wirken sie toxisch und man sollte Abstand halten.

LG


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