Erziehungsschwierigkeiten und die Sicht der 'anderen'

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 05.01.2019, 21:05

Hallo Lissy_s,

wir hatten in dem Alter den ersten Versuch eines Wochenplanes.
Ich hatte nur die falsche Erwartungshaltung, was die Nutzung anging.
Ganz wichtig ist, die Motivation nicht zu verlieren. Das Umfeld ist das Vorbild. Es kann Wochen oder Monate dauern, bis die Kinder sich aktiv an der Kommunikation beteiligen.
Auch Bildkarten muss man so gestalten, dass man sie selber in allen möglichen und unmöglichen Situationen nutzt.

In der Rückschau ärgere ich mich z.B. nicht die wichtigsten Lebensmittel am Kühlschrank genutzt zu haben.
Vielleicht erst mal nur 2 bis 3 Lieblingslebensmittel.

Tagesplan lief und läuft bei uns nur über spezielle Programmpunkte.
Am Anfang hatten wir noch Mittagessen bzw. Mittagsschlaf zur zeitlichen Orientierung drin ansonsten nur Fotos von speziellen Orten und Personen, teilweise mit dem Verkehrsmittel.

"Nein" ist bei allen Menschen schwierig. :wink:
In der "Trotzphase" ist das noch mal schwieriger. Die Trotzphase hat mit der Erkenntnis zu tun, dass man ein eigenständiges Wesen mit einem eigenen Willen ist. Grundsätzlich ist das ja eine wünschenswerte Entwicklung, aber gerade für unsere besonderen Kinder noch mal schwieriger. :wink:
Hilfreich ist es generell, dem Kind möglichst viel eigenen Entscheidungsspielraum zu lassen.
Wichtig ist auch, das Tempo aus der Kommunikation zu nehmen. Es dauert länger, ein trotziges Kind aus dem Haus zu bugsieren, als sich die Zeit und Ruhe zu nehmen, das Kommunikationsproblem zu lösen.

Vielleicht ist sonst das Flip Kommunikations-Buch noch eine Inspiration http://www.ukcouch.de/?page_id=12048
Wir haben für unterwegs sonst einfache Karabiner Haken mit 5x5 cm laminierten Bildern.

Vielleicht wäre auch eine UK Beratung schon sinnvoll. Möglicherweise kommt auch schon ein Talker in Frage.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Callalina
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Beitragvon Callalina » 05.01.2019, 21:14

Hallo,
ich kann dir sehr gut nachfühlen wie es dir geht. Hatten diese Probleme sehr extrem, über 2 Jahre.
Jetzt im Nachhinein kann ich sagen es lag an der fehlenden Sprache (Sprachverständnis sehr gut - doch das weiß ich auch erst seitdem sie spricht) und fehlendem Schmerz empfinden. Da sie selber keine Schmerzen spürte, merkte sie gar nicht wie weh uns das beißen, hauen, zwicken, Haare ausreißen tat.
Ich war auch total verzweifelt, da man mit normaler Erziehung nicht weiter kam.
Hatten zudem noch andere Baustellen. Es durfte kein Telefon klingeln, kein Besuch kommen, auch nicht in die Öffentlichkeit gehen wo viele Leute waren.
Hab mich dann hier angemeldet und auch die Baustellen gegoogelt.
Was bei uns geholfen hat....
Waren bei einem Chiropraktiker der einige Blockaden löste. Von da an spürte sie Schmerzen und war nicht mehr grob zu uns oder im Kiga.
Wechselten das SPZ und bekamen da endlich Logo verordnet. Auch eine Sprachheilreha wurde empfohlen. Das machten wir 2017 und im Sommer 2019 geht es auf zur 2. Sprache ist da, nur noch etwas verwaschen...
Sehr wichtig ist auch bei uns (wie die Vorrednerinnen schon schrieben) sehr konsequent und streng sein und dass alle die mit ihr zu tun haben (Kiga, Babysitterin, Eltern) die gleiche Schiene fahren.
Das war ein langer Prozess, der auch viel Nerven, Haare, Möbel etc. kostete, doch es lohnte sich.

Mittlerweile reagiert sie bei einem Nein mit Bitten, Flehen, Küsschen geben. Hilft das nicht folgt tränenreiches weinen ohne dass jemand angegriffen wird oder etwas zerstört wird.

Wollte dir damit einfach Mut machen und dir zeigen, dass du mit diesem Problem nicht alleine bist.
Vergiss es, mit Verwandten oder Bekannten über dieses Problem zu sprechen. Da wird dir nur grundlos der Schwarze Peter zugeschoben und du fühlst dich einfach nur schlecht. Es ist sinnlos mit Leuten über diese Thematik zu sprechen, die das nicht selbst erlebt haben.

Höre auf dein Bauchgefühl, das ist ganz wichtig :)

LG Callalina
7/12, Mikrodeletion 2p25.3, VED, entwicklungsverzögert, bald Prismenbrillen Trägerin, Kiss-Kidd Syndrom behandelt - endlich beschwerdefrei
"Jedes Kind ist etwas besonderes. Kinder sind wie Schmetterlinge im Wind... Manche fliegen höher als andere, doch alle fliegen so gut sie können. Jeder ist etwas besonderes. JEDER IST WUNDERBAR"

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Jakob05
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Beitragvon Jakob05 » 15.01.2019, 14:47

Hallo Lissy, zu all den anderen tollen Tipps, kann ich dir raten einen Satz Sanduhren zu besorgen zu verschiedenen Zeitstrecken in verschiedenen Farben. Das gibt dir die Möglichkeit die Aussage "Gleich oder später", die im Alltag ja doch oft gebraucht werden, konkreter auch für 2jährige zu bezeichnen. Meinem Grossen hat es ungemein geholfen. solche schwammigen Begriffe exakt beobachten zu können. Später hiess es dann: "Wenn der große Zeiger auf der xx ist" und er hat solange die Uhr angestarrt, bis es soweit war.
Unsere Kinder erleben im Laufe des Tages viele solche Unsicherheiten, die sie verwirren und aufregen. Wie würde es Dir gehen, wenn du in einer fremdem Kultur ohne Sprache die Abläufe verstehen müsstest, die allen anderen schon seit Geburt bekannt sind. Jede Situation, die man in eine konkret fassbare Form bringen kann, erleichtert Ihnen das Leben UND gibt ihnen Halt. Nach und Nach hilft das Aggressionen und Stress abzubauen. Schwierig wird es nur, die für jedes Kind UND jede Situation geeigneten Hilfen einzusetzen. Vieles muss im jeweiligen Moment frei erfunden werden, da man - wie du richtig anmerkst - nicht immer alle Hilfsmittel bei sich haben kann.
Was macht dein Zwerg denn gerne und kann er gut ? Da lässt sich ansetzen. Sicher kann er einiges, was sich als Rituale zu speziellen Situationen nutzen lässt, z.B. zeigst du ihm das Symbol für Einkaufen und er holt den Korb. Diese Möglichkeiten selbst zu bestimmen und konkret helfen zu können, machen Kinder stolz und stabilisieren sie so. Zeig ihm, dass Du seine Hilfe brauchst, auch das gibt Selbstbewusstsein. Mir sind z.B. beim Wäsche aufhängen, regelmässig alle Wäscheklammern runtergefallen und ich hätte ohne seine Hilfe NIEMALS Wäsche aufhängen können !!!! :wink:
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)


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