Mit fast 2 Jahren keine Sprache - weitere Diagnostik?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Stina2004
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Mit fast 2 Jahren keine Sprache - weitere Diagnostik?

Beitragvon Stina2004 » 09.01.2019, 22:46

Hallo,
ich bräuchte mal ein paar Erfahrungswerte.

Der Rahmen:
Kind wird in wenigen Wochen 2, ehemaliges Frühchen der 33. SSW, keine neurologischen Komplikationen.
Motorische Entwicklung im ersten Lebensjahr wegen deutlicher Hypotonie verzögert, konnte letztlich mit 16 Monaten frei und sicher laufen. Lautieren immer schon eher wenig, aber lt. KiA/SPZ noch im Rahmen. Hat eine schwere Schlafstörung, Schlaf-/ Wach-EEG jedoch ohne Befund. Konnte/ Kann schon immer schlecht Blickkontakt halten, Kontaktaufnahme aber problemlos und uneingeschränkt möglich.
Bisher 3 Hörtests inkl. Neugeborenenscreening ohne Befund, reagiert auch auf Ansprache, hört gerne Musik, versteht einfache Aufforderungen und kann 4 Farben sicher auf Aufforderung zuordnen. Besucht seit dem 18. LM eine Krippe.Bekommt seit 1 Jahr FF.
Isst alle Konsistenzen, speichelt nur bei hoher Konzentration, normaler Mundschluss.

Zu unserem Problem- das Kind spricht nicht ein Wort, wirklich nichts, kein Mama, kein Papa,das höchste der Gefühle ist gaga. Er lautiert allerdings, das hört sich häufig wie eine Sprache an, die nur aus Konsonanten besteht. Er quatscht so auch alle möglichen Leute an, an Selbstbewusstsein scheint es also nicht zu mangeln. Es werden auch keine anderen Silbenketten gebildet. Hat jemand ein Kind, dass sich trotzdem noch irgendwann zum sprechen bequemt hat? Wir haben demnächst nochmals einen Termin für einen Hörtest in der Pädaudiologie, aber wäre hier nicht zumindest die Basisdiagnostik beim Logopäden zusätzlich sinnvoll?
In der FF wurde ihm GUK angeboten, die wir dann auch zuhause umgesetzt haben, da hat er aber leider null Interesse. Er wurschtelt sich bis jetzt durch zeigen und Gestik durch.

Vielen Dank für die Hilfe!
Viele Grüße
Stina
Selbstbetroffen mit EDS, Z.n. Mediainfarkt, Hashimoto und Frühstarter *2017

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Beate139
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Beitragvon Beate139 » 10.01.2019, 05:34

Hallo Stina,

mein Sohn hat erst mit 5 Jahren das erste Wort (Mama) sagen können. Er ist mit 3 Jahren in einen Kindergarten mit Frühförderung gekommen und ich habe mit ihm 2 mal die Woche Logopädie und einmal die Woche Ergotherapie gemacht. Weil er mit 7 Jahren gerade mal 5 Wörter sprechen konnte, ist er nach dem Kindergarten in ein Sprachheilinternat gekommen.
Er ist jetzt 17, er kann sprechen, wenn auch seine Sprache sehr verwaschen ist und ihm immer mal Wörter fehlen. Bei langen Sätzen hat er Probleme, sodaß er fast auschliesslich kurze knappe Sätze benutzt.
Aber ich bin sehr stolz darauf, das er neben dem sprechen auch lesen, schreiben und rechnen gelernt hat. Das Sprachheilinternat war hierfür maßgeblich beteiligt und auch wenn es mir damals schwer gefallen ist, meinen kleinen Knirps für eine so lange Zeit woanders zu lassen, so hat ihn das ein großes Stück weiter gebracht.
Es ist bei deinem Kind also noch alles aufholbar

Stina2004
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Beitragvon Stina2004 » 10.01.2019, 07:48

Herzlichen Dank, das macht dann doch ein wenig Mut.
Seid ihr mit 3 dann in die spezielle Sprachförderung eingestiegen oder habt Ihr auch schon vorher was gemacht?
Viele Grüße
Stina
Selbstbetroffen mit EDS, Z.n. Mediainfarkt, Hashimoto und Frühstarter *2017

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 10.01.2019, 09:21

Hallo Stina,
unsere Situation bzw. die Ursache ist etwas anders, siehe Signatur.
Aber ich wollte den Hinweis auf verbale Dyspraxie geben. Die könnte auch gegeben sein, wenn die typischen Hinweise fehlen, also das Kind gar nicht (bei uns Apraxie) bzw. sehr wenig spricht.
Bene kann immer noch kein Wort sprechen, hat aber Schriftsprache mit einer verblüffend guten Rechtschreibung entwickelt. Kommunikation als solches ist - autismusbedingt - natürlich anders bzw. eingeschränkt. Gebärden klappten aus den selben Gründen nicht, warum er nicht spricht. Dabei ist die Grobmotorik normal und die Feinmotorik auch nicht sooo eingeschränkt. MRT ist übrigens tiptop bei uns. Also, er hat keine sichtbaren neurologischen Schäden im Sprachzentrum. Und er hatte die Probleme auch schon als das EEG nun minimal unaufällig bzw ganz unauffällig war.

Meine Empfehlung: Sucht euch eine Logopädin, die (auch) auf VED (verbale Dyspraxie) spezialisiert ist, damit da nichts übersehen wird.
Ich verlinke gleich nochmal ein Buch, dass eine super Einführung in die UK ist (auch wenn das Kind nicht autistisch ist)... UK schadet jan überhaupt nicht und das Kind verliert den Spaß an der Kommunikation nicht ....

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 10.01.2019, 09:48

Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 10.01.2019, 10:00

Mein gehörloser Sohn ist außerdem Autist. Er hat auch in seiner Erstsprache ÖGS (Österreichische Gebärdensprache) sehr spät zu sprechen begonnen. Mit 18 Monaten war die erste Einzelgebärde (Licht an / Licht aus), dann wieder 6 Monate nichts. Mama als 2. gebärdet mit 2 Jahren, dann langsam mehr, erst mal so 5 neue Gebärden pro Monat, später noch schneller. Passiv hat er immer schon viel in ÖGS verstanden - sofern er hingeschaut hat :roll: ..

Mittlerweile ist er 6 Jahre alt und kann sich in ÖGS in einfachen Sätzen verständigen wenn ER will. Also heute früh z.B. "Ich mag nicht in den Bus! Die Schule ist heute geschlossen!" (was natürlich nicht stimmt und er ist sehr wohl hingefahren)

Dafür kann Alexander mit ziemlich guter Rechtschreibung schreiben, sowohl händisch als auch auf dem PC. So seltsam es erscheinen mag, er hat für Wörter ein gutes Gefühl und Gedächtnis. Seinen Namen könnte er schon mit 3 Jahren und 3 Monaten auswendig schreiben und erkennen. Damals "sprach" er nur selten und in 1-Wort-Gebärden.

Bei einem gerade mal 2jährigen Kind kann man nicht seriös sagen, wie es sich sprachlich entwickeln wird. Auch für Mutmaßungen müsste man die Ursache des nicht-sprechen kennen. Der Sohn einer Freundin hat bis 3 Jahre gar nicht gesprochen und dann nur 1-Wort-Sätze. Mit 4 Jahren kam er in den Kindergarten und dort hat er binnen 3 Monaten komplett korrekt sprechen gelernt.

Ich habe schon einige Kinder kennengelernt, die erst spät zu sprechen begonnen haben und es einwandfrei erlernt haben. Mehr, als jene, die es nicht gelernt haben :wink: . Hier das Forum ist vielleicht nicht so ideal für Fragen, weil die Eltern, wo sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat, hier nicht mehr schreiben.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

finnja
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Beitragvon finnja » 10.01.2019, 10:32

Hi Stina,

unser Sohn war auch ein bisschen zu früh, hypoton und ist mit genau 16 Monaten frei (und das noch nicht sicher) gelaufen; hat die ersten drei Jahre keine einzige Nacht durchgeschlafen.
Sehr spät gesprochen, hat auch nicht alles gegessen, im Kleinkindalter wurde mehrmals über ihn gesagt, er sei am Rande der GB (ein Arzt wegen der Chromosomenstörung, Sprachheilzentrum wegen verweigertem Test,Erzieherin wegen Feinmotorik und daraus nicht altersgemäßem Malen)....

HEUTE:
nichtbarrierefreier IQ-Test mit einem Ergebnis von 96, ihm wird ein außergewöhnlich großer Wortschatz nachgesagt und die Logopädin meinte vor kurzem, sie hätte bei ihm mehrere Sprachtests (hatten wir wegen einer anderen Geschichte) gemacht und noch nie in ihrer Karriere so gute Ergebnisse erzielt.

Er braucht aber immer noch regelmäßig Logo, jedes Aussetzen merken wir, dann wird alles sehr, sehr verwaschen (ist ihm auch klar, nur kommt uns gerade die Pupertät in die Quere), Sprechen scheint sehr anstrengend für ihn zu sein, er verkürzt gerne Sätze und spricht generell nur das Notwendigste. (was aber auch bedeuten kann, dass er ohne Punkt und Komma über etwas, das ihn bewegt referiert oder mal einen Tag so gut wie nichts sagt)

Wir waren auch schon sehr früh bei der FF und natürlich liefen laufend Hörtests, Logopädie kam schon nach der Geburt wegen einer Futterstörung ins Boot...
PT hat ihre Sprachbehinderung aufgrund ihres IQs und Gedächtnisses, aber auch sie kann sich einigermaßen verständlich machen (wenn man sie kennt).

Jedes Kind ist ein kleines Überraschungspaket und mehr als fördern geht nicht.

In unserer Logopraxis arbeiten mehrere Logopäden zusammen, die sich im Zweifel auch mal austauschen oder über die Schulter schauen, was ganz gut ist, zur Beruhigung oder aber auch um neue Richtungen einzuschlagen.

Dyspraxie im Kopf zu behalten ist auch sehr sinnvoll, die zieht sich bei uns in allen Bereichen durch (auch sprachlich).

PS war ein Sprachförderkind, war auch in der Sprachheilschule und gilt inzwischen als sprachlich nicht mehr aufällig. Er war aber kein Late-Talker, bei ihm waren es mehr psychische Geschichten und mangelnde Förderung.

Übrigens: Sich ein bisschen in das Thema Umgang mit autistischen Menschen reinzuknien schadet wirklich nie, ich habe schon vieles bei meinen Kindern positiv nutzen können (gerade im Bereich Kommunikation und Struktur)

Nach 12 Jahren hat sich herausgestellt, dass die Hypotonie ein bleibendes Thema ist und wir da immer dran bleiben müssen.

LG, Finnja
Sohn 06 ,SBA seit 06 mit 100 GdB und PS II (die nicht seit 06), Mutation, mit Auswirkungen in allen möglichen Bereichen,
PS 06, AVWS, V.a. FAS(D)
PT 07, FAS mit gB, lebt inzwischen in einer Einrichtung
LT 12, so normal, wie bei uns als Eltern möglich ;-)

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Beitragvon Engrid » 10.01.2019, 12:11

Hallo,
zum sprechen bequemt
Es ist nur eine Formulierung, aber sie drückt doch etwas aus, was leider noch viel zu verbreitet ist, auch bei Fachleuten: dass Kinder zu faul zum Sprechen(lernen) wären und es deshalb nicht tun. Das stimmt nicht, Sprechen ist ja weit überwiegend die einfachste und erfolgreichste Form von Kommunikation.
Ich schreibe das deshalb, weil diese Idee vom „sprechfaul sein“ oft im Schluss auch heißt, dass dem Kind nicht oder jedenfalls nicht umfänglich genug alternative Kommunikation angeboten wird.
Wenn es wirklich nur ein Spätstarter ist, dann macht das vielleicht nicht viel, wenn es aber an anderen Gründen liegt (Autismus und Dyspraxie sind so Beispiele), dann ist das ziemlich ungünstig.
Kommunikation ist so ein zentraler Punkt der kindlichen Entwicklung.

Ich würde also dran bleiben, tust Du ja eh, und auch die Gebärden beibehalten (auch wenn er scheinbar nicht drauf einsteigt), und auch Bilder/Bildkarten dazunehmen - das schadet definitiv nicht, und das wenigste, was er davon hat, ist dass er sich JETZT leichter tut damit, sich mitzuteilen.

Es gibt beide Extreme, und viel dazwischen: Ich kenne Kinder, die extrem spät das Sprechen angefangen haben und alles komplett ohne spezielle Förderung aufgeholt haben, und ich kenne Kinder, die nur in die Sprache gekommen sind, weil mit viel Fachverstand und sehr spezifisch nachgeholfen wurde.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon LasseUndJohannes » 10.01.2019, 13:08

Hi,
Ich greife die ursprüngliche Frage hier nochmal auf. Wenn man die Ursache kennt ... Aber wie finde ich die Ursache heraus? Muss man ganz viele Ärzte und Logopäden besuchen? Ist es notwendig, die genaue Ursache mit zwei oder wie bei uns mit vier zu kennen? Oder "reicht" fördern und ausprobieren von UK?
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

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jonasb
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Beitragvon jonasb » 10.01.2019, 13:15

Hallo,
wenn ein Kind mit 2 Jahren noch nicht spricht, ist das nicht Patologisch. Es gibt gesunde Kinder, die sprechen erst mit 3 oder sogar 4.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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